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Texte von Arn Strohmeyer

Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

In Nibelungentreue an Israels Seite?
 Arn Strohmeyer

 

Bundespräsident Joachim Gauck sollte bei seinem Besuch in Jerusalem klarmachen, was ein Krieg gegen den Iran für Folgen hätte/ Zu Michael Lüders neuem Buch

 

 

„Der Irankrieg wäre eine Katastrophe, seine Folgen könnten dieses Jahrhundert prägen wie der Erste Weltkrieg das vorige geprägt hat. Dessen Blutspur endete erst 1989, mit dem Fall der Berliner Mauer. Den Iran anzugreifen bedeutet, den Nahen und Mittleren Osten in Brand zu setzen. Abgesehen von all dem Leid, das auch dadurch verursacht würde, überdehnt der Westen damit seine Kräfte, politisch und wirtschaftlich. Mit allen Konsequenzen auch für die Grundlagen unserer gesellschaftlichen Ordnung, von Freiheit und Demokratie. Das zu erwartende Chaos ist beängstigend. Gelingt es nicht , den Lauf der Lauf der Dinge aufzuhalten, zahlen wir alle einen furchtbaren Preis.“ Michael Lüders

 

Bundespräsident Gauck ist gestern zu seinem ersten Staatsbesuch in Israel eingetroffen. Das Motto, unter das das deutsche Staatsoberhaupt seine Visite stellt, lautet „Wir Deutsche stehen an Israels Seite“. Das ist schon der erste Fauxpas, den Gauck begangen hat. Denn sehr viele Deutsche stehen bei aller Scham, die sie über das empfinden, was Deutsche Juden angetan haben, nicht hinter einem Staat, der seit Jahrzehnten ein Unterdrückungssystem über ein ganzes Volk aufrechterhält, Demokratie nur für Juden praktiziert, dem Völkerrecht nichts gilt und der ganz offensichtlich Frieden mit seinen Nachbarn nicht will. Und wie letzte Umfragen belegen, verstehen dies auch immer mehr Deutsche. Die Sympathiewerte für Israel gehen deutlich nach unten.

 

Man würde sich wünschen, der Bundespräsident hätte zur Vorbereitung seiner Reise Michael Lüders Buch „Iran: Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt“ gelesen, dann wäre er mit sehr guten Argumenten gegen die Politik seiner Gastgeber gut versorgt. Aber das wäre nun wirklich zu viel verlangt für das Staatsoberhaupt eines Landes, dessen „Staatsräson“ es ist, in Nibelungentreue diesen Staat in seiner abenteuerlichen und völkerrechtswidrigen Politik zu unterstützen und sie auch noch mit der Lieferung gefährlicher Angriffswaffen zu belohnen.

 

Zu Michael Lüders Buch. Um das Resümee vorwegzunehmen: Dieser Nahost-Experte hat eine glänzende Analyse nicht nur des Konflikts Israels (und des Westens) mit dem Iran vorgelegt, sondern auch des gesamten Konflikts in der Region. Dass ihm das so gelungen ist, ist nicht zuletzt der Klarheit seines Blicks auf die Realität und damit seiner Arbeitsmethode zu danken, die nicht von ideologischen Scheuklappen und manipulierten Schuldgefühlen geprägt ist, wie sie im deutschen Medien-Diskurs über Israel fast die Regel ist.

 

Lüders nennt als Beispiel die Äußerungen des SPD-Vorsitzendes Sigmar Gabriel, über das, was dieser kürzlich in der palästinensischen Stadt Hebron gesehen hat. Er sprach mit Blick darauf, wie dort wenige jüdische Siedler und Soldaten eine ganze arabische Stadt unterdrücken, von „Apartheit“ und „rechtsfreiem Raum“. Jeder, der dort gewesen ist und die Realität dort mit eigenen Augen zur Kenntnis genommen hat, kann dem nur zustimmen. Gabriel hat sich eher noch zurückhaltend ausgedrückt. (Wer es dennoch nicht glaubt, sollte sich DVDs von der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem schicken lassen, sie hat das Geschehen dort vielfach dokumentiert.) Die Reaktionen kamen prompt:„verbalen Totalausfall“ oder „Israel-Hass“ und natürlich „Antisemitismus“ usw. warf man Gabriel vor.

 

Lüders antwortet darauf folgendermaßen: „Wer so argumentiert, offenbart in erster Linie Angst - Angst davor, das vorgefasste Weltbild, die eigene ‚mentale Festplatte‘, könne mit der Realität nicht übereinstimmen. Anstatt in der Wirklichkeit zu lesen, das bestehende Weltbild gegebenenfalls zu überdenken und zu korrigieren, wird sie ausgeblendet und die bereits bestehende Meinung mit Händen und Füßen verteidigt. Da wir uns hier im Bereich von Glaubensgewissheiten bewegen, sollte niemand die Wirkungsmacht solcher Reaktionsmuster unterschätzen. Seit Immanuel Kant wissen wir, dass nicht die Wirklichkeit entscheidend ist, sondern die Wahrnehmung dieser Wirklichkeit.“

 

Lüders geht seine Thema - den möglichen, aber sehr wahrscheinlichen Überfall Israels auf den Iran - ohne „Angst“ und „mentale Festplatte“ an und deshalb kommt er zu so überzeugenden und, aber auch beängstigenden Ergebnissen. Fassungslos stellt er gleich zu Beginn die Frage: “Kann das wirklich sein? Dieses kaum zu überbietende Ausmaß an Verblendung, das dem Krieg gegen den Iran den Weg bereitet?“ Ja, es kann sein. In Israel sind über 80 Prozent der Menschen für diesen Krieg. Und in Deutschland hat die Diskussion über Günter Grass‘ Gedicht „Was gesagt werden muss“ es hinlänglich bewiesen: Dieser Krieg wird in der deutschen Politik und den Medien des Landes als eine „durch iranische Unbotmäßigkeit der Welt aufgezwungene Notwendigkeit“ angesehen. Dass es sich dabei um einen vom Völkerrecht untersagten Angriffskrieg handeln würde, ist nicht Gegenstand der Diskussion. Dass auch das deutsche Grundgesetz im Paragraf 26,1 Angriffskriege unmissverständlich untersagt, wen interessiert es? In Berlin werde mit Hochdruck an der Vorbereitung dieses Krieges gearbeitet, hieß es in einem ZDF-Bericht.

 

Vordergründig geht es bei der ganzen Debatte über den geplanten Krieg um die Frage: Baut der Iran die Bombe oder nicht? Lüders zählt noch einmal alle längst bekannten Äußerungen hoher amerikanischer und auch israelischer Militärs, Geheimdienstexperten und Funktionsträger der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) auf, die alle der Meinung sind: Der Iran hat die Arbeiten an der Bombe 2003 eingestellt - aber natürlich könnte er sie jederzeit wieder aufnehmen. Und das ist für Israel Grund genug für den Krieg.

 

Lüders lässt auch alle Verhandlungen mit Teheran noch einmal Revue passieren, die alle keine Verhandlungen waren, weil man den Iranern dabei immer die Pistole auf die Brust setzte - nach dem Motto: Friss oder stirb! Konkret verlangte und verlangt man, dass der Iran jede Urananreicherung einstelle, auch für friedliche Zwecke. Diese Forderung ist eindeutig völkerrechtswidrig, denn jeder Staat darf die Atomenergie zivil nutzen. Teheran wies deshalb alle Forderungen mit Recht zurück. Auch als andere Staaten den Kompromiss anboten, die Urananreicherung der Iraner unter Kontrolle im Ausland durchzuführen, lehnte die Fünfergruppe (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien plus Deutschland) ab und billigte neue Sanktionen, die das Regime in Teheran in die Knie zwingen sollen.

 

Da die Faktenlage einfach nicht ausreicht, gegen den Iran militärisch vorzugehen, musste man das Regime dort mit allen Mitteln dämonisieren (so fangen alle Kriege in der ersten Phase an, man kennt das!) und es als „Schurkenstaat“ (US-Präsident George W. Bush) darstellen und seinen Präsidenten als den Leibhaftigen. Dass dieser unverzeihlich dumme Äußerungen über den Holocaust gemacht hat, ist unbestritten. Dass er aber nicht zur Vernichtung Israels aufgerufen hat, sondern der Westen sich bis heute mit dieser Behauptung auf eine falsche Übersetzung stützen muss, um das zu behaupten, belegt die Schwäche der ganzen Argumentation. Im Oktober 2005 sprach Ahmadinedschad auf einer Pressekonferenz über Gewaltsysteme in der Geschichte, die sich historisch überholt hätten - etwa das des Schahs, das der Sowjetunion und das Saddam Husseins im Irak. In diesem Zusammenhang sagte er den entscheidenden Satz: „Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, wird auch aus den Annalen der Geschichte verschwinden.“ Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amipur übersetzte: „Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.“ Das ist etwas ganz anderes als der Aufruf zur Vernichtung Israels. Lüders hält es mit Recht für reine Demagogie, dem Iran zu unterstellen, die dortige Führung spiele mit dem Gedanken einer nuklearen Zerstörung Israels: „Die Hardliner in Teheran halten Israel für einen Unrechtsstaat ohne Legitimation. Ihr Ziel ist aber nicht die ‚Vernichtung‘ Israels, sondern ein neu zu schaffender Staat ‚Palästina‘ ohne jüdische Vorherrschaft über Araber und Muslime.“

 

Um Fakten ist es aber bei der ganzen Kampagne und dem Countdown für den Krieg gegen den Iran noch nie gegangen. Der Krieg soll und muss kommen - darauf deutet alles hin. Der Griff der Iraner nach der Bombe ist dabei ohnehin nur vorgeschoben. Es kann so gesehen auch gar nicht um eine wirkliche Verhandlungslösung gehen, die ist längst abgeschrieben. Das eigentliche Ziel Israels und der USA ist es, darauf weist Lüders viele Male hin, die aufstrebende Regionalmacht Iran, den einzigen islamischen Staat zwischen Marokko und Indonesien, der nicht pro-westlich ausgerichtet ist, nicht nur in die Schranken zu weisen, sondern ihn in letzter Konsequenz militärisch auszuschalten.

 

Wirklich rationale Begründungen für ein solches Vorgehen gibt es nicht. Lüders zeigt die äußerst schwachen Rechtfertigungen für die Kriegsabsichten Israels und der USA auf und verbindet dies mit einer überzeugenden Kritik an der westlichen Politik überhaupt und vor allem auch an den Medien. Der Autor sieht die westlichen Gesellschaften in einer tiefen Identitätskrise. Sie versuchen sich daraus zu befreien, indem sie in eine moralisierende Wirklichkeitswahrnehmung flüchten, in der „gut“ und „böse“ klar voneinander geschieden sind: Die unausgesprochene Forderung an den „Anderen“ lautet, er müsse sich anpassen und die eigene Weltsicht übernehmen. Der Umgang mit dem Iran ist ein einziges Beispiel für dieses Vorgehen. Die Medien spielen dabei eine verhängnisvolle Rolle, weil sie in der großen Mehrzahl kein kritisches Korrektiv einer solchen Politik sind, sondern nur noch „Resonanzboden für Stimmungen und Meinungen.“

 

Lüders schreibt: „Anstatt den Blick auf Interessen zu richten und sich pragmatisch um Interessenausgleich oder wenigstens Deeskaltion zu bemühen, verlagert sich der öffentliche und mediale Diskurs, bis hin zur Regierungsverlautbarung, auf die sakrosankt verstandene Ebene von ‚Wertegemeinschaft‘, ‚abendländischer Zivilisation‘ oder einer schlichten Gesinnungsethik. Wir sind die Guten, und weil wir die Guten sind, dürfen wir Atombomben besitzen. Ihr seid die Bösen, und weil Ihr die Bösen seid, dürft Ihr keine Atombomben besitzen. Der naheliegende Kompromiss, so utopisch er sein mag, nämlich eine atomwaffenfreie Welt oder wenigstens doch Region zu schaffen, kann und wird nicht gelingen, weil die Guten keinen Anlass sehen, auf ihren Vorteil zu verzichten.“

 

Israel hat über die Motive der USA hinaus noch sehr eigene Beweggründe für den Krieg gegen den Iran. Für Lüders ist der geplante Iran-Krieg die Fortsetzung der Palästina-Politik auf höherer Ebene. Denn der Druck auf den jüdischen Staat, endlich Frieden mit den Palästinensern zu machen, wächst. Der Krieg gegen den Iran lässt Druck aus dem Kessel, verschafft ein Ventil und sorgt für Ablenkung durch das Vortäuschen einer extremen Gefahr: der Drohung des nuklearen Holocaust durch Teheran. Dieses Szenario stellt eine Meisterleistung der israelischen Propaganda dar. Lüders: „Jede differenzierte Betrachtung des Iran lässt sich aufgrund der historischen Wucht in die Nähe des Antisemitismus rücken... Wer um sein Überleben kämpft, kann sich kein Appeasement leisten.“ Aufgrund der Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft wird in der Israelischen Politik ein äußerer Feind dringend gebraucht, um den Staat zusammenzuhalten. Anderenfalls sähe er sich gezwungen, mit seinen Nachbarn Frieden zu schließen. Das würde aber das Ende aller Groß-Israel-Träume bedeuten - und damit auch das Ende des Zionismus.

 

Das zweite Motiv für Israels Kriegsabsichten sieht Lüders in geostrategischen Gründen: Die USA haben in den Letzten Jahren ihr Engagement vom „traditionellen Nahost-Konflikt“ zunehmend in die Golfregion verlagert. Das strategische Interesse an Israel nimmt also ab. Israel verharrt aber - angesichts der rasanten Veränderungen im arabischen Raum - in seiner starren, rückwärtsgewandten Ideologie, die keine Antworten auf die Anforderungen der Zeit hat. Der Krieg gegen den Iran wäre so der verzweifelte Versuch, den eigenen Bedeutungsverlust aufzufangen und umzukehren.

 

Der Krieg wird kommen, davon ist Lüders überzeugt. Und er beschreibt die Folgen, die er haben wird, bis ins Detail. Sie werden nicht nur dramatisch, sondern katastrophal sein, vor allem auch für die, die ihn ausgelöst haben. Es wäre nach dem Irak und Afghanistan der dritte westliche Krieg gegen ein islamisches Land. Neben einer Weltwirtschaftskrise, die alle ohnehin schon vorhandenen Probleme (Staatsverschuldung usw.) ins Unendliche steigern würde und eine Welle von Terrorismus auf dem gesamten Globus auslösen würde (der Iran ist dem Westen militärisch weit unterlegen und könnte sich nur auf diesem Wege wehren!), würde auch die Einstellung der meisten Deutschen zu Israel vollständig umkippen. Auch Israel selbst wäre in höchster Gefahr, seine Existenz zu verspielen.

 

Lüders zitiert den jüdisch-amerikanischen Autor Peter Beinart, Verfasser des Buches „The crisis of Zionism“ (2012). Dieser wirft Israel und der jüdischen Lobby in den USA, die Israels Politik maßgeblich mitträgt, vor, „Verrat an der liberal-humanistischen Tradition des Judentums“ zu begehen. Er sieht am Ende des Machtmissbrauchs der israelischen Politik (völkerrechtswidriger Landraub und Siedlungsbau sowie brutale Unterdrückung der Palästinenser) das mögliche Ende Israels voraus, das durch einen Krieg gegen den Iran noch beschleunigt werden könnte. Deutschlands Rolle dabei wäre geradezu tragisch: Seine sich vermeintlich auf den Holocaust stützende Politik der Wiedergutmachung würde durch ihre Nibelungentreue und Verpflichtung zur „Staatsräson“ ganz wesentlich zum Ende des jüdischen Staates beitragen. Eine schlimmere Form des „Antisemitismus“ gibt es wohl nicht.

 

Eine Vermeidung des Krieges wäre möglich. Aber sie würde ein völliges politisches Umdenken des Westens - vor allem der USA - bedeuten. Er müsste die legitimen Sicherheitsinteressen des Iran anerkennen und ihm Sicherheitsgarantien geben. Denn wenn der Iran wirklich vorhätte, Atomwaffen zu bauen, dann deswegen, weil er sich durch Israels Atomwaffen, die militärische Einkreisung durch die USA und die aggressive Rhetorik des Westens zu Recht bedroht fühlt. Erpresserische Verhandlungen mit vorgehaltener Pistole dürfte es dann nicht mehr geben, sondern nur solche auf Augenhöhe mit Respekt vor dem Anderen. Auch Sanktionen wären dann kontraproduktiv, die nur das eine Ziel haben, das Regime in Teheran in die Knie zu zwingen. Und Israel müsste endlich das Völkerrecht respektieren. Eine solche Vorstellung liegt aber wohl außerhalb aller realistischen Möglichkeiten.

 

Da die Vernunft keine Chance hat, muss man sich auf den Krieg mit allen seinen furchtbaren Folgen einstellen. Es gibt aber noch ein paar hellsichtige Köpfe in diesem Land wie Günter Grass und Michael Lüders (und andere), die den Mut haben auszusprechen, was ein Angriff auf den Iran bedeutet. So kann hinterher niemand sagen: Das haben wir nicht gewusst! Und dass der Bundespräsident die hier vorgebrachten Warnungen in Israel vorbringen wird, darf man auch nicht erwarten.

 

Lüders, Michael: Iran: Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt, Verlag C:H. Beck München 2012, 14,95 Euro.

 

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