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39 Armeeüberfälle, 28
Verhaftungen: an nur einem Tag in der Westbank -
an einem normalen Tag
Amria Hass
„Das Jahr 2009 war vom
Standpunkt der Sicherheit für die Israelis das
Ruhigste und für die Palästinenser das
Gewalttätigste, hinsichtlich der Angriffe von Seiten
der Siedler in der Westbank.“ Als er dies gerade
gesagt hatte - als ein Beispiel für die
Absurditäten, die die politische Situation
charakterisieren – empfängt der palästinensische
Landwirtschaftsminister Ismail Daiq einen Anruf aus
dem Jeniner Distrikt: fünf artesische Brunnen im
Dorf Daan seien an diesem Morgen zerstört worden.
Eine Person sei beschossen worden und am Unterleib
verletzt worden, als er versuchte, die Pumpe zu
heben, um sie vor Schaden zu bewahren. Dies war kein
Angriff der Siedler, sondern ein Überfall der Armee.
Und dies war nicht das
einzige Routineereignis am Mittwoch, den 24.
Februar. Die Verhandlungsabteilung der PLO sammelt
täglich aus allen Distrikten der besetzten Gebieten
(Gaza und Westbank und Ost-Jerusalem) und
veröffentlicht in einem täglichen Situationsbericht
durch die Palästinensischen Monitorgruppe. Um der
Zweckmäßigkeit willen, werden die einzelnen Vorfälle
kategorisiert und dann die Details jedes Distriktes
aufgezeichnet.
An diesem Mittwoch sind
es 212 Vorfälle, die mit der Besatzung zu tun haben
und über die berichtet wird. Die Beispiele schließen
ein: vier physische Überfälle, die sich in der
Westbank zutragen und Zivilisten einschließen, die
in Nablus und Jerusalem geschlagen werden; ein
verletzter Zivilist in Daan; acht militärische
Angriffe mit Schießerei ( 2 in Gaza, zwei bei
Überfällen und einer kam von einem militärischen
Außenposten; 39 Armeeüberfälle ( einer in Gaza), 28
Festnahmen und 12 Verhaftungen an Checkpoints und
in Wohngebieten. Die Beispiele auf der Checkliste
schließen Wohnungszerstörungen ein ( keine an diesem
Tag), Zerstören von landwirtschaftlich genütztem
Land ( eine im Gazastreifen) und der Weiterbau an
der Trennungsmauer ( an 22 Stellen).
Der Bericht schließt
Zerstörungen von Eigentum ein (sieben Fälle,
einschließlich Zerstörung von Brunnen und Ernte) ;
Checkpointschließung ( acht Fälle an fünf
Checkpoints, einschließlich von Behinderungen des
Durchganges) ; mobile Checkpoints ( 23) ,
vollkommene Absperrung von Zugangsstraßen zu
Dörfern (7); Schließung von Hauptstraßen (40,
einschließlich vier nach Bethlehem und 14 nach
Hebron und das Dorf Jaba östlich von Ramallah;
Schließung von Hauptkreuzungen (4, einschließlich
der Dauerblockade von Gaza) Unterbrechungen des
Schulunterrichts (3 Fälle, einschließlich des
Werfens mit Tränengaskanistern; Gewalt von Seiten
der Siedler ( ein Fall in Sheik Jarrah;
Demonstrationen (eine in Hebron) ; die Checkliste
schließt auch palästinensische Angriffe ein ( keine
an diesem Tag).
Die Philosophie hinter
dem Situationsbericht ist klar. Ein Vor/Unfall ist
nicht nur ein Todesfall , ein Angriff/ Überfall,
Schusswechsel oder Zerstörung. Es ist etwas, das
ständig Schaden anrichtet, es ist die Politik der
Absperrungen, des Mauerbaus, der ständigen Blockade
des Gazastreifens. Aber selbst ohne diese auf die
Besatzung bezogenen Probleme – der größte Teil
dieser Vorfälle wird der Mehrheit der Israelis nicht
bekannt gemacht.
Keine Statistik kann
die emotionalen und sozialen Leiden ausdrücken, die
jeden Vorfall oder Non-event begleiten, wie z.B.
die Gefängnishaltung von 1,5 Millionen Menschen
innerhalb des Gazastreifens oder die Tatsache, dass
Zehntausende nicht in der Lage waren, sich das Haus
wieder aufzubauen, das während des israelischen
Angriffes im Winter 2008/ 2009 zerstört wurde. Auch
ohne zu fragen, kennt man die Gründe für die
Zerstörung der Brunnen im Jenin-Distrikt: sie wurden
„ohne Genehmigung“ gegraben. Aber der Souverän, der
zerstört, ist auch derjenige, der die
Wasserressourcen kontrolliert, und der über die
ungleiche Verteilung des Wassers zwischen
Palästinensern und Israelis entscheidet. Die
Statistiken schließen nicht die wirklichen
Schwierigkeiten ein, die mit dieser Diskriminierung
oder der permanenten Beleidigung zusammenhängt.
2009 zerstörte Israel
225 palästinensische Häuser in der Westbank und
machte 515 Palästinenser obdachlos, berichtete das
UN-Office für die Koordination humanitärer
Angelegenheiten. Tausende mehr in der Zone C und in
Jerusalem leben in ständiger Angst, dass ihr Haus
zerstört wird und dass auch sie von ihrem Wohnort
vertrieben werden.
Wie kann man Ängste
zählen? Wie die Angst, die in den Häusern von 700
Minderjährigen empfunden wird, die die IDF 2009
verhaftet hat. Der palästinensische Ableger von
Defense for children International
stellte 218 von diesen Minderjährigen vor. 40 wurden
entlassen, 28 gegen Kaution und 12 ohne
Bedingungen. Sieben Minderjährige wurden in
Verwaltungshaft gehalten, also ohne Prozess. Im
ganzen wurde 192 vor Gericht gebracht, von denen 23
12 oder 13 Jahre alt waren und 46 waren 14 oder 15
Jahre alt. Die Mehrheit - 123 Minderjährige waren
16 oder 17 Jahre alt.
Zu weniger als sechs
Monate Haft wurden 121 von diesen verurteilt – 63 %
- während 31 von ihnen Haftstrafen zwischen 6
Monaten und einem Jahr und 32 Haftstrafen zwischen
einem und drei Jahren erhielten. Acht von den
Minderjährigen bekamen mehr als drei Jahre
Gefängnisstrafe.
Die Mehrheit ( 117)
wurde wegen Steinewerfens verhaftet, 33 weil sie
Molotov-Cocktails besaßen oder warfen, 11 waren
Mitglieder in verbotenen Organisationen, acht
hätten sich verabredet, zu töten, sieben besaßen
oder versteckten Sprengstoff und 16 hätten Waffen
versteckt oder fabriziert.
Im Augenblick wollen
wir nicht über die Verhaftungen, die Prozesse des
Militärsystems diskutieren, von dem gesagt wird, es
würde Gesetz und Ordnung aufrecht erhalten,
tatsächlich aber hält es die Besatzung aufrecht.
Lassen wir auch jetzt die Tatsache beiseite, dass es
in militärischen Tribunalen oft ratsam ist, die
Anklagen zuzugeben, die der Angeklagte gar nicht
begangen hat, da die Haftzeit während der
Prozesszeit länger sein kann als die tatsächliche
Haft wegen der angeblichen Straftat.
Aber wie kann man die
persönliche und kollektive Wut durch geworfene
Steine in Zahlen ausdrücken und die durch Israels
Militärtribunal erst geschaffen wird?
Alles, was wir
berichten und was sich mit Israels Herrschaft über
die Palästinenser befasst, führt in die Irre . Es
erweckt den Eindruck, dass egal, was berichtet
worden ist, dies alles sei, was auf
palästinensischer Seite geschieht und dass sonst
alles normal sei oder gar blüht und gedeiht. Jedes
in israelischen Zeitungen veröffentlichte Problem
ist nur ein Hinweis auf das, was alles fehlt und was
keiner wissen möchte.
(dt. Ellen Rohlfs)
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