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Texte von Arn Strohmeyer

Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

„Ich steige aus dem exklusiven Klub des Judentums aus“

Der israelische Historiker Shlomo Sand rechnet in seinem neuen Buch mit dem „jüdischen Staat“ Israel ab
Arn Strohmeyer



 

Gäbe es die brutale und völkerrechtswidrige Besatzungspolitik nicht, man müsste Sympathie haben für dieses Land – allein schon wegen seiner kritischen Intellektuellen. Man kann dieses Komplexe und schwierige Gebilde Israel erst verstehen, wenn man die Bücher und Aufsätze seiner besten oppositionellen Köpfe gelesen hat. Um nur ein paar Namen zu nennen: Uri Avnery, Abraham Burg, Akiva Eldar, Simcha Flapan, Amira Hass, Jeff Halper, Jeshajahu Leibowitz, Gideon Levy, Reuven Moskovitz, Ilan Pappe, Tom Segev, Israel Shahak, Idith Zertal, Moshe Zuckermann und eben Shlomo Sand, wobei diese Liste bei weitem nicht vollständig ist. Die Ausführungen dieser intelligenten und human gesinnten Aufklärer haben mein Israel-Bild geprägt, das natürlich ein Gegenentwurf zum zionistischen Mainstream ist.

Die Krux ist nur: Argumentiert man in Deutschland mit Darlegungen dieser Intellektuellen, dann steht man als „Antisemit“ dar, wird gleich mit Nazi-Schergen in einen Topf geworfen. Allein an diesem Tatbestand zeigt sich, wie absurd, um nicht zu sagen pervers, die gegenwärtige Diskussion um Israel und den Nahen Osten ist – wenn man sie denn überhaupt eine Diskussion nennen kann, sie ähnelt bisweilen eher einer Neuauflage der Inquisition. Was wohl schlicht daran liegt, dass die Vollstrecker des Antisemitismus-Vorwurfs offenbar selbst mit antisemitischen Klischees im Hinterkopf behaftet sind. Denn ihrem Weltbild zufolge müssen „die“ Juden offenbar immer und überall eine und dieselbe Ideologie teilen. Unterschiedliche Auffassungen darf es da nicht geben. Dass das Judentum nicht nur über religiöse, sondern auch über politische Fragen wie das Nahost-Problem zutiefst gespalten ist, können sich diese Scharfrichter gar nicht vorstellen, geschweige denn akzeptieren. Sie müssen dann als Ausweg die „guten“ Juden von den „bösen“, „selbsthassenden“ oder sogar „antisemitischen“ Juden separieren.

Um die Spaltungen innerhalb des Judentums geht es auch in dem neuen Buch des israelischen Historikers Shlomo Sand, das den provozierenden Titel trägt: „Warum ich aufhöre, Jude zu sein“. Nicht zufällig beginnt der Autor seine Ausführungen ganz allgemein mit einem einleitenden Kapitel über den Begriff der Identität. Er ist das Schlüsselwort des ganzen Textes. Denn Sand steht zu seiner israelischen Staatsbürgerschaft (zum „Israelisch-Sein“, wie er das nennt), hadert aber mit seiner säkularen jüdischen Identität, denn „Betrug, Unaufrichtigkeit und Überheblichkeit prägen sämtliche Aspekte der Definition von Jüdisch-Sein im Staat Israel.“ Sand sieht eine Bedrohung für die Juden – trotz allem gegenteiligen Geschreis – nicht mehr im Antisemitismus, der in der liberalen und demokratischen Welt seine Kraft weitgehend verloren habe. Die Gefahr drohe mehr von innen, weil es „einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verständnis der Juden als ‚Ethnie‘ und als unvergänglichem Rassenvolk einerseits und der Politik Israels andererseits gibt, die der Staat gegenüber Bürgern, die nicht als Juden gelten, gegenüber den geplagten Arbeitsimmigranten aus fernen Ländern und natürlich gegenüber seinen rechtlosen Nachbarn, die seit 50 Jahren unter israelischer Besatzung leben, verfolgt. Nur schwer lassen sich die Augen vor der quälenden Tatsache verschließen: Die Kultivierung einer essentialistischen, nichtreligiösen jüdischen Identität fördert in Israel wie auch anderswo ethnozentrische, mehr oder weniger rassistische Standpunkte.“

Der Vorwurf richtet sich also gegen das säkulare Judentum, das in Israel heute vorherrscht. Sand bezeichnet es als „ethnozentrisch, tribalistisch und rassistisch“. Weil die Unsicherheit über die eigene national-säkulare Identität so groß sei, habe man sie als eine ethnozentrisch-jüdische festgelegt. Israel, schreibt Sand, ist heute eine zionistische Ethnokratie. Dabei könne man nicht einmal definieren, wer eigentlich Jude sei. Man habe es in Israel sehr intensiv versucht, die jüdische Identität auf naturwissenschaftlichem Wege (mit Hilfe von DNS-Proben) festzustellen, sei damit aber gescheitert. Deshalb müsse die Frage mit religiösen Kriterien beantwortet werden: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat oder gemäß den religiösen Gesetzen konvertiert ist.

Sand schildert die Absurdität dieser Regelung an seinem eigenen Fall. Er wurde als Kind polnisch-jüdischer Eltern, die dem Holocaust entkommen waren, in einem Lager für DP’s (Displaced Persons) 1946 in Linz (Österreich) geboren. Er ist nach dem israelischen Gesetz Jude, weil seine Mutter ihre jüdische Abstammung nachweisen konnte. Wäre nun sein Vater Jude und die Mutter Nicht-Jüdin, hätten die israelischen Behörden in seinen Pass bei der Nationalität „österreichisch“ eingetragen, nur weil er zufällig in einem Lager in diesem Land geboren wurde. Zwar hätte er die israelische Staatsbürgerschaft bekommen, hätte aber sein Leben lang als Angehöriger des österreichischen Volkes gegolten. Jude in Israel sein – so Sand – bedeutet also vor allem einem Stamm, einem auserwählten Ethnos (altgriechisch: das Volk) anzugehören, einem geschlossenen Club von Privilegierten.

Und zu dem möchte sich Sand nicht länger zählen: „Ich sehe es meinerseits als moralische Pflicht an, mich enfgültig vom tribalistischen Judozentrismus zu verabschieden. Heute bin ich mir voll bewusst, dass ich im Grunde nie ein säkularer Jude war; ein derartiges imaginäres Subjekt entbehrt nämlich jeglicher eigener kultureller Grundlage oder Perspektive und basiert auf einem hohlen ethnozentrischen Standpunkt.“

Seine Kritikpunkte, mit denen er seinen Austritt aus dem säkularen Judentum begründet, ergeben sich folgerichtig aus der Ablehnung des Tribalismus. Sand attackiert erstens das heute so positiv und erhaben dargestellte Bild der jüdischen Ethik, das er für einen künstlich fabrizierten Mythos hält. Die jüdische Tradition fuße schon immer auf einem im Wesentlichen  gruppenimmanenten Ethos, das heißt: sie gilt nur für Juden, ist also partikularistisch und ethnisch-religiös. Selbst das Gebot der Nächstenliebe in der Tora (Lev. 19,18) bezieht sich nur auf Juden, nicht aber auf die Gojim (Nicht-Juden). Denn in der Tora steht wörtlich: „Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volkes. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“ Der größte rabbinische Gelehrte des Judentums, Maimonides, interpretiert diesen Satz genau in diesem Sinne: „Es ist das Gebot für jeden Menschen, jeden Einzelnen aus Israel zu lieben wie dich selbst.“ Die Aufforderung zur Nächstenliebe bezieht sich also nur auf Menschen desselben Glaubens, nicht jedoch auf alle Menschen.

Aus dem Tribalismus des heutigen säkularen Judentums folgt als zweiter Kritikpunkt Sands auch die ungerechte Konstruktion des israelischen Staates. Er definiert sich nicht als israelisch, sondern als „jüdisch“, was bedeutet, dass 20 Prozent der Bürger (Palästinenser und Drusen) nicht zum Kreis der Bürger dieses Staates gehören. Sand zählt ausführlich all die bekannten Privilegien auf, die in Israel nur Juden vorbehalten sind – im Gegensatz zu den Nicht-Juden, „denen neben den Bürgerrechten auch die Ausübung der eigenen Souveränität versagt bleibt. Als Jude kann man nicht nur auf Grund und Boden siedeln, der einem nicht gehört, sondern darf auch auf Umgehungsstraßen durch Judäa und Samaria fahren, während sich die lokale Bevölkerung in ihrer Heimat nicht frei bewegen darf. Als Jude wirst du, Gott bewahre, nicht an Checkpoints angehalten, du hast keine Folter zu erdulden, niemand dringt mitten in der Nacht in dein Haus ein, um eine Durchsuchung vorzunehmen, man schießt nicht versehentlich auf dich und zerstört auch nicht dein Haus. Nein, denn all diese Maßnahmen, die schon seit knapp fünfzig Jahren angewandt werden, richten sich allein gegen Araber.“

Und Sand folgert für sich selbst aus diesen täglichen Realitäten in Israel und den besetzten Gebieten: „Wie kann ein Mensch, der nicht religiös ist, sondern einfach Humanist, Demokrat oder Liberaler, und nur einen Funken Rechtschaffenheit besitzt, sich unter diesen Umständen weiterhin als Jude bezeichnen? Kann sich ein Nachkomme von Verfolgten unter diesen Bedingungen zum Stamm der neuen säkularen Juden zählen, die Israel als ihren alleinigen Besitz betrachten? Schließt man sich durch die Selbstdefinition als Jude im Staat Israel denn nicht eigentlich einer privilegierten Kaste an, die unerträgliche Ungerechtigkeiten begeht?“

Als dritten Grund für die Abkehr vom säkularen Judentum und seiner Anhänger gibt Sand die Erinnerungspolitik Israels in Bezug auf den Holocaust an, die ihn in seiner Identität zunehmend verunsichert habe. Empört fragt dieser Sohn von Überlebenden, warum in Israel und im Westen nicht die wahre Zahl der zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges genannt würde, nämlich elf Millionen, sondern nur die fünf (nicht sechs!) Millionen jüdischen Opfer. Sand konstatiert auch hier einen tribalistischen Hintergrund. Er betont ausdrücklich die Wichtigkeit des Erinnerns an das furchtbare Geschehen der Shoa, sich nicht zu erinnern wäre eine schwere Schuld. „Doch die neue zionistische und pseudojüdische Politik wollte mehr. Es genügte ihr nicht, dass die Erinnerung an die Ermordeten im westlichen Bewusstsein eingeschrieben war; sie beanspruchte Einzigartigkeit, Exklusivität und die totale nationale Verfügungsgewalt über den Schmerz. Damals begann, was zu Recht als ‚Holocaust-Industrie‘ bezeichnet wird: Diese war darauf aus, das Leiden der Vergangenheit zu maximieren und aus ihm so viel politischesPrestige und sogar wirtschaftliches Kapital zu schlagen wie nur möglich. Deshalb wurden auch nach und nach fast alle anderen Opfer ausgeblendet, und der Genozid geriet zu einer ausschließlich jüdischen Angelegenheit.“

An die Stelle der alten religiösen Identität des „auserwählten Volkes“ sei ein äußerst wirkungsvoller säkularer Kult um den Holocaust getreten, eine Holocaust-Religion des „ausschließlichen Opfers“. Sie diene vornehmlich dazu, eine separate und exklusive jüdische Identität zu erhalten. Sand warnt von den Gefahren, zu der ein solcher Kult um die Shoa führen kann: „Wenn die Zionisten und ihre Sympathisanten aber die Erinnerung an die Tragödie in eine Zivilreligion mit Wallfahrten zu den rekonstruierten Schauplätzen der Vernichtung verwandeln und so der ‚jüdischen‘ Generation von morgen die dazugehörige Paranoia einimpfen, sollte man innehalten und sich Folgendes klarmachen: Eine Identität, die auf der kontinuierlichen Mobilisierung eines Traumas beruht, ist in der Regel pervertiert und potentiell gefährlich sowohl für seine Träger als auch für Menschen in ihrer Umgebung. Obwohl Israel die einzige Atommacht im Nahen Osten ist, schürt es dennoch beständig die Angst seiner Unterstützer im Ausland, indem es die Bedrohung durch eine weitere Shoah an die Wand malt – höchstwahrscheinlich ein gutes Rezept für zukünftige Katastrophen.“ Ähnlich haben diese Gefahren schon andere israelische Autoren geschildert, etwa Abraham Burg und Akiva Eldar.

Was bleibt dem Historiker und israelischen Staatsbürger Shlomo Sand noch an Hoffnung für die Zukunft nach einer solchen schonungslosen und äußerst mutigen Abrechnung mit dem säkularen Judentum, das in Israel den Ton angibt? Resignation, Depression und Pessimismus? Nein, er bewahrt sich seinen Traum von einem universalistisch und nicht tribalistisch verfassten Israel, den er immer wieder in hebräischer Sprache träumt: „die tribalistische Abkapselung aufzugeben, den Anderen als gleichwertigen Mitmenschen anzuerkennen und die Grundgesetze Israels dahingehend zu ändern, dass sie demokratischen Prinzipien entsprechen.“

Sand träumt von einem Israeli-Sein, das nicht mehr eine abgeschlossene säkulare jüdische Identität, also ein ethnisches und rassisches Phänomen ist, sondern das politisch-kulturell verstanden wird und eine offene, inklusive und eben universalistische Identität hat. Aber dann kommt er angesichts der israelischen Realität doch wieder ins Grübeln. Denn gegen seinen Traum spricht sein Gefühl: „... dass der letzte Funken Vernunft aus unserem politischen Handeln verschwindet und wir den Launen wahnwitziger Stammespriester ausgeliefert bleiben.“

Sand hat mit dem Blick des Insiders ein ungeheuer mutiges Buch geschrieben, das gerade für den deutschen Leser, der dem Thema Israel immer noch mit allergrößter Scheu begegnet, in vieler Hinsicht beste Aufklärung darstellt. Seine exzellente Analyse deckt Widersprüche und Verwerfungen auf, die auch in Deutschland zur Kenntnis genommen werden müssen, wenn wir Israel nicht völlig realitätsblind gegenübertreten wollen. Mit Antisemitismus hat das gar nichts zu tun.

Shlomo Sand. Warum ich aufhöre, Jude zu sein, Propyläen Verlag 2013, 18 Euro

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