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 Brief von Prof. Dr. Werner Ruf an Frank Plasberg

  

Edermünde, den   15. Februar 2009

 Sendung vom 21. Januar.

 

Sehr geehrter Herr Plasberg,

da ich schon in einer Ihrer Sendungen Gast sein durfte und da ich bisher Ihre Diskussionsrunden  immer sehr geschätzt habe, war ich doch ziemlich betroffen, ja entsetzt über den Verlauf dieser Sendung und meine, es könnte dabei – jenseits des immer vorhandenen Risikos der Auswahl der Gäste - auch um die Konzeption der Sendung gegangen sein.

1.      Angekündigt war „…Gaza – wie weit geht unsere Solidarität mit Israel.“

Diesem Anspruch wurde die Sendung in keiner Weise gerecht, denn die Debatte schweifte immer wieder weit vom Thema ab. Die Einspielung des Films über eine Demonstration und über die Person eines muslimischen Demonstranten hatte mit der Frage nach „unserer“ Solidarität wohl nichts zu tun, sondern diente eher einer Emotionalisierung gegen „den Islam“, die mit dem Thema nur so viel zu tun hat, als die Erwähnung der Hamas stets mit dem Adjektiv „radikalislamisch“ zu erfolgen hat.

2.      Dem Kollegen Steinbach, der – sichtlich erregt ob der Diskussion – mehrfach versuchte, zum Thema zurück zu führen, wurde mehrfach das Wort abgeschnitten. So war es schlicht nicht möglich, auf die Ursachen des Konflikts einzugehen und damit zu einer rationalen Einschätzung seines Verlaufs zu kommen. Die wenigen Worte, die Herr Kienzle dazu sagen konnte, reichten dafür nicht.

3.      Die Emotionalisierung der Debatte besorgte hervorragend Herr Friedman, der meiner Schätzung nach weit über ein Drittel der gesamten Redezeit für sich in Anspruch nahm. Sie können dies sicher nachmessen. Das war hart für die übrigen Teilnehmer – aber nicht fair!

4.      Vor allem gelang es Friedman, Juden, Judentum und Israel gleichzusetzen. Dies ist aber falsch – und riskiert, indirekt und von Ihnen sicher ungewollt - zur Verschärfung antisemitischer Vorurteile beizutragen. Denn: Nicht jede Regierung steht für die Gesamtheit ihrer Staatbürger – so auch in Israel, wo Friedensgruppen massiv gegen diesen Krieg protestierten und junge Menschen den Kriegsdienst trotz hoher Strafen verweigern. Und schon gar nicht steht Israel für die Juden in der Welt: Dies müsste Ihnen bei den Recherchen zu der Sendung aufgefallen sein. Neben (oder gegen Herrn Friedman) wäre ein Repräsentant des humanistischen und kritischen Judentums zu setzen gewesen wie beispielsweise, um in Deutschland zu bleiben, der Kollege Verleger oder die Kollegin Reisin.

5.      So ging der für Ihre Sendungen sonst so wichtige kritische und aufklärerische Anspruch gerade bei diesem Thema völlig verloren.

Dies bedaure ich angesichts gerade dieses so emotional aufgeladenen Themas sehr.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

 

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