Bethlehem
leidet große Not oder
"Das Normale ist schlimm genug"
Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Angst
vor der Zukunft bestimmen seit über vier Jahren den Alltag der
Menschen in Bethlehem und ganz Palästina.
In
der Geburtstadt Jesu beträgt die Arbeitslosigkeit nach über 4
Jahren der Abriegelung ca. 75%. Da keine Pilger und Touristen die
Stadt besuchen, sind die meisten Geschäfte geschlossen und in denen,
die geöffnet sind, gibt es keine Kunden. Für Bethlehem, das bis zum
Jahr 2000 fast ausschließlich von den Pilgern und Touristen gelebt
hat, bedeutet dies eine wirtschaftliche und menschliche Katastrophe.
Die in guten Zeiten erwirtschafteten Ersparnisse sind längst
aufgebraucht. Oft fehlt das tägliche Brot, Medikamente können sich
viele nicht mehr leisten, da sie zu teuer sind. Familien können das
Schulgeld für ihre Kinder an den christlichen Schulen und der
Universität nicht mehr bezahlen. Dazu kommen täglich neue
Repressalien, Landenteignungen und De-mütigungen durch die
israelische Armee.
Seit eineinhalb Jahren wird eine Mauer
um die Stadt gebaut, die kein Verlassen mehr erlaubt, es sei denn,
man hat eine Erlaubnis der israelischen Regierung. Diese aber ist
kaum zu bekommen und keine Garantie. Bethlehem ist ein großes
Gefängnis geworden - rundherum eingemauert.
Mit
jeder gescheiterten Friedensinitiative wird den Menschen ein Stück
Hoffnung und ein weiteres Stück ihrer wirtschaftlichen
Lebensgrundlage geraubt. Dabei ist von beiden nicht mehr viel da,
was man ihnen nehmen kann.
Wenn
die Menschen in Bethlehem ihre Situation beschreiben sollen, stecken
sie in einem Dilemma. Für sie ist das Leben mit eingeschränkter
Bewegungsfreiheit, Kontrollen und Arbeitslosigkeit zum Normalfall
geworden. So dass es aus ihrer Sicht heißt: „Aus Bethlehem nichts
Neues“. Doch solange es nichts Neues zu berichten gibt, schenken nur
wenige aus dem Ausland der Situation ihre Aufmerksamkeit. Dabei
„lohnt“ sich der genauere Blick, auch wenn es nicht Neues gibt. Denn
das Alte ist schlimm genug.
Zur Normalität
gehört, dass der Kreis um Bethlehem immer enger gezogen wird, dass
Menschen aus den Dörfern im Grossraum Bethlehem nur nach dem
Passieren mehrerer Checkpoints der israelischen Armee zu
lebenswichtigen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Schulen. Das
dauert Stunden.
Normal ist, dass viele Neugeborene
Wochen nach ihrer Geburt weniger wiegen als zur Zeit ihrer Geburt.
Schon im Sommer können viele Familien ihre Stromrechnung nicht mehr
bezahlen. Normal ist, dass jetzt im Winter die Heizung kalt bleibt -
Krankheiten werden chronisch. Viele können nur noch mit Sozialhilfe
überleben, die als Spende aus dem Ausland kommt und von den
caritativen Einrichtungen ausgezahlt wird. So werden allein im
bekannten Caritas-Baby-Hospital inzwischen monatlich über 1600
Familien mit dem Nötigsten versorgt, da die "Notgroschen" längst
aufgebraucht sind. Noch so Vieles gilt in Bethlehem als "normal",
was objektiv betrachtet eine einzige Katastrophe ist.
Von dieser Not und Hoffnungslosigkeit
betroffen sind besonders auch die Familien der Olivenholzschnitzer,
fast ausnahmslos Christen. Die meisten fertigen trotz
Null-Absatzmöglichkeiten weiter ihre Krippen in der wagen Hoffnung,
dass sich vielleicht ein Pilger nach Bethlehem "verirrt"; viele
arbeiten nur noch, um nicht zur Untätigkeit verurteilt verrückt zu
werden. Immer wieder lautet verzweifelte Frage: „Was sollen wir denn
sonst tun?!“ Viele haben resigniert und aufgeben. Etwa 5000 Christen
haben allein Bethlehem in den letzten vier Jahren verlassen und sind
zu ihren Verwandten in aller Welt ausgewandert. Viele aber wollen
auch ganz bewusst bleiben, weiter Zeugnis für ihren christlichen
Glauben am Geburtsort Jesu geben. Sie nehmen die Frage Jesu ernst:
"Wollt nicht auch ihr gehen?! - Viele Christen haben sich zum
Bleiben entschieden - noch!
Um in dieser Resignation und
Hoffnungslosigkeit wenigstens etwa 30 christlichen Familien einen
kleinen Hoffnungsschimmer zu geben, sind Sie eingeladen, Ihre
Solidarität zu zeigen. Sie können helfen, aber nicht durch Spenden.
Unterstützen lassen wollen sich die
Bethlehemer Schnitzer ausschließlich durch den Verkauf ihrer schönen
Holzschnitzereien. Damit ist zum einen ihre Arbeit gewürdigt und und
ihnen ein Stück Selbstwert gegebent, zum anderen das Überleben für
einige Zeit gesichert.
Pfarrgemeinden oder
Gruppen, die einen eigenen Verkauf organisieren möchten, können sich
melden unter Tel. 09421-843713, Fax 09421-974196, Email:
Karmel.Straubing(at)t-online.de