Amira Hass, 17.3.09
‚Wir kommen, um
euch zu vernichten’, ‚Tod den Arabern !’, ‚Kahane
hatte recht’, ‚Keine Toleranz, wir kamen, um zu
liquidieren’. Dies ist eine Auswahl der Graffitis,
die israelische Soldaten an den Wänden
palästinensischer Wohnungen, die sie als Biwaks
oder Schießstellungen während der Operation
‚Vergossenes Blei’ im Gazastreifen hinterlassen
haben. Hier oder dort schrieb ein Soldat eine Zeile
eines Spottgedichtes oder ein biblisches Zitat mit
ähnlicher Meinung. Es gab auch Flüche auf den
Propheten Mohamed und den Hamasführer Ismail Haniyeh
zusammen mit Zeitplan-Notizen für die Schicht und
zu Lieblingsfußballteams.
Als die
Wohnungsbesitzer zurückkehrten, fanden sie
gewöhnlich große Verwüstung vor – entweder von der
ersten Granate der IDF, die die Bewohner verjagen
sollte oder vom Einbruch: Zerstörung der Möbel, der
Kleidung, der Wände, Computer und aller Geräte.
Häufig waren
die beschädigten Wohnungen die einzigen in einer
Umgebung von Bulldozern völlig zerstörter Häuser.
The Bewohner fanden auch den Abfall, den die
Soldaten hinterlassen haben.
In Israel
zählen Forschungsinstitute jeden beleidigenden
Slogan, der im Ausland auf jüdischen Friedhöfen
gefunden wird und dokumentieren jeden
problematischen Artikel, um jedes Auftauchen von
Antisemitismus zu kontrollieren. Die Medien maßen
jedem kleinsten Graffito gegen den ermordeten
Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin Bedeutung zu.
Aber über den täglichen Rassismus – den
institutionellen und den allgemeinen, den öffentlich
erklärten und praktischen – gegen die Araber Israels
und die Palästinenser in der Westbank wird
gewöhnlich vorsichtig und sehr selten berichtet.
Kein Wunder
also, dass die hebräischen Graffiti, deren Schreiber
auch destruktiv waren, und die sich auf Wänden
mitten in palästinensischen Wohngebieten befanden,
nicht von israelischen Antennen aufgenommen wurden,
die sonst so sensibel gegenüber Rassismus gegenüber
Juden sind.
Die
Militärsprecher konnten die Berichte und
Zeugenaussagen über das Töten von vielen Zivilisten
über kurz oder lang als erfunden oder manipuliert
hinstellen und antworteten allgemein, dass die
Terroristen dafür verantwortlich seien, weil sie
sich in der Nähe versteckt hielten. Die israelische
Gesellschaft, vor deren Blick die Operation in
geschlossene Archive vergraben worden ist, ist für
jeden Trick bereit, um zu erklären, wie richtig und
moralisch überlegen ihre Armee ist.
Aber die
photographierten hebräischen Graffitis können
nicht verleugnet und als erfunden hingestellt
werden; um so weniger wenn sie neben Namen der
Armee-Einheiten und einzelner Soldaten auftauchten.
Der Militärsprecher sagte denn auch, dass die
Graffiti den Werten der IDF widersprechen; und die
IDF dies ernsthaft und besorgt betrachtet.
Nicht alle
Soldaten schrieben Graffitis, aber die Kameraden und
Kommandeure derjenigen, die dies taten, haben sie
nicht daran gehindert, und was sie an die Wand
gekritzelt hatten, wurde auch nicht weggemacht.
Hier können wir
also die Ernsthaftigkeit und Integrität der Soldaten
preisen. Sie fühlten sich beim Schreiben frei ,
weil sie wie die Piloten und die Bediener der
Raketen tragenden Drohnen wussten, dass sie von
ihrer Regierung und Kommandeuren freie Hand bekommen
hatten, eine zivile Bevölkerung anzugreifen. Warum
sollte es dann ein Problem mit den Wörtern geben,
die sie wählten? Was sie an die Wand schrieben,
reflektiert nur ihr Verständnis des Geistes ihres
Auftrages.
Im Gegensatz zu
älteren Kommandeuren, denen es erlaubt war, mit
gewissen von der Armee akzeptierten Journalisten zu
reden und die sorgfältig das wiedergaben, was die
Rechtsberater der IDF und das Büro des Staatsanwalts
ihnen zu sagen erlaubte, haben die Schreiber der
Graffitis, Soldaten der regulären Armee, die mit der
Besatzung und Israels militärischer Überlegenheit
aufgewachsen sind, nicht verstanden, dass die Welt
außer Waffen noch etwas anderes macht, nämlich
Gesetze, Regeln und menschliche Normen.
Ihre
Kommandeure erlaubten ihnen, Normen zuwider zu
handeln, die sie offensichtlich nicht kennen. Anders
als jene, die die Antworten der IDF-Sprecher
formulieren, sind die jungen schlichten Soldaten
beim Vertuschen der Armeeaktionen und ihrer Aufgabe
unerfahren, um mit Worten die Wahrheit zu
verschleiern.
(dt. Ellen
Rohlfs)