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17.1.2012 - IPPNW-Presseinformation
vom 17.1.2012 -
Debatte um Syrien-Aufruf
- Medien müssen über westliche
Doppelmoral aufklären
-
Die ärztliche Friedensorganisation
IPPNW kritisiert die öffentliche
Debatte um den Aufruf gegen
Kriegsvorbereitungen und
Embargo Syriens und des
Irans als Medienkampagne
gegen Teile der Friedensbewegung.
„Keiner der Unterzeichner
des Aufrufs verteidigt die
brutale Gewalt des syrischen
Präsidenten gegen sein eigenes
Volk. Ziel des Aufrufs ist
allein, vor der drohenden
Kriegsgefahr für die Bürger
im Syrien und im Iran durch
eine Eskalation der Konflikte
aufgrund der Embargopolitik
und permanenter Kriegsdrohungen
zu warnen“, erklärt der
IPPNW-Vorsitzende Matthias
Jochheim.
Kriegerische Interventionen
sind kein Mittel zur Verteidigung
der Menschenrechte. Ihre
Opfer sind im Gegenteil
in der Mehrzahl Zivilisten,
deren Leben zu verteidigen,
nur vorgeblich Ziel dieser
Interventionen ist. Der
Krieg gegen Libyen hatte
nach Angaben der Rebellen
etwa 50.000 Tote, zahllose
Verletzte und Vertriebene
sowie eine große Zerstörung
von Infrastruktur zur Folge.
Verhaftungen und Verhöre
ohne Prozess und Rechtssicherheiten
und unter Folter sind ebenso
zu verurteilen, wenn sie
sich im Iran, Syrien oder
in Guantanamo ereignen.
Auch die „gezielte Tötung“
von Wissenschaftlern und
Politikern ist mit dem Völkerrecht
unvereinbar. Die Androhung
von Gewalt gemäß Artikel
2 (4) der UN-Charta ist
genauso verboten wie
die Anwendung von Gewalt.
Auf diese Doppelmoral der
westlichen Staatengemeinschaft
im Umgang mit ungeliebten
Regimen weist die Friedensbewegung
hin. Große Teile der Medien
kommen dieser Aufgabe nur
unzureichend nach.
Erklärung von IPPNW-Beirat
Prof. Dr. Norman Paech zum
Leitartikel „Syrien und
den Linken Damals wie heute“
von Christian Bommarius,
Frankfurter Rundschau und
Berliner Zeitung vom 14.
Januar 2012:
http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=11918
„Kein Krieg
um Iran! Die Waffen nieder
– Friedenspolitik beginnen!“,
Text von IPPNW-Beirat Andreas
Buro
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/Kein_Krieg_um_Iran_buro.pdf
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www.ippnw.de
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entwickeln, dann ist
dein Leben nicht
sicher.« Rick
Santorum,
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Präsidentschaftsbewerber
der US-amerikanischen
Republikaner, 12.
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Koch und Niema Movassat gilt meine aufrechte
Hochachtung wegen ihrer heutigen persönlichen
Erklärung nach § 31 der Geschäftsordnung des
Deutschen Bundestages zur Abstimmung über den
Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN "Menschenrechtslage im
Iran verbessern" (BT-Drs. 17/4011) (1):
„Neben dem
kritikwürdigen Vorgehen der Oppositionsparteien
SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die erst einen
gemeinsamen Antrag mit der Fraktion DIE LINKE
vorbereitet haben, und dann den Regierungsantrag
mitgezeichnet haben, lehnen wir den o.g. Antrag
aus folgenden Gründen ab:
DIE LINKE hat sich
bereits in den Beratungen mit der SPD und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für den Fall Ashtiani
eingesetzt und die Verurteilung der Todesstrafe
weltweit gefordert. Wir wollen ein starkes
Zeichen setzen, um das Leben von Sakine Ashtiani
zu schützen. Diese wichtigen zwei Forderungen
werden in dem Antrag der vier Fraktionen
konterkariert. Der Fall Ashtiani kommt nur als
eine kleine Randbemerkung vor. Die weltweite
Abschaffung der Todesstrafe bleibt gänzlich
unerwähnt. Das zeigt, dass es CDU/CSU, SPD, FDP
und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nicht ernsthaft um das
Leben von Frau Ashtiani geht.
Der Antrag
"Menschenrechtslage im Iran verbessern" steht im
Kontext der geopolitischen Eskalationsstrategie
gegen den Iran. Der Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP
und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN missbraucht den Fall
der zum Tode verurteilten Iranerin Ashtiani zu
einer willkürlichen und in Teilen auch
unseriösen Ansammlung von Vorwürfen gegen den
Iran insgesamt. Unseriös ist dabei vor allem der
wiederholte Bezug auf den Präsidenten
Ahmadinedschad als Hauptverantwortlichen für die
Menschenrechtsverletzungen. Diese gab es schon
vor der jetzigen Regierung, auch ohne
Ahmadinedschad. Die Kontinuität der
Menschenrechtslage wird somit aufgrund
geopolitischer Interessen bewusst ausgeblendet.
Wir lehnen den
Antrag ab, weil er sich für Sanktionen
ausspricht und dabei lediglich fordert, dass
diese "in erster Linie das Regime und nicht die
Bevölkerung des Landes treffen" sollen. Dass
dies strukturell und praktisch unmöglich ist,
ist spätestens seit den Sanktionen gegen den
Irak bekannt, womit diese Forderung die
geostrategische Motivation hinter diesem
"Menschenrechtsantrag" weiter entlarvt.
Wir lehnen
Forderungen nach Sanktionen im Falle des Iran
grundsätzlich ab. Ohnehin geht es beispielsweise
bei den EU-Sanktionen nicht um die Durchsetzung
von Menschenrechten, sondern erklärtermaßen
einzig und allein darum, Druck im Zusammenhang
mit dem (zivilen) Atomprogramm auszuüben. Iran
hat allerdings nicht gegen den
Atomwaffensperrvertrag verstoßen, weshalb es
auch in dieser Hinsicht keine Grundlage für
Sanktionen gibt.
Anstatt sich seriös
für das Leben der Iranerin Ashtiani einzusetzen,
werden Menschenrechte wieder einmal als
Einfallstor genutzt, um andere politische Ziele
durchzusetzen. Dies untergräbt die
Glaubwürdigkeit jeder Menschenrechtspolitik.
Dieser Antrag leistet damit vor dem Hintergrund
der konkreten Kriegsdrohungen gegenüber Iran -
wie sie erst jüngst durch Veröffentlichungen auf
Wikileaks bestätigt wurden - einer Zuspitzung
der angespannten Situation Vorschub und ist
deshalb gefährlich. Der Antrag erinnert an
Vorgänge und Kriegslegitimationsversuche, wie
wir sie im Vorfeld des völkerrechtswidrigen
Feldzugs gegen den Irak erlebt haben. Wir sind
gegen einen neuen Krieg im Nahen und Mittleren
Osten, der katastrophale und unkalkulierbare
Konsequenzen für die Gesamtregion hätte, und
wenden uns gegen jedwede ideologische
Kriegsvorbereitung. Aus diesen Gründen lehnen
wir den Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP
und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN "Menschenrechte im
Iran verbessern" (BT-Drs. 17/4011) ab.“
Im Rahmen der Artikelreihe „Bilder gegen den
Krieg. Momentaufnahmen aus dem Iran“ (2)
schrieb ich am 31.12.2009: „Es ist eine heikle
Situation, eine gefährliche Gratwanderung: wie
soll ich die Gewaltherrschern in der Islamischen
Republik Iran sachlich kritisieren und meine
Mitmenschen dort in ihren Bemühungen für
Freiheit, Gerechtigkeit und Vernunft
unterstützen, ohne mich dabei mit den
notorischen Scharfmachern und Handlangern des
Großkapitals im „Westen“ gemein zu machen, die
bewusst den Weg für eine militärische Aktion
gegen den Iran oder für eine Zerstückelung
meiner Heimat ebnen?
Wie soll ich das menschenverachtende Gedankengut
der herrschenden Geistlichkeit im Iran
veranschaulichen, ohne mich dabei im Lager der
Kräfte wiederzufinden, die die religiösen
Differenzen verschiedener Volksgruppen
ausnutzen, um Zwietracht und Gewalt zu
verbreiten und so ihre wirtschaftlichen und
politischen Interessen durchzusetzen?
Wie soll ich den deutschen Leser darauf
aufmerksam machen, dass das hiesige
gesellschaftliche System basierend auf der
kapitalistischen Produktionsweise die
Hauptursache der weltweiten kriegerischen
Auseinandersetzungen ist, dass die
Friedensbewegung nur Flickwerk betreibt, solange
die grundlegenden Probleme nicht klar und ohne
Umschweife genannt werden. Als Herzchirurg bin
ich manchmal dazu gezwungen, als
lebensnotwendige Maßnahme zunächst die Symptome
einer Erkrankung zu behandeln, damit der Patient
überhaupt am Leben bleiben kann. Sind die
Symptome jedoch behandelt, so muss die
konsequente Einstellung dazu führen, die
Krankheit an ihren Wurzeln anzupacken.
Bis jetzt habe ich ständig darauf hingewiesen,
-
dass ich die
heuchlerischen Phrasen wie „humanitäre
Intervention“, „responsibility to protect“
und „Aufbau ziviler Strukturen“ (neuerdings
in Bezug auf Afghanistan ist noch „Übergabe
in Verantwortung“ hinzugekommen)
verabscheue, die nur ein Deckmantel zur
Sicherung des Fortbestandes der weltweiten
Ausbeutung und Unterdrückung sind;
-
dass es einzig
und allein die Aufgabe der iranischen
Bevölkerung ist, Demokratie und
Menschenrechte im Iran zu verwirklichen;
-
dass die
Menschen anderer Staaten den Iranern am
effektivsten helfen können, wenn sie dafür
sorgen, dass in ihren eigenen Ländern
Menschenrechte und Demokratie verteidigt
bzw. verwirklicht werden.
Auch wenn es wie Asche im Munde wirken sollte,
werde ich diese Aussagen auch in der Zukunft
unermüdlich wiederholen, damit meine Kritik
differenziert aufgenommen werden kann und damit
diese Artikelserie gegen den Krieg nicht als
Mittel zum Entfachen eines weiteren Elend und
Hass verursachenden Krieges in der Region - nach
den ermahnenden, ernüchternden, erschreckenden,
entlarvenden Beispielen von Afghanistan und Irak
– missbraucht werden kann.“
(1)
http://www.inge-hoeger.de/politik/frieden/detail/zurueck/frieden/artikel/gegen-die-instrumentalisierung-von-menschenrechten-fuer-machtinteressen/
(2)
http://friedenstreiberagentur.de/index.php?id=137,3219,0,0,1,0 |