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Texte von Shraga Elam

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Die van Harten-Affäre:
Ein jüdischer Naziagent in Meran als Bindeglied zwischen SS-Männern und zionistischen  Geheimdiensten
Shraga Elam
 

 

Einleitung

 

Das Schloss Labers bei Meran sowie die Stadt selbst waren am Ende des Zweiten Weltkriegs Schauplatz geheimdienstlicher und obskurer Tätigkeiten von internationaler Tragweite. Besondere Brisanz kommt dabei der Zusammenarbeit zwischen SS-Leuten und zionistischen Untergrundorganisationen zu – den Vorläuferorganisationen des späteren israelischen Geheimdienstes Mossad. Die Geschichte gehörte nicht zufällig jahrelang zu den wohl gehüteten Geheimnissen Israels. Mehrere HistorikerInnen, die genügend Anhaltspunkte besaßen, um den Zündstoff erkennen zu können, begnügten sich jedoch mit sehr knappen und verschlüsselten Hinweisen auf diese Zusammenhänge.

 

Zentrale Figur der Affäre ist ein jüdischer Naziagent namens Jaques-Jules Yaacov Levy, alias Jaac van Harten, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Tel-Aviv einen sicheren Unterschlupf fand und 1947 den Schutz von niemand geringerem, als der späteren Premierministerin Golda Meir (Meyrson) genoss. Der ehemalige Agent, Schalhewet Freier, der in Israel am meisten über van Hartens Nazi-Vergangenheit wusste, war selber erstaunt, „dass sein Name während des Eichmann[i]- bzw. Kastner[ii]-Prozesses nicht auftauchte.“[iii] Denn van Harten war offensichtlich von zentraler Bedeutung für die antijüdischen Maßnahmen in Ungarn. Sein Name figurierte hingegen in einem streng geheimen Bericht des US-Beamten Vincent La Vista und weckte die Neugier mehrerer ForscherInnen außerhalb Israels. In seinem Report wird auch auf die Verbindung einer SS-Einheit zu zionistischen Organisationen hingewiesen:

 

 „Auf der Brennerpassroute von Österreich herkommend ist die erste Station an der Untergrundlinie [des jüdischen Fluchtwegs] in Italien ein Schloss in Meran, dessen Direktoren deutsch sprechen. Es heisst offenbar ‚SCHLOSS RAMETZ‘ und gehört CRASTAN ALBERT, einem Juden, der sich als Schweizer Konsul und Mitglied des Internationalen Roten Kreuz Komitees [IKRK] ausgibt. Während des Krieges war er Agent einer SS-task-force, ‚SCHLOSS LABERS‘ oder auch ‚WENDIG-GRUPPE‘ genannt, welche Oberst Friedrich SCHWENDT unterstand, der nur gegenüber KALTENBRUNNER und HIMMLER Verantwortung zu tragen hatte.[...] Ein gewisser VAN HARTEN, JAAC, im Moment in der Hayarkon-Straße 184 in Tel-Aviv/Palästina wohnhaft, verlangt von der Amerikanischen Regierung fünf Million[en] Dollar, welche Beute der SS-Gruppe war, die im SCHLOSS RAMETZ und SCHLOSS LABERS – dem Hauptquartier SCHWENDTS – und anderen Gebäuden in Meran lagerte. Bestandteil dieser Beute ist eine große Anzahl gefälschter britischer Pfundnoten. [...] Die genaueren Beziehungen zwischen dem Rest von ‚SCHLOSS LABERS‘ und dem jüdischen Untergrund sind im Moment nicht bekannt, aber eine Verbindung scheint zu bestehen.“[iv]

 

Unternehmen Bernhard

 

Ohne es zu merken und trotz mehrerer Ungenauigkeiten, stießen La Vista und seine Agenten in Meran auf das Hauptquartier des weltweiten Vertriebs der von der SS gefälschten britischen Pfundnoten. Die Blüten wurden im Rahmen des „Unternehmens Bernhard“ im KZ Sachsenhausen hergestellt und sollten ursprünglich als „Wunderwaffe“ über Großbritannien aus der Luft abgeworfen werden, um die dortige Wirtschaft zu ruinieren. Nach der missglückten Invasion Englands hatte man für die Falsifikate andere Verwendung: Nun wurden damit die für das Dritte Reich notwendigen Devisen, Rohstoffe und Waren beschafft und geheime Operationen wie die Befreiung Benito Mussolinis oder die Verhandlungen mit feindlichen Geheimdiensten finanziert. Mit diesem letzten Schritt wollten sich SS-ler eine Art Lebensversicherung für die Nachkriegszeit verschaffen. Die Blüten schmierten die Zusammenarbeit der vermeintlichen Todfeinde.

 

Die SS lancierte 1939 das „Unternehmen Bernhard“ das sich viel aufwendiger gestaltete als erwartet; so konnten die Falsifikate erst ab 1942 eingesetzt werden. Die Produktionswerkstatt wurde bald von Berlin ins nahegelegene KZ Sachsenhausen verlegt. Dort wurden von jüdischen Häftlingen unter strenger Geheimhaltung Falsifikate in einem geschätzten Gesamtwert von 134,6 Millionen Pfund Sterling hergestellt. Dies war für die damalige Zeit eine unglaubliche Summe. Der Gesamtprofit des „Unternehmens Bernhard“ für das Dritte Reich soll ungefähr 50 Mio. Pfund betragen haben.[v] 1942 wurde ein großer Apparat aufgebaut, um das Falschgeld zu waschen. Als Chef dieser Operation wurde der gerissene schwäbische Geschäftsmann Friedrich Schwend ernannt. Der Abenteurer Schwend war wegen seiner internationalen Beziehungen die ideale Besetzung. Er konnte eine kuriose Mischung von Gaunern und respektablen Personen wie Bankiers, Politiker und katholische Priester als Blüten-Verkäufer rekrutieren. Dazu zählten auch mehrere Juden wie Jaac van Harten. Laut dem deutschen Journalisten Wolfgang Löhde handelten auch deutsche Adlige aus Kreisen der „20.-Juli-Verschwörer“ mit den „Bernhard“-Pfundnoten. Schwends Agenten erstanden mit den Blüten in ganz Europa Waren aller Art, darunter Schwarzmarktgüter und Waffen, die dann wieder verkauft wurden – und zwar diesmal gegen echte Devisen.

 

Da er im istrianischen Kurort Abbazzia wohnte, mobilisierte er dort vier vertraute Chefagenten: die Gebrüder Rudolf und Oskar Blaschke und die Schweizer Alfred und Franz Manser. Er gründete in Triest die Firma „Saxonia“, die allein in Italien 60 Agenten besaß. Zum Sitz der Zentrale erkor Schwend 1943 das Schloss Labers. Viele seiner Topagenten wohnten im Sanatorium Stephanie oder Hotel Palace im benachbarten Meran. Der verantwortliche SS-Nachrichtenoffizier, Wilhelm Höttl, stellte eine Wachmannschaft zur Verfügung und kreierte dafür eine spezielle Dienststelle mit dem Namen „Sonderstab-Generalkommando III. Germanisches Dienstkorps“. Schwend wurde als Einkäufer des Korps deklariert, erhielt den Grad eines SS-Sturmbannführers und den Decknamen Dr. Fritz Wendig. Auf diesen Namen besaß er eine ganze Palette echter Personaldokumente diverser Nationen, sowie Ausweise von Partisanen, mit denen er ebenfalls handelte.[vi] Jaac van Harten, der sich als IKRK-Delegierter ausgab, versuchte der „Gruppe Wendig“ bei Kriegsende Schutz zu gewähren. Er verteilte den Agenten gefälschte IKRK-Mitarbeiter-Ausweise, versah ihre Autos mit der Flagge dieser Organisation und sicherte Warenlager voller Beutegut mit IKRK-Plaketten. Durch die Beziehung van Hartens mit jüdischen Agenten sollte er der SS-Task-Force zusätzliche Sicherheit verschaffen. Der wendige Schwend fand unmittelbar nach Kriegsende eine Anstellung beim US-Geheimdienst „Counter Intelligence Corps“ (CIC). Zuvor versteckte er in der ganzen Region Beutegut wie Gold und andere wertvolle Gegenstände, was selbstverständlich zur Bildung von Mythen beitrug. 1946 setzte er sich mit einem IKRK-Reisepapier nach Peru ab, wo er später zusammen mit bekannten Naziverbrechern wie Klaus Barbie und Josef Mengele zusammenarbeitete. Gewisse Forscher bezeichneten ihn als designierten Finanzminister des geplanten „Vierten Reichs“.

 

Zionistische Kollaboration mit den Nazis[vii]

 

Es ist sehr schwierig, einen sachlichen Umgang mit dem Phänomen der jüdischen Kollaboration mit den Nazis zu pflegen. Einerseits wird das Thema gierig und verschwörerisch aufgenommen, um damit den Beweis zu erbringen, dass „die Juden an ihrem Schicksal selber schuld“ seien. Andererseits wird aus der gleichen Überlegung von vordergründig pro-jüdischen Kreisen das Vorhandensein dieser verwerflichen Zusammenarbeit verharmlost oder negiert. Die Kollaborationsleugner teilen eigentlich die gleiche einfältige Schlussfolgerung aus diesem Tatbestand und befürchten deshalb eine Stärkung der offenen Judenhasser. Diejenigen, die dieses Tabu aufrechterhalten, übersehen aber, dass die Kollaboration ein klarer Ausdruck von Unterdrückung ist. Denn Kollaboration ist in diesem Zusammenhang die Bezeichnung für bestimmte Verhältnisse zwischen Unterdrückten und ihren Peinigern. Repressionen sind die logische Voraussetzung für diese Art der Kollaboration, und die Kollaborateure sind nicht verantwortlich für die Entstehung der Unterdrückung, obwohl sie bestimmt zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen. Die Mitverantwortung von Quislingen für allfällige Verbrechen entlastet keinesfalls die Haupttäter!

 

Die Vergangenheitsaufarbeitung ist noch tabuisierter, wenn es sich nicht um Kollaboration von Privatpersonen handelt, sondern um die Zusammenarbeit von jüdischen Organisationen mit den Nazis. Die Tendenz, solche Erscheinungen auf das gesamte Judentum zu projizieren – als ob die Führungen solcher Organisationen die Interessen aller Juden wirklich vertreten hätten oder vertraten, ist unübersehbar. Anderseits versuchen die betreffenden Organisationen diese Kritik zu unterdrücken und die Aufarbeitung dieser problematischen Vergangenheit zu verhindern. Diese Zensur ist bislang weitgehend wirksam gewesen. Nur: Gerade diese übermäßig erfolgreiche Tabuisierungspolitik liefert Nährstoff für die wildesten Spekulationen und Verschwörungstheorien.

 

Bei der internen jüdischen Diskussion zu diesem Themenbereich zeigen sich zwei Hauptströmungen: Auf der einen Seite stehen die mächtigen Verteidiger der Main-Stream-Organisationen, wie der World Jewish Congress (WJC) und die Jewish Agency (JA). Auf der Gegenseite gibt es eine außergewöhnliche Koalition von antizionistischen ultraorthodoxen und säkularen Juden sowie rechtsradikalen Zionisten, welche die JA-Führung – die vorstaatliche israelische Regierung – der Kollaboration mit den Nazis bezichtigt. Die Vorwürfe stellen eigentlich eine Grundsatzkritik am Nationalismus dar. Denn anhand dieses Beispiels zeigt es sich, dass die sogenannte nationale Befreiung gar nicht im Interesse des 'Volkes' ist, sondern lediglich einer bestimmten Gruppe Vorteile bringt. Die Errichtung eines Judenstaates – wie in diesem Fall – hatte hohe Priorität und die die JA-Führung scheute sich nicht vor der Zusammenarbeit mit den Nazis.

 

Das Image Israels als Zufluchtsort für verfolgte Juden entpuppt sich als Mythos, und mehrere Beweise legen die Schlussfolgerung nahe: Hätte es den Zionismus nicht gegeben, so wären die Rettungschancen für sehr viele Juden während der NS-Zeit bedeutend größer gewesen. So berichtete der rechtsstehende (!) israelische Forscher S.B. Beit-Tzvi[viii], es sei dem JA-Direktorium ab 1938, infolge der zunehmenden britischen Einwanderungsbechränkung, klar gewesen, dass Palästina als Zufluchtsort für die meisten der gefährdeten Juden gar nicht in Frage komme. Alternative Auswanderungsorte seien jedoch als Bedrohung für das zionistische Vorhaben betrachtet worden. Sie hätten zu einem Abfluss von Geldern geführt und die politisch-moralische Rechtfertigung für einen Judenstaat in Palästina drastisch geschwächt. Deshalb sei es Aufgabe der zionistischen Delegation, unter Beteiligung von Golda Meir, gewesen, die Rettungsansätze an der Evian-Flüchtlingskonferenz von 1938 zu verhindern. Gestützt auf Dokumente stellt Beit-Tzvi – gegen die gängige Meinung – die Theorie in den Raum, es wäre damals ohne diese Sabotage möglich gewesen, eigentlich für alle bedrohte Juden Unterschlupf zu finden. Der Kollaborationsvorwurf bezieht sich beispielsweise auf das sogenannte Transfer-Abkommen der 30er Jahre, welches deutschen Juden, die nach Palästina auswanderten, die Mitnahme eines gewissen Teils ihres Vermögens in Form deutscher Waren ermöglichte. Im Rahmen dieses Transferdeals konnten die jüdischen Flüchtlinge aber nur einen Bruchteil ihrer Besitztümer retten. Sie wurden nicht nur von den Nazis beraubt, sondern auch noch von der Jewish Agency ausgenommen, die für die Abwicklung der Transaktionen fette Kommissionen einkassierte. Das zionistische Interesse an dieser Abmachung galt primär der bitter nötigen Finanzspritze für den Aufbau des nationalen Projekts in Palästina. Durch dieses Geschäft mit den Nazis sprengte die JA-Führung die effektiven Boykottbemühungen gegenüber Deutschland und wurde zur Hauptimporteurin von Naziprodukten für den ganzen Nahen Osten.[ix] Die Verhandlungen, die zum Transfer-Abkommen führten, können auch als Geburtsstunde der sogenannten 'Holocaust Industrie' betrachtet werden. Damals wurden die Prinzipien und Überlegungen entwickelt, welche die spätere jüdische Reparations- und Restitutionskampagne prägen sollten. Diese Entwicklung erfolgte nicht zuletzt wegen der Teilnahme einiger Hauptakteure des Transfergeschäfts an den späteren Entschädigungsverfahren.

 

In den späten 30er Jahren entstand eine enge Zusammenarbeit jüdischer Funktionäre mit dem SS-Vertreter Adolf Eichmann, der 1938 Palästina bereist hatte und sich vom zionistischen Projekt begeistern ließ. In seiner Auswanderungszentrale in Wien gingen 1938 die zionistischen Delegierten ein und aus, genossen ein Vertrauensverhältnis[x] und waren bei der Deportation und Vertreibung der österreichischen Juden behilflich. Denn es gab überraschenderweise anfangs gemeinsame Interessen zwischen den Nazis und dem zionistischen Bestreben – wenn natürlich auch aus ganz anderen Motiven. Beide, die SS wie die JA-Funktionäre, wollten die Juden außerhalb des Dritten Reichs haben und konnten sich zu dieser Zeit auf Palästina als Destination einigen. Die beschränkte Aufnahmekapazität Palästinas, bedingt durch die arabischen Proteste, die britischen Einwanderungseinschränkungen, die Schwäche der ökonomischen und sozialen Infrastruktur wirkten hemmend auf diese Zusammenarbeit. Trotzdem konnten während der ganzen Kriegszeit zionistische Delegierte mit der Erlaubnis der Behörden in Deutschland operieren.[xi]

 

Unter ganz anderen Umständen strebte 1944 die SS-Führung wieder die Zusammenarbeit mit der Jewish Agency in größerem Stil an. Der SS-Chef Heinrich Himmler wusste, dass sich für Deutschland eine Niederlage anbahnte und versuchte deshalb zu retten, was noch zu retten war. Er bot der JA einen Deal an: Sie, als Teil des angeblichen herrschenden 'Weltjudentums' sollten ihm die Sonderfriedensverhandlungen mit den westlichen Alliierten vorantreiben helfen und dafür könne die JA, eine Million ungarische Juden freikaufen. Ginge diese auf das Angebot nicht ein, so würden die Juden nach Auschwitz deportiert. Himmlers Judenexperte, Adolf Eichmann, nahm dann im April 1944 Kontakt mit einem zionistischen Rettungskomitee in Ungarn auf und präsentierte ihnen das erpresserische Angebot Himmlers. Der Komiteechef, Joël Brand, flog darauf in die Türkei, um die Botschaft der JA-Führung mitzuteilen. Brand wurde jedoch an die Briten ausgeliefert, die ihn verhafteten und seine Rückkehr nach Ungarn verhinderten. Damit wurde der Versuch gemacht, mögliche Rettungsmöglichkeit zu sabotieren. Die britische Regierung befürchtete nämlich, dass sie eine solche jüdische Massenauswanderung unter Druck setzen würde, ihre Immigrationspolitik in Palästina zu ändern, so dass eine sehr große Anzahl Juden hätte zugelassen werden müssen. Dem JA-Direktorium war die britische Haltung bekannt und es sah keine große Chance, diese zu verändern. Wie schon 1938 bei der Evian-Konferenz war diese Führung auch 1944 – als die Judenvernichtungden Höhepunkt erreichte – gegen einen alternativen Zufluchtsort für bedrohte Juden. Beide, die britische Regierung und die JA-Leitung, wussten auch, dass die Russen solchen Verhandlungen sehr misstrauisch gegenüber standen, denn diese befürchteten die Bildung einer neuen Allianz von Nazis und westlichen Alliierten gegen sie. Abgesehen davon war die Judenvernichtung absolut im militärischen Interesse der UdSSR. Denn die Züge, die täglich 10 bis 12,000 Juden von Ungarn nach Auschwitz transportierten, belasteten das schon überforderte deutsche Bahnsystem.

 

Roosevelts Administration und vor allem das Außenministerium waren ebenfalls gegen solche Verhandlungen,[xii] die den Krieg auch hätten verkürzen können. Denn die USA war im Stande – dank des Zweiten Weltkrieges – die Wirtschaftskrise der 30er Jahre zu überwinden. Eine vorzeitige Rückkehr der vielen GIs hätte den erholten US-Arbeitsmarkt wieder destabilisieren können.[xiii] Deshalb wurden solche große Freikauf-Aktionen wie in Ungarn vom US-Außenministerium sabotiert, und zwar mit der zynischen Ausrede, dass solche quasi einen Verstoß gegen die Bestimmungen darstellten, welche den Handel mit dem Feind verböten. Dass zur gleichen Zeit dieselben US-Beamten Großunternehmen wie Standard Oil bei ihren Öl-Lieferungen nach NS-Deutschland unterstützten, stieß offensichtlich nicht gegen diese Bestimmungen.[xiv] In Ungarn begann Eichmann inzwischen, Juden nach Auschwitz zu deportieren. Gemäß Zeugenaussagen soll er vom zionistischen Rettungskomitee unterstützt worden sein, welches nach der Abreise Brands von Rudolf Kastner geleitet wurde. Zeugen beschrieben im israelischen Gericht, wie Kastner für eine reibungslose Deportation nach Auschwitz sorgte. Dies sollte nach dem Muster der Judenräte geschehen, welche allfälligen Widerstand der Deportierten neutralisierten und sie zu einem ruhigen und ordentlichen Einstieg in die Todeszüge bewegten.

 

Ein Augenzeuge, der Auschwitz überlebt hatte, erzählte, wie Abgesandte Kastners ins etwa drei Kilometer von der rumänischen Grenze gelegene Cluj (Klausenburg) gekommen seien, um bei den 20.000 jüdischen Einwohnern mit Postkarten von nach Auschwitz deportierten Juden, die von paradiesischen Zuständen berichteten, Propaganda zu machen. Sie empfahlen den dortigen Juden, die sich damals ohne weiteres über die Grenze in Sicherheit hätten retten können, so schnell wie möglich die wartenden Züge zu besteigen wer zuerst komme, mahle zuerst, soll es geheißen haben. Kastners Kritiker begründen seine Zusammenarbeit mit Eichmann mit einer Palette von Argumenten, die sich von Korruption bis hin zur Absicht bewegen, auch die ungarischen Juden zu opfern, um die politischen Ansprüche auf einen unabhängigen Staat zu stärken. Kastners seinerseits behauptete, dass er lediglich die Verhandlungen mit den Nazis weitergeführt und dabei sein eigenes Leben riskiert habe, um Juden zu retten. Er, als relativ unbekannter Funktionär, sei sowieso nicht im Stande gewesen, großen Einfluss auf die Juden auszuüben, um damit die Deportationen direkt zu beeinflussen. Die verschiedenen Versionen sind bis heute unklar. Es ist durchaus möglich, dass Kastner – aus dem Glauben, eine große Anzahl Juden retten zu können – bereit gewesen oder gezwungen worden sein könnte, einen Teil von ihnen zu opfern. Dass die Rechnung nicht aufging, kann man ihm nicht vorwerfen, denn es scheint, dass er alles unternommen hatte, damit die Rettungsverhandlungen erfolgreich abgeschlossen würden. Für das Scheitern der Gespräche sind die Alliierten und jüdische Organisationen wie die JA oder das US-amerikanische Hilfswerk „Joint“ verantwortlich, denn sie ließen Kastner und die ungarischen Juden im Stich und sabotierten die reellen Rettungschancen. Immerhin konnte Kastner und sein Komitee 1684 Juden freikaufen. Mangels Unterstützung von Außen bezahlten die ungarischen Juden das Lösegeld selbst. Bezahlt wurde mit Wertgegenständen und Fremdwährung an Kurt Becher, Himmlers Delegierten für den Raub in Ungarn, der Eichmann bei den Verhandlungen ablöste. Einiges deutet darauf hin, dass diese Wertobjekte von Bechers Kunst- und Juwelenexperten geschätzt wurden. Dieser Spezialist soll Jaac van Harten gewesen sein! Um sich jetzt selber freizukaufen, übergab Becher bei Kriegsende das Lösegeld, welches dann den Namen „Becherschatz“ bekam, der Jewish Agency. Dies reichte aber nicht ganz, um Becher zu retten, der ein wichtiger Bestandteil der Nazi-Vernichtungsmaschinerie war. „Eichmann mordete und Becher kassierte“, schrieb der Schweizer Journalist Kurt Emmenegger in seiner ausgezeichneten Serie über diesen Raubexperten.[xv] Erst die Zeugenaussage Kastners 1948 in Nürnberg sorgte für die Entnazifizierung Bechers sowie anderer NS-Verbrecher. Becher befahl im Gegenzug seinem Schweizer Vertrauensmann noch mehr Gelder an die Jewish Agency in Genf zu überweisen.[xvi] Damit manifestiert sich eine Linie der damaligen israelischen Führung: Die Verfolgung von Naziverbrechern diente offensichtlich mehrheitlich propagandistischen Zwecken. Konnten die Kriegsverbrecher genug bezahlen, so war es ihnen möglich, sich die Absolution zu erkaufen.

 

Jaac van Harten

 

Über Jaac van Harten schreibt der SD-Geheimdienstoffizier Wilhelm Höttl:

 

„Erfolgreichster Chefverkäufer nach den Abrechnungen Schwends war der holländisch-deutsche Jude Louis van Harten...“[xvii]

 

Wer war dieser Jaac van Harten?

 

Am 11. Juli 1940 verhörte die Schweizer Polizei in Lausanne ein jüdisches Paar aus Deutschland, das in der Villa La Roseraie in Territet bei Montreux wohnte. Der Mann und die Frau besaßen gefälschte holländische Pässe, die auf den Namen van Harten ausgestellt waren. Sie waren gemäß einem Denunziationsbrief deutsche Agenten. Der echte Jaac van Harten sei ein holländischer Chauffeur, dessen Identität 'geliehen' worden sei.[xviii]

Im Verhör gab „Jaac van Harten“ sofort zu, dass er eigentlich Jacques-Jules Levy heisse und bestritt vehement, ein Spion zu sein.[xix] Er erzählte, er sei 1901 in Gleiwitz/Schlesien geboren und in Breslau aufgewachsen, wo er die elterliche Bijouterie übernommen habe. 1935 sei er nach Berlin übersiedelt. Dort habe er seine Lebenspartnerin, die schöne Bildhauerin Viola Boehm, Tochter der bekannten jüdischen Großunternehmer-Familie Schocken, kennengelernt. 1938, so Levy, soll die Gestapo ihn zum Verlassen Deutschlands aufgefordert haben. Da er als Jude seine Staatsangehörigkeit verloren habe, habe er den besagten holländischen Pass von der Gestapo gekauft. Am 3. September 1938 sei er mit Viola Boehm und deren zehnjährigen Sohn Michael in die Schweiz eingereist. Die Familie behielt von nun an den Namen van Harten.

 

Im zweiten Verhör verstrickte sich van Harten in gravierende Widersprüche. Er behauptete auf einmal, die holländischen Pässe würden nicht von der Gestapo stammen. Nachdem ihm der Pass abgenommen worden sei, habe er sich in Verbindung mit einem befreundeten holländischen Bijoutier namens Kurt Stavenhagen gesetzt und ihn um Hilfe gebeten. Stavenhagen habe ihm dann kurz darauf die Pässe geschickt. Weshalb van Harten zwei Versionen zum besten gab, ist nicht ersichtlich: Warum sollte die Schweizer Polizei die Gestapo als Passfälscherin eher akzeptieren, als einen holländischen Bijoutier? Oder merkte van Harten selber, dass die erste Fassung ihn zu stark in die Nähe der Gestapo rückte? Er wies bei der Polizei ein Vermögen von 30 000 Schweizer Franken aus. Auch diese Angabe ist aber nicht richtig, denn wie Stiefsohn Michael dies mit einem Bankauszug belegt, besaß sein Ziehvater damals ein viel größeres Vermögen bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich. Van Harten junior erklärt vehement: „Mein Vater war so reich. Er hatte es nicht nötig, ein Naziagent zu sein.“[xx] Im Herbst 1940 reiste die Familie aus und ließ sich in Budapest nieder. In einem Interview behauptete van Harten, er sei auf Anweisung von Dr. Chaim Pozner vom Palästina-Amt[xxi] in Genf nach Budapest geschickt worden, um dort eine Spezialaufgabe zu erfüllen.[xxii] Pozner jedoch schrieb: „Im Sommer 1940 hat er [...] ein Zertifikat zur Einwanderung in Palästina erhalten und kurz darauf die Schweiz verlassen. Im Herbst 1944 hörte ich zum ersten Mal wieder von ihm [...]“.[xxiii] Michael van Harten widerlegt die Version seines Vaters ebenfalls und erzählt, dass sie unterwegs nach Palästina gewesen und nur zufällig in Budapest stecken geblieben seien.[xxiv] Sogar Jaac van Harten entschuldigt sich 1945 brieflich bei Pozner, dass er und seine Familie Palästina nicht erreicht hätten.[xxv] In einem 1944 erstellten amerikanischen Register deutscher Spione ist auch Jaac van Harten, alias Julian Levy, aufgeführt: Bis 1940 sei er der Abwehrstelle Stuttgart unterstellt gewesen (Diese war für die Spionage in der Schweiz zuständig). Die Liste führt ihn im April 1944 als einen der wichtigsten deutschen Abwehragenten in Budapest auf.[xxvi] Auch Schwend bestätigte diese Information und sagte: „Van Harten war ein Agent der Wehrmacht und der SS in Ungarn.“[xxvii]

 

Van Harten in Ungarn

 

Über van Hartens Tätigkeit in Budapest gibt es nur spärliche und zum Teil widersprüchliche Informationen. Selber behauptete er, im Dienst des Schwedischen Roten Kreuzes (SRK) bzw. des IKRK gestanden und dabei sehr viele Juden gerettet zu haben. Für van Hartens Version spricht ein Brief des zionistischen Rettungskoordinators, Nathan Schwalb, der während des Krieges in Genf stationiert war:

 

„Herr van Harten ist mir aus den Briefen von Perez [Reves] sehr gut bekannt als ein sehr ergebener Vertreter des Schwed.[ischen] R[oten] K[reuzes] in Budapest, und der sehr viel für die Rettung der jüd.[ischen] Kinder durch Eröffnung von RK-Heimen für jüd. Kinder getan hat.“[xxviii]

 

Perez Reves, zentrales Mitglied des jüdischen Rettungskomitees in Budapest, behauptet hingegen: „Ich traf van Harten im Dezember 1944, und er erzählte mir, dass er der Finanzmanager des SS-Manns Kurt Becher sei.“[xxix] Von einer Mitarbeit van Hartens beim SRK will Reves gar nichts wissen, er meint ganz im Gegenteil, dass die Ehefrau des SRK-Chefs, Nina Langlet, van Harten völlig misstraute. Reves erhielt von van Harten 10.000 britische Pfund und 600.000 ungarische Pengös für jüdische Kinderheime. Diese Beträge sollten nach dem Krieg zurückbezahlt werden.

 

Wie der berühmte Shoa-Forscher Randolph Braham herausfand, erzählte Reves Ende der 80er Jahre eine ganz andere Variante über seine Kontakte mit van Harten: Darin erwähnte er nichts über van Hartens jüdische Identität, sondern beschrieb ihn als holländischen Baron im Dienste der Nazis, der Kontakte zu einer einflussreichen jüdischen Persönlichkeit gesucht habe.[xxx] Dafür verschwieg Reves in der jüngeren Version, dass er zusammen mit seinem Bruder Pufi und einem anderen Rettungsaktivist bei van Harten war, um mit zwei Zeugen das oben erwähnte Darlehen zu quittieren. Das Vermögen sei, berichtet Reves in seiner älteren Fassung, nicht für Kinderheime verwendet, sondern an den SS-Mann Kurt Becher als Lösegeld gezahlt worden sein, um das Budapester Ghetto zu schützen. Nach dem Krieg fanden die Rettungsaktivisten zu ihrer großen Belustigung heraus, dass diese Pfundnoten gefälscht waren.[xxxi] Und in der Tat fanden JA-Delegierten nach dem Krieg im „Becherschatz“ auch gefälschte Pfundnoten.

Reves begründet seine Verschwiegenheit über den jüdischen Naziagenten van Harten so: „Ich tat dies aus Rücksicht auf van Hartens Kinder.“[xxxii] Diese Argumentation vermag nicht ganz zu überzeugen und könnte bestenfalls für 1974 gelten. Damals, kurz nach van Hartens Tod 1973, erschien über diesen eine verherrlichende zweiteilige Serie in der israelischen Zeitung Ha'aretz. Reves wusste aber schon ab Ende der 40er Jahre, dass van Harten in Israel wohnte. Der Naziagent fühlte sich damals so sicher, dass er das Budapester Darlehen von der JA bzw. vom Hilfswerk „Joint“ zurückverlangte. Dafür brauchte er erneut eine Bestätigung und nahm deshalb Kontakt mit Pufi auf. Reves behauptet, sie hätten mit van Harten nichts zu tun haben wollen und dessen Bitte abgelehnt, weil die Pfundnoten gefälscht seien.

 

Reves' Rücksicht auf van Hartens Kinder mutet seltsam an. Er wusste doch einiges über van Hartens Rolle als Bechers[xxxiii] Helfer und zeigte ihn trotzdem nicht an. Die Geschichte nahm ganz skurrile Dimensionen an, als van Harten 1953 ausgerechnet von Schwend, der damals in Peru lebte und zusammen mit Klaus Barbie und anderen Nazis verkehrte, eine Bestätigung für das Budapester Darlehen verlangte. Aus dem damaligen Briefverkehr geht hervor, dass van Harten auf Veranlassung Schwends die jüdische Rettungsaktion unterstützt hatte. „Kannst Du mir aus dem Gedächtnis eine Aufstellung davon geben, welche Leistungen van Hartens für dessen Bestrebungen im Rahmen des Joints von Dir finanziert wurden?“ [xxxiv], wurde Schwend von seinem Vertrauten Georg Gyssling gefragt. Für Schwend, der sich bei Kriegsende in alle Richtungen abzusichern suchte, wäre es nicht abwegig gewesen, Kontakte zu einflussreichen Juden zu knüpfen, um sich ein Alibi als Gutmensch zu verschaffen. Dieses geschickte Manöver hätte zugleich ein raffinierter Schachzug werden können, um die Pfundblüten zu waschen. Denn nach dem Krieg sollten die betreffenden jüdischen Funktionäre nicht nur Persilscheine für Schwend und van Harten besorgen, sondern auch mit echtem Geld die Schulden begleichen. Van Harten behauptete, dass er, um Juden zu retten, in Budapest spezielle Werkstätten errichtet habe, in denen jüdische Fachkräfte wie Schuster, Schneider etc. für die Wehrmacht Waren hergestellt haben und dadurch vor der Deportation nach Auschwitz gerettet worden seien. Er erzählte weiter, wie er 60 Mitglieder der Manfred-Weiss-Familie in die Schweiz geschickt habe, nachdem er ihr Großunternehmen übernommen habe.Da van Hartens Aussagen mit viel Skepsis betrachtet werden müssen, ist es schwierig zu beurteilen, ob er tatsächlich in diese zwei wichtigen Aktionen verwickelt war.

Was van Harten hier als Judenrettung beschrieb, wurde vom Kurt Emmenegger als zentraler Bestandteil des deutschen Raubzugs in Ungarn bezeichnet. Becher und sein Stab wandten raffinierte Methoden an, so Emmenegger, um an jüdische Vermögen zu gelangen: z.B. durch die SS-Werkstätten und die SS-Schutzjuden.

 

In diesen Werkstätten wurden Fachleute unter Zwang eingezogen. Diese kosteten die Deutschen nichts, denn sie wurden vom Judenrat bezahlt. Im Vergleich zu den Deportierten und anderen Juden waren sie jedoch weitgehend geschützt. Noch lohnender war das Geschäft mit den „freiwilligen“ Schutzjuden. Manchmal übergaben die Juden ihre Warenvorräte und manchmal wurden auch deren Maschinen und Arbeiter der SS zur Verfügung gestellt. Dafür erhielten sie die rettenden Schutzpässe. Wer keine Waren besaß, konnte sich das Leben mit einer großen Summe Geld erkaufen. Dies war das planmässige Vorgehen, der bestens aufeinander abgestimmten SS-Abteilungen.[xxxv] Ein zusätzlicher Vorteil für die Deutschen manifestierte sich nach dem Krieg. In den Entnazifizierungsverfahren beriefen sich viele SS-Männer auf diese Werkstätten, bzw. auf die Erteilung der Schutzpässe als Zeichen ihrer „menschenrettenden Großmütigkeit“. Dieser Mechanismus ist mittlerweile durch den Film „Schindlers Liste“ weltweit bekannt. Denn Oskar Schindlers Betrieb in Polen funktionierte genau nach dem gleichen Muster wie in Ungarn. War es reiner Zufall, dass Schindler genau wie Becher bei Kriegsende in seinen Mercedes einstieg, um mit einigen Schutzjuden und einem Schatz den deutschen Zusammenbruch ungeschoren zu überleben? Die „Rettung“ der Familie Manfred Weiss war nichts anders als eine Erpressung riesiger Dimensionen. Becher, der aus unbekannter Quelle ausführliche Details über die komplizierten Verschachtelungen des größten Unternehmens in Ungarn, des Manfred-Weiss-Konzerns, besaß, war imstande, einen Plan für die komplette „Übernahme“ zu entwerfen. Darauf steckte er zwei führende Köpfe der Familie in ein Arbeitslager, bis diese auf seine Forderung eingingen und den Konzern der SS übergaben. Als Gegenleistung durften 39 Familienmitglieder nach Lissabon und Zürich ausreisen. Fünf Geiseln mussten jedoch in Wien zurückbleiben, damit die Geretteten „im neutralen Ausland keine Greuelmärchen verbreiten.“[xxxvi]

 

Wenn van Harten also nicht einfach prahlte und tatsächlich an diesen Aktionen teilgenommen hatte, ist er eher als Erpresser, denn als Retter zu bezeichnen. Van Harten zieht mit seiner Aussage den Verdacht auf sich, dass er es war, der Becher die notwendige Information für die bedeutendste deutsche Raubaktion – die „Übernahme“ des Manfred-Weiss-Konzerns – geliefert haben soll. Schließlich musste er den Ruf als wichtiger deutscher Spionageagent in Ungarn verdient haben. Seine Schwiegertochter Aviva ist jedoch fest davon überzeugt, dass er kein Naziagent, sondern ein großer Held wie Oskar Schindler war, der auch viele Juden gerettet habe. Als Beweis dafür zeigt sie einen Dankesbrief eines Überlebenden. Reves schließt aber aus, dass van Harten, wie dieser behauptete, das Leben hunderter Juden in Budapest gerettet habe. „Dies hätte ich bestimmt gewusst,“ sagt der Rettungsaktivist. Eine interessante Aussage machte Alois Menick, ein gebürtiger tschechoslowakischer Textilunternehmer, der während des Krieges in Budapest wohnte:

 

„Ein SS namens Becher war nämlich beauftragt, möglichst viele Waren, unbekümmert um welchen Preis, aus Ungarn herauszuholen. Zu diesem Zweck setzte er sich mit einem Holländer, Herrn van Hardten, in Verbindung. Dieser war bereit, den Deutschen zu helfen, unter der Bedingung allerdings, dass ihm zugesichert werde, dass einige Juden, mit denen er besonders in Kontakt war, unbehelligt bleiben. Auf diese Bedingungen wurde eingegangen und die Betreffenden erhielten von den Deutschen Identitätsausweise, gestützt auf welche sie dann nicht belästigt wurden. Auf diese Weise sind (natürlich nicht alle durch Vermittlung des Herrn van Hardten) Tausende solcher Identitätsausweise ausgestellt worden.“[xxxvii]

 

Van Harten wird zum „Bernhard“-Agenten

 

Dass van Harten schon in Budapest gefälschte Pfundnoten wusch, geht aus der Aussage Marko Beranis, eines albanischen jüdischen Agenten Schwends, hervor. Berani beschrieb, wie Anfang 1944, als er in Budapest wohnte, zwei „Bernhard“-Chefagenten, Rudi Blaschke und Hans Zentner, zu ihm kamen. Sie wollten verschiedene Waren kaufen.

 

„Ich schickte sie zu einem Bekannten, VAN HARTEN, dem Direktor der Firma TRANSCONTINENTAL in BUDAPEST,“ deklarierte Berani, „den ich durch SELADIM DRAGA kennengelernt hatte. DRAGA reiste oft nach Budapest, weil er mit VAN HARTEN Geschäfte machte. Soweit ich weiß, ging es um Devisentransaktionen mit Napoleon d'ors, Gold usw. BLASKI [Blaschke] und ZENTNER kauften bei VAN HARTEN Waren und zahlten dafür 4 bis 500,000 britische Pfund. Nach dem BLASKI BUDAPEST verlassen hatte, blieb ZEUSINGER [Zentner] dort und trieb für eine lange Zeit Handel mit VAN HARTEN. Die gekauften Waren wurden nach Deutschland geschickt und mit britischen Pfundnoten bezahlt. Es wurden etwa 20 bis 30 Zugwaggons nach Deutschland geliefert.“[xxxviii]

 

Es ist aus diesem Zitat nicht ganz ersichtlich, ob van Harten zu diesem Zeitpunkt wusste, dass die Pfundnoten gefälscht waren. Selber nennt er seine Firma „Transkontinent Import Export Gesellschaft“, die sich mit Medikamenten, Harzen und Pflanzenölen befasst habe. Van Harten behauptete, dass er im Sommer 1944 „gewaltige Warenlager in deutschen Freihäfen“ besessen habe. Diese Güter soll er an die Deutschen verkauft und dafür über eine Million britische Pfund bekommen haben, die ihm in Meran ausbezahlt worden seien.[xxxix] Wenn diese Erklärung stimmt, deutet dies darauf hin, dass van Harten in Ungarn noch nicht wusste, dass die Pfundnoten gefälscht waren und dass er damals sozusagen ein „Opfer“ des „Unternehmens Bernhard“ war. Seine Verteidiger könnten argumentieren, allein die Tatsache, dass er sich nach dem Krieg so hartnäckig für die Rückgabe des Darlehens an das jüdische Rettungskomitee einsetzte, beweise, dass er keine Ahnung hatte, dass es sich um Falschgeld handelte.

Van Harten bemühte sich auch unermüdlich um die Rückgabe „seines“ Vermögens, welches vom US-Geheimdienst CIC beschlagnahmt worden war. Für diesen Anspruch ließ er sich sogar durch den Rechtsanwalt Robert Kempner vertreten. Kempner war niemand geringerer als der stellvertretende Chefankläger in den Nürnberger Prozessen (!).[xl] Kann es aber wirklich sein, dass ausgerechnet der gewiefte van Harten nicht gewusst hat, dass die Pfundnoten gefälscht waren? Es ist kaum vorstellbar.

 

Die Aussage des Hagana-Chefs in Italien, Yehuda Arazi, zeigt, dass die van Hartens spätestens in Meran gewusst haben, dass es um Blüten ging. Denn nach dem Krieg traf er dort die völlig verzweifelte Frau van Harten, deren Mann inzwischen vom US-Geheimdienst als Nazi-Agent verhaftet worden war. Sie übergab Arazi – in der Hoffnung, dass er helfen würde eine große Summe und sagte, dass es sich bei einem Teil dieses Geldes um ausgezeichnete gefälschte Pfundnoten handle.[xli] Aus dem Schreiben van Hartens an Schwend 1960, in welchem er nachdem die Bemühungen Kempners nichts gefruchtet hatten um die Hilfe des ehemaligen Chefs bei den Restitutionsansprüchen bittet, ist zu verstehen, dass es ihm bewusst war, dass es sich bei den Pfundnoten um Falschgeld handelte. Trotzdem schreckte ihn diese Tatsache nicht davor ab, seine Forderung ohne jegliche Skrupel voranzutreiben. Er schreibt:

 

„Wissen Sie einen positiven Fall, wo das Reich [höchstwahrscheinlich die BRD] die Pfunde bezahlt hat? [...] Für die Pfunde wurden hochwertige Waren geliefert, und dies stellt eine ungerechtfertigte Bereicherung dar. Aber wie gesagt, es fehlt die Gesetzgebung. Und ich habe in die Sache bereits ziemlich viel Geld hineingesteckt, aber keinen Pfennig herausbekommen, und bin skeptisch. Natürlich wenn Sie die Innenverhältnisse kennen, könnte es die Sachlage grundlegend ändern.“[xlii]

 

Van Harten musste sich sehr sicher gefühlt haben, dass er ausgerechnet einen angeblichen Nazifresser wie Robert Kempner als Anwalt anheuerte und einen erwiesenen Naziverbrecher wie Schwend als Kenner der US-„Innenverhältnisse“ engagieren wollte. Mit dieser Selbstsicherheit und Schamlosigkeit überlebten er und seine Kumpane den Krieg. Van Hartens Verhalten widerspiegelt die Kultur der „Bernhard“-Agenten. Schwend selbst schrieb 1961, als er in Peru zusammen mit anderen Nazikriminellen zusammenarbeitete, mehrere Briefe in seinem richtigen Namen an die israelische Behörde, die den Eichmann Prozess vorbereitete.[xliii] Er denunzierte in diesen Schreiben einen ehemaligen jüdischen Mitarbeiter, Georg Spencer Spitz, der ihn nach dem Krieg betrogen und verraten hatte.

Warum aber vertrat Robert Kempner den Agenten van Harten? Angesichts der Unterstützung und Deckung, die dieser in Israel genoss, ist anzunehmen, dass Kempner das Mandat übernahm, weil ihm beispielsweise der einflussreiche Rechtsanwalt und spätere israelische Botschafter in London, Eliash, van Harten wärmstens empfohlen haben könnte. Der Agent Freier, der die Verbindung zwischen Eliash und van Harten hergestellt hatte, schrieb denn auch: „Eliash verliebte sich in van Harten und wollte mit ihm Geschäfte machen, denn er war geldgierig.“[xliv] Ein Entschädigungsverfahren über mehr als vier Millionen US-Dollar war für einen Anwalt sicherlich sehr lukrativ.

 

Van Harten zieht nach Meran

 

Van Harten verließ Ende Dezember 1944, am gleichen Tag wie sein Chef Becher, Budapest und fuhr nach Meran. Reves soll ihm beim Beladen seines Autos geholfen haben. Dabei sei ihm ein geplatzter Koffer aufgefallen, der voll gepackt mit englischen Pfundnoten gewesen sei. Michael van Harten findet diese Aussage hingegen etwas gar phantasievoll, u.a., weil Reves ihr Auto als mit elektrischen Fenstern ausgerüstet beschrieb. Etwas, das auch eine Luxuskarosse wie ein MG Jahrgang 1937 bestimmt nicht hatte. Jaac van Hartens Erklärung, warum er und seine Familie sich ausgerechnet in Meran niederließen, ist nicht besonders glaubwürdig. In einem Bericht schrieb er:

 

„Im Dezember 1944 erfuhr ich, dass Reste der italienischen Juden sich noch in Konzentrationslagern in [Bozen] Italien befinden sollten. Zu diesem Zwecke fuhr ich mit meiner Familie Ende Dezember 44 aus Budapest nach Meran.“[xlv]

 

In einem Schreiben an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes versuchte van Harten den Eindruck zu erwecken, dass er im Auftrag vom Chaim Pozner vom Palästina-Amt in Genf nach Meran übersiedelte.[xlvi] In seinem Brief an Pozner suggerierte van Harten, dass er im Dienst des IKRK nach Meran zog, was absolut nicht der Wahrheit entsprach, denn seine Akten bei dieser Organisation sind unter den 'falschen Delegierten' archiviert:

 

„Durch unsere Erfahrungen, die wir leider persönlich durchmachen mussten, hatten wir erkannt, dass wir unsere Wege und Beziehungen in den Dienst der Sache stellen müssen. So konnten wir die Verhandlungen Becher inspirieren und dadurch positive Ergebnisse erreichen [...]. Wir konnten einige 1000 Kinder in Heimen unterbringen unter dem Schutz des I.[nternationalen] R.[oten] K.[reuzes] sowie des Schwed.[ischen] R.[oten] K.[reuzes], denen wir Beide angehören. Meine Aufgabe war Mitte Dezember in Ungarn gelöst und so gingen wir nach hier, wo große Aufgaben unserer ähnlich der in Budapest harrten. [...]“[xlvii]

 

Schwend hingegen behauptete, dass ihm Wilhelm Höttl van Harten zum Schutz zugewiesen habe.[xlviii] Diese Erklärung scheint glaubwürdig zu sein. Denn Höttl war höchstwahrscheinlich für die geheimdienstliche Tätigkeiten van Hartens verantwortlich, und Ende 1944 fanden mit seiner Hilfe mehrere andere dubiose Figuren aus Ungarn, wie der ungarische faschistische Außenminister Baron Gabor von Kemény, Zuflucht in Meran.

 

Machenschaften in Meran

 

In Meran angekommen, ließ sich die Familie van Harten im Jänner 1945 im noblen Sanatorium Stephanie nieder. Dort logierten auch andere Mitglieder der „Gruppe Wendig“, in welche sich Jaac van Harten rasch integrierte. Als „Bernhard“-Verkäufer wickelte er in Meran wohl nur ein einziges Geschäft ab: Er kaufte 150 Tonnen Terpentin und belieferte damit die Wehrmacht. Bezahlt wurde selbstverständlich mit Falschgeld. Van Hartens Bedeutung für die SS lag aber woanders. Wie schon erwähnt bemühte sich Schwend, wie andere Nazi-Bonzen, dazumal um ein Alibi für die Nachkriegszeit und um die Sicherung seiner Beute. Die norditalienische SS-Führung versuchte, im Rahmen der „Operation Sunrise“, eifrig, Kontake mit dem deutschfreundlichen OSS-Mann in Bern, Allen W. Dulles, zu knüpfen.[xlix] Schwend und seine Kumpane waren ebenfalls mit von der Partie. Die Nazis in Norditalien verwendeten das gleiche Erpressungsmuster wie Becher und Eichmann in Ungarn. Sie benutzten das Leben von Juden als Druckmittel, um die Verhandlungen mit den Alliierten voranzutreiben und dabei auch Lösegeld zu kassieren. Hier dienten als Faustpfand 150 Juden, die im Gefängnis San Vittore in Mailand festgehalten wurden. Die Initiative ging offenbar vom Schwend-Vertrauten SS-Offizier Walter Rauff in Mailand aus, einem der maßgeblichen höheren Offiziere bei den ersten Versuchen, Juden in Lastwagen zu vergasen. Mit dem Angebot des Judenhandels nahm Valerio Benuzzi, ein jüdischer Kollaborateur, welcher im Dienste Rauffs und der geheimen faschistischen Polizei OVRA stand, Kontakt mit dem IKRK-Vertreter für Norditalien, Oberst Hans Bon, und auch mit dem jüdischen Hilfswerk „Joint“ auf, welches das Lösegeld zahlen und für die Aufnahme der befreiten Juden in der Schweiz sorgen sollte. Dank der Vermittlung Benuzzis traf Bon im Jänner 1945 mit dem SS-Chef von Norditalien, General der Waffen-SS Karl Wolff, dem Erzbischof von Mailand, Kardinal Schuster, und dem deutschen Botschafter im faschistischen Teil Italiens, Rudolf Rahn, zusammen. Dies kann wahrscheinlich als Anfang einer wichtigen Schiene der „Operation Sunrise“ angesehen werden, welche zur deutschen Kapitulation in Norditalien führte.

 

Die Verhandlungen wurden verschleppt. Am 16. Februar teilte Benuzzi dem „Joint“-Vertreter in der Schweiz, Saly Mayer, telefonisch mit, dass die Juden nun von Mailand ins KZ Bozen transferiert worden seien. Von dort sollten sie weiter nach Berlin deportiert werden. Ob die Deutschen diese Drohung wirklich umsetzen wollten bzw. konnten, bleibt offen. Van Harten, der inzwischen auch eingeschaltet worden war,[l] berichtete: „Am Morgen des 25. Februar kam ich nach Bozen [...] Man hatte am vergangenen Abend 130 Juden und 700 politische italienische Gefangene waggoniert, um sie zu deportieren.“[li] Die Deportation wurde dann gestoppt. Im Gegenzug durfte Benuzzi mit Hilfe des IKRK nach Bern fahren, um die Verhandlungen - wahrscheinlich mit Allen Dulles – weiterzuführen.[lii] In einem Bericht des jüdischen italienischen Hilfswerk DELASEM heißt es: „Vertrauensmann 552 , [wahrscheinlich van Harten] übt immer eine große Tätigkeit aus und hat einen Kontakt mit dem Konzentrationslager Bozen ins Leben gerufen, der der wichtigste für dieses Lager sein wird.“[liii] DELASEM sandte jede Woche eine große Zahl Pakete, die persönlich an die Internierten verteilt werden sollten. Van Harten erzählte von großen Lebensmittellieferungen und der Überbringung von Paketen in das „Polizeiliche Durchgangslager“ in der Bozner Reschenstrasse.

 

Ein britischer Gefangener erzählte, dass van Harten Ende Februar im Konzentrationslager Bozen auftauchte, 1000 Lire pro Kopf verteilte und versprach, Lebensmittel zu beschaffen. Danach kam er zweimal im Monat. Die Gefangenen verlangten nach den versprochenen IKRK-Päckchen, aber van Harten meinte, dass dies schwierig sei. Am 26. April wurde Oberst Bon von Genf aus mitgeteilt, dass nach den Verhandlungen zwischen IKRK-Generalsekretär Hans Bachmann und dem zweiten Mann in der SS-Hierarchie, Ernst Kaltenbrunner, letzterer der Freilassung der Juden im KZ Bozen zustimmte. Bon solle diese Botschaft so schnell wie möglich nach Südtirol weiterleiten.[liv] Er rief noch am gleichen Tag van Harten nach St. Moritz und trug ihm auf, die KZ-Insassen zu befreien. Van Harten verstand diesen Auftrag als eine Ernennung zum IKRK-Delegierten in Meran und versuchte dies voll auszunutzen, um die Schwend-Gruppe auch rückwirkend als IKRK-Vertretung darzustellen. Die Rolle Bons bei diesem Auftrag ist noch nicht klar. Sein Stellvertreter, Kurt Tschudi, wusste gar nicht davon und wäre bestimmt dagegen gewesen. Denn schon Ende Februar 1945 beschwerte sich dieser über van Hartens Auftritt als IKRK-Delegierter, und zwar ausgerechnet beim SS-Offizier Walter Rauff. In seinem Bericht schrieb Tschudi:

 

„[...] nach Erhalt von weiterem belastenden Material gegen v. Harten, trat ich mit Herrn Oberst Rauff von der SS-Polizei in Verbindung, um dem Mann sein Handwerk zu legen. Oberst Rauff wich jedoch in geschickter Weise immer aus und wollte von einer Verhaftung nichts wissen, was mich nur noch mehr stutzig machte, denn im Allgemeinen war jeder Vorwand zum Vorgehen gegen einen Nichtarier gut genug.[lv]

 

Am 28. April 1945 erschien van Harten mit Lastwagen im KZ Bozen. Er brachte einen Teil der Häftlinge aus dem Lager, so die Aussage eines englischen Gefangenen, und ließ sie nach Meran transportieren. Zwei Tage später wurden auch die Juden frei gelassen und einige davon im Schloss Labers untergebracht. Selber berichtete van Harten, dass er während zweier Tage 2972 Personen aus dem Bozner und aus den verschiedenen Außenlagern weitere 7000 befreit habe. Zahlen, die ohne Zweifel weit übertrieben sind. Nach über vier Jahren – am 12. April – meldete sich van Harten wieder bei Chaim Pozner, dem Finanzmann der Jewish Agency in Genf, um die Unterbringung der jüdischen Häftlinge in der Schweiz zu koordinieren. Am 30. April schrieb van Harten an Pozner:

 

Soeben tritt das ungarische Außenministerium an mich heran, das I.R.K. vertreten durch mich, möchte den Schutz des ungarischen Staatsschatzes in Form von Gold, Juwelen, etc., Gemäldesammlungen übernehmen. [...] Große Mengen der Juwelen stammen aus den Juden enteigneten Vermögen.“[lvi]

 

Van Harten untermauerte die Mitteilung mit einer Bevollmächtigung, datiert vom 17. März und signiert durch den ungarischen Außenminister Gabor Baron von Kemény.[lvii] Pozner war von dieser großen finanziellen Möglichkeit sehr beeindruckt, denn van Harten gab ihm zu verstehen, dass die Jewish Agency die jüdischen Wertsachen beanspruchen könne, um damit zum Aufbau des jüdischen Staats beizutragen.

 

Es ist ausgeschlossen, dass van Harten tatsächlich der Beschützer des ungarischen Staatsschatzes war. Kemény flüchte zwar um diese Zeit nach Meran, aber bestimmt nicht mit so viel Waren wie in der Vollmacht erwähnt, und der Kronschatz wurde am 4. Mai beim ungarischen Machthaber Ferenc Szálazi, weit weg von Meran, beschlagnahmt.

Der Israeli Yitzchak Tamari, der damals als Soldat der ersten britischen Einheiten diente, die Bozen erreichten, erzählte, wie er dort van Harten getroffen habe. Dieser informierte die jüdischen Soldaten, dass in Meran der ungarische Staatschef Ferenc Szálazi weile,[lviii] der für die Judenvernichtung mitverantwortlich sei und entsprechend viel gestohlenen Schmuck besitze. Die Soldaten sollten den besagten Verbrecher umbringen und den Schatz beanspruchen. Wie sie aber zum Haus des Ungarn kamen, war dieses schon von US-Soldaten umzingelt. Es kann sich hier nur um eine Verwechslung handeln, denn der hohe Politiker muss Kemény gewesen sein, welchem van Harten die Verantwortung für die geraubten jüdischen Schmuckstücke in die Schuhe zu schieben versuchte. Diese Anschuldigung erhob van Harten auch vor dem IKRK. Dabei waren solche Wertsachen, laut zuverlässigen Berichten, im Besitz der Familie van Harten selbst. So berichtete der Hagana-Geheimdienst-Chef in Italien, Yehuda Arazi: „Sie [die van Hartens] hatten mehrere Koffer voller Schmuck und Diamanten bei sich. [...] Woher hatten sie das alles? Ich habe da Zweifel, vor allem wegen der Eheringe. Alles wurde dann nach Palästina geschickt.“[lix]

 

Ein anderer israelischer Agent, Schalheweth Freier, meint dazu:

 

„Außerdem vermag ich mich noch zu erinnern, dass es Schmuckpakete gab, die sehr schön verpackt und mit Namen versehen waren. Ich glaube, die Geschichte dazu lautete, dass es sich um Schmuckstücke handelte, die sie [die van Hartens] von Juden in Ungarn zur Aufbewahrung bekommen hätten. [...]. Ich glaube, später sah ich im Büro von Yehuda Arzi einen Sack voller Eheringe, die wahrscheinlich von KZ-Juden stammten.“[lx]

 

Die Bevollmächtigung für den ungarischen Kronschatz muss als Tarnaktion betrachtet werden, die van Harten und der Beute der Wendig-Gruppe zusätzlichen Schutz verleihen sollte. Diese Geschichte diente als Alibi für die großen Warenlager des „Unternehmens Bernhard“ und für die jüdischen Vermögenswerte. Dafür musste aber ein Teil der Diebesgüter geopfert werden. Die erwähnten jüdischen Wertgegenstände werfen unweigerlich Fragen auf, die den betreffenden Agenten auch ins Auge sprangen, welche sie aber offensichtlich – aus naheliegenden Gründen – nicht weiter verfolgten. Woher kam dieser Schatz? Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass die Schmuckpakete, welche mit Namen versehen waren, van Harten zur Obhut überlassen wurden. Nur ist es nicht sehr plausibel, dass ungarische Juden einem Naziagenten so kurz vor der deutschen Niederlage ihren wertvollen Besitz anvertrauen. Die überzeugendste Erklärung ist, dass es sich um Lösegelder handelt, welche von ungarischen Juden als Schutz (SS-Schutzjuden) und/oder im Zusammenhang mit dem Becher-Freikauf-Deal bezahlt wurden. Becher gab ja das Lösegeld bei Kriegsende an die Jewish Agency. Dabei fehlte aber ein erheblicher Teil dieses sogenannten „Becher-Schatzes“. Trotz mehrerer Untersuchungen bleibt das fehlende Vermögen, welches mehrheitlich aus Schmuckstücken bestand, bis heute unauffindbar. Die hier aufgeführten Indizien erhärten den Verdacht, dass van Harten mit dem verschwundenen Rest des „Becher-Schatzes“ zu tun hatte. Freiers Hinweis über die Eheringe, die wahrscheinlich von KZ-Juden stammten, sollte nicht völlig ignoriert werden, denn er war derjenige, der van Harten bei Kriegsende in Norditalien intensiv verhört hatte, entsprechend musste er auch wissen, ob van Harten die Möglichkeit hatte, KZ-Raubgut zu besitzen.

 

Was geschah mit diesem jüdischen Vermögen? Es sieht danach aus, dass der Hagana-Geheimdienst sich die Wertsachen mit den van Hartens teilte. Es darf nicht vergessen werden, dass van Harten später in Tel Aviv eine Bijouterie mit besonders ausgesuchten Juwelen besaß. Zionistische Organisationen waren absolut im Stande, geraubte private jüdische Besitztümer als ihr Eigentum zu betrachten. Nach der deutschen Kapitulation fanden die US-Soldaten mehrere Meraner Gebäude voller Güter, die der Kemeny-Vollmacht-Liste entsprachen. Diese Lagerhäuser waren alle mit Schildern „Unter Schutz des IKRK“ versehen. Gegenüber dem IKRK behauptete van Harten, dass die Waren größtenteils von italienischen Juden geraubt worden seien. „Ich vertrete den Standpunkt, dass diese Warenvorräte an ihre Besitzer hätten zurückgegeben werden müssen, respektive an deren Erben. Ich nahm diese Lager, um sie vor Ausplünderung zu schützen, unter den Schutz des Comités, und siegelte sie zu.“[lxi] Den amerikanischen Soldaten, die 248 000 IKRK-Identitätsausweise bei ihm entdeckten, erzählte van Harten, dass er IKRK-Chef in Budapest gewesen sei. Den US-Soldaten fiel aber auf, dass die SS-Mannschaften, wenn sie van Harten sahen, sofort salutierten.[lxii]

 

Zusätzlichen Schutz erhoffte sich die Gruppe Wendig durch die freundlichen Dienste des Schweizer Konsularagenten, Alberto Crastan. Crastan, der Schlossherr von Rametz, hatte das Weingut von seinem Vater geschenkt bekommen. Dieser wollte dem erfolglosen Sohn eine solide Existenzgrundlage verschaffen. Die Rechnung ging allerdings nicht auf. Durch die Beziehungen zu seinen SS-Nachbarn im Schloss Labers erhoffte sich Crastan endlich eine lukrative Einnahmequelle. Wie lange er mit den Schwend-Leuten kooperierte, ist aber nicht klar. Bei Kriegsende arbeitete er jedenfalls eng mit van Harten zusammen. Er fuhr z.B. mit dem Naziagenten in die Schweiz, um Oberst Bon zu treffen und in seinem Schloss lagerten „Bernhard“-Waren. Van Harten richtete sich eine große Geschäftsstelle im gleichen Gebäude ein, in dem Crastan sein Büro hatte. Laut dem Bericht eines Schweizer Arztes, welcher mit einer Rotkreuzkolonne am 15. Mai 1945 in Meran eintraf, entfaltete van Harten aus diesen Räumlichkeiten, „eine ungewöhnlich rege und vielseitige Tätigkeit. Den täglich erschienenden Hunderten von Deportierten, Flüchtlingen und Heimatlosen stellte er selbstgedruckte Rotkreuzpässe [...] aus. Im weiteren versah er diese Leute mit Geld und Lebensmitteln.“[lxiii]

 

Aus diesem Bericht geht hervor, dass sich auch mehrere Nazis unter dem Flüchtlingsstrom mischten. Schwend behauptete, van Harten habe auf seine Veranlassung agiert. Laut Yitzhak Tamari stoppten italienische Partisanen SS-Leute mit echten Einreisevisa an der Schweizer Grenze: Ihre Visa hätten sie, so Tamari, von van Harten erhalten.[lxiv] Nur Crastan konnte die Quelle für solche Dokumente. Am 25. Mai 1946 verhaftete die italienische Polizei Crastan. Bei einer Durchsuchung im Schloss Rametz wurden viele Schwarzmarktwaren entdeckt, welche mit gefälschten Pfundnoten gekauft worden waren. Crastan blieb für längere Zeit in Untersuchungshaft. Er vermochte die Polizei nicht davon zu überzeugen, dass er vom verbrecherischen Charakter der Operation im benachbarten Schloss Labers nichts gewusst habe, wo man doch in ganz Meran über die anrüchigen Geschäfte der Schwend-Bande sprach.[lxv]

 

Aus unerklärlichen Gründen ließen die Alliierten und die italienischen Behörden die Untersuchung jedoch plötzlich fallen und Crastan wurde frei gesprochen. Sogar die Schweizer Gesandtschaft in Rom wunderte sich darüber, denn diesem wurden doch schwerwiegende Verbrechen vorgeworfen. Diese Feststellung wiederum hatte den Schweizer Botschafter zuvor nicht daran gehindert, sich für den ehemaligen Konsularagenten einzusetzen.[lxvi]

Alexander Kinkelin, ein Schweizer in Meran, berichtete: „Es scheint, dass die beschlagnahmte Ware von Dritten, zum Teil, in der Folge weiter verschoben worden ist und dass nunmehr auch diese Dritten ein Interesse daran haben, dass kein Prozess geführt werde.“[lxvii]

 

Van Harten und zionistische Organisationen

 

Als sehr nützlich erwiesen sich die Beziehungen, die van Harten mit der Untergrundarmee Hagana knüpfte. Bei den britischen Truppen, die Italien eroberten, waren zwei jüdische Transportbrigaden aus Palästina. Es ging ihnen um Waffenbeschaffung sowie um die Organisierung der illegalen Auswanderung von Juden nach Palästina.[lxviii] Deren erste Station in Italien, wie im La Vista Report zu lesen ist, war in der Tat Meran. Da die finanziellen Bedürfnisse dieser Organisationen sehr groß waren, sollte der Zweck die Mittel heiligen: Einige der eretz-israelischen Soldaten bereicherten sich selber, wie es damals auch bei den Alliierten üblich war. Es gab keinen strengeren Kämpfer gegen diese Korruption als Eliyahu Cohen, der für die Briten lediglich ein Feldwebel, tatsächlich aber Italien-Kommandant der Hagana war. Ausgerechnet dieser Moralapostel war es, der – zusammen mit dem lokalen Hagana-Geheimdienstchef-Chef, Yehuda Arazi – die Kollaboration mit van Harten bewilligte und betreute. Später sorgte er für dessen Sicherheit und Integration in Israel.

 

Die einfachen zionistischen Agenten Shmuel Ossia und Eliëzer Bigar, die bei dieser Affäre nur eine marginale Rolle spielten, waren völlig schockiert und niedergeschlagen, als sie 56 Jahre später erfuhren, dass ausgerechnet der legendäre Cohen, der für seinen hohen moralischen Standard bewundert wurde, bewusst einen Naziagenten gedeckt hatte. Bei Arazi waren sie nicht überrascht, denn für sie war dieser Abenteurer zu allem fähig.[lxix] Ende April 1945 stieß der israelische Hauptmann Alex Moskowitz in Meran auf van Harten, welcher ihm über die in der Region versteckten Raubgüter berichtete. Der Naziagent war bereit, so Moskowitz, ihn zu den Versteckorten zu führen. Van Harten habe in Meran eine Transitstation für die jüdischen Flüchtlinge einrichten wollen, die bald von Norden nach Süden strömen würden.[lxx]

 

Anfang Mai erschienen bei Moskowitz zwei Agenten der geheimen Auswanderungs-organisation „Ha'Bricha“, die unterwegs nach Ungarn waren, um die Fluchtwege nach Palästina zu organisieren. Moskowitz bat nun um van Hartens Hilfe bei der Überquerung des Brennerpasses. Dieser offerierte den Agenten spontan eine große Summe, um ihre Aktivitäten zu finanzieren und bat sie auch, Gelder für verschiedene Leute in Budapest mitzunehmen. Er gab ihnen dann 22.500 „Bernhard-Pfunde“, die bei den bisherigen spärlichen Schilderungen immer als Spende dargestellt wurden. Van Harten verlangte jedoch später die Rückzahlung und wurde dabei von Arazi unterstützt. Der Geheimdienst-Chef wusste zwar, dass das „Darlehen“ mit Falschgeld bezahlt worden war, rechnete jedoch mit noch größeren Leistungen van Hartens.[lxxi] In verschiedenen Quellen wird nebenbei erwähnt, dass seine Beiträge und die Pfund-Blüten damals wichtigste finanzielle Stützen für die illegale Auswanderung und für sonstige Aktivitäten der Hagana waren. Levi Argov (Kopilowitch), einer der Agenten, die das Geld von van Harten in Meran erhalten hatten, behauptete aber, sobald man gemerkt habe, dass die Pfunde gefälscht waren, habe die Ha'Bricha aufgehört, mit den Falsifikaten zu handeln.[lxxii] Joël Palgi, der in Budapest die Arbeit der Ha'Bricha koordinierte, erfuhr, dass in Italien Sterling feil zu haben waren und man in Osteuropa ausgezeichnete Preise dafür erzielen konnte. Deshalb verlangte er von den Kollegen in Italien, Pfunde in großem Stil zu kaufen. Dann behauptete Palgi jedoch etwas schwammig: „Soweit ich weiß, sah die Delegation in Italien von dieser Möglichkeit ab [...].“[lxxiii] Palgis Behauptung wird von den Ausführungen von Arazi widersprochen:

 

„Wir fanden heraus, dass diese [van Hartens Gelder] die von den Deutschen gefälschten Pfunde waren. Ich schickte dieses Geld zum Korporal Katz nach Österreich. Er sollte versuchen, die Blüten auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Wir kauften Goldbarren, die wir zuerst nach Frankreich schickten und nach einem großen Umweg in die Schweiz. Wir verdienten dadurch das Neunzehnfache des ursprünglichen Wertes.“[lxxiv]

 

Die Akten des Hagana-Finanzchefs, Pino Ginsburg, zeigen, dass Genf das Zentrum dieses umfangreichen illegalen Handels war,[lxxv] und van Hartens Beitrag dazu kann nicht genug betont werden. Insofern zahlte sich der Einsatz zur Befreiung van Hartens für die zionistischen Gruppen aus, nachdem dieser vom CIC im Mai 1945 in Meran als Naziagent verhaftet und im Lager Terni für fast ein Jahr interniert worden war. Außerdem beschlagnahmte der CIC weitere Teile „seiner“ Besitztümer. Van Harten behauptete, dass sich die betreffenden US-Agenten bereichert hätten und später unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen seien.

Verzweifelt suchte van Harten nach Rettung. Einzig der Hagana-Geheimdienst kam ihm zu Hilfe und ihm den Agenten Freier sandte. Dieser kümmerte sich auch um die verzweifelte Frau van Harten und deren Sohn und brachte sie von Meran nach Mailand. Dort arbeitete die Frau eine Weile in der Kantine der jüdischen Soldaten. Der kritische Yitzhak Tamari fragte dann den strengen Hagana-Chef Cohen, warum die Nazi-Agenten geschützt würden, worauf dieser antwortete: „Ich versprach es ihnen, und ein Gentleman hält sein Wort.“[lxxvi]

 

Dank seiner Kontakte wurde der Naziagent van Harten Mitte 1946 freigelassen und blieb zum Jahresende in Italien im Dienst dieser Organisation. Später zog er nach Tel-Aviv, wo seine Familie inzwischen wohnte und lebte sich schnell ein. Erstaunlicherweise war für diese rasche Integration Cohens Vater Abba verantwortlich und nicht die reiche Familie Schocken, mit der Frau van Harten verwandt war. Abba Cohen folgte blind den Instruktionen seines geheimnisvollen Sohnes, öffnete van Harten wichtige Türen und wurde selbst zu dessen Geschäftsführer.[lxxvii] 1947 wollten die damals in Palästina herrschenden Briten van Harten wegen seiner „Bernhard“-Vergangenheit loswerden. Freier, der mittlerweile wieder im Lande war, half dem ehemaligen Agenten, die Verbindung zum renommierten Rechtsanwalt Eliash herzustellen. Auf das Gesuch Eliashs hin stellte Golda Meir, in ihrer Funktion als De-facto-Außenministerin, van Harten einen Persilschein aus, der seine Abschiebung vereitelte. In ihrem Brief an Eliash schrieb sie:

 

„Ich möchte Sie informieren, dass wir Beweise besitzen, dass Herr van Harten während des ganzen letzten Krieges Mitglied des jüdischen Untergrundes in Europa war. [...] Ich bin der Meinung, Herrn van Hartens Vergangenheit während des Krieges rechtfertigt eine bevorzugte Berücksichtigung seines Gesuchs, in Palästina zu bleiben.“[lxxviii]

 

Dieses Leumundszeugnis steht jedoch im krassen Widerspruch zu Berichten der jüdischen Agenten, die mit ihm näher zu tun hatten. So gut geschützt führte van Harten ein Schmuckgeschäft im Herzen Tel-Avivs und wohnte als angesehener Bürger im Nobelort Savyon. Niemand untersuchte die Quellen „seiner“ Schmuckstücke und Gemälde, die er z.T. aus Ungarn gebracht hatte. 1973 starb er, und die Bijouterie wurde von seinem Stiefsohn weitergeführt – bis nach der Veröffentlichung eines Artikel in der bekannten israelischen Zeitung „Ha'aretz“ über die braune Vergangenheit Jaac van Hartens.[lxxix]

Ein hoher Mossad-Amtsträger meinte danach im Privatgespräch mit Yitzchak Tamari, dass er die Empörung über diese Angelegenheit nicht verstehe: „Wir brauchten damals Geld, und er hatte viel davon. So einfach war das.“[lxxx]

 


 

[i] Adolf Eichmanns Prozess fand 1961 in Jerusalem statt. In seinem polizeilichen Verhör findet sich ein Hinweis auf seine Beziehungen mit einem jüdischen Naziagenten namens Jacques.

[ii] Ein Fall eines vermeintlichen jüdischen Nazi-Kollaborateurs in Ungarn. Über den Kastner-Prozess siehe weiter unten.

[iii] Schalheweth Freier im Interview mit Nana Nosinow 17.7.1966, Hagana-Archiv , Tel-Aviv, 197.27.

[iv] Vincent La Vista Report, Illegal emigration movements in and through Italy, May 15, 1947, Appendix „C“ - Page 4, National Archives (NA), Record Group (RG) 59, FW800.0128//5-1547.

[v] Julius Mader, Banditenschatz, Berlin 1966, S. 68.

[vi] Vgl. dazu Gerald Steinacher, Südtirol und die Geheimdienste 1943–1945 (Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Bd. 15), Innsbruck – Wien – München, 2000, S. 160 ff. Werner Brockdorff, Flucht vor Nürnberg. Pläne und Organisation der Fluchtwege der NS-Prominenz im „Römischen Weg“, München – Wels, 1969, S. 55 ff und S. 76 ff. Neben viel Spekulation enthält der Band von Brockdorff auch einige wertvolle Detailinformationen zu Schwend und dem Unternehmen „Bernhard“ in Meran.

[vii] Vgl. dazu allgemein Barbara Schäfer (Hrsg.), Historikerstreit in Israel. Die „neuen“ Historiker zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, Frankfurt – New York 2000.

[viii] S. B. Beit-Zvi, Post-Ugandan Zionism in the Crisis of the Holocaust, Tel Aviv 1991.

[ix] Siehe z.B. Edwin Black, The Transfer Agreement, New York 1984.

[x] Gespräche des Verfassers mit Natan Dror-Schwalb (einem zentralen zionistischen Rettungsaktivisten) 1991-1996.

[xi] Interviews des Verfassers mit Natan Dror-Schwalb 1991–1996.

[xii] Über das US-Verhalten siehe David Wyman, Das unerwünschte Volk. Amerika und die Vernichtung der europäischen Juden, Max Hüber Ismaning, 1986.

[xiii] Zitat nach Charles Higham, Trading with The Enemy. An Exposé of The Nazi-American Money Plot 1933–1949, Delacorte Press, New York 1983, S. 157.

[xiv] Shraga Elam, Hitlers Fälscher. Wie jüdische, amerikanische und Schweizer Agenten der SS beim Falschgeldwaschen halfen, Wien 2000, S. 103 ff.

[xv] Kurt Emmenegger, Reichsführer gehorsamster Becher, 18-teilige Serie in der Schweizer Wochenzeitschrift Sie & Er, 1962/63.

[xvi] Elam, Hitlers Fälscher, S. 70.

[xvii] Wilhelm Höttl, Einsatz für das Reich. Im Auslandgeheimdienst des Dritten Reiches, Koblenz, 1997, S. 331.

[xviii] Brief an die Fremdenpolizei Bern, 19.4.1940, Schweizerisches Bundesarchiv (SBAr) E4320(B) 1990/206 Bd. 190, C.16.1925.

[xix] Verhör bei der Kantonspolizei Vaud, Lausanne, 11.7.1940, SBAr E4320(B) 1990/206 Bd. 190, b.16.1925.

[xx] Interview des Verfassers mit Michael van Harten im November 2001.

[xxi] Das Palästina-Amt war sozusagen die vorstaatliche israelische Botschaft.

[xxii] Interview mit Jacques van Harten von Nana Nusinow-Sagi, 23. September 1967. Hagana Archiv, Tel-Aviv, 93.23.

[xxiii] Eine undatierte Aktennotiz von Pozner, Central Zionist Archives (CZA), L17/174.

[xxiv] Habib Kann'an, Die ungarische Krone, in: Ha'aretz, 31.5.1974.

[xxv] Brief van Hartens an Pozner, 12.4.1945, CZA L17/174.

[xxvi] Hinweis des US-Forschers John Loftus.

[xxvii] Interrogation Summary, 349th Infantry , US-Army, 21.5.1945. Kopie im Besitz des Verfassers.

[xxviii] Brief Schwalbs an Mayer vom 15.5.1945, CZA L17/174.

[xxix] Interview des Verfassers mit Peretz Reves, April 2000.

[xxx] Randolph L. Braham, the Nazi collaborator with a jewish heart: the strange saga of Jaac van Harten, in: East European Quarterly, XXXV, No. 4, January 2002.

[xxxi]Tépd le a sárga csillagot (Rip Off the Yellow Star). Hrsg. von István Gábor Benedek and György Vámos (Budapest: Pallas Lap- és Könyvkiadó, 1990), S. 174185 besonders S. 184–185.

[xxxii] Interview des Verfassers mit Reves, April 2000.

[xxxiii] Kurt Emmenegger: „Eichmann mordete – Becher kassierte“.

[xxxiv] Brief Georg Gyslings an Schwend, 12.9.1953, Schwend-Akten im Archiv für Sozialgeschichte, Hamburg.

[xxxv] Kurt Emmenegger, Der Fall Deutsch. Tatsachen zu einem Justizskandal, Zürich 1970 S. 179.

[xxxvii] Aussage Alois Menick bei Oberrichter Dr. Kehrli, 4.7.1945, Schweizerisches Bundesarchiv (SBAr) E2001(D) 7 Bd. 17 S. 245 (fehlerhaftes Deutsch im Original).

[xxxviii] Statement of Marko Berani, S. Vittorio Prison, Milano, 24.5.1945 (Kopie im Privatbesitz des Verfassers).

[xxxix] Bericht van Hartens an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes IKRK, 8.6.1945, Archiv des IKRK, G61, Dossier des falschen Delegierten Jaac van Harten.

[xl] Brief van Hartens an Schwend 5.11.1960, Schwend-Akten, im Archiv für Sozialgeschichte, Hamburg

[xli] Yehuda Arazi-Bericht, 21.8.1955, S. 23, Yad Tabenkin, Block 25, Serie: Tav, Kontainer 2 File 26.

[xlii] Brief van Hartens an Schwend, 5.11.1960, Schwend-Akten., im Archiv für Sozialgeschichte, Hamburg

[xliii] Brief Schwend an die israelische Botschaft in Lima, 13.6.1960 und Brief Schwend an Chefinspektor Samuel Roth (israelische Polizei), 25.7.1960. Israelisches Staatsarchiv, Eichmann-Prozess-Akten A/3054 AZ 206.

[xliv] Schalheweth Freier, Interview mit Nosinow.

[xlv] Bericht über Italien von J. van Harten, Yad Vashem Archiv, Nachlass Pozner, P12/38.

[xlvi] Bericht van Hartens an das IKRK, 8.6.1945, , Archiv des IKRK, G61, Dossier des falschen Delegierten Jaac van Harten.

[xlvii] Brief van Hartens an Pozner, 12.4.1945, CZA Nachlass Pozner, L17/174.

[xlviii] Brief Schwends an den Stasi-Mann Julius Mader, 15.7.1964, Schwend-Akten.

[xlix] Zur Rolle von Allen Dulles vgl. Christof Mauch, Schattenkrieg gegen Hitler. Das Dritte Reich im Visier der amerikanischen Geheimdienste 1941 bis 1945, Stuttgart 1999, S. 152 ff.

[l] Selber behauptet van Harten, dass er schon am 7. Januar 1945 das erste Mal das KZ-Bozen besuchte. Bericht van Hartens an das IKRK, 8.6.1945, S. 4. , Archiv des IKRK, G61, Dossier des falschen Delegierten Jaac van Harten.

[li] Ebd., S. 5.

[lii] Benuzzi ist in Bern spurlos verschwunden.

[liii] Delasem-Bericht, unsigniert, 2.4.1945, Saly Mayer-Archiv, Mikrofilm Nr. 16, ETH-Archiv für Zeitgeschichte.

[liv] Telefongesprächs-Protokoll, 26.4.1945, AIKRK G.59/8/EV.

[lv] Bericht K. Tschudi an den Präsidenten des IKRK, 22.6.1945, AIKRK G61.

[lvi] Brief van Hartens an Pozner, 30.4.1945, Yad Vashem Archiv, P12/38.

[lvii] Bevollmächtigung, 17.3.1945, Yad Vashem Archiv, P12/38.

[lviii] Interview des Verfassers mit Yitzhak Tamari, November 2001.

[lix] Yehuda Arazi-Bericht, 21.8.1955, S. 23.

[lx] Interview Schalheweth Freiers mit Nana Nosinow, 17.7.1966.

[lxi] Bericht van Hartens an das IKRK, 8.6.1945, S. 11., , Archiv des IKRK, G61, Dossier des falschen Delegierten Jaac van Harten.

[lxii] Undatierter Bericht von Rock Ferris, AMG 5th Army, AIKRK G61.

[lxiii] Bericht eines ärztlichen Begleiters der Rotkreuzkolonne vom 14.5 – 25.5.1945 nach Meran, Dr. Jovanovits, Kantonsspital Zürich, 4.6.1945, AIKRK SG 4/13/M, S. 3.

[lxiv] Interview des Verfassers mit Yitzhak Tamari, November 2001.

[lxv] Vgl. dazu Eva Pfanzelter, Zwischen Brenner und Bari. Jüdische Flüchtlinge in Italien 1945 bis 1948, in: Flucht nach Eretz Israel. Die Bricha und der jüdische Exodus durch Österreich nach 1945, hrsg. v. Thomas Albrich, Innsbruck – Wien – München 1998, S. 240 f.

[lxvi] Brief des Botschafters Ritter aus Rom an das EPD, 4. 10.1945, Botschafter Ritter an das EPD, 4.10.1945, Personalakten Alberto Crastan, SBAr E2500 -/1 Bd. 7 B.21.213.22.

[lxvii] Ebd., Brief Alexander Kinkelin, an das Schweizer Konsulat in Venedig, 6.5.1947.

[lxviii] Laut der israelischen Historikerin Idith Zertal war diese illegale Auswanderung nach Palästina keine Rettungsaktion für die Shoa-Überlebenden, sondern die Ausnützung ihres Leidens für propagandistische Zwecke, um die Briten noch mehr unter Druck zu setzen. Die damaligen Bilder der Überlebenden, die von brutalen britischen Soldaten daran gehindert wurden, nach Palästina auszuwandern, waren in der Medienkampagne sehr effektiv.

[lxix] Interview des Verfassers mit Shmuel Ossia und Eliëzer Bigar im November 2001.

[lxx] Thomas Albrich (Hrsg.), Flucht nach Eretz Israel. Die Bricha und der jüdische Exodus durch Österreich nach 1945, Innsbruck – Wien – München 1998. Vgl. auch Gesellschaft für bedrohte Völker Bozen (Hrsg.), Minderheiten auf der Flucht, Auf dem Weg nach Palästina, Zweites Kapitel: Flucht aus Südtirol, Flucht nach Südtirol http://www.gfbv.it/3dossier/flucht/2kap.html#17 (Stand: 24.8.2002).

[lxxi] Hagana Archiv 14/88.

[lxxii] Interview Levi Argov mit dem Verfasser, November 2001.

[lxxiii] Ergänzung zum Bericht von Joel Nussbacher [Palgi], Hagana Archiv 14/477.

[lxxiv] Yehuda Arazi-Bericht, 21.8.1955, S. 23.

[lxxv] Hagana Archiv 14/86.

[lxxvi] Yitzhak Tamari. Gespräch mit dem Verfasser, November 2001.

[lxxvii] Meir Cohen, Eliyahus jungen Bruder, Interview mit dem Verfasser, November 2001.

[lxxviii] Brief Goldie Myerson (später Golda Meir) an RA M. Eliash 26.9.1947, Zentral Zionistisches Archiv S25/1247.

[lxxix] Ronen Bergman: Nazi collaborator, or hero?, in: Ha'aretz, 28.4.2000 (dieser Artikel basiert mehrheitlich auf den Recherchen desVerfassers).

[lxxx] Quelle dieses Zitats ist Yitzhak Tamari.

 


Kenneth Lewan
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