|
From:
"Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net
To: <Brief-aus-Israel(at)yahoogroups.de
Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus
den besetzten Gebieten
So, liebe FreundInnen,
ich versuch jetzt das Wichtigste aus dem Haufen Emails, die in den letzten Tagen
von New Profile eingetroffen sind.
Am liebsten würde ich gar nicht mehr lesen, kann es aber auch nicht lassen ...
Herzliche Grüße, Anka
Zunächst, da es etwas abseits vom Thema liegt: aus USA erzählt ein Journalist
von einem über 80jährigen Nachbarn, der in den dreißiger Jahren aus Deutschland
nach USA ausgewandert ist und nun mit seiner Familie zurück nach Deutschland
ziehen will, weil er in Amerika dieselben Anzeichen kommenden Unheils wie damals
in Deutschland heraufziehen sieht. Dass Newsweek den Bericht über Koranschändung
in Guantanamo zurück gezogen hat macht deutlich, wie unfrei die Presse in USA
ist . Ohne freie Presse ist aber auch Demokratie nicht möglich.
------------------
Prof. Ilan Pappe von der Universität Haifa berichtet von einer Tagung, die dort
abgehalten wurde, zum Thema 'Das demographische Problem und die demographische
Politik Israels'. Arabische und israelische Studenten, die vor dem Saal
demonstrierten wurden von Sicherheitswächter, die ihre Plakate von den Wänden
rissen, teilweise geschlagen und gestoßen und nicht in den Saal gelassen. Die
Aktion wurde gefilmt, damit die arabischen Studenten der Ordnungstörung
bezichtigt werden können.
Einer arabischen Studentin ist es gelungen, unerkannt in den Saal zu gelangen.
Sie hörte sich schweigend jede Menge rassistische Rhetorik an, ließ sich aber
schließlich zu einem Protest hinreichen als ein Redner behauptete, dass die
Zahlen der PalästinenserInnen, die vor 1948 lebten, aus politischen Gründen
fabriziert worden waren und hinzufügte, wenn er zwischen einem jüdischen Staat
und einer Demokratie wählen müsse, würde er das erste wählen. Sie stand auf und
verurteilte ihn, wurde von der Menge zum Schweigen gebracht und später von
Sicherheitspersonal hinaus begleitet. Sie hat nun Angst, sich in der Uni zu
zeigen.
Den Aufruf Ilan Pappes zum akademischen Boycott der Universität Haifa ist
zunächst von zwei britischen Universitäten gefolgt worden, sie haben aber
inzwischen einen Rückzieher gemacht. Pappe ist eine einsame und viel gescholtene
Stimme in der akademischen Welt Israels. Er schreibt am Ende seines Berichts:
Wichtiger ist die Frage, was geschieht, wenn nichts unternommen wird? Können
Sie, wie ich, sich vorstellen, wie die Tagungen im nächsten Jahr lauten werden?
'Die Bedeutung und Ziel des Transfers', 'Abtreibungen unter Palästinenserinnen
ermutigen' usw.
----------------------
Dorothy Naor berichtet - mal wieder - von einer absolut gewaltfreien Demo in
Bei'lin, bei der sie zugegen war. Selbst die Kinder wurden am Steinewerfen
gehindert.
Denoch wurden zwei Männer brutal geschlagen und festgenommen. Siedler - vor
allem die Fanatiker in Hebron - dagegen können jede beliebige Gewalt gegen ihre
palästinensischen Nachbarn einsetzen, ohne von der Polizei behelligt zu werden.
Die Armee wartet
meist bis die größte Wut (der Siedler!) verraucht ist und drängt sie dann sanft
zurück - anfassen darf nur die Polizei, und die reagiert
überaus langsam, wenn sie gerufen wird. Ein kurzes Video von der Demo ist unter
http:/gush-shalom.org/video/bilin--4-5-05.html zu sehen. (Oder hat ich das schon
geschrieben?) Die Männer sind immer noch in Haft.
-----------------------
Ein Mitglied des Christian Peace Team in Hebron und ehemaliger Journalist hat
einen Newsweek Korrespondenten angesprochen, der in Bethlehem für ein von ihm
geschriebenes Buch über die Belagerung der Geburtskirche (zu Weihnachten 2002)
warb. Der Newsweek Mensch betonte dabei sein Bemühen um Gleichgewicht in der
Berichterstattung. Der CPTer bot an, ihn nach Hebron zu begleiten und ihm zu
zeigen, wie sich die Besetzung dort auswirke, besonders auf die etwa 50 mutigen
Familien, die immer noch in Tel Rumeida trotz allen Schikanen aushalten. Der
Newsweek Mann lehnte ab mit den Worten, "Das ist eigenlich nicht die Art von
Geschichte, die uns interessiert. Ich bezweifle, dass ich nach Hebron komme, es
sei dann dass der nächste Selbstmordattentäter von dort kommt."
----------------------
Während in Israel Ruhe hält und die Palästinenser sich nach wie vor an die
Waffenruhe halten, hat es 347 Verletzungen der Waffenruhe seitens der Israelis
gegeben, davon 57 mit Schusswaffen gegen Zivilisten, wobei 4 getötet und 25
verletzt wurden. Es gab 27 Invasionen und 57 Festnahmen. Angriffe gegen
Schulkinder nehmen zu - in der Nähe von Qalqilia wurde vorige Woche eine
Schulbus angehalten, die Kinder zum Aussteigen gezwungen und etliche von ihnen
per Hand oder Schlagstock geschlagen. MIndestens 5 wurden verletzt. (WIESO SIND
DAS EIGENTLICH KEINE NACHRICHTEN FÜR UNSERE MEDIEN? Entschuldigung, manchmal
muss man einfach schreien). Soldaten sind mehr als einmal in Häuser
eingebrochen, um dort im Fernsehen Fußball zu gucken. Ein solcher Überfall, bei
dem auch das Haus beschädigt wurde, wurde im israelischen Fernsehen gezeigt.
Darauf hin sei der Kommandant der Einheit suspendiert worden. Schade, dass das
Fernsehen nicht immer dabei sein darf.
---------------------
Azzam Atwan, 56, aus Qalqilya starb an einem Checkpoint weil er nicht zum
Krankenhaus durch gelassen wurde. Eine Frau, die die gleiche Behandlung erhielt,
musste an einem Checkpoint entbinden
-------------------
Zwei Jungen, die mit dem Fahrrad von Kibiya nach Budrus unterwegs waren, wurden
von einem Soldaten angehalten durch einen Luftschuss. Als der 10jährige rief,
"Wir wollen gehen, was wollt ihr?", wurde er von Soldaten geschlagen. Als der
12jährige Abed versuchte, ihn zu schützen, hielt ihn ein soldat fest, holte eine
kleine blaue Sprühdose aus seinem Jeep und sprühte daraus auf seine Hand. Das
brannte, die hand schwoll an und fühlte sich taub. Nach einer halben Stunde war
sie wieder normal. Sind das neue Methoden gegen Demonstranten, die an Kindern
getestet werden? "Werden sei es das nächste Mal in unsere Augen sprühen?" fragte
ein Junge.
-------------------
Der Knesset hat ein Gesetz verabschiedet, dass Palästinenser, die mit einer
Israelin verheiratet sind, ab 35 die israelisches Staatsbürgerschaft "zwecks
Familienzusammenführung" beantragen dürfen, Frauen 'schon' ab 25.
Knessetmitglied Ahmed Tibi nannte dies "eines der schwärzesten Gesetze in der
Geschichte des Knesset, ein Apartheidgesetz dass es einem Juden erlaubt, eine
Deutsche zu heiraten aber Bewohner von Taibeh oder Umm al-Fahm verbietet, jemand
von Nablus oder Tulkarem zu heiraten."
------------------
Die Associated Press berichtet, dass die Stadt Jerusalem 88 Häuser in einem
arabischen Bezirk, das an die Altstadtmauer angrenzt, zerstören will, um Raum
für einen archäologischen Park zu schaffen. Es wäre eine der größten
Häuserzerstörungen in einem Gebiet seit dem Krieg von 1967. Die zu zerstörenden
Häuser sind angeblich ohne Genehmigung gebaut worden, Genehmigungen sind
allerdings für Araber nicht zu bekommen. Vor 1967 gebaute HÄuser sollen nicht
zerstört werden. Der Stadt ist es untersagt, ungenehmigte Häuser zu zerstören,
die älter sind als 7 Jahre. Stadtplaner Shetrit sagte, das Bauvergehen ist
verjährt, aber das Vergehen, in einem illegalen Haus zu wohnen, vergeht nicht.
so können wir die Bewohner daran hindern dort zu wohnen.
Er hoffte, dass es dann leichter würde, die verlassenen Häuser später zu
zerstören.
Israelischer Menschenrechtsaktivist Danny Seideman, sagt, "die Intention der
Stadt ist ganz klar die, das Gebiet von Palästinensern zu säubern."
http://www.Brief-aus-Israel.de.vu
-- Yahoo! Groups Links <* Besuchen Sie Ihre Group im Web unter:
http://de.groups.yahoo.com/group/Brief-aus-Israel/
<* Um sich von der Group abzumelden, senden Sie eine Mail an: Brief-aus-Israel-unsubscribe(at)yahoogroups.de</a
<* Mit der Nutzung von Yahoo! Groups akzeptieren Sie unsere:
http://de.docs.yahoo.com/info/utos.html
|