Goldstone sagt, dass bei
den von Hamas begangenen Taten ohne Frage von
Vorsatz auszugehen sei („… goes without saying…“),
während bei den israelischen Taten diese Annahme
von Vorsatz durch die Kommission nur dann
getroffen wurde, wenn ihr keinerlei Beweise
vorlagen, die andere Schlüsse erlaubt hätten
- Renate und Frank Dörfel
Im DLF, 3.4.2011, um 8:00 war zu hören:
Israel hat die UNO aufgefordert, den
Goldstone-Bericht über den Krieg im
Gaza-Streifen vor gut zwei Jahren
zurückzuziehen. Ministerpräsident Netanjahu
sagte im Fernsehen, der UNO-Sonderermittler
Goldstone habe bestätigt, dass das israelische
Militär nicht absichtlich gegen zivile Ziele
vorgegangen sei. Verteidigungsminister Barak
äußerte sich ähnlich. Goldstone hatte zuvor in
der "Washington Post" geschrieben, dass heute
viel mehr über die Kriegsereignisse bekannt sei.
Hätte er damals gewusst, was er heute wisse,
wäre sein Bericht ein anderer geworden. In dem
Abschlussbericht hatte Goldstone sowohl Israel
als auch der Hamas vorgeworfen, sie hätten
möglicherweise Kriegsverbrechen und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit begangen.
Die Nachricht enthält zwei Aussagen:
a) Netanjahus Forderung an die UNO, den
Goldstone-Bericht zurückzuziehen
b) Die Begründung aus einem Artikel von
Goldstone in der Washington Post
Zu a):
Vielleicht würde es sich lohnen, die
Netanajahu-Aussagen direkt zu lesen, zu hören,
zu sehen – vielleicht tun wir ihm Unrecht, wenn
wir ihn nur so verkürzt zitieren, wie wir es
tun, wenn wir über ihn lesen, so z.B. in den
offiziellen Verlautbarungen der Botschaft des
Staates Israel. Da ist etwa von
„Rehabilitierung“ der Streitkräfte Israels die
Rede.
Die Rumpelstilzchen der israelischen
Propagandamaschinerie sind dabei, aus Stroh
Gold, Mediengold, zu spinnen. Um den
Stroh-Charakter des Ausgangsmaterial dieses
Spinn-Prozesses zu erkennen, lesen wir den
Artikel von Goldstone in der Washington Post.
Dabei geraten wir ins Staunen über die Chuzpe,
mit der hieraus nun „gesponnen“ wird.
Also weiter zu b):
Die angesichts einiger der Formulierungen in dem
Artikel nahe liegenden Fragen verdrängen wir,
nämlich, ob der Artikel vom 1.4. ein schlechter
Aprilscherz sei, oder, etwas wahrscheinlicher,
ob der Artikel zurechtgekürzt sei aus einem
längeren, eher der uns aus der sorgfältigen Art
der Formulierung im Goldstone-Bericht bekannten
Diktion, entsprechenden Text: wir müssen uns mit
dem Inhalt beschäftigen!
Lesen wir also Goldstone in der Washington Post
(wir haben ihn als Anlage beigefügt):
Der erste Satz wiederholt die Schlussfolgerung
des Berichtes: es wurden Beweise gefunden für
Kriegsverbrechen und für „mögliche Verbrechen
gegen die Menschheit“ (wir weichen bei dieser
Übersetzung von der verniedlichenden, üblichen
Übersetzung von „humanity“ mit „Menschlichkeit“
ab – die in Frage stehenden Taten sind in ihrer
Größe und Bedeutung so herausragende, dass sie
eben als Verbrechen angesehen werden müssen, die
die Menschheit als Ganzes angehen – hier von
Menschlichkeit zu reden, erscheint uns immer,
wenn dieser Begriff so gebraucht wird,
unangemessen…).
Im nächsten Satz folgt nun etwas Erstaunliches,
Entlarvenden: Goldstone sagt, dass bei den von
Hamas begangenen Taten ohne Frage von Vorsatz
auszugehen sei („… goes without saying…“),
während bei den israelischen Taten diese Annahme
von Vorsatz durch die Kommission nur dann
getroffen wurde, wenn ihr keinerlei Beweise
vorlagen, die andere Schlüsse erlaubt hätten:
die Samthandschuhe, mit denen Israel auch durch
die Goldstone-Kommission behandelt wurde, sind
nie so deutlich gezeigt worden: alles, was
zugunsten Israels sprach, wurde verwertet! (Und
dennoch dies vernichtende Ergebnis!!!)
Und nun sagt Goldstone, dass in einigen Fällen
(„some incidents“) die Untersuchungsergebnisse
der israelischen Stellen klarstellten, dass
Zivilisten nicht systematisch („as a matter of
policy“) vorsätzlich als Zielscheiben dienten.
Da dieser Satz in unmittelbarem Zusammenhang mit
der Aussage über die Vorsätzlichkeit bei der
Hamas steht, soll er wohl sagen, dass das Zielen
auf Zivilisten eher beiläufig, ohne Vorsatz
geschah.
Goldstone nennt ein Beispiel: die Tötung von 29
Mitgliedern der al-Simouni-Familie durch den
Beschuss ihres Hauses sei der fehlerhaften
Beurteilung eines von einer Drohne gelieferten
Bildes geschuldet. Und gegen einen israelischen
Offizier werde ermittelt, weil er diesen Angriff
angeordnet habe. Und dann sagt Goldstone –und
das klingt angesichts seiner sonstigen Kritik an
dem extrem zögerlichen Vorgehen der israelischen
Behörden bei solchen Untersuchungen fast
zynisch—er sei sicher („confident“), dass Israel
entsprechend reagieren werde, falls der Offizier
einer Nachlässigkeit („neglect“) schuldig
befunden wird.
Diese Bewertung von Goldstones Anmerkung wird
unterstrichen dadurch, dass er gleich danach
sich die heftige Kritik der UN-Kommission, die
die Behandlung der Goldstone-Vorwürfe durch die
beteiligten Parteien untersucht hat (vormals
Tomuschat-, jetzt McGowan Davis-Kommission) an
der Zögerlichkeit von Israel zu eigen macht.
Und dann legt er noch nach: Israels
Unwilligkeit, mit ihm und seiner Kommission
zusammenzuarbeiten, war ein Haupthindernis, bei
der akkuraten Aufarbeitung der gesammelten
Vorwürfe.
Und nun macht Goldstone eine Reihe von Aussagen
zur Hamas: Er stellt nochmals fest, dass er das
Mandat des Human Rights Council erweitert habe,
um auch die Taten der Hamas untersuchen zu
können. Und er verweist auf die Ergebnisse der
Folgekommission, dass während Israel einige der
Vorwürfe untersucht habe oder noch in
frustrierender Länge untersuche („the length of
this investigation is frustrating“ sagt er über
den Mord an der al-Simouni-Familie) und dass
während die PA in der Westbank Untersuchungen
vorgenommen habe, seitens der Hamas keinerlei
Anstrengungen in dieser Richtung zu erkennen
seien.
Und nun kommt ein Satz, den man sehr genau lesen
muss: „Some have suggested that it was absurd to
expect Hamas, an organization that has a policy
to destroy the state of Israel, to investigate
what we said were serious war crimes.…“:
Wohlgemerkt, Goldstone bezieht sich hier auf
Aussagen anderer, sagt nirgendwo, dass er sich
diese Aussagen zu eigen mache. Dennoch wir
finden es schlimm, dass er einem flüchtigen
Leser die Möglichkeit gibt, Vorurteile,
Vorverurteilungen gegen Hamas aufrecht zu
erhalten und den Mythos von dem Willen der
Hamas, Israel zu vernichten, fortzuspinnen –
Propagandagold…
Und damit nicht genug: Goldstone, der sonst so
vorsichtig abwägt, ist sich nicht zu schade, den
Mord an einer Siedlerfamilie vor einigen Tagen
aufzugreifen und die UN aufzufordern, diesen in
stärkst-möglicher Weise zu verurteilen. An sich
nicht falsch, etwas ungewöhnlich im Ton,
verständlich im Inhalt. Und vermutlich haben uns
die Medien lediglich verschwiegen, dass die UNO
täglich lauthals israelische Mordakionen gegen
Palästinenser in stärkst-möglicher Weise
verurteilt. Schlimm erscheint uns hier
allerdings, dass der Kontext, in dem dieser Satz
steht, beim Leser die Vermutung hinterlässt,
Goldstone sehe auch diese Tat als Werk der Hamas
an, eine Tat, die nach Meinung gut beobachtender
Leute im bekanntgewordenen Hergang und in der
Art der Behandlung durch die Behörden eher die
Handschrift eines gut funktionierenden
Geheimdienstes zu tragen scheint.
Und dann werden die „policy changes“ bei den IDF
herausgestrichen: Goldstone äußert die Hoffnung,
dass Israel in Zukunft keinen weißen Phosphor in
besiedelten Gebieten einsetzen werde … auch das
klingt zynisch, setzt die Wirksamkeit einer
solchen „policy“ doch den nächsten „Krieg“
voraus…
Noch einmal zu der im DLF gemeldeten Forderung
von Netanjahu: Goldstone hat keineswegs
geschrieben, dass alle seine Vorwürfe unhaltbar
seien, im Gegenteil, auch bei denen, die er
jetzt anders beurteilt, weil er mehr weiß, ist
es lediglich eine leicht differenzierte
Bewertung des Vorwurfs gegen Israel, hier werde
vorsätzlich, als ein Mittel der Politik („as a
matter of policy“) Massenmord an Zivilisten
betrieben. Der Vorwurf der massenhaften Tötung
bleibt, ja, wohl auch der Vorwurf des
massenhaften Mordes, denn es wurde ja nicht
versehentlich geschossen, gebombt – lediglich
der Vorwurf, dies sei als Mittel der Politik
verwendet worden, wird reduziert.
Abschließend möchten wir noch die Frage stellen:
Warum hat Goldstone diesen Artikel geschrieben,
wenn er ihn denn geschrieben hat? Er musste
wissen, wie seine Formulierungen benutzt werden
können, er musste auch wissen, dass er sich
selbst als unglaubwürdig hinstellt mit so
schwachen Formulierungen und Argumentationen,
die es seinen wütenden Angreifern ermöglichen,
aus einer Unklarheit in einem von vielen
untersuchten und geschilderten Fällen eine
Unwahrheit des Ganzen zu konstruieren. Warum
also? Wir wissen es nicht, wir können nur
vermuten, (in dubito pro reo…), dass dieser
Artikel nur als Torso veröffentlicht wurde,
zusammengekürzt aus einem umfassenderen,
wohlüberlegten Text: das würde einige der
offensichtlichen Stilbrüche erklären.
Vielleicht hat Goldstone ja schon von der
Washington Post eine Richtigstellung verlangt –
wir wissen es nicht. Gut wäre es, für Goldstone,
für die Sache des Friedens und des Rechts.
Bundeskanzleramt
- Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel -
Willy-Brandt-Straße
1 10557
Berlin
05. 04. 11
Btr.: Besuch
des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu
Sehr geehrte Frau
Bundeskanzlerin,
Herr Netanjahu wird
Sie am kommenden Donnerstag besuchen kommen.
Er wird Ihnen
schmollen, weil Deutschlands Vertreter in der
UN-Sicherheitskonferenz sich nicht dem Veto der
U.S.A. angeschlossen haben und er wird Ihnen die
Zusage ab zu ringen versuchen, dass Deutschland
den Staat Palästina nicht anerkennen wird, wenn
er zum Jahresende ausgerufen wird.
Ich hoffe, dass Sie
und Ihr Aussenminister, obwohl Sie beide zur
Zeit auf Krücken gehen, die Kraft und das
Rückgrat haben, ihn donnernd abblitzen zu
lassen.
Ich möchte an
Folgendes erinnern:
Israel hat im
Bestreben, ein Gross-Israel zu errichten und die
palästinensische Bevölkerung aus diesem Reich
auszuschliessen, nie ernsthafte, ehrlich
gemeinte Friedensverhandlungen geführt. Es hat
vor 43 Jahren völkerrechtswidrig Ostjerusalem
und die Golanhöhen annektiert, die Westbanks
besetzt und umfangreiche, ausschliesslich Juden
vorbehaltene Siedlungen gegründet.
Die palästinensische
Autonomie-Behörde wird Gespräche über eine
Friedensregelung, also einen vereinbarten
Grenzverlauf, die Gründung eines
palästinensischen Staates, die Einrichtung der
palästinensischen Hauptstadt, die Rückkehr der
Flüchtlinge nicht führen, solange Israel nicht
den Bau jüdischer Siedlungen, Häuser, Wohnungen
in den besetzten Gebieten der Westbank und
Ost-Jerusalems und die Zerstörung arabischer
Häuser und Siedlungen völlig einstellt.
Die Haltung ist
verständlich, es macht keinen Sinn, über ein
friedliches Miteinander verhandeln zu wollen und
gleichzeitig dieselben Ziele massiv und
fortgesetzt zu untergraben.
Israel wird aber den
Bau der Siedlungen nicht einstellen, weil das
Einfrieren des Siedlungsbaus dem übergeordneten
Ziel der Regierungen Israels, die endgültige und
völlige Vertreibung der Palästinenser,
widerspricht, weil innenpolitische Konflikte
ausgelöst werden könnten, weil die israelische
Bevölkerung im herrschenden unfriedlichen
Zustand keinen gravierenden Nachteil, in einem
Frieden keinen Vorteil sieht.
Wenn es bis zum
Herbst nicht zu einem Frieden und nicht einmal
zu Friedensverhandlungen kommt, wird die PA, so
hat Machmud Abbas angekündigt, ohne weitere
Verhandlungen und Vereinbarungen mit Israel den
Staat Palästina ausrufen und seine Anerkennung
durch die Vereinten Nationen anstreben. In den
Grenzen von 1967.
Es wird bis zum
Herbst nicht zu Friedensverhandlungen kommen,
und so wird dann ein zweiter Staat in Palästina
existieren, wie das 1947 schon geplant war,
allerdings auf nur einem kleinen Teil des damals
den Palästinensern überlassenen Teils des Landes
zwischen Fluss und Meer.
Der Ausrufung eines
unabhängigen Staates Palästina wird Israel nicht
tatenlos zusehen. Israel droht jetzt schon, in
diesem Fall die Zufuhr von Trinkwasser zum neuen
Staat abzudrehen, alle Warentransporte von und
nach Palästina zu unterbinden. Mit andern
Worten, Israel droht mit der Belagerung, der
Erdrosselung, dem Aushungern, dem
Verdurstenlassen des jungen Staates und seiner
Bevölkerung, die es in Gaza schon seit vier
Jahren exerziert. Es wird sich nicht darauf
beschränken, die Palästinenser „auf Diät zu
setzen“, es wird auch die Zufuhr von
elektrischem Strom, Benzin, Baustoffen,
Medikamenten, verhindern, Ausfuhr von
landwirtschaftlichen, handwerklichen und
industriellen Produkten blockieren, Reisen,
Bildung, Schulung behindern.
Israel wird dabei
scheinbar logische Argumente vortragen: es sei
ja nicht mit ihm über Versorgung verhandelt
worden, deshalb müsse man leider untätig bleiben
bzw. müsse alles Handeln, das nicht abgesprochen
wurde, mit allen, auch militärischen Mittel,
unterbinden.
Da nicht verhandelt
wurde, sei man damit leider genötigt, die
zionistischen Siedlungen förmlich zu
annektieren. Und das Jordantal, die
Siedler-Strassen, die militärischen Zonen etc.
dazu, der Sicherheit wegen. Da nicht verhandelt
wurde, könne man auch das Militär in absehbarer
Zeit nicht abziehen, aus Sicherheitsgründen.
Die Situation, vor
der wir in einem halben Jahr stehen können /
werden, ist also absehbar.
Ich hoffe, Sie
überzeugen Herrn Netanjahu, dass Israel in
seinem pathologischen Bedrohungswahn erst die
Feinde schafft, die es bekämpft, dass Israel
sich durch seine Politik der Diskriminierung,
Okkupation und Vertreibung mehr und mehr
isoliert, dass seine Politik seine Freunde
enttäuscht und distanziert, dass Israels
Verhalten den Juden in aller Welt schadet, ja,
den Antizionismus, wenn nicht einen neuen
Antisemitismus fördert.
Ich hoffe, Sie legen
ihm dar, dass die jüngste Gesetzgebung uns
fürchten lässt, dass Israel sich auf dem Pfad in
ein faschistisches System befindet, ja, uns
manchmal scheint, dass Israel dort schon
angekommen ist..
Ich hoffe, Sie
machen Herrn Netanjahu klar, dass Sie nicht
bereit sind, Israel weiterhin als Demokratie zu
bezeichnen und zu behandeln, dass Deutschland
seine Unterstützung Pseudodemokratien wie
Diktaturen konsequent entziehen wird, dass die
besonderen politischen, wirtschaftlichen,
kulturellen Beziehungen möglicherweise
eingefroren werden müssen.
Ich hoffe, Sie sind
vorbereitet, wenn Herr Netanjahu seine Drohungen
gegen die Palästinensische Bevölkerung umsetzen
will. Ich hoffe, sie sagen Herrn Netanjahu schon
jetzt, dass Sie vorbereitet sind, dass Sie sich
nicht überraschen lassen und nicht die
Überraschte spielen werden. Mit
freundlichem Gruss
Abdullah Abu Rahmah,
der Koordinator des Volkskomitees gegen Mauer
und Siedlungen im palästinensischen Dorf Bil’in,
wurde gestern (16.3.2011) mit einem Tag
Verspätung aus dem israelischen Militärgefängnis
Ofer entlassen, wo er eine 16-monatige
Haftstrafe verbüßt hatte.
Das israelische Militärgericht hatte Abdullah
Abu Rahmah für schuldig befunden, zu illegalen
Demonstrationen aufgerufen und sie organisiert
zu haben. Die einzigen Beweise waren die
Aussagen zweier vierzehnjähriger Jungen aus Bil’in,
die mitten in der Nacht verhaftet und ohne
rechtlichen Beistand unter zweifelhaften
Umständen verhört worden waren.
Palästinensische, israelische und internationale
Menschenrechtsorganisationen haben die
Verurteilung Abu Rahmahs als einen
beispielhaften Fall von Missbrauch des
israelischen Militärgerichtssystems im
Westjordanland bezeichnet, mit dem Zweck,
legitimen politischen Dissens zum Schweigen zu
bringen.
In einem Video, das Abu Rahmah beim Verlassen
des Gefängnisses und bei seinem Empfang durch
Familie, Freunde und die Dorfgemeinschaft zeigt,
wirkt der 36-jährige Lehrer alles andere als
triumphierend, sein Schritt ist müde, die
Haltung beinah depressiv. (http://www.youtube.com/watch?v=0VKgw2_kwVk)
Und trotzdem:
“Ich habe nicht die Absicht nach
Hause zu gehen und dort untätig herumzusitzen.
Durch meine Inhaftierung haben sie mich ohnehin
lang genug zum Schweigen gebracht. Unsere Sache
ist gerecht, es geht um das Streben nach
Freiheit und Gleichheit, und ich habe die
Absicht dafür weiter zu kämpfen, genau so, wie
ich es zuvor tat."
Mit seiner Erklärung zeigt Abu Rahmah, dass er
entschlossen ist, den friedlichen Widerstand in
seinem Heimatdorf fortzusetzen. Dabei könnte er
alsbald wieder in die Fänge der Militärjustiz
geraten: politische Betätigung ist ihm auch nach
dem Absitzen seiner Strafe untersagt.
In dieser Situation ist der tapfere
Friedensaktivist und mit ihm das Dorfkomittee
von Bil’in auf die moralische und
öffentlichkeitswirksame Unterstützung aller
derer angewiesen, die sich für das Recht der
Palästinenser auf gewaltfreien Widerstand gegen
Besatzung und Menschenrechtsverletzungen
einsetzen.
Während der fünftägigen Ausgangssperre im Dorf
Awarta, südlich von Nablus, durchsuchte das
israelische Militär Haus für Haus und nahm
ungefähr 300 Leute fest, der jüngste davon war
14 Jahre alt. Einige der Männer wurden zur
Jungenschule des Ortes gebracht, wo sie ihre
Fingerabdrücke hinterlassen mussten und ihre
DNA; einige andere wurden zum Militärstützpunkt
am Huwwra Checkpoint gebracht. Nach Aussagen des
Bürgermeisters Quays Awwad befinden sich noch 55
Männer in israelischem Gewahrsam. Einige der
Festgenommenen berichteten, dass sie von den
Soldaten misshandelt wurden, während sie
inhaftiert und in Handschellen gefesselt waren.
Es war berichtet worden, dass eine 75-Jahre alte
Frau in Handschellen auf dem Boden sitzen
musste, während die Soldaten ihr Haus
durchstöberten, und dass eine 80-jährige Frau
von Soldaten geschlagen wurde.
Drei skandinavische ISM-Aktivisten waren in
Awarta während der fünftägigen Ausgangssperre
von Samstag nachmittag bis Mittwoch Mittag. Von
den Dächern der Häuser der Leute aus
beobachteten sie, wie die israelischen Soldaten
in die Häuser gingen, die Männer verhafteten und
die Familien draußen warten mussten, während sie
ihre Häuser durchsuchten, was zu einer großen
Beschädigung des Eigentums führte. Die
ISM-Aktivisten besuchten u. a. Häuser, die
Soldaten durchsucht hatten, und fanden
zerbrochene Fensterscheiben, abgeschnittene
Stromkabel, zertrümmerte Möbel und
verunreinigtes Trinkwasser, alles von
israelischen Soldaten verursacht.
Hunderte von Soldaten fuhren früh am Morgen des
12. März in Militärfahrzeugen ins Dorf als Folge
des Mordes an fünf Mitgliedern einer
Siedlerfamilie in der nahegelegenen illegalen
israelischen Siedlung Itamar. Nach Aussagen der
Soldaten suchten sie nach dem Mörder und würden
ihre Suche fortsetzen, bis sie ihn gefunden
hätten. Ein Soldat teilte den ISM-Aktivisten
mit: "Wir werden dieses Dorf durchkämmen, bis
wir jemanden gefunden haben." Während sie die
Häuser "durchsuchten", beschädigten die Soldaten
eingerahmte Bilder, Möbelstücke, Fernsehgeräte,
Gaskocher, schlugen Löcher in Wände und Böden,
stahlen Geld und Schmuck und gossen
Flüssigkeiten über Computer. Die israelischen
Streitkräfte nahmen ungefähr 30 Häuser in
Beschlag, um darin zu schlafen, während der vier
Nächte, die sie in Awarta blieben. In einigen
der Häuser quartierten sie die Familien aus, die
während der Nacht im Freien oder in
Nachbarhäusern unterkommen mussten; in anderen
zwangen sie die Familien, in einem Raum zu
bleiben, während die Soldaten den Rest des
Hauses unter Beschlag nahmen. In den okkupierten
Häusern verrichteten die Soldaten ihren
Stuhlgang in den Zimmern und benutzten dabei die
Betttücher der Familien als Toilletenpapier.
Viele der Häuser wurden bis zu drei mal
innerhalb von fünf Tagen "durchsucht" und
zerstört. Die Soldaten schienen dabei keinem
sichtbaren Schema zu folgen bei der
Entscheidung, welches Haus durchsucht und wer
verhaftet werden sollte. "Es sah alles sehr
willkürlich aus", sagte ein Aktivist.In
wenigstens einem Fall, am Montag, dem 14. März,
wussten die Soldaten noch nicht den Namen des
Mannes, den sie zuvor verhaftet hatten und
mussten seine Familie danach fragen. Der Mann,
den sie verhaftet hatten, war das Mitglied des
Gemeinderats Salim Quawaric. Schätzungsweise 25
Soldaten drangen in sein Haus ein und
verursachten dabei massive Schäden am Eigentum
der Familie, während die Familie auf dem
Hinterhof warten musste. Am folgenden Tag kamen
die Soldaten zurück und durchsuchten das Haus
noch einmal, was zu weiteren Schäden am Haus und
Eigentum der Familie führte.
Die ISM-Aktivisten durften keine Aufnahmen
machen, und wenn sie es trotzdem taten,
richteten die Soldaten ihre Gewehre auf sie und
schrieen: "Macht keine Bilder!" Einer Aktivistin
wurde ihre Speicherkarte gestohlen von einem
Soldaten, der ihr mit Gewalt ihre Kamera
abgenommen hatte.
Während der Ausgangssperre gingen bei vielen
Familien Gas, Lebensmittel, Wasser und
Medikamente zur Neige.
Es gab viele Berichte über physische
Misshandlungen. Nach Aussagen von Augenzeugen
wurden Mashmod Zaqah, 28, die Hände auf dem
Rücken gefesselt und die Augen verbunden, bevor
er von mindestens sechs Soldaten zwei Stunden
hindurch verprügelt wurde, wobei er zeitweise
das Bewusstsein verlor und seine Beine und
Finger nicht spüren konnte. Seine Familie
schaffte es, ihn heimlich ins Rafidia
Krankenhaus in Nablus zu bringen. Er leidet an
einer ausgekugelten Schulter, Verletzungen am
Rücken und einem stark verrenkten Knöchel.
Laut Zeugenaussagen drangen ungefähr 300
israelische Siedler, von denen einige maskiert
waren, am Samstag, dem 12. März in das Dorf ein
und warfen Steine gegen Fenster und verletzten
zwei Einwohner von Awarta, indem sie ihnen die
Arme brachen. Die Dorfbewohner versuchten, ihre
Häuser zu schützen; israelische Soldaten setzten
daraufhin Tränengas gegen sie ein.
Es war berichtet worden, dass Kinder von
israelischen Armeehunden, die die Soldaten dabei
hatten, gebissen wurden. Ein junger körperlich
behinderter Mann war von einem Hund gebissen
worden und musste deshalb ins Krankenhaus
gebracht werden. Loay Medjet Abdet hat nun
Angst, in sein eigenes Haus zu gehen, weil er
glaubt, die Hunde würden ihn wieder angreifen.
Für die Aktivisten war es klar, dass die
Repressionen gegen Awarta nur eine Form
kollektiver Bestrafung war. Als ein Aktivist
fragte: "Warum müsst Ihr all diese Leute
bestrafen?", erwiderte der Soldat: "Wir müssen
diese Leute bestrafen, so werden sie verstehen."
Obwohl diese Art von systematischer
Kollektivbestrafung nach internationalem Recht
illegal ist, wird sie häufig vom israelischen
Militär angewandt, überall in der Westbank und
in Gaza.
Als Sanitätswagen versuchten, in den Bezirk zu
fahren, wurden sie von israelischen
Streitkräften angehalten. ISM-Aktivisten waren
am 15. März zu dem Checkpoint bei Awarta
gegangen und berichteten, dass Ambulanzen
stundenlang aufgehalten wurden, bevor sie in das
Dorf fahren konnten. Als Besatzungsmacht ist
Israel nach Artikel 56 der Genfer Konvention
verpflichtet, die Arbeit von medizinischen
Kräften in einer Konfliktzone nicht zu
behindern.
Übersetzung: Fatima Radjaie
Zwei Jahre
nach Operation Cast Lead
bleibt der Gazastreifen noch immer eingesperrt
Zwei Jahre nach Operation Cast
Lead bleibt der Gazastreifen noch immer wie ein
Gefängnis. Man fühlt sich seltsam, während der
Weihnachtszeit sich mit der Familie ruhig in
einem Yorkshire –Dorf aufzuhalten; letztes Jahr
um diese Zeit war ich auf dem Weg nach Gaza. Es
war das zweite Mal, dass ich nach Gaza reiste:
das erste Mal war im März 2009, gerade zwei
Monate nachdem Israel die Operation Cast Lead
ausgeführt hat, einen 22-tägigen Angriff, bei
dem 1400 Palästinenser und 13 Israelis getötet
wurden ( einige Israelis durch die eigenen
Leute) . Es ist schwer zu beschreiben: ein
Konflikt, ein Massaker vielleicht, zweifellos
eine Tragödie.
Gerade als die englischen
Studenten und Schüler sich über die Ferientage
freuten, hatten auch viele Gazaner keine Schule.
In den UN-Schulen in Gaza war gerade auch kein
Unterricht, als weißer Phosphor nach unten
abgefeuert wurde. Die Universitäten waren
geschlossen, als sie vom israelischen Militär
bombardiert wurden. Terroristennester oder
Bildungsinstitute?
Im Januar interviewte ich Ayman
Quader, einen palästinensischen Studenten, der
hoffte, Gaza verlassen zu können, um einen Kurs
im Ausland zu absolvieren. „Ich erinnere mich
noch, als ich in der Sekundärschule war“,
erzählte mir Ayman, „Es war vor dem Abzug der
israelischen Siedler aus dem Gazastreifen 2005:
die israelische Armee blockierte die Straße, die
von meinem Hause bis zur Schule verlief. So hab
ich schon früh erfahren, was Bildung durch
Besatzung bedeutet.
Über die augenblickliche
Situation im Gazastreifen zu berichten, ist
eine zu bekannte Geschichte.
Zunächst ignorieren wir den
Kontext der von Israel auferlegten und von
Ägypten durchgesetzten Belagerung des
Gazastreifens, der 1,5 Millionen Menschen in ein
verzweifeltes und isoliertes Dasein bringt. Wir
ignorieren auch die Tatsache, dass hundert
Tausende dieser Leute Flüchtlinge sind, die 1948
und 1967 aus ihren Heimatorten innerhalb dessen,
was heute der Staat Israel ist, vertrieben
wurden. Wenn palästinensische bewaffnete Gruppen
Raketen nach Israel abschießen, sind sie
„Terroristen, die auf Zivilisten schießen“, aber
wenn die israelische Armee palästinensische
Bauern und Fischer beschießt, sind es „Soldaten,
die auf Verdächtige nahe der Grenze schießen.“
Über die Doppelmoral kann man sich nur noch
wundern.
Man vergisst sehr leicht, dass
während die Hamas 2006 durch eine demokratische
Wahl zur Macht kam, die israelische Besatzung
Palästinas nicht erst 2008 begann, als sie den
Gazastreifen überfielen, auch nicht 2006, als
sie den Libanon besetzten, sondern 1948. 2011
ist das 63. Jahr der Besatzung. Als politischer
Kommentator bemerkte Ali Abunima in dieser
Woche, „Wir müssen uns daran erinnern, dass das
palästinensische Volk in Gaza nicht Objekt eines
isolierten Falles ist, sondern Teil eines Kampf
für Gerechtigkeit und Freiheit von ganz
Palästina.“
Ich erinnere mich noch daran, als
ich im Ost-Jerusalemer Stadtteil Sheik Jarrah im
Sommer des letzten Jahres mit der Familie Hanoun
lebte: Als die Familie aus ihrem Haus vertrieben
wurde, um fremden Siedlern Platz zu machen –
obwohl die UN, die EU und die britischen und
amerikanischen Konsuln in Jerusalem dagegen
waren, weigerte sich Sharihan Hanoun, eine der
Töchter, ihr Psychologieexamen an der
Universität ein paar Tage später ausfallen zu
lassen . Sie lernte und wiederholte auf der
Straße gegenüber ihrem Haus, dort wo die Familie
auch schlief. Und sie machte ihr Examen mit der
besten Note in ihrem Semester.
Wie der südafrikanische
Freiheitskämpfer Steve Biko einmal sagte: „Die
mächtigste Waffe der Unterdrücker ist der Geist
der Unterdrückten.“ Der Staat Israel kann die
Palästinenser weitere 63 Jahre unterdrücken,
aber er wird niemals ihren Geist besiegen oder
ihre Sinne und ihren Verstand gewinnen.
(dt. Ellen Rohlfs)
Für ein neues
Gesicht des Nahen Ostens: Jetzt auch Freiheit
für Palästina -
Erklärung des
pax-christi-Diözesanvorstands zur aktuellen
deutschen und europäischen Nahostpolitik. -
Der pax-christi-Diözesanvorstand
in Rottenburg-Stuttgart fordert die
Bundesregierung auf, Palästina als Staat
völkerrechtlich anzuerkennen.
Während in der arabischen Welt
der Wind des Wandels weht und die Menschen mit
hohem Lebensrisiko für ihre Freiheit und die
Zukunft ihrer Länder kämpfen und ihre Despoten
abzuschütteln suchen, scheint die Politik des
Staates Israel immer mehr im alten Denken von
Besatzung, militärischer Dominanz, Einmauerung
und Blockade zu erstarren. Wie veröffentlichte
Geheimdokumente zeigen, ist die palästinensische
Verhandlungsdelegation der israelischen
Regierung in sehr hohem Maß entgegengekommen,
während Israel weder bereit ist, den illegalen
jüdischen Städtebau auf besetztem
palästinensischem Gebiet einzustellen noch die
wirtschaftliche Strangulierung im
Westjordanland, Ostjerusalem und im Gazastreifen
zu beenden. Wir begrüßen deshalb sehr, dass
Bundeskanzlerin Merkel auch von Israels
Ministerpräsident Netanjahu einen Beitrag zum
Frieden fordert.
Für einen palästinensischen Staat
an der Seite Israels gibt es nur noch ein kurzes
Zeitfenster. Wird dieses verspielt, bleiben als
Möglichkeit entweder ein israelischer
Apartheidstaat, in dem Palästinenser als
Menschen zweiter Klasse leben oder ein
gemeinsamer Staat mit gleichen Rechten aller
Bürger nach dem Vorbild Südafrikas. Dies würde
das Ende des Staates Israel bedeuten. Ein
Apartheidstaat wird nicht in Frieden leben
können und deshalb auch keine Sicherheit finden.
Für einen gemeinsamen Staat mit gleichen Rechten
aller Einwohner ist keine Mehrheit in der
jüdisch-israelischen Bevölkerung zu erkennen.
Nachdem die US-amerikanische
Regierung offenbar keine Kraft mehr hat, an
einer politischen Lösung des Konflikts
mitzuwirken, gewinnen andere internationale
Akteure an politischer Bedeutung. Wir begrüßen
die Initiative lateinamerikanischer Staaten,
Palästina als Staat anzuerkennen und so neue
Bewegung in die festgefahrene Situation zu
bringen. Dies ist eine Forderung, die pax
christi in Deutschland 1989 erhob. Wir begrüßen,
dass die Bundesregierung und andere europäische
Regierungen dem palästinensischen Antrag im
UNSicherheitsrat zugestimmt haben, Israel zur
Beendigung der illegalen Besiedelung
palästinensischen Landes aufzufordern. Wir
bitten die Bundesregierung, Palästina als Staat
und damit das Recht des palästinensischen Volkes
auf Freiheit und Selbstbestimmung
völkerrechtlich anzuerkennen. Die erfordert
auch, die Gesprächsverweigerung gegenüber der
Hamas zu beenden und sie in eine politische
Lösung im Blick auf erneute freie Wahlen
einzubeziehen.
Wir wünschen uns, dass
Deutschland und Europa den Geist des Wandels für
Freiheit und ein Leben in Würde im Nahen Osten
tatkräftig unterstützen und so an einer
Friedensperspektive in der Region mitwirken.
Stuttgart, den 2. März 2011 - Der
Diözesanvorstand von pax christi
Rottenburg-Stuttgart
Israel
veröffentlicht Order, nach
der 600 palästinensischen Beduinen aus der
Jerusalemer Region vertrieben werden sollen
Hathem Abdel Qader, der für die
Fatah-Bewegung in Jerusalem verantwortlich ist,
warnte gestern vor einem Plan, nach dem etwa 600
palästinensische beduinische Bewohner aus dem
Wadi Abu Hindi-Gebiet vertrieben werden sollen –
also dem Gebiet zwischen Maale Adumim und Keder,
südöstlich von Jerusalem.
Abdel Qader stellte fest, dass
das israelische Militär die Evakuierungsorder
an zig Beduinenfamilien im Wadi Abu Hindi
ausgab. Nach diesen Ordern müssen die Familien
das Gebiet bis Ende März verlassen. ((Wohin –
davon erfahren die Familien nichts ER)). Nach
Yacoub Odeh vom Zentrum für Landforschung ist
dies nicht das erste Mal, dass diese
Gemeinschaft eine Evakuierungsorder erhält.
Abdel Qader behauptet, dass diese
Order die Vertreibungsorder ergänzt, die gegen
die palästinensischen Beduinenfamilien bekannt
gegeben wurde, die in der Nähe der Siedlungen
Adam und Maale Michmash wohnen. Odeh fügt hinzu,
dass es bis jetzt Vertreibungsorder für etwa
1000 palästinensische Beduinen in diesem Gebiet
gibt.
Abdel Qader vermutet, dass es
Israels Ziel ist, die Siedlungen Maale Adumim
und Maale Michmasch zu vergrößern.
Anwalt Shlomo Lecker
beabsichtigt, beim Obersten Gerichtshof eine
Petition einzureichen, um die Vertreibung
dieser Familien zu verhindern.
Die palästinensischen
Beduinenfamilien im Wadi Abu-Hindi-Gebiet sind
ein Teil des größeren Jahalin-Stammes, die aus
etwa 2700 Leuten besteht, die an 31 Orten der
Wüste leben. Der Jahalin-Stamm hatte seinen
Ursprung im Tel Arad im Negev. Aber Israel
vertrieb sie in den frühen 50er-Jahren, wo sie
in den Raum Jerusalem ((damals jordanisch))
kamen.
In den 90er-Jahren wurden etwa
2000 Mitglieder des Jahalin Stammes in die Nähe
der Jerusalemer Müllhalde deportiert (( und in
Containern angesiedelt ER)) , damit die Siedlung
Maale Adumim erweitert werden konnte. ((Ich
hatte sie vorher und dann später bei der
Müllhalde mit Marilen Schulz besucht, auch
Rabbi Jeremy Milgrom und andere haben sich um
sie gekümmert, eine Schule gebaut … ER))
(dt. Ellen
Rohlfs) (()) von der Übersetzerin eingefügt.
Nie wieder? - nicht wenn du ein ‚Amalekiter’
bist !
Israelische Rabbiner rufen zur Einrichtung von
Konzentrationslager (extermination camps) für
Palästinenser auf.
Ein Artikel in der israelisch jüdisch-orthodoxen
Publikation „Quellen des Heils“, die vorgibt,
ein Familien-Magazin zu sein, schlägt vor,
Israel solle Todeslager für Palästinenser
einrichten, um sie wie Amalek auszulöschen.
Der Ausdruck Amalek oder Amalekiter ist ein
Kodename für die Palästinenser (und andere
anerkannte Feinde des jüdischen Volkes) und
stammt aus dem Alten Testament.
Das kommt einem Aufruf zum Völkermord gleich.
Rabbiner haben während aller Jahrhunderte die
Amalekiter mit jedem geschworenen Feind des
jüdischen Volkes von Hitler bis Barack Obama
verbunden (einige prominente amerikanisch
orthodoxe Juden schrieben so vor den letzten
US-Wahlen) . Aber dies hier ist vielleicht das
erste Mal, dass eine orthodoxe Veröffentlichung
in Israel zum Genozid der Palästinenser aufrief.
Der Artikel greift israelische Rabbiner an, die
sich mit dem von extrem pro-Siedler Rabbinern
zirkulierenden Brief aus einander setzten. Sie
drängen darauf, dass kein israelischer Jude
Wohnungen oder Häuser an israelische Araber
vermieten solle. Sie rügten sie dafür, dass sie
„politisch korrekt“ seien und sich weigerten,
ihren Job zu tun und der breiten Öffentlichkeit
den wahren ‚Pfad der Torah’ zu lehren.
Im letzten Paragraph dieses Artikels setzte sich
der Angriff mit der folgenden Bemerkung fort: Es
wird interessant sein, ob sie (die politisch
korrekten Rabbiner) die Versammlung der
Amalekiter (=Palästinenser) in den
Auslöschungslager anderen überlassen oder ob sie
erklären werden, dass das Auslöschen der
Amalekiter ( historisch) nicht mehr relevant
sei, Nur die Zeit wird darüber Auskunft geben
können ….
Diejenigen , die hinter dieser Veröffentlichung
stehen , gehören zu dem radikal rechten
israelisch Orthodoxen Rabbinat. Die Gruppe war
vom früheren Oberrabbiner von Safed gegründet
worden, dessen Sohn im Augenblick diese Position
hält und der den oben genannten Brief
zirkulierte. Ein anderer Oberrabbiner von Ramat
Gan ist wie Rabbiner Avinar verdächtigt worden,
eine in Not geratene Frau, die geistigen Rat bei
ihm suchte, sexuell missbraucht zu haben. Jeder
dieser Rabbiner erhält sein Gehalt von der
Regierung
( dt. Ellen Rohlfs)
Unter der IMEMC.org/article/60435 über Google
mehrfach gefunden – aber nicht jeder lässt sich
öffnen
Geschäftsleitung von
Adidas
International
Adidas AG
Adi-Dassler-Straße 1-2
91074 Herzogenaurach
Offener
Brief an die Geschäftsleitung von Adidas
International
BDS Gruppe Berlin
Sehr geehrte Damen und
Herren,
wie schon andere vor uns
möchten wir Sie nachdrücklich darum bitten, Ihr
Sponsoren-Abkommen für den Jerusalem Marathon
2011, der am 25. März dieses Jahr stattfinden
soll, zurückzuziehen.
Wir schließen uns damit dem
Aufruf des palästinensischen Nationalkomitee für
Boykott, Desinvestition und Sanktionen“ (BNC)
an, in dem Adidas aufgerufen wird, das
Sponsoren-Abkommen für den Marathon mit der
Jerusalemer Stadtverwaltung unverzüglich
aufzukündigen [1].
Israel arbeitet beharrlich,
systematisch und unverhohlen an der ‚Judaisierung’
Jerusalems [2]. Mit diesem offiziellen,
ideologischen israelischen Begriff wird eine
Politik der ethnischen Säuberung gegenüber der
einheimischen palästinensischen Bevölkerung
bezeichnet, die die demographische Realität der
besetzten Stadt ändert und damit gegen die
Vierte Genfer Konvention und das Völkerrecht
verstößt.
In seinem jüngsten Bericht an
die Generalversammlung der Vereinten Nationen
kritisierte der UN-Sonderberichterstatter und
Völkerrechtler Richard Falk die Tendenz der
Internationalen Gemeinschaft, die Übergriffe
gegen die unter israelischer Militärkontrolle im
Westjordanland und in Ostjerusalem lebenden
Palästinenser nicht zur Kenntnis zu nehmen.
Wegen dieser Übergriffe trägt die israelische
Besatzung zunehmend die Züge eines
Apartheidregimes. Richard Falk weist darauf hin,
dass die Palästinenser zum Beispiel von der
Benutzung der Straßen ausgeschlossen sind, die
den Bewohnern der benachbarten,
völkerrechtswidrigen und nur Juden vorbehaltenen
Siedlungen zur Verfügung stehen [3].
Jedes internationale
Ereignis, wird von Israel dazu benutzt, eine
Fassade der Normalität vorzutäuschen und dient
als Mittel zum Zweck, seine fortwährenden
Menschenrechtsverletzungen schönzufärben. Seit
2005 gibt es eine gemeinsam finanzierte und
durchgeführte Strategie der Ministerien Kultur,
Tourismus und Auswärtiges, Hasbara genannt, die
von dem Konflikt mit den Palästinensern ablenken
soll, um Israels negatives Image weltweit
aufzupolieren. Auch der Jerusalem Marathon wird
vom israelischen Tourismusministerium gefördert
und unterstützt die Hasbara-Strategie, um von
den Verbrechen gegen die Menschheit und
Kriegsverbrechen, die Israel vorgeworfen werden
(Goldstone-Report 2009, im Auftrag des
UN-Menschenrechtsrat) abzulenken.
Es wird Ihnen sicherlich
bekannt sein, dass der Internationale
Gerichtshof in Den Haag in seinem Gutachten vom
Juli 2004 den israelischen Mauerbau in den
besetzten palästinensischen Gebieten für
illegal erklärt hat, darüber hinaus alle
israelischen Siedlungen in den besetzten
palästinensischen Gebieten, einschließlich
Ost-Jerusalems für rechtswidrig erklärt und
festgehalten hat, dass die von der
Besatzungsmacht Israel ergriffenen Maßnahmen zur
Änderung des Rechtsstatus und der demografischen
Zusammensetzung des besetzten Ost-Jerusalems
keine rechtliche Gültigkeit besitzen und null
und nichtig sind.
Bis heute missachtet Israel
nicht nur dieses Gutachten, sondern hat
mittlerweile den Mauerbau sogar nahezu
vollendet. Der Ausbau von nur jüdischen Menschen
vorbehaltenen Siedlungen geht auch in
Ost-Jerusalem unverzüglich weiter: die
israelische Regierung betreibt in Ost-Jerusalem
eine Politik der Enteignung und Vertreibung der
einheimischen palästinensischen Bevölkerung der
Stadt. Auch um dies zu verdecken, ist der Staat
Israel an diesem Marathon interessiert und sucht
Allianzen mit Partnern wie Ihnen.
Die palästinensische
Zivilgesellschaft hat im Juli 2005, ein Jahr
nach dem Gutachten des IGH, dazu aufgerufen,
gegen Israel solange Boykott, Desinvestitionen
und Sanktionen (BDS) zu verhängen, bis Israel
dem internationalen Recht genüge tut, also auch
seine Verpflichtung umsetzt, den Palästinensern
das unveräußerliche Recht auf Selbstbestimmung
zuzugestehen [4].
In den achtziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts hat die Ächtung der
Apartheid-Politik Südafrikas durch die meisten
Länder der Welt dazu geführt, dass diese Politik
beendet und eine Regierung etabliert wurde, in
der alle Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt
vertreten sind.
Sehr geehrte Damen und
Herren, wir bitten Sie dringend, Ihr
Sponsoren-Abkommen des Jerusalem Marathon 2011
abzusagen.
Erteilen Sie der
israelischen Politik von Apartheid,
Unterdrückung und Besatzung eine Absage!
[2] s. z. B. UN Special
Rapporteur, Prof. John Dugard, Human Rights
Situation in Palestine and other Occupied Arab
Territories (A/HRC/7/17, January 2008).
O f f e n e r B r i e f a n d i e V e r
a n t w o r t l i c h e n d e r I T B
Berlin, den 3. März
2011
Sehr geehrte Damen
und Herren,
Angesichts der
bevorstehenden Internationalen Tourismusbörse,
die vom 9. bis zum 13.03.2011 in Berlin
stattfindet, möchten wir Sie an die soziale
Verantwortung erinnern, zu der Sie sich bekannt
haben. Der Zusammenhang von Tourismus und
Politik ist durch die demokratischen Bewegungen
in den beiden bis vor kurzem diktatorisch
regierten Urlaubsländern Tunesien und Ägypten
noch einmal schlaglichtartig deutlich geworden.
Wir machen Sie
darauf aufmerksam, dass Sie Gefahr laufen, auf
der diesjährigen ITB die menschen- und
völkerrechtswidrige Apartheidpolitik der
israelischen Regierung gegen die
palästinensische Bevölkerung zu unterstützen.
Dringend appellieren wir an Sie, Ihr eigenes
Profil nicht im Fahrwasser der offiziellen
israelische Public-Relations-Politik zu suchen,
die durch ein aufpoliertes Israel-Image die
internationale Öffentlichkeit von der Kolonial,-
Besatzungs- und Siedlungspolitik ablenken will.
Wir möchten Sie
bitten, auf der diesjährigen ITB keinen Stand
des israelischen Tourismusministeriums
zuzulassen und alle israelischen Veranstaltungen
im Rahmen des „Gay & Lesbian Tourism“-Sektors
auf der ITB 2011 abzusagen.
Zur
Erläuterung:
Erstens:
Das israelische Tourismusministerium (www.goisrael.com/Tourism_Eng/)
ist maßgeblich an der oben erwähnten
PR-Strategie beteiligt. Auf der Internetseite
des israelischen Ministeriums für Tourismus
findet sich beispielsweise eine Israel-Karte, in
der die besetzten palästinensischen Gebiete als
Teil Israels dargestellt werden. Das entspricht
der israelischen Politik, die Palästinenserinnen
und Palästinenser aus ihrem Land zu verdrängen.
Es entspricht der israelischen Haltung,
Palästina nicht anzuerkennen. Gemäß der
kolonialistischen israelischen Sicht wird die
palästinensische Stadt Hebron/El Khalil, die in
den besetzten Gebieten liegt und in der die
palästinensische Bevölkerung von besonders
extremistischen Siedlern terrorisiert wird, auf
der erwähnten Landkarte ohne Weiteres zu Israel
gerechnet. (1).
Zweitens:
Auf der gleichen Internetseite ist Jerusalem ein
besonders prominentes Reiseziel. (2) Dabei
bleibt unerwähnt, dass die Osthälfte der Stadt
1967 von israelischen Truppen besetzt und 1980
von Israel annektiert wurde. Während dies von
fast keinem Staat der Welt anerkannt wird, sieht
das israelische Tourismusministerium Jerusalem
mit den Augen der Besatzungsmacht, ohne die
Besatzung beim Namen zu nennen.
Israel arbeitet
beharrlich, systematisch und unverhohlen an der
‚Judaisierung’ Jerusalems (3) Mit diesem
offiziellen, ideologischen israelischen Begriff
wird eine Politik der ethnischen Säuberung
gegenüber der einheimischen palästinensischen
Bevölkerung bezeichnet, die die demographische
Realität der besetzten Stadt ändert und damit
gegen die Vierte Genfer Konvention und das
Völkerrecht verstößt.
Wir möchten Sie
daher bitten, auf der diesjährigen ITB keinen
Stand des israelischen Tourismusministeriums
zuzulassen!
Drittens:
soll im Rahmen „Gay & Lesbian Tourism“-Sektors
auf der ITB 2011 die Ausstellung „Tel Aviv Gay
Vibe - Free; Fun; Fabulous“ gezeigt werden. (4)
Israel will damit
seine Kolonialpolitik und seine Besatzung der
palästinensischen Bevölkerung „rosa einfärben“
(„pink wash“), um die internationale
Aufmerksamkeit auf ein erfundenes PR-Image zu
lenken, das liberalen Menschen im Westen (auf
den ersten Blick) gut gefällt, tatsächlich aber
die Fakten verschleiert. Schon im Juni 2010
haben palästinensische „Queers“ die
Lesbian und Gay Communities (LGTBQI) der ganzen
Welt aufgefordert, die globale Kampagne für
Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS)
gegen Israel zu unterstützen bis Israel „sich
vollständig in Übereinstimmung mit dem
internationalen Recht verhält, seine Besatzung,
Kolonisierung und Apartheid(spolitik) beendet.“
(5)
Diesem Appell hat
sich die Gruppe „Israeli Queers for Palestine“
im November 2010 angeschlossen. In dem Aufruf
der „Israeli Queers“ aus Tel Aviv wird die
weltweite BDS-Bewegung als „machtvolles,legitimes
und und dringend benötigtes Mittel“ bezeichnet,
um „die Straflosigkeit zu beenden, durch deren
Hilfe Israel fortfährt, das palästinensische
Volk zu kolonisieren und zu unterdrücken.“ (6)
Wir schließen uns
diesen Positionen und der Kritik an der
Unterstützung der Pink Washing-Strategie der
israelischen Regierung an (7). Wir möchten Sie
daher bitten, alle israelischen Veranstaltungen
im Rahmen des „Gay & Lesbian Tourism“-Sektors
auf der ITB 2011 abzusagen.
(3) s. z. B. UN
Special Rapporteur, Prof. John Dugard, Human
Rights Situation in Palestine and other Occupied
Arab Territories (A/HRC/7/17, January 2008).
Libyen
kein Boden für einen Aufstand wie in Ägypten
Die Lage in
Libyen war von Anfang an unübersichtlich. Die
raschen Ereignisse bis zum Massaker der
Demonstranten lassen viele Fragen offen. Libyen
ist das Land mit dem höchsten Pro-Kopfeinkommen
Afrikas. Zudem ist hier der Reichtum um einiges
gleichmäßiger verteilt als in den meisten
anderen Ländern der Region. Auf der ökonomischen
Ebene verfügt Libyen über ein jährliches
Pro-Kopf-Einkommen, das mit 12.020 Dollar fast
europäischen Standard erreicht und das mehr als
viermal so hoch wie in Tunesien ist, und das
Sechsfache des ägyptischen beträgt. Für Güter
des Grundbedarfs gelten Preisobergrenzen.
Medizinische Versorgung und kostenlose
Ausbildung sind in Libyen gesichert. Diese
regional relativ guten wirtschaftlichen und
sozialen Bedingungen in Libyen sind eigentlich
kein Boden für einen sozialen Aufstand wie in
Ägypten und Tunesien.
Wer hätte Interesse, das Land so sehr zu
destabilisieren, dass Chaos und mörderische
Gewalt plötzlich in offenbaren Vordergrund
stehen und westliche Länder dazu veranlassen,
unter dem Vorwand „humanitäre Intervention“,
ihre eigene Lesart von Freiheit dorthin
exportieren zu wollen. Dabei kursieren in der
europäischen Öffentlichkeit merkwürdige Begriffe
wie „Völkermord“ und das falsche Gerücht,
Gaddafi befinde sich auf der Flucht nach
Venezuela. Inzwischen erweist sich, dass diese
Falschmeldung ursprünglich aus London kam. Eine
solche Falschheit zielte nicht nur auf Gaddafi,
sondern auch darauf, den Präsidenten von
Venezuela, Hugo Chávez, zu belasten.
Bemerkenswert ist es auch, dass ausgerechnet die
Öl-Provinzen Libyens in die Hände der
abtrünnigen militärischen Einheiten fallen. Ein
Zufall? Ausgerechnet aus diesen Öl-Provinzen
beginnen sofort britische Stellen wie Reuter und
BBC zu berichten.
Zu Recht hat sich die US-Außenministerin Hillary
Clinton im Zusammenhang mit dem Massaker von
Zivilisten nicht so schnell geäußert. Sicherlich
hat sie sich auch danach gefragt, was dahinter
steckt und versucht, sich vor einer öffentlichen
Stellungnahme Klarheit über die obskure Lage zu
verschaffen.
Auch zu Recht verlangt die UN-Kommissarin für
Menschenrechte eine Untersuchung über die
Bombardierung von Zivilisten durch Luftangriffe
in Libyen, um die Verantwortlichen zu
identifizieren. Die SZ gibt eine zu schnelle
Antwort darauf, indem sie das libysche Regime
anklagt zu morden. Aber es gibt Dementis sowohl
von Gaddafi selbst als auch von seinem Sohn,
denen zufolge keiner von beiden angeordnet habe,
die Demonstranten zu bombardieren. Nur ein
Munitionsdepot sei das Ziel gewesen. Also bleibt
die Frage offen: Wer ordnete an zu morden? Wer
hat Interesse daran, Gaddafi so zu
diskreditieren und zu demontieren, und wer hat
die Bereitschaft und die kaltblütige Fähigkeit
dazu, ein entsetzliches Szenarium für eine
solche Demontage und „humanitäre Intervention“
in Libyen zu schaffen, gerade dann, als sich
Ägypten aus den Fängen des Westens beginnt zu
befreien.
Wie das „anti-imperialistische“ Ägypten Nassers
verstand sich auch Gaddafis Lilbyen als
blockfrei. Der ägyptische Staatschef Gamal Abdel
Nasser war Muammar al Gaddafis großes Vorbild.
Aufgrund ebenso falscher Beschuldigungen aus
London wurde Gaddafi in den achtziger Jahren als
„Erzterrorist“ bezeichnet. Die US-Regierung
Ronald Reagan nahm diese falschen
Beschuldigungen zum Anlass, Libyen zu
bombardieren (1986). Dabei wurde seine 15 Monate
alte Adoptivtochter Hana getötet. Jahrelang
wurde Libyen als Paria-Staat behandelt. Erst
Mitte der neunziger Jahren korrigierten die USA
ihre Beziehungen zu Libyen.
Der Panarabismus strebte theoretisch nach einer
Vereinigung aller arabischen Völker vom Atlantik
bis zum Golf. In der ersten Hälfte seiner
Herrschaft unternahm auch Gaddafi zahlreiche
Versuche, sich mit einem der Nachbarn
zusammenzuschließen – nach dem Vorbild der
kurzlebigen Vereinigten Arabischen Republik
Ägyptens und Syriens, die zwischen 1958 und 1961
bestanden hatte. Alle diese Versuche
scheiterten, aber sie galten und gelten
sicherlich immer noch als ein Alptraum für
westliche Staaten und vor allem für Israel.
Europa ist weit davon entfernt in vielerlei
Hinsicht, ein demokratisches rechtsstaatliches
Image von sich auszustrahlen. Eine europäische
Außenpolitik hat es auch nie gegeben. Auf
europäischer Bühne geht das egoistische
Klein-Klein unvermindert weiter. Auf die Wende,
die sich in der arabischen Welt profiliert, hat
Europa keine Antwort, weil es keine
gemeinschaftliche Außenpolitik hat, kein
Konzept, um sie zu formulieren. Längst war die
soziale Bombe aus dem armen Süden vorherzusehen.
Aber Europa und Deutschland waren mit ihrem
militaristischen Größenwahn (NATO und ähnliche
verheerende EU-Unternehmen) so beschäftigt, dass
sie nicht begriffen haben, dass eine winzige
Insel von Reichtum wie die EU inmitten eines
Meeres von Armut nicht bestehen kann. Nicht nur
Europäer existieren auf dieser Welt. Der
arabische Aufstand lässt unmissverständlich
erkennen, dass Europa nicht den Gang der Welt
bestimmt. Genauso wie die Europäer ihre Einheit
anstreben, haben die Araber dasselbe Recht, sich
zu vereinigen. Europa sollte diese Entwicklung
unterstützen, anstatt sie zu bremsen und sich
für eine verheerende Intervention herzugeben.
Anstatt mit dem Kopf realistisch und fair die
Ereignisse zu beurteilen, ist Europa wieder
dabei, sich in militärische Inkursionen zu
stürzen, weil es anscheinend anders nicht fähig
oder nicht willig ist. Allein das Einschreiten
des NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen,
eine NATO-Sondersitzung zu veranstalten, stellt
diesen alten verhängnisvollen europäischen Geist
bloß. Kriegsschiffe werden nicht zu zivilen
Zwecken gebaut und auf Reise geschickt.
Auf keinen Fall darf sich Deutschland oder
Europa in einen von Frankreich und
Großbritannien ausgehenden längst überwunden
geglaubten Kolonialismus dirigieren lassen. Der
britische Versuch, eine neue Sicherheitsordnung
im Nahen Osten mit Paris abzusprechen, hat keine
Legitimation. Keine dieser im Nahen Osten
fremden kriegerischen Mächte kann erwarten, von
einem arabischen Volk anerkannt zu werden, um
dort nach Zerstörung und Tod der Bevölkerung,
die Gründung einer Ordnung gemäß ihrer fremden
Interessen zu beanspruchen.
Sollte sich auch die USA auf eine von Europa
angezettelten neuen abenteuerlichen
militärischen Intervention einlassen, engagiert
sich das Weiße Haus wieder in derselben
Doppelzüngigkeit wie Großbritannien und
Frankreich damals zu Zeiten ihrer imperialen
Herrschaft in dieser Region. Mit dieser
trügerischen, unseriösen und stark vom
Kolonialwahn geprägten Politik gegenüber der
arabischen Welt darf Deutschland nicht
kooperieren. Im Gegenteil, diese fatale Politik
verdient von Europa, von den USA und Deutschland
verurteilt zu werden oder mindestens, sich davon
zu distanzieren. Wird dies versäumt, verliert
auch Deutschland weiter seine Glaubwürdigkeit
und zerstört die Hoffnungen für eine bessere und
gerechtere Weltordnung, die nicht mit allen,
sondern nur mit den gerechten und rechtlichen
Mitteln zu schaffen ist. Die Zivilisation
verlangt, zu aller erst Respekt gegenüber eines
jeden Menschen und allen Völkern.
Alle Menschen haben die Chance auf einen
demokratischen Wandel verdient. Europa kann sich
nicht weiter als eine Festung gegen den Ansturm
afrikanischer Migranten verstehen. Die Stunde
hat geschlagen, Reichtum zu verteilen - sowohl
im Inland als auch im Ausland.
Im Gegensatz zu europäischen Regierungen hält
sich Washington in der Sache Libyen auffällig
zurück, wie vor der Dringlichkeitssitzung des
UN-Sicherheitsrates in New York am Abend des
22.2. offensichtlich war. Dort hatte sich
Washington nicht formal dem Antrag der Europäer
im Rat zur Einberufung der Sitzung
angeschlossen. Völkerrechtlich gab es
tatsächlich keinen Grund für eine solche
Einberufung des Sicherheitsrats, der nur
zuständig ist, wenn der Frieden eines Landes
durch den Angriff eines anderen bedroht ist.
Libyen ist nicht ein solcher Fall. Der Nachbar
Ägypten verstand auch nicht die Lage in Libyen
als Bedrohung, wie sicherlich der britische
Premier David Cameron mit seinem überraschenden
Besuch in Kairo (21.2.) versuchte, die
ägyptische Führung zu alarmieren, Vergebens. Die
seltsame britische Geheim-Mission in Ägypten ist
gescheitert. Dieses Scheitern des britischen
Premiers ist der Öffentlichkeit entgangen. Kein
ägyptischer Diplomat hat sich für die
Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates
entschieden. Anders als früher, war diesmal der
britische Premier nicht zuerst nach Washington
geflogen, sondern direkt nach Kairo, da London
aller Wahrscheinlichkeit nach wusste, dass die
US-Regierung von Barack Obama sich nicht wie die
vorherigen auf eine solche abgekartete Intrige
einlassen würde.
Ägypten hat das Spiel Großbritanniens
durchschaut, anders als vormals Saudi-Arabien,
als es sich der US-Mission 1991 beugte, gegen
seine eigene Wahrnehmung Irak als Gefahr
anzusehen und amerikanische Truppen auf sein
Territorium erlaubte, um die Invasion Iraks zu
ermöglichen. Alles nach Initiative von Margaret
Thatcher, die zuerst nach Washington eilte, um
dem Weißen Haus den britischen Plan vorzulegen.
Schon die Kriegsmaschinerie in Saudi-Arabien
wurde im August 1991 auf alleinige Initiative
der USA mit der Unterstützung von Großbritannien
aufgestellt. Nicht nur beim militärischen
Aufmarsch in Saudi-Arabien, sondern auch bei der
ganzen Vorbereitung zum ersten Golfkrieg, bei
seinem Angriffseinsatz gegen den Irak am 17.
Januar 1991 wurde das Weiße Haus von
Großbritannien angeheizt und geführt. Ebenso das
intrigante Verhalten der US-Botschafterin in
Bagdad, die damals das Oberhaupt Iraks, Saddam
Hussein, davon überzeugte, die USA würden auf
einen irakischen Einmarsch in Kuwait nicht
reagieren. Die Falle wurde dann gelegt, um den
ersten Angriffskrieg gegen den Irak anzuzetteln
(1991). Ebenso wie beim zweiten Golfkrieg gegen
den Irak 2003: Das falsche Dossier über
Massenvernichtungswaffen, das der
US-Außenminister Colin Powell vor dem
Sicherheitsrat vorlegte (Februar 2003), wurde in
London konstruiert, gestempelt vom Premier
Anthony Blair, der auch nach Washington eilte,
um den hilflosen dummen George Bush Jr. leicht
zu belügen und zu überzeugen. Und welchen
Manipulationen und Lügen werden wir aufgrund
welcher Interessenlage jetzt ausgesetzt? Wer
bezahlt die Milizionäre in Libyen? Was machen
die Leute der Ölkonzerne wie BP, Shell, Eni und
Standard Oil in Libyen? Eine
UN-Untersuchungskommission der mörderischen
Ereignisse in Libyen sollte die Aktivitäten
dieser Leute klären.
Die massive Flüchtlingswelle nach Europa
bedeutet auch kein Angriff im Sinne der
UN-Charta. Wollen die Europäer da mit dem Segen
der UN ein Massaker gegen Menschen verursachen,
um ihren Wohlstand zu verteidigen? Dieses
kriminelle Muster ist bekannt und hat in Europa
Tradition. Am Sitz der Vereinten Nationen in New
York heißt es, die Vertreter Washingtons hätten
zudem zu erkennen gegeben, dass sie die Anregung
des Abtrünnigen stellvertretenden Missionschefs
der libyschen UN-Botschaft, der Sicherheitsrat
möge angesichts eines begonnenen „Völkermords“
Gaddafis an seinem eigenen Volk ein Flugverbot
über Libyen verhängen, vorerst nicht
unterstützen. Echo eines solchen déjà-vu
Wahnsinns gab es nur in Europa. Die Verhängung
eines Flugverbots über Libyen bedürfe einer
Resolution – und nicht nur völkerrechtlich
irrelevanter Erklärungen des
UN-Sicherheitsrates: Die Sprache des State
Department war klar und deutlich, ebenso wie die
vom Weißen Haus unter dem US-Präsident Barack
Obama. Außenminister Guido Westerwelle
distanzierte sich schnell von der impertinenten
Begrifflichkeit „Völkermord“ und erklärte „es
gäbe keinen Sinn“, so zu sprechen. In
Wirklichkeit, steht damit die Öffentlichkeit vor
einer erfundenen verheerenden Begrifflichkeit,
die zu oft missbraucht wurde, um perfid andere
Völker und Menschen aus egoistischen Interessen
zu morden. Der Leitartikel „Israels neue Welt“
von Peter Münch vom 26.2.11. enthält
unzutreffende Anmerkungen, die stutzig machen:
Er übersieht die Annexion der DDR durch die BRD,
will auch nicht das fremde US-Diktat
hinsichtlich der sogenannten deutsche Einheit
wahrnehmen, eine Zwangsbedingung, die von Anfang
an der US-Außenminister James Backer gegenüber
der Kohl-Regierung durchsetzte. Dazu eilte Baker
schon am 8.11.1989 nach Bonn. Das deutsche Volk
konnte sich gemäß dem Art.146 des Grundgesetz
nicht äußern, Grundgesetz-Artikel, der ohne
Anwendung blieb. Ist das eine Revolution?
Auffällig ist auch, dass Peter Münch den Unsinn
vom „Clash der Zivilisationen“ wieder ins Spiel
bringt, eine propagandistische tendenziöse
Masche der Bush-Ära, völlig überwunden und
beiseite gelassen von der Obama-Regierung. Was
soll diese kuriose Merkwürdigkeit im
Zusammenhang mit den Ereignissen in der
arabischen Welt?
Kurz nach der UN-Sitzung brach der
Abteilungsleiter im US-Außenministerium für den
Nahen Osten, Jeffrey Feltman, zu Besuchen nach
Katar, Kuweit, Bahrein, Oman und in den Emiraten
auf (23.2.). Konfliktpotential ist nämlich auch
in Saudi-Arabien genug vorhanden. Darüber hinaus
hatte Feltman mehrfach mit dem libyschen
Außenminister Moussa Koussa telefoniert. Es ist
anzumerken, dass der libysche Außenminister dem
State Department ständig über die Lage des
Landes informierte, denn die Gespräche waren
sachlich, wie aus Washington bekannt wurde.
Bestimmte ultrarechte europäische Kreise in
Verbindung mit ultrarechten CDU-Cliquen in
Deutschland und Europa bleiben immer noch mit
der Bush-Cheney-Clique verbunden und sind bis
heute nicht bereit, sich mit der Obama-Linie
abzufinden. Niemand sollte sich wundern, wenn
solche faschistoiden Populisten einen Konflikt
wie in Libyen benutzen, um zu versuchen, Obama
zu stürzen. Energisch muss der US-Präsident
solchem unheilvollen militaristischen Druck
widerstehen, vor allem innerhalb der NATO, deren
Generalsekretär ein Mann mit den Fäden zur
Cheney-Bush-Clique ist. (Siehe auch
http://www.jungewelt.de/2011/02-26/056.php,
http://www.jungewelt.de/2011/02-26/036.php,
http://www.jungewelt.de/2011/02-25/055.php )
Offensichtlich distanzieren sich die USA
eindeutig von Europa, und wenn es notwendig ist,
ernste Gespräche zu führen, dann nicht mit
Deutschland. Mit seinem direkten Draht nach
Tel-Aviv (offizielle ständige
Regierungskonsultationen) schließt sich Berlin
selbst aus. Merken das die deutschen Politiker,
merkt das die Öffentlichkeit? Fragen sie sich,
warum?
Das Bundeskanzleramt muss zukünftig die
Außenpolitik voll und ganz dem Außenministerium
überlassen, anstatt wie bisher viel zu oft dem
blamabel kleinkarierten Greti und Pleti von der
CDU im Bundeskanzleramt und außerhalb bis hinauf
an die Spitze der bundesdeutschen Republik. Wie
würde es der Bundespräsident Christian Wolff
wahrnehmen, wenn ein anderes Staatsoberhaupt ihn
öffentlich herablassend und in beleidigender Art
bezeichnete? Was für ein Land ist das, wo man
einen Gefallenen mit dem Fuß treten kann und
dafür Zustimmung in der Bevölkerung findet? Wo
bleiben hierzulande Würde und Anstand, die
Anzeichen für eine humane Erziehung? Luz María
De Stéfano Zuloaga de Lenkait
wie Ihnen sicher bekannt ist,
wurde das Beduinendorf, Al Arakib, in der
vorigen Woche zum elften Mal durch Bulldozer,
die deutlich als KKL Fahrzeuge gekennzeichnet
waren, zerstört. Vor einigen Tagen wurde auch
der Friedhof, auf dem viele Dorfbewohner
ausgeharrt hatten, beseitigt. Die Zerstörung
dieses sowie weiterer Dörfer soll Platz für
Aufforstungsprojekte des Jüdischen
Nationalfonds (in der Regel Freizeitparks)
schaffen.
Die Jüdische Stimme für gerechten
Frieden in Nahost – EJJP Deutschland protestiert
aufs Schärfste gegen diese unwürdigen
Handlungen. Sie verstoßen gegen die universellen
Menschenrechte und sind mit den international
verbrieften Rechten zum Schutz ethnischer und
nationaler Minderheiten sowie ihres
Landeigentums unvereinbar!
Die Beduinen von Al Arakib haben
zusammen mit BewohnerInnen anderer – in Israel
„nicht anerkannter“ – Dörfer im Negev Klage
gegen die Enteignung ihres Landes eingereicht.
Der Rechtsstreit über den Status ist noch nicht
entschieden.
In Deutschland bedenken
zahlreiche Bürger und Bürgerinnen den Jüdischen
Nationalfond als gemeinnützige Vereinigung mit
Spenden für das Pflanzen von Bäumen. Ist allen
Spendenden bewusst, dass sie damit indirekt an
der Vertreibung der einheimischen – im konkreten
Fall des Dorfs Al Arakib beduinischen –
Bevölkerung teilhaben?
Das Dorf Al Arakib existiert seit
80 Jahren. Mit der israelischen Staatsgründung
wurden seine BewohnerInnen israelische
StaatsbürgerInnen. Der Kampf um das Land, das
von Beduinen im Negev seit je her zur
wirtschaftlichen Existenzsicherung genutzt wird,
hat eine lange Vorgeschichte. Israel hat schon
bald nach der Staatsgründung den verbliebenen
Beduinen den Aufenthalt nur im Nordosten des
Negev erlaubt. Die meisten der von den
halbnomadischen Beduinen traditionell als
Weideland und anderweitig landwirtschaftlich
genutzten Gebiete des Negev wurden enteignet.
Seit Jahrzehnten wird versucht, die Beduinen
sesshaft zu machen. Die Städte, die dafür
geschaffen wurden, sind völlig überfüllt. Weder
reicht der Platz, um neue Häuser zu bauen, noch
reichen Infrastruktur und Arbeitsplätze hin, um
der beduinischen Bevölkerung eine
menschenwürdige Existenz zu ermöglichen. Die
Hälfte der israelischen Beduinen lebt heute
unter der Armutsgrenze.
Durch das scharfe Vorgehen der
israelischen Polizei gegen die protestierenden
Zivilisten von Al Arakib mit Tränengas,
Pfefferspray und Gummigeschossen sind Menschen,
einschließlich Kinder, Frauen und Greisen, zu
Schaden gekommen. Sie haben nun keine Unterkunft
mehr – der Winter im Negev ist bitterkalt!
Überdies wurden im Verlauf der Protest- und
Widerstandshandlungen gegen ihr Enteignung und
letztlich auch Vertreibung etliche Dorfbewohner
von Al Arakib verhaftet und in Gewahrsam
genommen!
Wir fragen: Ist der Protest gegen
Willkür ein Grund zur Verhaftung?
Wir fordern von den
Verantwortlichen des JNF-KKL,
die Unterstützung einer
Innenpolitik der israelischen Regierung
einzustellen, die die einheimische
nichtjüdische Bevölkerung von ihren angestammten
Territorien vertreibt, ihre Dörfer zerstört und
sie – wie im vorliegenden Fall der beduinischen
Bevölkerung von Al Arakib – buchstäblich um ihre
historisch gewachsene Form der Existenzsicherung
bringt.
Indem der JNF-KKL die Wahrheit
über den Verwendungszweck der Spenden aus
Deutschland – zumindest in wesentlichen Teilen
- verschweigt, werden die Spenderinnen und
Spender ohne ihre Zustimmung zu Komplizen dieser
inhumanen und menschenrechtswidrigen Politik
gemacht.
Wir appellieren daher
eindringlich auch an alle Spender und
Spenderinnen des JNF-KKL in Deutschland:
Versagen Sie Ihre direkte und indirekte
Unterstützung von Projekten, die die
einheimische Bevölkerung wie im Fall von Al
Arakib schutzlos ins ökonomische, ökologische
und kulturelle Aus treiben. Die Beduinen leben
seit Jahrtausenden in der Negevwüste und in
anderen Gebieten des heutigen Israels. Ihre
historisch und natürlich gewachsenen Ökologien
und Kulturen zu Gunsten der Interessen der
jüdisch-israelischen Bevölkerung zu zerstören,
ist mit grundlegenden Geboten der Menschlichkeit
sowie den universellen Grund- und Menschenrechte
unvereinbar.
Das ägyptische Militär hat keinen Putsch
durchgeführt. Die ägyptischen Offiziere als
Putschisten zu bezeichnen, ist nicht richtig.
Hier irrt sich die Optik von Tomas Avenarius
(SZ, 17.2.11, „Ein Wunder in zehn Tagen“).
Der Sturz von Mubarak ist in der Tat nicht durch
Intervention der Militärs, sondern durch den
massiven Aufstand einer Volksbewegung erfolgt.
So stehen die demokratische Opposition und die
populären Muslimbrüder vorerst Seite an Seite.
Es war die landesweite friedliche Volksbewegung,
die den ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak zum
Rücktritt zwang. Die Zivilgesellschaft und das
Militär waren sich einig und überzeugt davon,
einen friedlichen Machtwechsel zu schaffen. Die
breite Basis des Volksaufstands ist die
Mittelschicht vereint mit der Jugend und den
Akademikern, also die Säule der gesamten
ägyptischen Gesellschaft.
Die Forderung des deutschen Außenministers Guido
Westerwelle, die EU sollte ihre gesamte
Nahost-Außenpolitik überdenken und neu
strukturieren, ist zu begrüßen. Die
EU-Außenbeauftragte, Catherine Ashton, an die
sich Guido Westerwelle wandte, hat die Zäsur im
Nahen und Mittleren Osten endlich erkannt.
Allerdings sind die Überlegungen von Stefan
Kornelius in seinem SZ-Leitartikel vom 17.2.11,
„Botschaft der Befreiung“ zu berücksichtigen:
„Jede Bevormundung des Westens hat exakt jener
Repression geholfen, die eine ganze Region
erstarren ließ. Wer also der Demokratiebewegung
in der arabischen Welt helfen will, der sollte
keine Doktrin schreiben. Er sollte warten, bis
er um Hilfe gebeten wird.“ Dieser Gedanke
spiegelt sich auch in der Volksbewegung in Kairo
wider, für das Angebot vom deutschen
Außenminister zu danken, aber es vorläufig nicht
zu akzeptieren.
Das Militär in Kairo hat den Zeitplan für den
Übergang zur Demokratie präsentiert, der in
einem Atem beraubenden Tempo stattfinden soll,
damit keine Zeit für eine unerwünschte
Einmischung aus dem Ausland bleibt. Seit dem 25.
Januar stand das ägyptische Volk friedlich gegen
den Despotismus von Mubarak auf. Der Westen, die
USA und die EU, spielten dabei keine Rolle.
Israel auch nicht. Die Volksbewegung war von der
Hoffnung nach einem gerechteren Wechsel und
Freiheit getragen. „Dieser Aufstand findet ohne
den Westen statt...“ Gerade weil sie ihre
Herrscher ohne fremde Hilfe verjagt haben, sind
die ägyptischen Aufstandsbewegungen so stark,
ist die Freude über die neue Freiheit so groß.
„Die Demonstranten glaubten an sich und sonst
keinen.“ Stefan Kornelius Bemerkung ist
zutreffend und vollkommen zuzustimmen.
Am 11.2. tritt der Despot zurück und das Militär
übernimmt die Kontrolle des Landes, um die
allgemeine Ordnung zu sichern und den Übergang
zur Demokratie nach Plan zu ermöglichen. Die
despotische Verfassung wird außer Kraft gesetzt
und das durch gefälschte Wahlen 2010 zustande
gekommene Parlament aufgelöst. 48 Stunden später
kündigt das Militär freie Wahlen in sechs
Monaten an. Dazu muss in zwei Monaten eine
minimale Verfassung erarbeitet werden, weil die
alte keine freien demokratischen Wahlen
vorsieht. Das ägyptische Militär an der Seite
des Volkes statuiert ein Vorbild: Sie drücken
bewusst aufs Tempo, denn sie wollen das Land
stabilisieren und die Macht spätestens in sechs
Monaten abgeben. Dieser Respekt vor dem Primat
der Politik und seine Anerkennung überrascht den
Westen, der immer noch einen militärischen
Putsch und das Primat des Militärs bevorzugt,
weil er glaubt, dadurch die Kontrolle besser zu
halten. Die gesamte Welt kann vom ägyptischen
Volk und vom ägyptischen Militär lernen, was
Zivilisation heißt. Die ägyptischen Offiziere
haben die dringende Priorität richtig gesetzt:
So bald wie möglich eine legitime zivile
Regierung in Ägypten zu schaffen.
Eine vollständige Verfassungsreform oder sogar
eine verfassungsgebende Versammlung kann man
später erreichen. Die neue gewählte zivile
Regierung muss sich damit und mit den zentralen
Streitfragen beschäftigen. Das ist die große
Herausforderung und Aufgabe für die Zukunft
Ägyptens, aber eigentlich keine Aufgabe für das
Militär. Ein faschistisches Regime hat den
Menschen In Ägypten ihre Würde geraubt. Die
Freiheit hat Ägypten den jungen Leuten zu
verdanken. Sie haben für alle Völker ein Exempel
statuiert, das in der Geschichte Ägyptens einen
festen Platz haben wird. Um so mehr ist die neue
ägyptische Generation zu unterstützen.
Ägypten wird keine „Roadmap“ bekommen. Gegen
diesen Begriff sind alle Ägypter allergisch. Sie
sehen ja bei den Palästinensern, dass solche
Vorhaben zum Scheitern verurteilt sind. Sie alle
respektieren das Militär, aber niemand will eine
Militärregierung. Das Militär selbst muß sich
von korrupten Verstrickungen befreien.
Militärische Hilfe in gigantischem Ausmaß (=USD
1.300 Milliarden Dollar jährlich), wie das
Militär sie aus den USA bekommt, ist weder
korrekt noch zu rechtfertigen. Die militärische
Kooperation ist in vielen Aspekte ein Grund zur
Beunruhigung. Militärhilfe löst keine
wirtschaftlichen und sozialen Probleme weder in
Ägypten noch anderswo.
Natürlich ist die künstliche Debatte völlig
absurd, ob demokratische Ideale unter dem
Präsident Obama oder unter seinem ominösen
Vorgänger effektiver verbreitet wurden. Keine
Demokratie, keine Freiheit ist zu erzwingen, am
wenigsten mit Gewalt, Brutalität und
Kriegsaggressionen wie Bush und seine kriminelle
Mannschaft schändlich für Amerika erwiesen hat.
Die Zeiten, in denen der Westen anderen ein
System unter dem Etikett der Demokratie
aufzwingen kann, sind vorbei. Die Welt hat
erkannt, was die Einmischung des Westen
bedeutet: Der Westen ähnelt immer dem listigen
Fuchs gegenüber dem Wiesel: „Adieu, Dieu vous
sauve; ces colliers d'anguilles sont à moi et ce
qui reste est pour vous.“
Jetzt muss das Land neu aufgebaut werden. Alle
sollten sich daran beteiligen, Christen und
Muslime. Die Diskussion über die Zukunft ist
voll im Gange. Wie in Tunesien sollte sich die
herrschende Partei des gestürzten Autokraten
auflösen, die korrupte NDP von Mubarak.
Die Situation im Nahen Osten bleibt aber hoch
gefährlich. Im Sinne der Entspannung wäre es
ratsam, die USA zögen ihre Militär-Maschinerie
aus dem Persischen Golf zurück. Ratsam in jeder
Hinsicht: Sie sparen unproduktive
ungerechtfertigte Kosten, und anstatt
Konfrontation wirken sie somit für Entspannung
in der Region.
Schon die Tatsache, dass der korrupte Mubarak
von seiner Villa aus Scham El Scheik Kontakt mit
dem israelischen Verteidigungsminister Ehud
Barak aufgenommen hat, wie vor kurzen
bekanntgegeben wurde, weist auf Hochverrat hin.
Der Despot will sich mit seinem Machtverlust
nicht abfinden und verrät sein eigenes Volk an
den israelischen Gegner, indem er das
israelische Lamento über den Machtwechsel
anheizt. Versucht der gestürzte Despot, Israel
für eine Aggression gegen Ägypten anzustiften?
Grund genug, den unverbesserlichen Mubarak vor
ein ägyptisches Militärgericht zu bringen.
Selektive Wahrnehmungen, wenn es darum geht,
Despoten und Autokraten durch die USA und EU zu
akzeptieren und andere ungelegene
zurückzuweisen, haben unter Demokraten keinen
Platz. Daher offenbart sich als vollkommen
antidemokratisch das offizielle Auftreten der
israelischen Botschafterin vor den Vereinten
Nationen in New York, die die Schuld für den
Sturz Mubaraks dem US-Präsidenten Obama gab,
genauso wie schon die USA unter Jimmy Carter die
Schuld am Zusammenbruch des Schah-Regimes gehabt
habe, so die Botschafterin Israels. Das zeigt,
wie sehr sich das „demokratische“ Israel mit den
ihnen nützlichen Despoten solidarisiert.
Ägyptens Militär steht in der ehrenhaften
arabischen Tradition von Abd-el Nasser. In einer
berühmten Rede entwarf dieser frühere
patriotische Ministerpräsident Ägyptens ein Bild
der arabischen Geschichte aus seiner ägyptischen
Sicht. Seine Rede war eine große Abrechnung mit
dem Kolonialismus und ein Beweis für die
Vitalität der arabischen Bewegung. Zusammen mit
Syrien verkündete er die Vereinigte Arabische
Republik (1.2.1957) mit Kairo als Hauptstadt.
„Heute fühlen sich die arabischen Völker in der
Lage, die Verantwortung zu übernehmen und ihren
eigenen Kampf zu führen.“ Die Worte von Abd-el
Nasser sind aktueller denn je: „...wenn ein Pakt
Besetzung und Fremdherrschaft und Intervention
zur Folge hat, kann er eine Nation keinesfalls
schützen, sie sichern oder ihre Freiheit
gewährleisten. Jeder Pakt, der von einer fremden
Macht oder Nation befürwortet wird, ist nichts
als eine Form der Herrschaft, er ist sogar eine
Form der Aggression.“
„Das Hauptproblem, dem jeder Araber gegenüber
steht, ist die Suche nach einem Weg, auf dem sie
sich gegen Aggression und imperialistische
Unterdrückungsversuche verteidigen können. Die
Geschichte gibt uns eine Lektion für die
Gegenwart und eine Lektion für die Zukunft.“ So
Nasser. Der Aufstand der arabischen Welt fordert
den Westen heraus, eine neue Nahost-Politik zu
entwickeln und die demokratische Entwicklung in
Ägypten aufmerksam und mit Respekt zu verfolgen.
Halten wir uns an das Demokratieverständnis,
müssen wir anerkennen und die Tatsache
respektieren, dass die Macht vom Volk ausgeht.
Die legitime Macht. Luz María De Stéfano Zuloaga
de Lenkait
Die israelische Armee
unterdrückt den Dissens über Verhaftungen von
Kindern mitten in der Nacht.
(Teil 1) 9.2.11 von Joseph Dana,* Historiker in Jerusalem und
Budapest
„Sie kommen wegen
unserer Frauen und Kinder“, sagte mir kürzlich
Bassem Tamini, der Führer des Volkskomitees von
Nabi Saleh, „sie ( die isr. Armee) weiß, dass
die Hälfte unserer Bevölkerung aus Frauen
besteht und mit ihnen auch die Hälfte unserer
Stärke, deshalb greifen sie sie mit den Kindern
an.“ Tamini, ein sanfter Mann mit einem warmen
Lächeln spricht mit mir über die Unterdrückung
seines Dorfes, während wir in seiner Wohnung
sitzen und einen Blick auf die Siedlung Halamish
haben. „Sie wissen, wie und wo man Druck auf
unseren Widerstand ausüben kann. Es ist mit der
letzten Welle von Verhaftungen wirklich
schwierig geworden.“
Israel gibt sich
die größte Mühe, die Entschlossenheit des Dorfes
Nabi Saleh - gegen die Besatzung zu
demonstrieren - zu unterdrücken. Die besondere
Methode der Unterdrückung hat sich in den
letzten acht Jahren entwickelt und ist nicht nur
dafür bestimmt, die Demonstrationen zu
unterbrechen, sondern um permanenten
psychischen Schaden an der nächsten
Generation der Nabi Saleh-Bewohnern zu
hinterlassen. Kurz gesagt, Die Kinder werden
dazu benützt, die Führer des Volkskomitees in
den Aufruf und die Ermutigung zu den
Demonstrationen zu verwickeln, um Beweise für
lange Haftstrafen zu liefern. Im letzten Monat
wurden sechs Kinder von der Armee verhaftet.
Die hier (leider
nicht) eingefügten 2 Videos wurden bei einem
nächtlichen Überfall vor drei Wochen gemacht.
Die Armee überfiel das Dorf um 3 Uhr nachts,
weckte jeden auf, ging von Haus zu Haus,
fotografierte die Kinder und ergänzte ihre
ID-Informationen. Die Fotos werden dann von den
Soldaten bei den Demonstrationen verwendet, um
Kinder systematisch als Ziele zu benützen und zu
verhaften. Wenn sie erst einmal verhaftet sind,
werden sie kurz an einem geheim gehaltenen Ort
verhört und dann zum Dorf zurückgebracht.
Auf Grund des
ersten Verhörs entscheidet der Shin Bet
(Geheimdienst), welches Kind am geeignetsten für
psychische Folter ist und wahrscheinlich am
engsten mit der Führung des Volkskomitees
verbunden ist. Dieser unglückliche Junge wird
dann noch einmal verhaftet, wegen Steine-werfens
angeklagt ( einen anderen Beweis als sein –
unter Druck erfolgtes - Eingeständnis wird
gewöhnlich nicht vorgebracht) und einem viel
längeren Verhör ohne Anwalt und ohne Eltern
unterworfen. Nachdem zwei oder drei Kinder diese
„Strafe“ durchgemacht haben, überfällt die Armee
das Haus der Führer des Volkskomitees. Diese
kommen dann für ein bis drei Jahre ins
Gefängnis, weil sie wegen Aufwiegelung angeklagt
wurden. Dies geschah Abdallah Abu Rahmah von
Bilin, den die EU als Menschenrechtsverteidiger
bezeichnete. Er wurde wegen Aufwiegelung zu 16
Monaten Haft verurteilt. Die Anklage gründete
sich auf die erzwungene „Zeugenaussage“ von vier
Kindern aus Bilin.
Der 14 jährige
Islam Tamimi ist eines der Kinder, das bei einem
nächtlichen Überfall fotografiert wurde. Er war
dann drei Wochen lang im Gefängnis. Einige Tage
nachdem das Video gemacht wurde, wurde er
verhaftet und stundenlang in der
Halamish-Militärbasis festgehalten. Zwei Tage
nach seiner Verhaftung überfiel die Armee sein
Haus nachts um 2 Uhr. Man ließ ihn in der Kälte
mit verbundenen Augen und für den Rest der Nacht
gefesselt stehen. Dann nahm man ihn zum Verhör
mit – ohne Anwalt und ohne Eltern. Das Verhör
dauerte acht Stunden. Übrigens verkündete der
IDF-Sprecher an dem Tag, an dem Tamimi verhaftet
wurde, dass ein gesuchter Verdächtiger nachts
verhaftet und zu einem Sicherheitsverhör
gebracht wurde. Tamimi wartet auf seine
Gerichtsverhandlung, die am 14. Februar beginnen
soll. Israel entschied, dass er zu gefährlich
sei, um gegen Kaution entlassen zu werden und
bis zu seiner Gerichtsverhandlung in Haft
bleiben muss.
Die Sprache
dieser Videos ist kurz und einfach. Die Szene
ist in ihrer Einfachheit unheimlich. Soldaten
betreten mitten in der Nacht ein Haus, wecken
jeden auf und gehen kaltblütig ihrem Geschäft
nach. Namen werden entsprechend ID-Informationen
aufgeschrieben. Die Kinder werden aufgefordert,
für ein Foto aufzustehen. Die Soldaten gehen.
Was man auf diesen Videos sieht, ist ein kleiner
aber wichtiger Ausschnitt wie - mit Jonathan
Cooks Worten - Israels anhaltendes Projekt
menschliche Verzweiflung schafft.
*Joseph Dana, Historiker der jüd.
Geschichte, berichtet über den gewaltfreien
Widerstand der Palästinenser in der Westbank und
den Einfluss der isr. Besatzung auf das Leben
der Palästinenser . Er analysiert Israels
Beziehungen zu den Palästinensern. Er
veröffentlicht in vielen Medien auch in der NYT….
pax christi
fordert Freilassung von palästinensischem
Menschenrechtsverteidiger
Gewaltloser Widerstand Thema bei pax
christi-Tagung
Die Hoffnung auf Wandel,
Demokratisierung und Überwindung von Repression,
die Ägypten und Tunesien erfasst hat, zeigt sich
auch in Palästina. In den letzten Wochen ging es
bei den wöchentlichen Demonstrationen in den
Dörfern entlang der Sperranlage in der von
Israel besetzten Westbank, neben dem Protest
gegen Mauer und Siedlungen, auch um die
Solidarität mit den Demonstrierenden auf dem
Tahrir Platz in Kairo.
Gegen die Demonstranten und
ihre Angehörigen geht das israelische Militär
mit zunehmender Härte vor. Seit Beginn der
Proteste gegen Mauer und Siedlungen sind dabei
17 Menschen umgekommen. Ende Januar 2011 waren
nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation
Addameer 20 palästinensische
Menschenrechtsverteidiger in israelischer Haft.
Ein wichtiger Akteur dieses
gewaltfreien Widerstandes, Abdallah Abu Rahma,
ist immer noch in Haft. Der international
anerkannte Menschenrechtsverteidiger und Lehrer
an der katholischen Schule in Ramallah leitet in
seinem Heimatdorf Bilin bei Ramallah/Westbank
die friedlichen Proteste gegen die dort von der
israelischen Besatzungsmacht völkerrechtswidrig
errichtete Sperranlage. Diese steht in Bilin
nicht auf der Waffenstillstandslinie zwischen
Israel und der Westbank, sondern trennt das Dorf
von der Hälfte seines Landes ab. ”Wir sind nicht
gegen die Juden oder gegen die Israelis, wir
sind gegen die Besatzung”, erklärte der auch als
palästinensischer Gandhi bezeichnete Abu Rahma
gegenüber dem mit pax christi verbundenen Arab
Education Institute in Betlehem. ”Was mich
weitermachen lässt? Es ist die Hoffnung, dass
diese Mauer entfernt werden kann. Das ist unser
Recht. Wir haben ein Recht auf unser Land. Wir
haben keine Wahl. Wie sollen wir ohne unser Land
Häuser für unsere Kinder bauen können?” Hoffnung
schöpft er auch durch die Anwesenheit
internationaler Freiwilliger, auch aus der
israelischen Friedensbewegung. ”Mitglieder der
israelischen Friedensbewegung kommen Tag und
Nacht. Wann immer wir sie brauchen, kommen sie
sofort.”
Der kreative und friedliche
Widerstand in Bilin gegen die israelische
Besatzung hat internationale Aufmerksamkeit und
Unterstützung gefunden. pax christi unterstützt
diesen Widerstand, dessen Ziel das Ende der
Besatzung ist. pax christi erwartet Abu Rahma,
der Träger der Ossietzky Medaille der
Internationalen Liga für Menschenrechte ist, zu
einer internationalen Tagung im Mai in Bad Boll
bei Stuttgart, bei der es u.a. um das Thema
Gewaltloser Widerstand und Feindesliebe der
palästinensischen Kirchen geht.
Abu Rahmas zunächst
einjährige Haft begann am Tag der
Menschenrechte, dem 10. Dezember 2009. Im Januar
2011 wurde sie um vier weitere Monate
verlängert. Ihm wird vorgeworfen, die
friedlichen Proteste angeführt zu haben. Laut
Aussage der Strafverfolger soll dies ”der
Abschreckung etwaiger Nachahmer dienen”. 111
Festnahmen von Aktivisten zählte der
palästinensische Zusammenschluss von
Nichtregierungsorganisationen „Stop the Wall“
zwischen April und Juni 2010. Darunter sind
auch zahlreiche Minderjährige.
Das Militärgericht sprach Abu
Rahma schuldig wegen Aufwiegelung, Organisation
und Teilnahme an illegalen Demonstrationen. Es
beruft sich dabei lediglich auf Aussagen
Minderjähriger, die nachts verhaftet worden
waren und denen ein Beistand durch einen Anwalt
verweigert worden war. Aufwiegelung ist nach
israelischem Militärgesetz definiert als
”Versuch verbal oder anderweitig die öffentliche
Meinung in der Gegend zu beeinflussen, die den
öffentlichen Frieden oder die öffentliche
Ordnung stören könnte.”
pax christi sieht das Urteil
als politisch begründet an. Dadurch setzt sich
nicht nur die Besatzungsbehörde ins Unrecht,
dadurch wird auch ein gewaltfreier Wandel in
Palästina verhindert. pax christi begrüßt den
Einsatz der Außenbeauftragten der EU, Lady
Cathrin Ashton und anderer EU-Regierungen für
die Freilassung von Abu Rahma und die Rechte
friedlicher Demonstranten in Palästina. pax
christi sieht in Abdallah Abu Rahma einen
gewaltlosen politischen Gefangenen und schließt
sich der Forderung von Amnesty International an,
ihn als solchen (prisoner of conscious) zu
behandeln. Der Grund seiner Verhaftung sei - so
ai - einzig und allein die friedliche Ausübung
seines Rechts auf freie Meinungsäußerung und
Versammlung. pax christi fordert die sofortige
und bedingungslose Freilassung von Abdallah Abu
Rahma.
Luz María De Stéfano
Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin
a.D., Meerbusch -
13.2.11 - Münchner Sicherheitskonferenz,
Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung (SZ)
über den Aufstand in Ägypten von Tomas Avenarius
unter anderen SZ-Journalisten; SZ-Leitartikel
vom 12.2.11: „Felix Arabia“ von Rudolph Chimelli
USA
anders als Europa und Deutschland
Alle Berichterstattungen der Süddeutschen
Zeitung zu Ägypten, besonders die von Tomas
Avenarius, sind zu beglückwünschen. Sie bieten
die bessere Orientierung für eine seriöse
europäische Außenpolitik im Nahen Osten als wohl
so manche früheren diplomatischen Reporte, die
nur in die Irre führen, weil deutsche und
europäische Diplomaten die Karte des alten
despotischen Regimes spielten. Der
SZ-Leitartikel von Rudolph Chimelli „Felix
Arabia“ vom 12.2. dient seinerseits auch zur
Aufklärung für verkrustete europäische Eliten,
die befangen in Clichés, Vorurteilen und einer
lancierten banalen Islamophobie unbeweglich
bleiben und unfähig sind, eine realistische und
gerechte EU-Nahost-Politik zu entwickeln.
Dadurch ist der Posten eines außenpolitischen
EU-Beauftragten nicht berechtigt, sondern völlig
nutzlos, wie jetzt beim Aufstand in Ägypten
offensichtlich wurde.
Nicht nur 30 Jahre von Autokratie, Korruption
und Menschenrechtsverletzungen unter
Ausnahmezustand, sondern auch und vor allem die
brutale Willkür des Mubarak-Regimes gegen die
friedlichen Demonstranten, die gezielt durch
inszenierte und angeordnete Plünderungen und
Schlägereien von bewaffneten Polizisten
diskreditiert werden sollten, sind
strafrechtliche Motive, um Hosni Mubarak als
Staatschef Ägyptens nicht weiter zu dulden und
ihn vor Gericht zu stellen. Ein solcher
korrupter skrupelloser Despot wurde für die
Weltstaatengemeinschaft entblößt und unhaltbar.
Dass der türkische Premier, Recep Tayyip
Erdogan, den demokratischen Aufstand in Ägypten
als erster verstand und sich dafür mit
Überzeugung positionierte, stellt nur den Mangel
an Demokratieverständnis in Europa bloß, ein
feudalistisches, tausend Jahre lang im
Mittelalter verankertes Europa, dann ein
Deutschland unter wilhelminischer und
faschistischer Herrschaft im 20. Jahrhundert.
Woher soll dieses Europa, dieses Deutschland
sein Vertrauen in das Volk entwickelt haben? Das
fehlende Vertrauen in das deutsche Volk führte
schon einen dubiosen CDU-Kanzler dazu,
West-Deutschland auf Kosten seiner
selbstbestimmten demokratischen deutschen
Einheit an ein fremdes Militärbündnis zu
fesseln. Die späte sogenannte Wiedervereinigung
am Ende des 20. Jahrhunderts wurde auch unter
dem Diktat einer fremden Macht erreicht, und
zwar unter der Bedingung seiner weiteren
Fesselung an dasselbe fremde Militärbündnis.
Dazu wurde die souveräne Selbstbestimmung oder
Volksentscheidung gemäß Art.146 des Grundgesetz
geopfert. Soweit mit der Etikettierung der
Demokratie in Deutschland, das sich bestens an
der Seite von Diktatoren und Autokraten im Sinne
seiner wirtschaftlichen Interessen fühlt.
Ein solches Europa kann keine
Demokratiebewegung, kein Volksaufstand für die
Freiheit verstehen und überzeugend unterstützen.
Ganz anders die USA, das traditionelle Land der
Freiheit par excellence trotz aller Fehler. Gott
sei Dank sind die USA jetzt nicht länger das,
was sie so lange unter Bush und seiner
kriminellen Clique waren. Es sind jetzt die USA
unter einem aufgeklärtem Präsidenten. Die
Obama-Regierung hielt von Anfang an (24.1.)
ständigen Kontakt mit Ägypten, sowohl
diplomatisch wie militärisch. Es war die
telefonische Kommunikation von
Verteidigungsminister Robert Gates mit seinem
ägyptischen Kollegen und von Admiral Mullen mit
der Armee-Führung in Kairo, die den friedlichen
Kurs der Ereignissen in Ägypten garantierten.
US-Außenministerin Hillary Clinton - anders als
Außenminister Guido Westerwelle - hatte eine
eindeutige sachliche Einschätzung der
unumkehrbaren Ereignisse in Kairo.
Während Berlin immer noch mit dem Despoten
verankert blieb und die deutsche Botschaft in
Kairo „keinen aktuellen Bericht“ über das
Geschehen hatte, nicht einmal für ihre eigenen
Bürger (zum Beispiel Deutsche Schule in
Alexandria), hatte sich Washington längst von
dem Despoten Mubarak distanziert und konnte mit
dem ägyptischen Volk den späten Rücktritt des
Autokraten nur begrüßen. Hat der Außenminister
Guido Westerwelle den mit Mubarak befreundeten
deutschen Botschafter zurückgerufen? Davon ist
nichts zu hören. So verkrustet ist die deutsche
Diplomatie, wie man sie kennt, dass sie keinen
Schritt in diese notwendige Richtung unternahm -
ein Fall für die Medien und den Bundestag.
Ebenso wie das Hin und Her der deutschen
Bundeskanzlerin zu Beginn der ägyptischen
Umwälzung.
In der Tat spiegelt sich in diesem tristen
unentschlossenem Verhalten der Bundeskanzlerin
Angela Merkel gegenüber Ägypten ein Mangel an
Sachverstand im Bundeskanzleramt und ein
grundlegendes demokratisches Defizit wider.
Während Merkel sich am Anfang des Volksaufstands
in einer gemeinsamen Erklärung mit dem
französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy und
dem britischen Premier David Cameron klar für
den Wandel ausspricht - „Der Westen hat sich in
Ägypten auf die Seite des Wandels gestellt“ -
unternimmt sie Tage später eine Wende von 180
Grad in einer seltsamen Erklärung zusammen mit
dem italienischen Polichinella Berlusconi und
dem korrupten Sarkozy. Alle drei manifestieren
überraschend ihre Unterstützung für Mubarak. Der
britische Premier zeigt bemerkenswerte Distanz
dazu und bleibt der Unterzeichnung einer solchen
blamablen europäischen Erklärung fern, die im
krassen Widerspruch zu der ersten Verlautbarung
steht. Zu Recht reiste der UN-Generalsekretär
Ban Ki-Moon direkt nach London und nicht nach
Brüssel, nicht nach Berlin, auch nicht nach
Paris. Aus London hörte die Weltöffentlichkeit
seriöse und eindeutige Erklärungen, sowohl vom
Premier David Cameron als auch vom
UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, Erklärungen, die
das gewaltsame Verhalten von Mubarak gegenüber
seinem friedlichen Volk resolut als inakzeptabel
hart verurteilten.
Die westliche Diplomatie war so sehr von der
israelischen Propaganda-Masche gegen den Iran
eingenommen, dass sie deshalb die neue Realität
im Nahen-Osten aus den Augen verlor und
vernachlässigte. Solche Verblendung ist vor
allem in Europa zu spüren, wo die Medien zu
einem wichtigen Ereignis schweigen und aus Scham
oder großer Unsicherheit ignorieren wollen,
nämlich die zutreffende Erklärung in Bezug auf
den Aufstand in Ägypten vom iranischen
Präsidenten Mahmud Achmadenidschad. Zwei
Staatsoberhäupter sprechen sich für das
Demokratieverständnis Ägyptens aus, zwei
nicht-europäische Staatschefs: der Premier der
Türkei, Recep Tayyip Erdogan, und der persische
Präsident Mahmud Achmadenidschad. Europa wird
damit von neuen Kräfteverhältnissen überholt.
Angesichts der rasanten demographischen
Entwicklung in der arabischen Welt beginnt sich
die Ansicht von amerikanischen Vordenker-Zentren
sowohl bei Republikanern wie bei Demokraten
durchzusetzen, und zwar die US-Nahost-Politik
völlig zu überdenken und neu zu orientieren,
wobei Israel als Last und Ursache von
politischen Fehlentscheidungen zu betrachten
sei.
Die Muslim-Bruderschaft ist eine organisierte
politische Kraft in Ägypten mit einem Fünftel
der Repräsentanten im Parlament. Sie erklärte,
gemäß eines demokratischen Rahmens eine
islamische Republik errichten zu wollen. Sie
wollen auch den Friedensvertrag mit Israel
einhalten. Weitere Schritte für den Frieden in
der Region sind von Israel abhängig. Man muss
darauf aufmerksam machen, dass der
israelisch-ägyptische Friedensvertrag ein
separater Frieden war, der schon damals (1979)
die arabische Welt schwer brüskierte, wobei
einige arabische Staaten diesen Separat-Frieden
von Mubaraks Ägypten als Verrat verstanden, eine
Wahrnehmung, die Mubarak dazu veranlasste,
Reisen nach Israel zu vermeiden.
„Der politische Islam ist die einzige
strukturierte Kraft der bisherigen Opposition,“
erkennt zutreffend Rudolph Chimelli in seinem
Leitartikel „Felix Arabia“ (SZ, 12.2.11). Vom
politischen Leben sind die Islamisten nicht mehr
auszuschließen. Chimelli: „Bisher hatte der
Westen gegenüber Islamisten eine Art
„Hallstein-Doktrin“ praktiziert... und
behandelte den Islamismus als ein Gespenst.“ Aus
dem Westen erschien die banale Propaganda-
Konstruktion „Islamist gleich Terrorist“. „Mit
Hisbollah reden wir nicht, mit Hamas verhandeln
wir nicht, obwohl die Hamas die freiesten Wahlen
der arabischen Welt gewann.“ Rudolph Chimelli
bestätigt sachlich auch die blamable
antidemokratische Reaktion des Westens.
Dagegen hat die Außenministerin Hillary Clinton
zutreffend sinngemäß gesagt: „Die Zukunft
Ägyptens ist allein Sache der Ägypter. Wir
können Wunschvorstellungen haben, aber was
letztendlich geschieht, wird in Kairo
entschieden, und das muss respektiert werden,
auch wenn es nicht unserer Wunschvorstellung
entspricht.“ Nicht nur Pragmatismus, sondern
demokratische Größe profiliert sich aus Amerika
unter der Obama-Regierung. Die Zeiten, in denen
der Westen anderen ein System unter dem Etikett
der Demokratie aufzwingen kann, sind vorbei. Mit
Wunschdenken kommt man nicht weiter. Der Westen
ist an das Ende seiner Illusionen angelangt.
„Wer Demokratie predigt, muss sich mit den
Verhältnissen arrangieren, die aus freien Wahlen
hervorgehen.“ Dem Leitartikler Rudolph Chimelli
ist auch zu diesem Punkt vollkommen zuzustimmen.
Was von der Münchner Sicherheitskonferenz in
Bezug auf Ägypten die Öffentlichkeit erreichte,
war nicht nur eine Schande, sondern in der
Gestalt vom interventionistischen deutschen
Kriegsminister Guttenberg eine Gefahr für den
Weltfrieden und die demokratische Welt. Gott sei
Dank ist seine seltsame Initiative, Ägypten auf
die Agenda der Münchner Sicherheitskonferenz zu
setzen, eklatant gescheitert. In diesem
Zusammenhang ist die Präsenz der amerikanischen
Außenministerin Hillary Clinton zu würdigen, und
die auffällige Abwesenheit des amerikanischen
Verteidigungsministers, der in Washington blieb,
bedeutet mehr als alle Worte. Clinton ignorierte
den dummen deutschen Kriegsminister mit seinem
impertinenten Vorhaben und konzentrierte sich
offensichtlich darauf, nur mit der
Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem
Außenminister Guido Westerwelle zu sprechen,
sicherlich über den zivilisierten Kurs in
Ägypten, wo ein intelligentes Volk die Richtung
vorgibt, eine Richtung, die Amerika respektieren
wolle. So die Außenministerin Hillary Clinton.
Dank Ägypten wurde die sogenannte Münchner
Sicherheitskonferenz völlig überflüssig und
verlor an Aufmerksamkeit und Bedeutung.
Washington hat es längst verstanden und
distanzierte sich offensichtlich von dem
deutschen Münchner Kriegsszenarium. Luz María De
Stéfano Zuloaga de Lenkait
UN verurteilt
die israelische Zerstörung des palästinensischen
Wassersystems
Saed
Bannoura, 5.2.2010
Nachdem die Zerstörung von 27
Wasserzisternen und die Umleitung von 15
Bergquellen durch israelisches Militär während
des letzten Jahres dokumentiert wurde,
veröffentlichte der UN- Koordinator für
Humanitäres für die besetzten Gebiete eine
Erklärung, die die Angriffe auf die
Wasserreserven verurteilen.
Die israelischen Besatzungskräfte
und Siedlungen kontrollieren 75% des Wassers in
der Westbank. Und viele israelische Offizielle,
einschließlich des früheren Ministerpräsidenten
Ariel Sharon haben bei vielen Gelegenheiten
erklärt, dass einer der Gründe für die
Erweiterung der Siedlungen auf den Hügelkuppen
in der Westbank der sei, die schwindenden
Wasservorräte dort zu kontrollieren und sie nach
Israel für die dortige Bevölkerung umzuleiten.
Außerdem sei es nach dem
israelischen Gesetz den Palästinensern erlaubt,
zehn Meter tiefe Brunnen zu bohren, während die
Israelis 80 m tief bohren können. Die
verschiedenen Wasserzugeständnisse und die
Kontrolle der Wasserquellen durch Israel hat
unter Palästinensern in der Westbank eine weit
verbreitete Wasserknappheit zur Folge –
besonders in den Sommermonaten, wenn Israel
wochenlang die Wasserversorgung einstellt.
Obwohl der durchschnittliche Palästinenser
gerade nur ein Zehntel der Wassermenge
verbraucht, die ein durchschnittlicher Israeli
verbraucht – eben auf Grund der
Wasserabsperrung, müssen sich die Palästinenser
oft mit ungenügend Wasser für die
Landwirtschaft, oder sogar fürs Trinken oder
Duschen begnügen.
Maxwell Gayland, der offizielle
UN-Vertreter für die Kontrolle humanitärer
Bedingungen in der Westbank und im Gazastreifen,
sagte in dieser Woche: „ Es ist schwer
verständlich, warum das Grundsammelsystem für
Regenwasser, zum Teil sogar schon sehr alt,
zerstört wird. Dieses System diente den am
Rande ländlicher Gegenden lebenden
Hirtengemeinden, wo das Wasser sowieso schon
knapp und bei Trockenheit eine ständige
Bedrohung ist.
Die Zerstörung der
Regenwasserzisternen und die Umleitung von
Quellen verletzt ein zwischen der israelischen
Regierung und der Palästinensischen Behörde 2001
geschlossenes Abkommen, das die Kontrolle des
Wassers in den besetzten Gebieten regelt. Darin
heißt es: „Die israelische und palästinensische
Seite sehen das Wasser- und Abwasserproblem als
eines der wichtigsten an, und sie seien absolut
gegen jede Beschädigung der Wasser- und
Abwasserinfrastruktur.“
Für Palästinenser, die in Zone C
der Westbank leben, also unter voller
israelischer Kontrolle, ist eine Genehmigung
erforderlich, um eine Regenwassersammelzisterne
zu bauen oder irgend eine Anlage. Israelische
Behörden geben aber seit 2000 keine solche
Genehmigungen mehr heraus. Nun behaupten sie,
dass die Zisternen ‚ohne Genehmigung’ gebaut
worden seien; deshalb kämen israelische Kräfte
in regelmäßigen Abständen, um sie abzubauen und
zu zerstören.
Der Chef der palästinensischen
Wasserbehörde antwortete auf die Behauptung,
Wasserzisternen benötigten eine Genehmigung; er
erklärte: abgesehen davon, dass, die
Wiederherstellung der palästinensischen
Wasserzisternen verhindert wird, hat die
Regierung Israels - besonders für die Zone C -
ihre Zerstörungskampagne der Zisternen
intensiviert. Die Wiederherstellung von
Wasserzisternen benötige keine vorherige
Zustimmung des gemeinsamen Wasser-Komitees (JWC),
noch sei eine Baugenehmigung der israelischen
Zivilverwaltung nötig.“
Es gibt auch eine Anzahl
dokumentierter Fälle, dass israelische Soldaten,
die in ein bestimmtes Gebiet einfallen, direkt
auf (dem Dach befindliche) Wassertanks und auf
Zisternen schießen, damit das Wasser
herausläuft.
(dt. Ellen Rohlfs)
Palästinenser
verhaftet, Preise
steigen, der Rafahübergang bleibt
geschlossen .
Gaza nach
ägyptischen Unruhen
Elektronic Intifada, 8. 2. 2011
Besetzter Gazastreifen (IRIN):
länger als eine Woche politischer Unruhen in
Ägypten hat die humanitäre Krise im Gazastreifen
erhöht. Die ägyptischen Soldaten verließen am
30. Januar ihre Posten an der nördlichen ägypt.
Grenze und verursachten so die Schließung des
Rafah-Grenzüberganges, der eine lebenswichtige
Verbindung für die 1,5 Millionen Menschen des
Gazastreifens war.
Nahezu 60 Palästinenser –
darunter 6 Kinder - die versuchten, über Kairo
nach Hause zu kommen, werden noch im
„Deportationsraum“ am Kairoer Flughafen
festgehalten, da die Grenze bei Rafah
geschlossen ist. Darunter sind auch mehrere
schwerkranke Patienten, denen die Medikamente
ausgehen.
Die Kinder wissen nicht, was los
ist. Manchmal weinen sie. Es ist sehr, sehr kalt
hier. Es ist überfüllt, und es gibt keine
Möglichkeit, sich zu waschen, sagte einer der
Verhafteten, der darum bittet, seinen Namen
nicht zu nennen, sagte IRIN am 30. Januar.
Israel zerstörte 2002 während der
2. Intifada den Gazaer Flughafen und die
Palästinenser haben von Gaza aus nur über den
Rafah-Grenzübergang her die Möglichkeit, zum
Kairoer Flughafen zu kommen.
Seit die Hamas 2007 die
Kontrolle über den Gazastreifen übernahm,
benötigen die Palästinenser eine spezielle
Sicherheitsabfertigung, um Ägypten betreten zu
können. Diejenigen mit Passierscheinen fürs
Ausland werden direkt mit Bus zum Flughafen
gefahren, wo sie bis zu ihrem Abflug
festgehalten werden. Bei der Rückkehr werden sie
wieder festgehalten, bis sie zum Rafah-Übergang
gebracht werden können.
Geschlossene
Tunnels
Israels Blockade der Region
bedeutet, dass Gaza sehr von den durch die
Tunnel geschmuggelten Waren aus Ägypten abhängig
ist: besonders Brennstoff, Kochgas und
Baumaterial – aber die fortdauernde Instabilität
in Ägypten verursachte die Schließung der
Tunnels und schnitt so eine lebenswichtige
Nachschubverbindung ab.
‚Das Problem ist, den Brennstoff
innerhalb Ägyptens an die Grenze zu bekommen. Es
sind keine militärischen Kräfte auf der
ägyptischen Seite, drum werden Schmuggler auf
der Straße von Kairo überfallen und bestohlen.
Es ist sehr gefährlich für sie,’ sagte der
Taxifahrer Farid Abdul al-Rachman, der seinen
Wagen mit dem letzten ägyptischen Diesel fährt.
‚Es kommt jetzt nichts durch die
Tunnel – ich fürchte, das Problem wird nur noch
schlimmer,’ sagte er. Petroleum ist nun völlig
ausgegangen und der einzige erhältliche, aber
sehr begrenzte Treibstoff ist der, der aus
Israel zu einem dreifachen Preis kommt.
Eine Treibstoffknappheit in Gaza
würde nicht nur bedeuten, dass keine Autos
fahren, sondern dass es auch keinen Strom gibt.
Die Blockade und schwerer Schaden an den
Elektrizitätswerken während der Militäroperation
(2009) hatte eine chronische Stromkürzung zur
Folge - bis zu 6 Stunden täglich. Gazas Häuser
und Geschäfte sind von mit Treibstoff
angetriebenen Generatoren abhängig,
‚Ich habe mir einen Vorrat
angeschafft wie alle, da wir keine Ahnung haben,
wann es wieder Treibstoff geben wird,’ sagte ein
ranghoher Richter, der wegen seiner Position
darum bat, nicht mit Namen genannt zu werden. Er
steht mit Hunderten anderer Leute an einer der
wenigen Tankstellen in Gazastadt, die noch
Benzin haben.
Die
Krankenhäuser trifft es hart.
Die größeren Krankenhäuser haben
Vorräte von Treibstoff für ihre Generatoren,
aber das größte, das Shifa-Krankenhaus in
Gaza-Stadt hat weniger als einen Wochenvorrat.
Wenn die Tunnel länger geschlossen bleiben,
wird die Lage sehr kritisch.
Mohamad Abu Rahman, ein älterer
Krankenpfleger der Intensivstation, sagte, er
mache sich große Sorgen wegen der
Grenzschließung. Diese Station ist ganz
besonders abhängig vom Strom. Wenn es einen
Stromausfall gibt, müssen wir die Ventilatoren
mit der Hand bedienen, bevor der Generator
ausfällt, sagt er zu IRIN.
Jeden Tag gibt es hier vier
Stunden lang Stromausfälle. Es wird unmöglich
sein, die Menschen ohne Generator am Leben zu
erhalten – die Monitoren, die Ventilatoren,
alles wird aufhören zu funktionieren. Für manche
Kranke ist die Situation lebensbedrohend. Gaza
leidet an akutem Mangel wichtiger medizinischer
Apparate und Medikamenten, was für viele
Patienten, die unter schweren Krankheiten
leiden, oft an Krebs, heißt, dass sie zur
Behandlung ins Ausland sollten.
Jeden Monat wurden nahezu 500
palästinensische Patienten von Gaza nach Ägypten
weitergeleitet. Wenn der Rafah-Übergang auf
unabsehbare Zeit geschlossen wird, versucht die
UN nach der Möglichkeit, medizinische Fälle aus
Gaza über Israel weiter zu leiten, obwohl das
Amt für Koordinierung humanitärer
Angelegenheiten (OCHA) voraussagt, dass
mindestens 20 Prozent der Patienten aus
„Sicherheitsgründen“ die Ausreise verweigert
werden wird.
Bassem Abu Hamed, ein ranghoher
Gesundheitsberater in Gaza warnte davor, dass
die Schließung des Rafah-Übergangs ein Risiko
für das Leben (von vielen) bedeutet. Patienten,
die Bestrahlung brauchen oder spezielle
anspruchsvolle Operationen, können hier keine
Behandlung bekommen,“ sagte er. Während Rafah
geschlossen bleibt, wird es hier mehr Todesfälle
geben.
Die Preise
steigen
Die Preise vieler Konsumgüter
sind, seitdem die Tunnel geschlossen wurden, in
die Höhe geschossen. Zigaretten um 25 %. Die
Kosten für Baumaterial haben sich verdoppelt.
Im Gazastreifen liegt noch vieles
seit der letzten Invasion Israels von 2009 in
Trümmern: 60 000 Gebäude wurden beschädigt und
mehr als 4000 zerstört.
Israels Verbot, Zement, Stahl und
Kies durch seine Grenzübergänge zu importieren,
heißt, dass jeder Bau im Gazastreifen vom
Materialschmuggel durch die Tunnel abhängig ist.
Seitdem die Unruhen in Ägypten
anfingen, hat sich der Preis von Zement und
Kiesel verdoppelt: eine Tonne Zement kostete
letzte Woche 520 NIS ( US$140). Heute kaufte ich
eine Tonne für 1100NIS ($296), sagte Ashraf
al-Aloul, ein Fahrer einer internationalen NGO,
einer von Tausenden Gazaer, der dabei ist, sein
Haus wieder aufzubauen.
Keiner kann es sich leisten, zu
diesem Preis Baumaterial zu kaufen. Ich denke,
jede Bautätigkeit wird eingestellt, und die
Leute warten, wie es weitergehen wird..
Luz María De Stéfano
Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D
3.2.2011 -
Leitartikel in
Süddeutsche Zeitung vom 1.2.11: „Israels Ängste“
von Peter Münch
Ägypten mit Recht auf eigenes Modell
Zu aller erst muss man großen Respekt und
Bewunderung vor dem ägyptischen Volk bezeugen,
ein Volk, das seine millenarische Zivilisation
zeigt, indem es sich bei dem „Marsch der
Millionen“ zivilisiert, ruhig und besonnen
verhalten hat (1.2.11). Der niederträchtige Plan
der despotischen Regierung Mubarak durch
angeordnete Plünderungen, ausgeführt durch
Polizisten, Chaos zu verursachen, um die
Demonstranten zu diskreditieren, war gescheitert
und damit die kriminelle Polizei verschwunden
(31.1.11). Die Armee hat die Forderungen der
Millionen Demonstranten als legitim erklärt und
das Weiße Haus signalisierte, den Wunsch eines
friedlichen Übergangs zur Demokratie in Ägypten.
Der Mann des Wandels ist eine ausgezeichnete
Persönlichkeit: Der ägyptische
Friedensnobelspreisträger von 2005 und
Ex-Generaldirektor der internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, Mohammed El
Baradei.
Muslim oder Christ zu sein, spielt bei der
Erhebung der Massen in Ägypten keine Rolle.
Muslime und Christen sind vereint. Angst zu
schüren, ist ein Problem des Westens, dessen
Nahost-Politik seit langem eine Schande ist. In
Ägypten gibt es keine Angst vor dem Wandel,
sondern Hoffnung auf Freiheit und Würde. Der
Westen muss aufhören, seine partikuläre
Vorstellung von Freiheit und Demokratie anderen
Völker aufzuzwingen. Demokratie ist lediglich
der Rahmen, um freie Wahlen zu ermöglichen. Der
Inhalt oder das System zu bestimmen, ist Sache
der Willensbildung aller Bürger. Glaubt Europa
an die Demokratie muss es die Volksentscheidung
respektieren, was immer sie sei. Ägypten hat das
Recht, sein eigenes Modell zu entwickeln, wie El
Baradei zutreffend sagt: „Wir versuchen eine
demokratische Arena zu schaffen, bevor wir
beginnen, darin zu spielen.“ El Baradei ist der
Mann des Übergangs. Er hat die politische Basis
in einer Allianz von Christen und Islamisten
hinter sich. Mit ihr will er eine
Einheitsregierung bilden. Die Unterstützung des
Weißen Hauses dafür hat er. Obama hat ihn
deshalb persönlich mitten in der von Mubarak
angestifteten Eskalation angerufen (2.2.11).
Dass plötzlich (2.2.11) Mubaraks Anhänger als
Demonstranten erscheinen in offener
gewalttätiger Konfrontation mit der
überwältigenden friedlichen Mehrheit der
Anti-Mubarak-Demonstranten, ist nicht nur
merkwürdig, sondern verhängnisvoll. Die offene
gezielte Provokation war mit bewaffneten
Polizisten in Zivil sicherlich von skrupellosen
Leuten manövriert, die an dem korrupten
Mubarak-Regime festhalten wollen, koste es, was
es wolle. Auch die radikalen Neokonservativen
aus den USA mit ihrer verhängnisvollen
Connection im Nahen Osten. Also Elemente, die
sich gegen Obama stellen und die von Beginn der
Präsidentschaft Mubaraks an hinter ihm gestanden
haben. Diese Kreise aus dem Wirkungsbereich des
US- und EU-Militär-Industrie-Komplexes, und von
Wall-Street und Londoner City, darunter IMF und
World Bank, haben Jahrzehnte lang Ägypten mit
Hilfe ihrer Marionette Mubarak geknebelt und
ausgebeutet. Jetzt wird die Quittung
präsentiert, allerdings der Marionette und nicht
ihren Drahtziehern in den USA und der EU. Es
entsteht hierzulande der Eindruck, dass die
Marionette geopfert werden und verschwinden
soll, damit die Drahtzieher ungeschoren
davonkommen. Aber auch innenpolitisch besehen
hat Mubarak kaum Chancen, einen Übergang selbst
zu organisieren. Wer soll ihm und seinen Leuten
nach allem, was vorgefallen ist, noch trauen?
Wie Peter Münch richtig plakativ schreibt: „Der
Westen hat sich in Ägypten auf die Seite des
Wandels gestellt.“ Auch Bundeskanzlerin Angela
Merkel hat das den Israelis in einer gemeinsamen
Erklärung mit dem französischen Präsidenten
Nikolas Sarkozy und dem britischen Premier David
Cameron klar gemacht. Allerdings muss sich
Israel ernsthaft fragen, was es unterließ, als
der separate Frieden mit Ägypten die Chance
eröffnete, den Friedensprozess weiter zu
treiben. Absolut zynisch ist die israelische
Vorstellung, die Palästinenser trügen Schuld an
der Stagnation des Friedensprozesses, weil sie
nicht bereit seien, Israel anzuerkennen. Welches
Israel ist anzuerkennen bitteschön? Ein Israel,
das sich entgegen aller völkerrechtsmäßigen
UN-Resolutionen an die illegale Besatzung von
palästinensischem Territorium klammert? Auf
illegitimer Basis gibt es kein Existenzrecht für
einen Staat. Auch nicht für Israel. Dieser Punkt
ist relevant, um die Position der
Bundesregierung gegenüber Israel endlich zu
revidieren. Wir alle kennen den Stand der Dinge.
Die Bundeskanzlerin kann sicherlich sehr
vernünftig mit dem israelischen Premier reden,
vergisst aber offensichtlich, dass sich ihr
Gegenüber nicht auf die Vernunft einlässt,
sondern dass seine Motive pure Macht sind, die
auf reine Willkür setzt. Warum glaubt Angela
Merkel etwas zu erreichen, was der US-Präsident
mit seiner vernünftigen Rede nicht erreicht hat?
Ohne Druck auf Israel sind Gespräche nutzlos.
Dieser Druck baut sich jetzt sogar von alleine
auf, wenn die Regime der arabischen Welt fallen,
die den USA und ihren EU-Vasallen ergeben sind.
Um zu überleben, wird Israel ohne die Leute
Mubaraks an der Spitze Ägyptens ein anderes Land
werden müssen, ein Israel, das das Völkerrecht
respektiert und die illegale Besetzung von
Palästina aufgibt. Luz María De Stéfano Zuloaga
de Lenkait
Izzeldin
Abuelaish und sein Sohn Abdallah betrachten ein
Foto von Bessan, einer der Töchter, die 2009
getötet wurden.
Die Arbeit
als einziger palästinensischer Gynäkologe in
einem israelischen Krankenhaus hatte für
Izzeldin Abuelaish auch angespannte Momente.
Der Ehemann
einer jüdischen Patientin beschuldigte ihn
zornig, er gefährde die Schwangerschaft seiner
Frau, weil er Araber wäre. Palästinensische
Nachbarn meinten verächtlich, er bringe Babies
zur Welt bringt, die zu Soldaten würden, „die
uns dann bombardieren und erschießen“.
Jedes Mal
tröstete sich Dr.Abuelaish mit der Überzeugung,
er könne die Furcht überwinden, indem er
persönliche Brücken zwischen den beiden
argwöhnischen Kulturen baue. Dieser Glaube wurde
jedoch vor zwei Jahren, während des dreiwöchigen
Gaza-Kriegs, schmerzlich auf die Probe gestellt,
als israelische Panzergeschosse in seine Wohnung
drangen, drei seiner Töchter töteten und eine
andere das Augenlicht auf einem Auge kosteten.
Nun hat
Dr.Abuelaish ein Buch geschrieben, das seine
Überzeugung bestätigt, der Jahrzehntelange
Konflikt könne nur umgewandelt werden, wenn
einzelne Palästinenser und Israelis ihre
gemeinsame labile Menschlichkeit anerkennen.
Wie so oft drückt er sich in medizinischen
Metaphern aus.
„Wir sind wie
siamesische Zwillinge mit nur einem Herzen und
einem Gehirn“, sagt Dr.Abuelaish in einem
telefonischen Interview aus Canada, wo er jetzt
als Associate Professor in Women‘s Health an der
Universität von Toronto arbeitet. „Jedes Leid,
das dem einen angetan wird, betrifft auch den
anderen.“
Das Buch,
veröffentlicht von Walker & Companie, mit
Klappentext von Elie Wiesel, heißt „I shall not
hate - A Gaza Doctor‘s Journey on the Road to
Peace and Human Dignitiy“ - Ich werde nicht
hassen - Die Reise eines Arztes aus Gaza auf dem
Weg zum Frieden und zu menschlicher Würde. Ein
Rezensent von The Globe & Mail in Toronto
schrieb: „Dies ist eines der bewegendsten
Bücher, die ich je über das Thema Israel und
Palästina gelesen habe.“
Der qualvolle
Tod seiner Töchter , der 20jährigen Bessan, der
15jährigen Mayar und der 14jährigen Aya, „hat
mich gegen alles weitere Leid immunisiert“, sagt
Dr.Abuelaish, ein ernsthafter Mann von 55
Jahren. Er kam zu dem Schluss, Leid sei nicht
von Gott verursacht, sondern von einzelnen
Menschen, und „du als Mensch mit deinen
Möglichkeiten und Fähigkeiten kannst die
Menschen, die Leiden verursachen, in Frage
stellen.“
Anstatt die
Legitimität einer palästinensischen Nation zu
bezweifeln, meint Dr.Abuelaish, müssen Juden -
„weil sie vom Feuer des Leids gebrannt sind“ im
Holocaust - sich darauf konzentrieren, die
armseligen Lebensbedingungen vieler
Palästinenser zu verbessern.
Und
Palästinenser müssen merken, dass das Abschießen
von Raketen auf Israel Vergeltung nach sich
zieht. „Das Gegengift für Rache ist nicht
Rache“, sagt er. „Wenn ich mich rächen wollte,
brächte das meine Töchter nicht zurück. Die
Unschuld dieser Mädchen muss nicht durch Rache
zerstört werden. Ich kann ihr Andenken ehren,
indem ich mit guten Taten lebe. „ Er hat eine
Stiftung mit dem Namen ,Daughters for Life‘ -
,Töchter für das Leben‘ gegründet, im Andenken
an seine Kinder, und um Stipendien für junge
Frauen im Nahen Osten zu ermöglichen.
In einem
Interview meinte Nobelpreisträger Elie Wiesel,
er könne sich nicht erklären, warum Leute wie
Dr.Abuelaish den Drang zur Rache überwinden
können, und andere nicht. Er stelle sich aber
vor, Dr.Abuelaish habe erkannt, dass „Hass beide
hasst, das Opfer und den Hasser“. „Man soll
nicht vergessen, aber man darf die Erinnerung
nicht gegen Andere, gegen Unschuldige
verwenden“, sagt Mr.Wiesel.
Dr.Abuelaish
lehnt es ab, im Sumpf historischer Argumente zu
wühlen, Palästinenser zu beschuldigen, durch die
Ablehnung des Plans der Vereinten Nationen 1947,
der Teilung des Britischen Mandatsgebietes
Palästina, den Konflikt geschürt zu haben, oder
Israelis für Ungerechtigkeiten als Besatzer
anzuklagen. Du kannst die Geschichte nicht
korrigieren, behauptet er.
„Es hat mir
viel geholfen, Mediziner zu sein, weil ich mich
mit lebenden Menschen beschäftige“, sagt er.
„Wenn die Patienten tot sind, hast du Zeit
vertan.“
Trotzdem ist
das Buch gefüllt mit dieser qualvollen
Geschichte. Dr.Abuelaish wuchs in Jabalia im
Gazastreifen auf, Sohn einer Familie, die
ursprünglich aus dem Negev stammt. Er hat die
Besitzurkunde über Land, das jetzt dem
ehemaligen Premierminister Israels Ariel Sharon
gehört.
„Ausgestoßen
worden zu sein“, schreibt Dr.Abuelaish, „heißt,
für den Rest deines Lebens gezeichnet zu sein.
Die Narbe Vertreibung bleibt.“
Er beschreibt
das Elend der Lager im Gazastreifen - stinkende
Latrinen, weder fließend Wasser noch
Elektrizität, - sowohl unter ägyptischer als
auch unter israelischer Kontrolle. Nach zwei
Intifadas haben israelische Soldaten das
Überschreiten der Grenze extrem schwierig
gemacht, sogar für einen
Unfruchtbarkeits-Spezialisten in einem
israelischen Krankenhaus. Trotzdem haben
israelische Ärzte die Beine seines Neffen
Mohammed gerettet, der 2007 von einem
Hamas-Schützen in Knie und Knöchel geschossen
worden war.
Die
scheußlichste Grenzüberschreitung fand 2008
statt, als seine Frau Nadja mit Leukämie in
einem israelischen Krankenhaus lag, und er sich
in Europa befand. Anstatt an Israels zentralem
Flughafen zu landen, musste er über Amman
fliegen, ein Taxi zur Allenby-Brücke nehmen,
die Jordanien mit der Westbank verbindet,
Stunden lang an Checkpoints warten. Als er
endlich ankam, war seine Frau schon bewusstlos.
Sie starb wenige Tage später.
Dr.Abuelaish
erzählt, er habe hart gearbeitet, einen groben
Wachhabenden nicht mit allen Israelis
gleichzusetzen, genauso wie er nicht wolle, dass
Israelis alle Palästinenser mit
Selbstmordattentätern gleichsetzen. Was geholfen
hat, waren seine Freundschaften mit Israelis:
Als Teenager mit einer Bauernfamilie, dann mit
Ärzten, von denen einer, Dr.Marek Glezerman, die
Einleitung zum Buch schrieb.
Dr.Abuelaish
zog 2009 nach Toronto. Er wollte einfach nicht
mehr die Probleme beim Überqueren der
Checkpoints, die ihn von seinen fünf
überlebenden Kindern trennten.
Er hat den
israelischen Schriftsteller David Grossman
kennen gelernt, der in den letzten Stunden des
Libanonkrieges 2006 seinen Sohn verloren hat.
Wenn sie sich treffen, so Dr.Abuelaish, sprechen
sie über ihre Kinder. Es ist die Zukunft der
Kinder, sagt er, die beide Seiten in Richtung
Frieden treiben sollte. Er schreibt: „Wenn
ich wüsste, dass meine Töchter die letzten Opfer
auf dem Weg zum Frieden zwischen Israelis und
Palästinensern wären, könnte ich ihren Verlust
annehmen.“
(dt.Weichenhan-Mer)
Ist Frieden in
Palästina möglich?
Erhard Arendt -
26.1.2011
Auslandsgesellschaft
NRW e.V., Steinstraße 48, 44147 Dortmund - Ist
Frieden in Palästina möglich? Vortrag mit
Diskussion: Dr. Ludwig Watzal (Nahostkenner und
Buchautor, Bonn) - 25.1.2011 - Veranstalter:
Deutsch-Arabischer Länderkreis
Ist Frieden in Palästina möglich?
Dieser Frage ging der bekannte Nahostexperte Dr.
Ludwig Watzal in einem Vortrag vor der
„Auslandsgesellschaft Nordrhein-Westfalen“ in
Dortmund nach. Schon vor 10 Jahren hielt er, zum
gleichen Thema, einen Vortrag in Dortmund. War
es ironisch oder resignierend gemeint, der
Veranstalter fragte zum Abschluss ob Dr. Watzal
in 10 Jahren zum gleichen Thema zur Verfügung
stehen würde.
Bevor Dr. Watzal die einzelnen
Aspekte der verschiedenen Friedensprozesse
darstellte, wies er die zahlreich erschienen
Zuhörer noch auf einige wichtige Fakten hin,
über die überhaupt nicht mehr gesprochen wird.
So sei der
Nahostkonflikt ein klassischer Kolonialkonflikt,
dessen Wurzeln in der Blütezeit des europäischen
Kolonialismus Ende des 19. Jahrhunderts
grundgelegt ist. Die Kolonialisten redeten die
Sprache ihrer Zeit und hatten keine Bedenken
sich offen zu diesem europäischen Rassismus zu
bekennen. So schrieb Theodor Herzl in seinem
Buch „Der Judenstaat“, dass in Palästina mit der
Gründung eines jüdischen Staates ein Teil des
europäischen Walles gegen Asien, als Außenposten
der Zivilisation gegen die Barbarei errichtet
werden sollte. Die Ziele der zionistischen
Siedler und Theoretiker sei von Beginn an
gewesen, soviel Land wie möglich mit so wenig
Arabern wie möglich zu erwerben. An diesem Ziel
halten auch die israelischen Regierungen fest,
wie die fortgesetzte Kolonisierung
palästinensischen Landes zeigt. Der Konflikt
geht ausschließlich um Land und hat mit Religion
nichts zu tun.
In einer ersten
Bewertung der „Palestine papers“ verwies der
Autor darauf, dass eine illegitime Regierung und
ein Präsident, dessen Amtszeit seit über einem
Jahr abgelaufen ist, an die Besatzer Kompromisse
machen, für die sie keinerlei demokratisches
Mandat besitzen. Diese weitreichenden
Kompromisse sind gegenüber einer vermeintlich
liberalen israelischen Regierung gemacht worden,
die sich aber keinen Millimeter von ihren
ideologischen Positionen auf die Palästinenser
zu bewegt hätten.
Dr. Watzal erwähnte
auch den Schwenk der gesamten israelischen
Gesellschaft ins rechtsnationalitische Lager.
Die Linke in Israel sei nicht mehr existent. Man
könne nur noch von weniger rechten Kräften im
Lande sprechen. Dieser Extremismus komme
insbesondere bei einigen Politikern wie dem
Außenminister Liebermann oder einigen Rabbiner
zum Ausdruck, die einen offenen Rassismus
predigen wie Ovadia Yosef, der geistige Chef der
Shas Bewegung, der erklärte: „Nichtjuden sind
nur auf dieser Welt, um den Juden zu dienen“,
oder „Die Goyim wurden dazu geboren, um uns zu
dienen. Sie erfüllen keinen anderen Zweck auf
dieser Welt, als dem Volk Israel zu dienen.“ Der
Rabbiner Israel Rozen forderte im März 2008:
„Alle Palästinenser müssen getötet werden –
Frauen, Kinder, selbst das Vieh.“ Oder der
Rabbiner von Safed, der seinen jüdischen
Glaubensbrüdern in einer Fatwa verbot, Wohnungen
an Araber zu verkaufen oder Zimmer und Wohnungen
an arabische Studenten zu vermieten. Nach
Angaben von einem hebräischen Magazin (Fountains
of Salvation) soll u. a. der Rabbiner von Safed,
Shmuel Eliyahu, sich für die Einrichtung von
„Todeslagern für die Palästinenser“
ausgesprochen haben.
Trotz der
deprimierenden Entwicklung in Israel und in den
besetzen palästinensischen Gebieten blieb Dr.
Watzal optimistisch, was die Lösung dieses über
hundert Jahre dauernden Konflikts anbelangt.
Voraussetzung ist aber eine Abkehr vom
herkömmlichen amerikanischen und israelischen
Friedensprozess, der nach ihm, nur auf dem Recht
des Stärkeren beruht und auf der Durchsetzung von
reiner Machtpolitik.
Ein Weg, der bisher
noch nicht gegangen worden ist, ist der einer
Umsetzung des Völkerrechts und allen den
Nahostkonflikt umrahmenden UN Resolutionen.
Bisher kann Israel sich „erfolgreich“ diesem Weg
entziehen. Da Israel eine Kreation der UN ist,
gehört der Konflikt wieder vor die UNO.
Positiv bewerte Dr.
Watzal die Anerkennungswelle des Staates
Palästina durch die Länder Lateinamerikas. Die
Machenschaften der Abbas Regierung bedeuten auch
ein Schlag ins Gesicht dieser Länder. Wenn die
Frage der Anerkennung demnächst vor den
UN-Sicherheitsrat gebracht werde, wird sich
zeigen ob die USA auch dagegen wieder ihr Veto
einlegen werden. Wenn dies geschieht wird alle
Welt sehen, dass die USA diejenige Macht ist,
die neben Israel die „Verweigerungsfront“ bildet
und an einem Frieden im Nahen Osten kein
Interesse hat.
Wenn es nicht zu
völkerrechtlichen Lösung des Konfliktes kommt,
werde es zu einer „Kein-Staaten-Lösung“ kommen
und das „Interimskonzept“ von Außenminister
Liebermann steht auf der Tagesordnung. Dies
würde aber die Entwicklung wie gehabt nur
dauerhaft festschreiben.
Im Anschluss an den
Vortrag gab es eine intensive Diskussion, die
gezeigt hat, dass es auch jenseits der uniformen
Meinung der Medien noch eine differenzierte
Zivilgesellschaft gibt, die tabufrei über die
wirklichen Hintergründe des Nahostkonflikts
diskutiert. Erhard Arendt, 26.1.2011
Sehr geehrte Damen und Herren der
Heinrich Böll- Stiftung,
Wir, Jüdinnen, Juden und
Israelis, haben mit großer Freude vernommen,
dass Sie ein Filmfestival über Israel Ende
Januar 2011 in Berlin veranstalten. Dabei soll
die Auseinandersetzung mit der Geschichte und
sozialen Lage der Misrachi, also Jüdinnen und
Juden, die aus arabischen bzw. muslimischen
Ländern stammen, im Fokus stehen. Umso größer
war unsere Entsetzen, als wir das Programm zu
sehen bekamen.
Nicht nur, dass viele äußerst
problematische Formulierungen in ihrem Flyer
enthalten sind, wie beispielsweise
„Orient“/„orientalisch“, oder dass der von
Misrachi zur Selbstidentifikation selbst
genutzte Begriff Misrachi in Anführungszeichen
gesetzt wird. Auch fehlt das Wort Rassismus in
ihrem Einführungstext gänzlich, obwohl der
Rassismus gegen Araber, jüdisch wie
nicht-jüdisch, die gesamte Debatte der Misrachi
in Israel markiert. Ihre Wahrnehmung spiegelt
sich auch in Ihrem Programm wider, in dem
beispielsweise einFilm, wie
„Sallah Shabati“ (Regie: Ephraim Kishon)
gänzlich ohne Diskussion gezeigt wird und damit
rassistische Stereotype von (jüdischen) Arabern
im Raum stehen gelassen werden.
Besonders signifikant ist zudem
Ihre Aussage, Misrachi in arabischen Ländern
wären „entweder von staatlicher Seite aus
vertrieben oder von der muslimischen Bevölkerung
bedrängt (worden), das Land zu verlassen“. Mit
diesem Satz begehen Sie nichts weniger als eine
Geschichtsfälschung -mit
der drastischen Folge, dass Sie Verbrechen gegen
die Menschlichkeit verleugnen.
Sie werfen Misrachi auf eine
undifferenzierte Art und Weise in einem Topfzusammen, obwohl jede Gemeinde ein
anderes Schicksal erlebte:
Die irakischen Jüdinnen und Juden
mussten wegen eines Abkommens zwischen
israelischer und irakischer Regierung ihr Land
innerhalb eines Jahres verlassen, und nicht,
weil sie vertrieben wurden. Noch während die
israelische Regierung das Abkommen plante, wurde
das Eigentum der irakischen Jüdinnen und Juden
als Eigentum des Staates Israels betrachtet, mit
der Absicht dieses mit dem Eigentum der
vertriebenen Palästinenserinnen und
Palästinenser, „die sich nicht dem jüdischen
Staat angepasst haben“,
wie es ein israelischer Geheimdienstagent
berichtete, zu verrechnen. Diese
Informationen hätten Sie im Vorfeld aus dem in
Ihrem Programm aufgeführten Film „Forget Baghdad“
entnehmen können.
Die Jüdinnen und Juden aus
Marokko, die größte Gruppe der Misrachi in
Israel, wurden ebensowenig aus ihrer Heimat
vertrieben. Sie verließen Marokko, nachdem
zionistische „Aliya“-Gesandte, die den
staatlichen Auftrag hatten, die jüdische
Bevölkerung dazu zu bringen, ihre Heimat zu
verlassen und nach Israel auszuwandern, die
jüdischen Gemeinden auseinanderbrachten. So
wurden marokkanische jüdische Kinder in
staatlichem Auftrag Israels entführt. Ihren
Eltern wurde erzählt, die Kinder führen zum
Urlaub in die Schweiz, stattdessen wurden sie
nach Israel verschleppt. Die Eltern konnten ihre
Kinder nur unter der Bedingung wiedersehen, dass
die Eltern nach Israel emigrierten. In der
Zwischenzeit wurden die Kinder in einem Kibbutz
umerzogen.
Der Dokumentarfilm „Mural Operation“, der in
Ihrem Festivalprogramm nicht aufgeführt wird,interviewt sowohl die israelischen
Geheimagenten, die gegen die marokkanische
Regierung agiert haben, sowie die Kinder, die
Opfer dieser Entführungen aus ihrem Elternhaus
und ihrer Heimat wurden. Die israelische
Regierung bezahlte zudem dem marokkanischen
König Kopfgeld, so dass es unzulässig ist zu
unterstellen, dass die Migration durch
repressive Politiken seitens des marokkanischen
Staates verursacht wurde. Vielmehr setzte der
Staat Israel alles daran, die
marokkanisch-jüdische Bevölkerung zu entwurzeln.
Die marokkanischen Juden verließen ihre Heimat
über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren und
in der Regel durfte jedes einzelne
Familienmitglied hundert Kilogramm Gepäck
mitnehmen. Damit kann von einer Vertreibung auch
im Fall Marokkos nicht gesprochen werden. In
Israel angekommen, wurden Tausende der
marokkanisch-jüdischen Kinder wegen eines
harmlosen Pilzbefalls der Haut mit den
Röntgenstrahlen bestrahlt, die bei vielen
Nebenwirkungen bis hin zum Tod verursachten,
alles im Rahmen einer staatlichenen „Behandlung“
seitens israelischer Ärzte mit eugenischen
Einstellungen, Beamte der „Abteilung der
sozialen Medizin“ im Gesundheitsministerium.
Dies dokumentiert eindrücklich der
Film „ Die Ringworm-Kinder“.
Ein Großteil der jemenitischen
Jüdinnen und Juden kamen nach Palästina noch vor
der Gründung Israels. In Israel angekommen
erfuhren viele von ihnen großes Leid, nachdem
ihre Kinder entführt wurden und vermutlich
ashkenasischen Familien zur Adoption gegeben
wurden. Bis heute verweigern die staatlichen
Stellen Auskunft über diese Entführungen, trotz
Zeugenaussagen der Familien und der Mitarbeiter
der staatlichen Gesundheitsinstitutionen, die in
diese Verbrechen involviert waren. Neben einer
Reihe wissenschaftlicher Literatur empfehlen wir
das Buch von Batya Gur, welches diese
furchtbare Geschichte literarisch nachzeichnet.
Die Liste der jüdischen Gemeinden
in muslimischen bzw.. arabischen Länder, die
nicht vertrieben wurden, lässt sich erweitern:Auf die Jüdinnen und Juden der Türkei,
einem Land, das Juden aus Deutschland aufnahm,
als ihnen dort die Vernichtung drohte. Oder auf
die jüdische Bevölkerung Algeriens, die durch
die israelische Premierministerin Golda Meir auf
dem Altar der israelischen Interessen mit
Frankreich geopfert werden sollten, als sich die
französische Kolonialmacht aus Algerien
zurückzog. Auch jüdische Iranerinnen und Iraner
lehnen es bis heute trotz israelischer
finanzieller Anreize ab, nach Israel
auszuwandern.
Es ließe sich noch viel über die
„westlichen“ Verwaltungsstrukturen sagen, die
laut Ihrem Programmtext von der
Aschkenasi-Hegemonie nach dem osteuropäischen
Modell mitgebracht wurden und an die sich
Misrachi angeblich anpassen sollten. Wie kann es
sein, dass Jüdinnen und Juden, die während der
Kolonialzeit im ganzen Maghreb und Irak für die
Engländer bzw. Franzosen gearbeitet haben, sich
an „westliche“ Strukturen von Ostjuden anpassen
sollten?! Glauben Sie wirklich, dass nur, weil
Menschen unter Muslimen bzw. Araber leben, diese
deshalb nicht „westlich“ genug sein können, um
ein Formular auszufüllen?! Und was ist so
„westlich“ an der Histadrut, der israelischen
Gewerkschaft, die auch als Arbeitsgeber dient?!
Der Respekt für die
Menschenrechte gebietet es, abschließend ein
Verbrechen beim Namen zu nennen: die Vertreibung
der in Ägypten übrig gebliebenen Jüdinnen und
Juden. Diese kleine jüdische Gemeinde ist die
einzige Gemeinde eines arabischen bzw.
muslimischen Landes, deren Mitglieder in der Tat
vertrieben wurden.
Mit der falschen Behauptung,
Misrachi seien aus ihren Ländern vertrieben
wurden, leugnen Sie also diese lange Liste an
Verbrechen der aschkenasischen Staatshegemonie
gegen die Menschlichkeit: die Entführung von
Kindern, ihre eugenische ärztliche „Behandlung“
mit Todesfolgen, ihre Umerziehung und
Zwangssäkularisierung.
Die Heinrich-Böll-Stiftung sieht
also Verbrechen, wo sie nicht statt gefunden
haben, und leugnet sie, wo sie in der Tat verübt
wurden.
Es ist angebracht, nicht nur die
historische Inkonsistenz Ihrer falschen
Behauptung darzulegen, sondern sie auch vor dem
Hintergrund der Nakba (der systematischen
Vertreibung der Palästinenser 1948) zu lesen.
Eine kritische Betrachtung ergibt, dass diese
hegemoniale Aschkenasi-Erzählung der
israelischen politischen Klasse nichts anderes
als eine Ausblendung bzw. Relativierung der
völkerrechtswidrigen Vertreibung von
Palästinenserinnen und Palästinenser darstellt.
Damit kooperieren Sie mit dem
israelisch-hegemonialen weitverbreiteten
Versuch, Misrachi als Flüchtlinge darzustellen
und ihr Eigentum und ihren Status mit denen der
palästinensischen Bevölkerung zu verrechnen und
damit als abgeschlossen zu betrachten.
Palästinensern und Palästinenserinnen soll damit
jeder juristische Anspruch auf Rückgabe ihres
Eigentums versagt werden. Der
Heinrich-Böll-Stiftung dürfte aber bekannt sein,
dass umgekehrt das Eigentum der NS-geschädigten
Jüdinnen und Juden zu Recht als privates und
nicht als staatliches israelisches Eigentum
betrachtet wird.
Insgesamt ist es erschreckend,
dass die Heinrich-Böll-Stiftung damit zu einer
Relativierung von einem Verbrechen gegen die
Menschlichkeit, in diesem Fall den Verbrechen
gegenüber Palästinenserinnen und Palästinenser,
beiträgt. Mit der “ medialen Entdeckung“ von
Misrachi begibt sich die Stiftung in dieser Form
auf einen zu verurteilenden Weg der
Geschichtsfälschung, der imaginäre Verbrechen
erfindet, um die Verleugnung von realen
Verbrechen zu untermauern.
Wenn Sie Interesse an weiteren
Quellen zu Misrachi haben stehen Ihnen MisrachiFilmemacher und Intellektuelle, die in
Berlin leben,gern zur
Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
Gal Lugassi, Tel-Aviv
Meital Abekasis, Regisseurin,
Berlin
Mati Shemoelof, Dichter und
Redakteur, Israel
Ofir
Raul Graizer, Berlin
Ofer
Neiman, Co-editor, The Occupation Magazine,
Israel
Meir Babayoff, Jerusalem
Galit Altshuler, Frankfurt
Shir
Hever, The Alternative Information Center,
Jerusalem/Göttingen
Orly Noy,
Jerusalem
Elian
Weizman, PhD Candidate, SOAS, University of
London
Orit
Loyter, Israel
Elinor
Amit, Post doctoral fellow, Harvard University,
Cambridge, MA, US
Iris Hefets, Kedma-Redakteurin,
Berlin
Shira Ohaion, , Israel
Reuven Abergel - Israeli black
panthers, Jerusalem
Maecelle Edery, Israel
Tal Shapira, Israel
Mois Benarroch, Autor, Gewinner
der Primärminister-Preis 2009, Jerusalem
Hava Oz, Berlin
Michal Kaiser-Livne, Berlin
Dr. Jean Joseph Levy, Berlin
Gal Schkolnik, Berlin
Yodfat Ariela Getz, Filmmacherin,
Tel aviv-Jaffa, Israel-Palästina
Einat Weizman, Schauspielerin,
Israel
Hedy Epstein, USA
Paula Abrams, Wien
Ilil Friedman, Jurastudentin,
Berlin
Erica Fischer, Schriftstellerin,
Berlin
Ruth Fruchtman, Autorin, Berlin
Sylvia Finzi, Künstlerin,
Berlin/London
Tanya Ury, Künstlerin, Köln
Elias (Elisha) Davidsson,
Menschen- und Völkerrrechtler, Alfter
Eleanor Cantor, Künstlerin,
Berlin
Tal Hever-Chybowski, Historiker,
Berlin
Giorgio
Forti, Member of the Ebrei Contro l'Occupazione
( Jews Against Occupation), Italien
Präsident des
Gaza Communitiy Mental Health Programmes
Dr Eyad El-Sarraj
bekommt den Olaf Palme-Preis
Der Präsident des
Gesundheitsprogrammes der Gazagemeinde ( GCMHP)
Dr. Eyad El-Sarraj gewinnt den Olaf-Palme-Preis
von 2010 für seinen „aufopferungsvollen und
unermüdlichen Einsatz für gesunden
Menschenverstand, Versöhnung und Frieden“
zwischen Palästina und Israel, sagt die
schwedische Jury. „Er hat den zerstörerischen
Einfluss der Unterdrückung auf die seelische
Gesundheit ans Licht gebracht“, sagt der
Olaf-Palme-Memorialfund in einem Statement.
Der Olaf-Palme-Preis, der nach
dem schwedischen Ministerpräsidenten genannt
wurde, der im Februar 1986 ermordet wurde, ist
ein jährlicher Preis, der für außerordentliche
Leistungen gedacht ist, die helfen, Frieden und
Entwaffnung voranzubringen und Rassismus zu
bekämpfen.
Dr. El-Sarraj sagte bei dieser
Gelegenheit: „Ich bin stolz und glücklich,
diesen Preis zu bekommen, aber ich denke, dass
die wirklichen Helden die Opfer der Gewalt, der
Folter und des Krieges sind…Dieser Preis gibt
mir Hoffnung und Mut, weiterzukämpfen, um jene
zu verteidigen, deren Rechte missbraucht worden
sind, und für Gerechtigkeit und Frieden zu
arbeiten.
Dieser Preis spricht von Dr.
El-Sarraj beruflicher Karriere, die vor mehr als
30 Jahren Medizin und Menschenrechte integriert
hat. Dr. El-Sarraj gründete 1990 das Gaza
Community Mental Health Programm, eine
Nicht-Regierungsorganisation, die weiter eine
einzigartige Rolle als Vermittler bei
vielfachen medizinischen Problemen ist, und
professioneller Trainer, Pädagoge und sozialer
Anwalt. Dr. El-Sarraj diente als
sachverständiger Zeuge vor der UN-Kommission
mit R. Goldstone über die Kriegsverbrechen, die
während Israels Krieg im Gazastreifen vor zwei
Jahren begangen wurden. Er bleibt an der Spitze
der Bemühungen, wenn es um die nationale
Versöhnung zwischen den rivalisierenden
palästinensischen politischen Gruppen geht.
Anfangs 2010 erhielt Dr.
El-Sarraj den „Juan.Lopez Ibor“ 2010-Preis,
einer der angesehensten Preise in der
Psychiatrie, der die ehrt, die ihre berufliche
Karriere den Rechten und der Würde der Patienten
gewidmet haben und die durch wissenschaftliche
Forschung auf diesem ihrem Gebiet vieles
beigetragen haben.
Das Gaza Community Mental Health
Programm, vertreten durch seinen Aufsichtrat,
die Verwaltung und seinen Mitarbeiterstab
gratuliert Dr. El-Sarraj zu diesem Preis. Durch
sein Beispiel bekommen wir Kraft und bleiben
entschlossen an seinen Führungsprinzipien: sich
weiter um Frieden und Gerechtigkeit bemühen und
gegenüber der Macht die Wahrheit zu sprechen.
(dt. Ellen Rohlfs,
die Dr. El-Sarraj persönlich kennt und achtet
und auch gratuliert)
Leserbrief von Luz
María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin
und Diplomatin a.D., 40670 Meerbusch
- 29.12.10
Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 28.12.10, Rubrik
Außenansicht:
„Der Präsident der guten Absicht“ von Joschka
Fischer - Joschka Fischers Mangel an
Rechtsbewusstsein und Naivität
Bei seiner Darstellung in der SZ vom 28.12.10
„Der Präsident der guten Absicht“ vergisst
Joschka Fischer seine Untätigkeit und das
Scheitern seiner Politik während seiner Amtszeit
als Außenminister, und zwar den Stillstand ohne
jeden Fortschritt im Nah-Ost-Konflikt. Welche
Initiative unternahm der Grünen-Politiker,
welche Rolle spielte er für den Frieden im Nahen
Osten? Genau das, was er kritisiert, trifft ihn
auch: Wie beim ehemaligen US-Präsident George W.
Bush schien Fischer die Allianz mit Israel am
wichtigsten. Gerade hier liegt das Problem.
Mindestens ist die völkerrechtliche Linie des
US-Präsidenten Barack Obama richtig. Dass seine
Außenpolitik im Nahen Osten bisher keinen Erfolg
zeigt, steht auf einem anderen Blatt, aber die
Richtlinien des US-Präsidenten sind
gerechtfertigt und gemäß dem Völkerrecht.
In Sachen Naher Osten muss man die gerechte von
der ungerechten Sache unterscheiden können, um
Partei für die gerechte Sache zu ergreifen. Der
Ex-Grünen-Außenminister geht an der gerechten
Sache vorbei, er geht am Völkerrecht vorbei, das
klar signalisiert, wer in Unrecht handelt.
Joschka Fischer begeht einen grundsätzlichen
Fehler, wenn er Recht und Unrecht gleichsetzt.
Wahrscheinlich fällt er unbewusst in diese
inkongruente Gleichsetzung, denn das Völkerrecht
ist vor langer Zeit bei der Politik in
Vergessenheit geraten. „Angesichts der Sturheit
beider Konfliktparteien“? Worin sieht Joschka
Fischer die „Sturheit“ der Palästinenser
bitteschön? Wie kann der Ex-Außenminister die
konsequente Position der Palästinenser, die seit
Jahrzehnten auf dem Völkerrecht beruht, als
Sturheit bezeichnen? Weil sie auf die Einhaltung
der UN-Resolutionen bestehen? Ist nicht das
Völkerrecht der Grundsatz jeder
rechtsstaatlichen Außenpolitik? Dieser Mangel an
Rechtsbewusstsein war das flagrante Defizit der
Fischer-Außenpolitik mit dramatischen
menschlichen Folgen, wie man weiß.
Während in seiner Zeit als Außenminister über
Serbien eine mörderische Wirtschaftsblockade
verhängt wird und sich die Schlinge um den Iran
immer enger zusammenzieht, verhöhnt der
zionistische Staat, dessen Existenz von Beginn
an auf der Basis massiver ethnischer
Vertreibungen gründet, internationales Recht,
ohne dass er sich dafür je hätte verantworten
müssen. Die israelische Friedensblockade kann
nur unter der Androhung von Strafen gebrochen
werden, nicht mit Anreizen, am wenigsten mit
Verträgen. Eine für die Israelis aufgezwungene
Lösung kann die Staatengemeinschaft in Erwägung
ziehen, wozu die UNO durchaus legitimiert wäre,
wenn sie nur wollte. Dass dem nicht so ist,
liegt vor allem an den USA, woran auch der
US-Präsident Barack Obama ein Stück
Verantwortung trägt.
Fischers Vorschlag wäre ein vernünftiger
Vorschlag bei Völkerrecht achtenden Staaten,
nämlich „ein umfassender Vertrag über den
Endstatus jetzt, die Umsetzung dieses Vertrages
in definierten Schritten über einen längeren
Zeitraum hinweg. Die Palästinenser hätten damit
die Garantie über die Grenzen ihres Staates und
seiner Hauptstadt Jerusalem, und ebenso über das
definierte Ende der Besatzung“. Diese
Vorstellung und die richtigen Überlegungen
Fischers wären völlig vernünftig und zutreffend,
wenn wir es bei Israel mit einem normalen
seriösen Partner zu tun hätten. Leider sehen wir
uns aber seit Jahrzehnten einem bewiesenen
Betrüger und Rechtsverweigerer gegenüber.
Zwar kritisierte EU-Außenamtssprecherin
Catherine Ashton (8.12.10), dass die Errichtung
von Siedlungen „illegal“ und das Verhalten Tel
Avivs „bedauerlich“ sei, doch zog sie keinerlei
Konsequenzen. Solche Erklärungen klingen
lächerlich im Zusammenhang mit der langjährigen
rechtswidrigen Lage im Nahen Osten.
Weder die EU noch die USA drohen dem illegalen
Besatzer mit Sanktionen oder Eingreifen wie in
anderen Fällen von Völkerrechtsverletzung. Im
Gegenteil, die Obama-Regierung weitete 2010 den
bilateralen Handel aus und erhöhte die
Militärhilfe massiv. Ähnlich rasant entwickelten
sich die ökonomischen und militärischen
Beziehungen zwischen Tel-Aviv und Brüssel.
Wie ist das Zusammenspiel rationaler und
irrationaler Kräfte in der menschlichen Seele zu
verstehen, die einer Fehlhandlung wider bessere
Einsicht vorausgeht? Diese Frage, die sich hier
stellt, ist die zentrale Frage in der
griechischen Tragödie Elektra von Euripides.
Bedeutende politische europäische
Persönlichkeiten, wie der frühere westdeutsche
Bundeskanzler Helmut Schmidt, Ex-Bundespräsident
Richard von Weizsäcker, Spaniens früherer
Ministerpräsident Felipe González, der
Ex-Präsident der EU-Kommission Romano Prodi und
der Ex-NATO-Generalsekretär Javier Solana haben
in einem Brief (Meldung vom 13.12.10) von der EU
entschiedene Maßnahmen gegen Israels
völkerrechtswidrige Politik gefordert. Israel
soll wie jedes andere Land behandelt werden.
Nicht als Sonderfall. Seit Jahrzehnten macht die
EU unmissverständlich klar, dass sie die
Siedlungen in den besetzten Gebieten als illegal
erachte. Seit Jahrzehnten kümmert sich Israel
nicht darum. Allein schon die Androhung von
Sanktionen galt bisher als tabu, geschweige denn
die tatsächliche Durchsetzung von
Strafmaßnahmen.
In der Tat vergisst Joschka Fischer oder will
nicht wahrnehmen, mit wem es die
Weltstaatengemeinschaft im Nahost-Konflikt zu
tun hat, und zwar mit einem Partner, der gar
nicht an der Frieden interessiert ist, sondern
an der Verlängerung des rechtswidrigen Statu
Quo, koste was es wolle. Nicht nur unter
Ministerpräsident Netanjahu, sondern auch unter
den vielen vorherigen israelischen Regierungen
und sicherlich auch in Zukunft bei den
vorliegenden politischen Verhältnissen in Israel
wird die Weltstaatengemeinschaft keine
Bereitschaft Israels für den Frieden erleben.
Unter solchen Umständen ist es völlig sinnlos
und naiv einen „Friedensvertrag“ zu fordern,
selbst den vernünftigsten, den die Israelis
heute kalkuliert unterschreiben könnten, um ihn
morgen kaltblütig zu brechen. Dann hätten wir
ein noch größeres Problem. Das ist vielleicht
die unsichtbare versteckte Falle, die Shimon
Stein mit seinem merkwürdigen SZ-Beitrag vom
22.12. in der Außenansicht in petto hatte.
Politische Einzelentscheidungen pflegen nur dann
auf Recht und Herkommen Rücksicht zu nehmen,
wenn sie durch eine hinlängliche Macht geschützt
sind. Setzt sich freilich der Mächtige über das
Recht seines schwächeren Gegners hinweg, schafft
er damit einen Maßstab, der auch auf ihn
angewendet wird, wenn sich die Situation ändert.
Athen hat das erfahren. (Georgias von Platon).
Summa Summarum: Es gibt keinen Grund, Israel
weiter Vertrauen zu schenken. Der
Vertrauensbruch von Israel hat sich wiederholt
manifestiert, und es liegt an Israel, dieses
Vertrauen zuerst wiederherzustellen, indem es
die illegale Besatzung jetzt beendet.
Die Sicherheit jedes Staates ist lediglich
innerhalb legitimer Grenzen garantiert.
Außerhalb dem Völkerrecht gemäßer legaler
Grenzen existiert kein Staat, gibt es für ihn
keine Sicherheit. Die Präsenz eines
militärischen Gebildes ohne jede dem Völkerrecht
gemäße Rechtfertigung schafft keine stabile
Sicherheit, sondern das Gegenteil.
Mit einem illegalen Besatzer, der sich sogar als
Kriegsverbrecher mehrmals offenbart, ist kein
Vertrag zu verhandeln, sind auch keine Gespräche
zu führen. Nur Sanktionen sind angebracht bis
zur Unterbrechung diplomatischer Beziehungen,
keine Absolution. Luz María De Stéfano Zuloaga
de Lenkait
Palästinensisches
Kinderbuch in deutscher Sprache erschienen
Auf Initiative des Pfarrers
Martin Rambow und mit Fördermitteln von
verschiedenen deutschen Organisationen
veröffentlichte jetzt der in Baden-Baden
ansässige Verlag Media Tec GmbH das erste
palästinensische Kinderbuch in
deutsch-arabischer Sprache. Die
englisch-arabische und bereits 2005 in Palästina
erschienene Originalgeschichte „Der Junge und
die Mauer“ entstammen ebenso wie die Bilder aus
der Feder der Jugendlichen im Lajee Center des
Flüchtlingslagers Aida im Westjordanland.
Das Buch handelt von einem
kleinen Jungen, der im Flüchtlingslager Aida
nahe Bethlehem lebt. Seine Welt wird durch den
Bau der Mauer noch kleiner, denn das Gelände,
auf dem er und seine Freunde spielten, liegt
jetzt hinter dieser. Er bemerkt, wie durch den
Bau der Mauer seine Frühlingslandschaft
verschwindet und fragt sich, wo er nun Fußball
spielen und Blumen pflücken soll. Der kleine
Junge fragt sich auch, ob diese neue Mauer
zwischen seinem Lager und Jerusalem auch seine
Träume aufhalten würde, gerade so, wie sie
seinen Vater daran hindert, zur Arbeit zu gehen.
Einnahmen gehen nach Palästina
Vor rund einem Jahr hielt sich
Rambow als Mitglied einer Internationalen
Beobachtergruppe in der Westbank auf und
dokumentierte dort das Verhalten israelischer
Soldaten gegenüber der palästinensischen
Bevölkerung. Während seines Aufenthaltes pflegte
er engen Kontakt mit dem Lajee Center und lernte
dort das Bilderbuch kennen. Vor Ort entwickelte
er die Idee, dieses ins Deutsche zu übersetzen
und fand mit dem Verleger Marduk Buscher einen
Ansprechpartner und Unterstützer. Beide sind
gemeinsam im „Netzwerk Friedenssteuer“ tätig (www.netzwerk-friedenssteuer.de).
Mit Fördermitteln vom
„Evangelischen Entwicklungsdienst“ (www.eed.de),
„Kyberitas“ (www.kyberitas.de), „Gerechtigkeit
durch Teilen e.V. Soziale Initiativen in
Thüringen und Der Einen Welt“, kam nun vor
kurzem das Buch auf dem Markt. Die Einnahmen aus
dem Verkauf gehen direkt nach Palästina, um dort
den Menschen in ihrem Alltag zu helfen.
Mehr Chancen für kommende
Generationen
Das Lajee Center wurde im April
2000 von einer Gruppe von freiwilligen
Mitarbeitern aus dem Flüchtlingslager gegründet.
Ihnen war es wichtig, daß die nächsten
Generationen mehr Entwicklungschancen haben
sollten als sie selbst in ihrer eigenen Kindheit
besaßen. Die Freiwilligen wollen die Kinder auf
ihrem Weg begleiten und sie zu Selbständigkeit
und kritischem Denken erziehen.
Weitere Informationen über das Lajee Center
finden Sie unter
www.lajee.org
26.12.10
- Süddeutsche Zeitung
(SZ) vom 22.12.10, Rubrik Außenansicht:
„Frieden? Vielleicht später“ von Shimon Stein Heiliges Land und
Rätsel der SZ-Außenpolitik-Redaktion Luz María De
Stéfano de Lenkait
Zynischer kann man kaum schreiben. Ein
ehemaliger israelischer Diplomat spiegelt die
Haltung der extremistischen Regierungsfalken
Israels wider, die gar nicht an Frieden
interessiert sind, denn sie wollen das
völkerrechtswidrige Status-Quo im Nahen Osten
fristlos verlängern. Die Weltgemeinschaft hat
aber eine andere Wahrnehmung und keine Geduld
mehr gegenüber einem Staat, der sich wiederholt
als Rechtsbrecher bloßstellt. Nicht nur
US-Präsident Obama, sondern die gesamte
Staatengemeinschaft (=192 Staaten) wird sich
entschlossen zeigen, die Beilegung dieses
Konflikt auf die Tagesordnung weiter zu setzen.
Shimon Stein spielt den Ignoranten oder Naiven.
Kennt er das Völkerrecht? Stimmt er der
Gleichheit vor dem Gesetz zu? Wenn ja, kann er
sich selbst seine Fragen beantworten und selbst
alle Zweifel beseitigen. Israel darf nicht
weiter als Sonderfall behandelt werden. Jeder
professionelle israelische Diplomat – auch
Shimon Stein - ist sich im klaren, was schief
geht, wenn ein Besatzer gegen alle
internationalen Regeln weiter darauf beharrt,
ein Land zu besetzen. Welche Schlüsse zieht
Shimon Stein daraus? Er wagt es nicht, sie zu
benennen und versteckt sich hinter Bedenken und
persönliche Vorstellungen über die mögliche
Haltung des US-Präsidenten.
Der Israeli Shimon Stein manifestiert seine
Sorge über die Schaffung eines unabhängigen
Palästinenserstaat. Baut er auf die Ignoranz,
wie unilateral sich Israel selbst als Staat
proklamierte? Ein Blick in die Vergangenheit
sollte alle, auch Shimon Stein, eines Besseren
belehren.
Im November 1947 billigten die Vereinten
Nationen die Teilung Palästinas. Am Tag zuvor
legte Großbritannien sein Palästina-Mandat
offiziell nieder. Wenige Wochen danach sah
Washington ein, dass die Teilung eine große
Fehlentscheidung war angesichts der Ablehnung
und wachsender Unruhe unter den in der Region
lebenden Araber, die die Mehrheit der ansässigen
Bevölkerung darstellten. Die arabischen Staaten
lehnten den Teilungsplan offiziell ab.
Washington beauftragte die UN-Vollversammlung
sich weiter mit dem Problem Palästina zu
befassen und zog seine Zustimmung zum
Teilungsplan zurück (19.3.1948). Präsident Harry
Truman schlug vor, Palästina unter den Schutz
der UN zu stellen, sollte Großbritannien
abziehen.
Besorgniserregend kam Israel den USA in die
Quere und stellte sich mit seiner unilateralen
Gründung über den Willen der
Staatengemeinschaft: Ende April, Anfang Mai 1948
drängen die UN auf eine Verschiebung der
Unanhängigkeitserklärung der Juden in Palästina.
Die zionistische Führung setzt sich durch und
Israel wurde als unabhängiger und souveräner
Staat am 14. Mai 1948 ausgerufen trotz der
speziellen Demarche der UN, die
Unabhängigkeitserklärung zu verschieben.
Zu beachten ist, dass Israel gerade dann
gegründet wurde, als die Vollversammlung der
Vereinten Nationen nach ausdrücklichem Wunsch
der USA sich weiter mit dem Problem Palästina
befassen sollte, denn Washington revidierte
seine Position und erklärte sich gegen die
Teilung (30.3.1948), als es offensichtlich war,
dass sie einen Bürgerkrieg in Palästina
hervorbringen würde, was dann auch eintraf.
Extremistische zionistische Banden griffen in
dieser Zeit zum Mittel des Terrors und verübten
Attentate auf amerikanische und britische
Delegationen im Hotel King David in Jerusalem.
Es begann ein Krieg, der dazu führte, dass rund
80 Prozent der in Israel lebenden Araber
(Palästinenser) vertrieben wurde oder floh.
Shimon Stein wie die ganze Welt kennt die
Konsequenzen: Jahrzehnte des Leidens und des
Terrors, der Gewalt und Gegengewalt. Wäre ein
palästinensischer Staat gegründet worden und
nicht ein israelischer, hätten sich die
islamischen und christlichen Palästinenser so
ungerecht und grausam gegenüber den israelischen
Einwanderern verhalten?
Hätte die damalige begründete britische
Perspektive (Churchill-White Paper 1922) von
einem unabhängigen binationalen
arabisch-jüdischen Staat mit Vorherrschaft der
damaligen Mehrheit, nämlich der Araber, an der
Regierung, Erfolg gehabt, so fragt man sich
heute, wären dann die Palästinenser so
räuberisch und brutal gegenüber den Israelis
gewesen und hätten sie sich so unmenschlich
verhalten wie die Israelis gegenüber ihnen?
Zu bedenken ist auch die historische Tatsache,
die bis heute Folgen haben kann: Israel wurde
als Mitglied der Vereinten Nationen (11.5.1949)
lediglich unter der Bedingung zugelassen, den
vertriebenen Palästinensern ihre Eigentümer
zurückzugeben oder sie zu entschädigen und ihnen
zu erlauben, nach Palästina zurückzukehren. Die
Vereinten Nationen bestätigten in wiederholten
Resolutionen diesen fairen Standpunkt. Die
Weigerung Israels führte zu einem vollständigen
Impasse. Die Hälfte der Palästinenser wurde zu
Flüchtlingen. Unsicherheit für alle Bewohner war
die unmittelbare Folge. Bleiben die
UN-Bedingungen unerfüllt, wäre der Ausschluss
Israels aus den Vereinten Nationen ein
konsequenter völkerrechtlich völlig begründeter
Schritt und ein berechtigtes Anliegen für die
Weltöffentlichkeit.
Solange die Abnormität der israelischen
Besatzung weiter besteht, wird es keinen
Friedensprozess im Nahen Osten geben. Die
gleiche Situation, die gleichen Probleme
verlangen heute eine entscheidende Lösung. Der
neue israelische Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu im Amt seit dem 6.2.09 ist nicht nur
als militärischer Hardliner bekannt, sondern
auch als politischer Gegner eines jeden
Friedensprozesses im Nahen Osten. Deshalb ist
das Misstrauen der Palästinenser völlig
begründet so wie ihre Entscheidung, keine
Verhandlungen mit Israel aufzunehmen, solange
nicht der israelische Siedlungsbau in den
besetzten Gebiete gestoppt sei. Was bringen
Verhandlungen, wenn es keine glaubwürdige Basis
dafür gibt?
Jedweder offizieller Besuch in Tel-Aviv ist
unter solchen Umständen unangebracht. Weder von
der Außenministerin Hillary Clinton, noch von
einem arabischen Staatschef, am wenigsten vom
US-Präsident Obama. Welche neue Falle will
Shimon Stein mit seinen einzigartigen
Vorschlägen vorbereiten? Nicht zu vergessen ist,
dass der ehemalige Diplomat Shimon Stein
dieselbe Person ist, die den eklatanten
unverhältnismäßigen Angriffskrieg Israels gegen
den Libanon 2006 bei seinem SZ-Besuch damals zu
vertuschen versuchte (22.7.2006). Ein zweites
Mal äußerte sich der ehemalige israelische
Botschafter „entsetzt und empört“ zu Äußerungen
deutscher Bischöfe während ihrer Israel-Reise
(11.3.07). Shimon Stein kann es nicht
vertuschen: Auch wenn er sich von Kopf bis Fuß
entsetzt und empört gibt, wird es ihm nicht
gelingen, dass immer mehr Menschen die Wahrheit
über sein Land begreifen. Sie kommt immer ans
Licht. Wie Stefan Kornelius ihm erneut einen
Auftritt bei der Süddeutsche Zeitung verschaffen
kann, bleibt ein Rätsel. Die seriöse, anständige
und konstruktive Alternative wäre ein weiterer
Beitrag von Avi Primor in der SZ-Außenansicht
gewesen.
Die Palästinenser haben die Obama-Administration
aufgefordert, weiter Druck auf Israel auszuüben.
Keineswegs wollen sie auf angebliche
Zugeständnisse oder faule „Kompromisse“ aus
Tel-Aviv eingehen. Zu Recht.
Am selben Tag, als der US-Sonderbeauftragter,
George Mitchell, mit dem Ministerpräsident
Netanjahu in London am 26.8.09 eintraf, wurde
auch der palästinensische Entschluss offiziell
bekannt gegeben, einen eigenen Staat auszurufen
(„Plan unveiled for building a Palestinian
State“ - International Herald Tribune 26.8.09).
Schon 1998 schien es nur eine Frage der Zeit,
bis der Staat Palästina ausgerufen würde. Auf
Drängen des Westens hin verzichtete Jassir
Arafat damals immer wieder auf die sofortige
Gründung seines Staates, um es vielleicht doch
in Frieden geschehen zu lassen. Heute ist die
Zeit reif genug dafür. Die Selbstbestimmung der
Palästinenser muss sich endlich ausdrücken
können, indem sie den Staat Palästina gründen.
Sie brauchen keine Fremdbestimmung oder externe
Zustimmung dazu, denn ein unabhängiger Staat
beruht auf der Souveränität seines Volkes.
Dagegen war die Ausrufung des israelischen
Staates die Proklamation einer jüdischen
Minderheit, die in Palästina damals im Gegensatz
zu der Mehrheit der arabischen Einwohner lebte,
deren Missbilligung nicht zählte.
Nach der jüngsten offiziellen Anerkennung von
Brasilien und Argentinien haben weitere Staaten
den Palästinenserstaat in seinen Grenzen von
1967 anerkannt. Ein Vorteil für Israel trotz
aller zionistischer kriegerisch extremistischer
Propaganda à la Shimon Stein, da die Grenzen von
1948 ein viel größeres palästinensisches
Territorium bedeuteten.
Durch die zunehmenden diplomatischen
Anerkennungen wird sich der alte danieder
liegende Friedensprozess wieder beleben müssen
und die schwierigsten und heikelsten Fragen
werden auf der Tagesordnung erscheinen, nämlich
die Räumung von illegalen Siedlungen, die
Vereinbarung legaler völkerrechtlicher Grenzen
für den Staat Israel, die Verschrottung
sämtlicher Atomwaffen und anderer
Massenvernichtungswaffen der Region, über die
Israel allein verfügt. Mit anderen Worten muß
sich Israels Haltung innerhalb der
internationalen Gemeinschaft normalisieren. Dann
und nur dann kann Israel seine Anerkennung von
den arabischen Staaten erwarten. In jedem
anderen Fall müssen Sanktionen gegen Israel bis
hin zu seinem Ausschluss aus den Vereinten
Nationen die Handlungsoptionen sein.
In diesen Tagen des höchsten Festes der
Christenheit, der Heilige Abend, muss man
besonders darauf aufmerksam machen, daß ganz
Palästina als Heiliges Land die gesamte
Christenheit betrifft, weil sich dort der Ort
befindet, wo das Kind Jesus Christus geboren
war, nämlich im palästinensischen heute durch
Israel besetzten Bethlehem. Im Norden des
Landes, nämlich in Galilea hat Jesus gelebt und
zwar in Nazareth. Von dort wanderte er durch das
Land und kam nach Jerusalem. Die ganze
Christenheit hat ein Interesse daran, den
Konflikt im Nahen Osten ohne weitere Verzögerung
und ohne illegale Mauer zu beenden. Luz María De
Stéfano de Lenkait
IOF
(israelische Armee) tötet Schafhirten in Beit
Lahiya
Gestern morgen hat der 20-jährige Salama Abu
Hashish seine Schafe und Ziegen in Beit Lahiya,
in Nord Gaza geweidet, als Einheiten der
israelischen Okkupationsarmee ohne jede
Vorwarnung auf ihn schossen. Das Geschoss traf
ihn im Rücken und ging direkt durch eine seiner
Nieren. Er wurde operiert und war auf der
Intensivstation des Kamal Adwan Hospitals, wo er
um 17.30 verstarb.
Die IOF hat nicht nur das Leben eines Mitglieds
der Hashish-Familie ausgelöscht, sie hat auch
eine junge Frau zur Witwe und ein Baby, das
gerade am Abend zuvor geboren war, zum
Waisenkind gemacht. Salama Abu Hashish war
gerade erst Vater geworden, aber war nicht
einmal mehr dazu gekommen, seinem Erstgeborenen
einen Namen zu geben.
Drei weitere Arbeiter wurden verletzt gestern
abend von israelischen Geschossen im nördlichen
Teil von Gaza.
Die Angriffe von gestern stehen im Zusammenhang
mit eskalierenden israelischen Übergriffen gegen
Arbeiter im Grenzgebiet; allein in den vergangen
fünf Wochen wurden 40 Menschen verletzt in der
Pufferzone, die vom israelischen Militär zum
Sperrgebiet erklärt wurde. Sie verläuft entlang
der Gaza-Seite der Grenze in einer Breitfläche
von 300 - 500 Metern. Wie auch immer, den
Vereinten Nationen zufolge erstreckt sich diese
Zone mit hohem Risiko auf 1000 - 1500 Meter.
Dieses gesamte Gebiet beläuft sich auf 35 % von
Gazas Ackerland. Wie das palästinensische
Zentrum für Menschenrechte mitteilt, sind seit
Januar 2010 vom israelischen Militär bereits 84
Arbeiter verwundet und 9 getötet worden. Salama
Abu Hashish ist somit das 10. Opfer von Israels
Krieg im Grenzgebiet allein in diesem Jahr. Riad
Abu Hashish, der Onkel des Opfers, sagt, dass
Salama regelmäßig seine Schafe und Ziegen zum
Weiden ins nördliche Grenzgebiet gebracht hat.
Gestern war er ungefähr 150 - 200 Meter von der
Grenze entfernt, als er von einem Sniper der IOF
getroffen wurde. Da Ambulanzen die Pufferzone
nicht ohne Koordination mit den Israelis
anfahren dürfen, brachten in der Nähe
beschäftigte Schrottarbeiter Salama mit ihrem
Eselwagen weg.
"Das ist alles wegen der Okkupation und der
Armut, die sie nach Gaza gebracht hat, passiert!
Er hat nur deshalb das Risiko auf sich genommen,
zu dieser gefährlichen Pufferzone zu gehen, da
er keine andere Möglichkeiten hatte, seine Tiere
zu füttern," sagte Riad Abu Hashish unter
Schock.
ISM Gaza fordert ein sofortiges Ende des
Beschusses von unschuldigen Zivilisten, die
durch die illegale Blockade zu solcher Tätigkeit
genötigt werden, und drängt die internationale
Gemeinschaft dazu, auf Israel Druck auszuüben,
diese Angriffe zu beenden.
ISM Gaza ist unter folgenden Telefonnummern für
nähere Informationen zu erreichen:
Vera Macht ( Deutschland): 00972597355082
Inge Neefs (Belgien): 00972 597 738 436
Adie Mormech (UK): 00972 597 717 696
Silvia (Italien): 00972 595 447 660
Victorio (Italien) 00972 597 750 820
Militär überfällt
Krankenhaus in der
Nähe Bethlehems Saed
Bannoura, IMENC News, 19.12.2010
http://www.imenc.org/article/60216?print_page=true
Die Bethlehemer
arabische Reha-Klinik wurde – wie berichtet – am
Sonntag von israelischen Soldaten zunächst mit
bewaffneten Fahrzeugen und Jeeps umstellt, dann
die Unfallstation (ER) überfallen und mit den
Waffen auf die Patienten gezielt.
Dann verlangten die
Soldaten in grober Weise vom ER-Stab die
Einlieferungsberichte der letzten 48 Stunden,
wie der Direktor des Krankenhauses Edmund
Shehadeh sagte. Sie drohten damit, einen
Computer zu konfiszieren, der medizinische
Berichte enthielt. Schließlich verließen sie das
Krankenhaus mit leeren Händen.
Überfälle auf
Krankenhäuser sind in der israelisch besetzten
Westbank und im Gazastreifen Routine, trotz der
Tatsache, dass Krankenhäuser unter besonderem
Schutz der Vierten Genfer Konvention stehen und
nicht von Militärkräften überfallen werden
sollten.
Die
israelisch-militärischen Kräfte verletzten
routinemäßig ihre Verpflichtungen als
Besatzungsmacht nach der Vierten Genfer
Konvention , besonders wo es um den Schutz der
zivilen Bevölkerung. Selbst Schulen und
Krankenhäuser werden angegriffen.
Einige Patienten in
palästinensischen Krankenhäusern sind zivile
Opfer von israelischen Militärangriffen, und die
Invasionen in Krankenhäuser sind für diese
Patienten besonders traumatisch, wie Psychologen
berichten, die mit Palästinensern unter
israelischer Besatzung leben.
(dt. Ellen Rohlfs)
UN Büro: 45% mehr Hauszerstörungen in
Ostjerusalem
Roni Sofer, und Ronen Medizini, 22.12.2010
Ein UN-Angestellter
drückte am Mittwoch seine Sorge aus, dass in
Ost-Jerusalem immer mehr Häuser zerstört werden
– um 45%.
Maxwell Gaylard,
der UN-Koordinator für Humanitäres für die
palästinensischen Gebiete besuchte ein Haus in
Ras Al-Amoud, in Ostjerusalem, das von den
Sicherheitskräften zerstört wurde, weil es
illegal gebaut worden sei.
Gaylard
veröffentlichte ein Statement, in dem es heißt,
dass während des letzten Jahres das Zerstören
von Häusern um 45 % zugenommen habe. Das
bereitet hinsichtlich Israels Verpflichtungen
gegenüber dem Völkerrecht große Sorge. Er sagte,
dass 13 Bewohner des Hauses sich keine andere
Wohnung leisten können. Das sei besonders
bedrückend.
Diese Aktionen
haben einen ernsten sozialen und
wirtschaftlichen Einfluss auf das Leben und
Wohlergehen der Palästinenser, und ihre
Abhängigkeit von humanitärer Hilfe wächst.
Die Position der UN
bleibt nichts anderes übrig, als der Regierung
Israels zu sagen, dass sie sofort Schritte
unternehmen solle, um mit dem Zerstören und
Vertreiben in der Westbank und in Ostjerusalem
aufzuhören.
„Jüdische Militia
arbeitet in Jerusalem“
Das Problem
Jerusalem verursachte am Mittwoch morgen bei
einem Treffen des Komitees für Innere
Angelegenheiten des Knessetkomitees eine
Kontroverse. Der Jerusalemer Polizeikommandeur
des Distrikts Aharon Franco gab zu, dass
Steinewerfer in der Hauptstadt nicht völlig
verhindert werden können.
Wir reduzieren es
schon sehr, aber ganz können wir es nicht
verhindern,“ sagte er zu MKs, die bei dem
Treffen anwesend waren, bei dem es um die
Verhinderung von Krawallen an heiligen Stätten
geht.
„Bis vor kurzem gab
es rund 500 solcher Vorfälle in einem Jahr, und
wir haben gegen 70 Palästinenser Anklagen
erhoben,“ sagte Franco.
Aber MK Israel
Hasson (Kadima) war unzufrieden. „Ich kam sehr
besorgt hierher und ich werde in einem fast
hysterischen Zustand gehen,“ sagte er. “Wir
können Jerusalem und die Klagemauer nicht in
solch einer Situation akzeptieren.“
MK Jamal Zahalka (Balad)
hatte eine Erklärung und sagte: Die
Palästinenser in Jerusalem werfen Steine, weil
sie so frustriert sind. „Sie sehen, wie die
Juden versuchen, ihnen die Stadt wegzunehmen und
sie auf ihre Kosten zu judaisieren,“ sagte er.
Als Antwort auf ein
Angebot, einen Beobachtungsposten in dem
Stadtteil einzurichten, sagte Zahalka: „Jüdische
Milizen arbeiten schon in Jerusalem, wie die
Wächter des Hausministeriums in Silwan.“ MKs vom
rechten Flügel antworteten auf diesen Kommentar
und nannten ihn „einen Feind Israels.“
„Ich bin seit 4000
Jahren in Jerusalem – mach dass du weggehst!“
schrie MK Arieh Eldad (Nationale Union). Er
wurde als ‚rassistischer Faschist’ als Antwort
benannt.
Aber Eldad fuhr
fort: „Die Polizei ignoriert die wahren
Schuldigen hinter den ‚Steinewerfern und dem
Feuerbombenterror’, deren Identität er aber
nicht beschrieb.
‚Da ist eine
führende Hand hinter den Aufrührern. Dies ist
nicht die lokale Initiative von ein paar
eigenwilligen Teenagern. Israels Souveränität
muss in Jerusalem, seiner Hauptstadt, voll
durchgeführt werden, um die Araber daran zu
hindern, sie zu übernehmen.’
(dt. Ellen Rohlfs)
Heute wurde
Mazim Qumsiye mit sieben anderen nahe Al
Walaja verhaftet
Und ist wieder frei …( s. 2.
Teil) 22.12.2010
Bericht
seiner Frau und jemand von ISM
An diesem Nachmittag etwa um 2
Uhr 30 sagte Mazin, (Beit Sahour) dass wir
sofort nach al-Wallaje gehen müssen. Er habe
gerade einen Anruf von Dorfbewohnern bekommen,
dass israelische Bulldozer dabei sind, die
andere Seite von Al-Wallaje frei zu räumen. (Die
Dörfler versuchen noch die rechtliche Seite zu
klären). Auf der anderen Seite geht der illegale
Mauerbau schon seit einem Jahr. Wir waren gerade
in seinem Büro der Uni in Bethlehem. Wir ließen
alles fallen und fuhren weg.. Als wir an Ort und
Stelle ankamen, standen die Bulldozer mit
einem Dutzend Soldaten und privaten
Sicherheitspersonal gerade herum. Wir fanden
auch etwa 20 Dorfbewohner dort versammelt, die
sich darum bemühten, die Arbeit zu stoppen, bis
weitere Instruktionen kommen. 30 Minuten später
kam ein Militärsprecher, um mit den
Dorfbewohnern auf arabisch zu sprechen, das ich
nicht verstehe. Er kam mit noch mehr bewaffneten
Soldaten – etwa 50 oder 60, mehr als die Anzahl
der Dorfbewohner, die da waren. Wenn ich richtig
– nach Mazins kurzer Übersetzung – verstand,
sagte der Sprecher, dass sich ihre Arbeit auf
eine Order von 2006 gründet ….. Später fing man
an, Leute, die da herumstanden , zu verhaften.
Während ich ein paar Fotos machte, bemerke ich
plötzlich, wie Mazin von Soldaten umgeben ist
und ihn mitnehmen. Das war um 3 Uhr 20. Weniger
als eine Stunde, nachdem wie angekommen waren…
Schnell griffen israelische Soldaten noch mehr
Bewohner aus dem Dorf. Im Ganzen waren es acht,
einschließlich einem älteren Herrn, zwei
Teenagers .. und Sheerin al-Araj, die ich
kannte, als die Aktivistin des Dorfes.
Mazin war dann 2 Stunden nicht zu
erreichen. …Als ich ihn wieder erreichte, war er
am Checkpoint 300 bei Bethlehem verhaftet. Ein
israelischer Soldat war sehr grob mit ihm. Er
schlug die beiden jungen Palästinenser, einen,
dass er Magenprobleme bekam. Sheerin wurde grob
behandelt … drei von ihnen hatten
Metallhandschellen, die andern Plastik
Handschellen sehr eng und schmerzlich … für
einen war es unerträglich. Aber der Soldat
weigerte sich, dies lockerer zu machen. Nur
Mazins Handschelle wurde gelöst – so konnte er
mit mir telefonieren.
Sie sollten etwas unterzeichnen,
was sie nicht lesen und nicht verstehen konnten.
Aber alle weigerten sich, es zu unterzeichnen,
auf Rat eines pal. Anwaltes, der gerade anwesend
war.
Die Palästinenser redeten
gegenüber den Soldaten über das Völkerrecht .
Aber diese sagten, das Völkerrecht ginge sie
einen Scheißdreck an – sie würden sich allein
nach den Befehlen richten. …
Später wurden sie in die
Atarot-Haftanstalt ( bei Ramallah) gebracht, wo
sie vor einem Anwalt erscheinen sollten ….
Mazin bat noch darum, dass man
alle Leute von al- Wallaje in unser Gebet nehmen
solle
J.Qumsiyeh, Mazins Frau, während
Mazins Abwesenheit …. (stark gekürzt E. Rohlfs)
Zuerst die gute Nachricht: Die
Bulldozer haben dank der tapferen Leute in
al-Walajeh zunächst aufgehört; sie brauchen
aber noch unsere Unterstützung. Morgen
Vormittag werden 100 Internationale dort sein.
Ein Video, das ich heute morgen
zusammenstellte, fasst zusammen, was geschah,
nachdem wir in al-Walajeh, einem friedlichen
schönen Dorf,, das zum 2. Mal ethnisch gesäubert
werden soll, verhaftet worden waren. Die Schläge
und der Pfefferspray, der gegen Shirin und die
jungen Männer von al-Walaja verwendet wurde, war
wirklich brutal. Während der Haft gelang es mir,
SMS abzuschicken, Notizen zu machen und sogar
ein paar Fotos zu machen – von unter der Treppe,
dass es die Soldaten nicht bemerkten. Wir
forderten die Soldaten heraus, die verlangten,
dass wir nicht mit einander oder zu ihnen reden.
Viele der Soldaten
sagten, sie würden nur Befehlen
gehorchen und ich erinnerte sie, dass das
Gehorchen faschistischer Befehle keine
Entschuldigung für internationale Gerichtshöfe
ist ( noch sind wir nicht da, aber der Tag wird
kommen, davon bin ich überzeugt). Ich war
wirklich von dem Mut, der Vision und dem
Engagement der Dorfbewohner, wie Shirin und Dia
inspiriert, die beispielhaftem Anstand und
würdevoller Haltung vor der Maschine zeigten,
die alle paar Jahrzehnte unter Menschen
hochkommt: vom Faschismus über den
Nationalsozialismus zum Zionismus. Der Feind ist
ein einziger: Rassismus und Gier, was letzten
Endes zur Selbstzerstörung führt. Aber wenn
genug gute Leute aufstehen, kommt das Ende
früher und mehr Menschen aller Seiten würden
bewahrt werden vor den physischen und
emotionalen Wunden der Kolonisierung.
In der Haftzelle mit festen
Handschellen, die die Blutzirkulation
behinderte, hatten wir ein Gefühl von Frieden
und Selbstvertrauen. Wir tauschten Lächeln aus
und flüsterten einander Worte der Ermutigung
zu. Es war für jeden eine aufbauende Erfahrung
und gute Kameradschaft. Ich fing an zu singen (Fairuz-Zahrat,…
Weihnachtslieder, die palästinensische
Nationalhymne). Schließlich war uns verboten
worden, mit einander zu reden, aber das Singen
war nicht verboten. Ich wollte schon beinahe
tanzen, aber ich dachte, das ist vielleicht zu
viel für meine Zellengenossen. Wir sind alle
davon überzeugt, dass es ein Zeichen von
Schwäche und Verzweiflung ist, dass die
israelische Armee zunehmend brutale Angriffe auf
zivile Leute unternimmt, die gewaltfrei gegen
die Besatzung vorgehen oder nur gezielte Fragen
stellt.
Von der Gaza Freiheitsflotille
nach Rafah bis Bilin und al-Walaje, von
Stuttgart über Paris und in den Rest der Welt
werden die Risse in der Mauer, die das Empire
der Lügen zusammenhält, gespürt.
Am Freitag
(24.12) wird wieder von 9-11 eine Demo sein. Für
die außerhalb Palästinas habt Dank für euer
Mittun und Mitdenken in eurem Bereich ….
The Milford Daily News (Milford,
MA 12/24/09) The
Daily News Tribune (Waltham,
MA 12/24/09)
The Deming Headlight (Deming,
NM 12/24/09) The
Register Citizen (Torrington,
CT 12/25/09)
Minuteman Media
Bethlehem, Palestine
is a special place to celebrate Christmas. It’s
home to the Church of the Nativity and the field
where shepherds, tending their flocks by night,
spotted the star heralding Jesus’ birth. But
apart from the historical mystique, here in
Bethlehem we celebrate Christmas much like
Christians throughout the world. We hang lights
from the rooftops. We erect a tree in Manger
Square. We host a Christmas market. Our children
carol and perform Christmas pageants. Christmas
in Bethlehem, as elsewhere, is a time for
family, peace, love and joy.
But our joy is mixed
with melancholy, for we have been living under
Israeli military occupation for 40 years.
While children
elsewhere reenact the story of Christmas against
backdrops of starry night skies, we’ll celebrate
in the shadow of a 20-foot high wall that
surrounds us on three sides and separates us
from Jerusalem.
In Shepherds’ Field
the sheep still graze, but the ground is being
eaten away by Israeli settlement expansion. The
Israeli government tightly controls construction
on our native land so we can only build
vertically.
In Bethlehem,
Christmas is traditionally spent with family.
But Israeli restrictions on movement make it
difficult for our families in other parts of the
West Bank and Israel to visit us. And it’s
impossible to see our friends and relatives in
Gaza. To enter or leave Bethlehem we must pass
through an Israeli checkpoint. To visit
Jerusalem, we must obtain a permit from the
Israeli authorities. A journey that without
barriers would take 10 minutes can take us hours
due to long delays at the checkpoints and roads
out of bounds for non-Jews. With travel so
arduous an undertaking, fewer Palestinians are
making the journey to Bethlehem these days, even
on Christmas.
Christmas is an
especially difficult time for those families
missing a loved one. Every family in Bethlehem
has a relative who has been held captive in
Israeli prisons, often detained without reason,
or simply arrested for not carrying an identity
card. I still remember the despair I felt the
Christmas we celebrated under curfew because my
cousin George, detained by Israeli soldiers
without charge at the age of 16, couldn’t be
with us. Sitting glumly on our porch for a
Christmas barbecue, we were visited by Israeli
soldiers who informed us that we weren’t
permitted to eat outdoors during curfew.
Amidst the
festivities, this Christmas we will gather in
Shepherds’ Field for a candlelight procession in
honor of the Palestinian political prisoners in
Israeli jails who are unable to rejoice with
their families and to protest ongoing Israeli
confiscation of our land.
Despite the daily
oppression, we persevere, taking pride in our
heritage and our ties to the land. But the
restrictions on our liberties have taken a toll.
Travel restrictions have led to economic
stagnation as it has become difficult and costly
to transport goods. Israeli land confiscation is
eating into the livelihood of the local farmers.
Many youth are emigrating in search of better
opportunities.
Given this reality,
tourism has become the only hope for Bethlehem’s
economy. Although travel restrictions on foreign
tourists are not as great as those imposed on
Palestinians, most tourists have been
discouraged from visiting Bethlehem. Those who
come arrive in buses from their base in Israel
for only a few hours. They’re unable to
experience the local culture, food and
handicrafts that Bethlehem has to offer. They
don’t interact with the local community or
contribute to the local economy. In their haste
to visit the dead stones, they overlook the
living stones.
We, as Palestinian
Christians, are proud to keep alive the
traditions of our forefathers. Without tourism,
Bethlehem’s economy will die, the locals will
leave and all that will be left is an open-air
museum.
I invite you to come
to Bethlehem, to visit us—the living stones of
Bethlehem—as well as our churches. Stay in our
hotels, inns and guesthouses, experience our
rich culture and hospitality and find solidarity
in our hardships and our aspirations.
--George Rishmawi is a Palestinian nonviolence
peace activist from Beit Sahour near Bethlehem,
Palestine. He serves as coordinator for the
Siraj Center for Holy Land Studies in Beit
sahourr.
Beteiligung der
Deutschen Bahn an dem israelischen
Schnellbahnprojekt
Die
Deutsche Bahn beteiligt sich mit ihrem
Tochterunternehmen DB International an einem der
größten Infrastrukturprojekte Israels. Sie ist
für die Elektrifizierung der Schnellbahnstrecke
Tel Aviv – Jerusalem zuständig, deren
Streckenverlauf mit Brücken und Tunneln auch
durch die besetzten palästinensischen Gebiete
führt. Obwohl die alte Zugstrecke zwischen
Jerusalem und Tel Aviv nicht durch die besetzten
Gebiete führte und Alternativpläne zum
Streckenverlauf für die Schnellbahn
palästinensische Gebiete nicht berührten,
stimmte auch die damals zuständige DE Consult
dem nun ausgeführten Streckenverlauf zu.
Durch diese Beteiligung nimmt das staatliche
Unternehmen DB billigend in Kauf, dass:
Israel
seine Politik der Zerstückelung der
palästinensischen Gebiete ungehindert fortsetzen
kann:
− durch die Einteilung in Verwaltungsgebiete
A,B und C,
− durch den Mauerbau und den damit
verbundenen Landraub,
− durch die Erklärung immer größerer Teile
der Westbank zu „Militärischen Sperrzonen“,
die von Palästinensern nicht betreten werden
dürfen,
− durch ein engmaschiges Straßennetz, dass
nur von in der Westbank und in Israel
lebenden Siedlern benutzt werden darf und
− nun durch den Bau einer Eisenbahnstrecke
auch durch die besetzten Gebiete ohne
die Unterstützung und Beteiligung der
palästinensischen Bevölkerung,
Israel
die Rohstoffe der besetzten Gebiete für die
eigene Bevölkerung ausnutzt,
Völkerrecht wie auch nationales israelisches
Gesetz gebrochen wird,
durch
den Bau der Eisenbahnstrecke Israel illegal die
dauerhafte Bebauung in den
besetzten Gebieten fortsetzt,
die
palästinensische Bevölkerung von der Nutzung der
Bahn ausgeschlossen ist und
der Konflikt zwischen Palästinensern und
Israelis verschärft wird,
der
Landraub am palästinensischen Volk, die
Enteignungen von Privatpersonen und
die weitere Isolation palästinensischer
Dörfer fortgesetzt wird,
die
landwirtschaftlicher Nutzfläche und
Lebensgrundlage für die einheimische
palästinensische
Bevölkerung zerstört wird.
Wir fordern die
Bundesregierung als Eigentümerin der Deutschen
Bahn auf, die Beteiligung der DB Mobility
Logistics AG und deren Tochterfirma DB
International als Nachfolgerin der DE Consult an
diesem israelischen Großprojekt offen zu legen.
Wir fordern die
Bundesregierung, die Deutsche Bahn und deren
Tochterunternehmen DB International auf, sich
aus dem Bahnprojekt mit der Staatlichen
Israelischen Eisenbahn durch palästinensisches
Gebiet zurück zu ziehen und die geplanten
Investitionen unverzüglich zu stoppen.
Deutscher Koordinationskreis Palästina Israel
GÖAB errichtet
Trainingszentrum für Solartechniker in Jericho
Am
23.11.2010 unterzeichnete GÖAB-Generalsekretär
gemeinsam mit dem Generaldirektor der Jerusalem
District Electricity Company (JDECO) Hisham
Omari am Ende eines dreitägigen Arbeitsbesuches
einer Delegation von JDECO in Wien eine
Vereinbarung zur Errichtung eines
Trainingszentrums für Solartechniker in Jericho.
Als Partner fungiert das Austrian Institute for
Technology (AIT), welches für die Ausarbeitung
der Lehrpläne, das Training der Lehrkräfte, das
Design des Zentrums und die Ausstattung mit
Geräten verantwortlich zeichnet. Das mit rund €
250.000,-- angegebene Budget wird vom Arab Fund
for Development, dem Bundesministerium für
Wirtschaft, Familie und Jugend, dem
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und
Technologie, der Provinz Toskana und
österreichischen Unternehmen bedeckt. Das
Gebäude wird von JDECO zur Verfügung gestellt.
Das Training soll im Sommer kommenden Jahres
eröffnet werden. Damit soll ein konkreter
Beitrag zur professionellen Realisierung von
Projekten im Bereich der erneuerbaren Energie in
Palästina geleistet werden.
JDECO,
AIT und GÖAB vereinbarten darüber hinaus, als
ersten Schritt einer längerfristigen Kooperation
im März des kommenden Jahres eine Tagung zum
Thema „Effizienter Einsatz von Energie" in
Jericho durchzuführen.
Weitere Informationen: GÖAB
(E-mail: office.vienna@saar.at; Tel.: 01
5267810).
Fotos:
Unterzeichnung der
Vereinbarung: JDECO-Direktor für
business-development Ali Hamoudeh,
JDECO-Präsident Youssef Dajani,
GÖAB-Generalsekretär Fritz Edlinger und
JEDCO-Generaldirektor Hisham Omari (von links).
Weitere Fotos:
DI Gundula Tschernigg von AIT
und Ali Hamoudeh im – noch nicht renovierten –
Gebäude in Jericho. Innenansicht des Gebäudes.
(Alle Fotos Fritz Edlinger).
Bundeszentrale für
politische Bildung als Befehlsempfänger der
Israellobby W. Frankenberg
17.11.10
Ich komme nicht aus
dem Staunen nicht heraus, wie gehorsam doch die
Deutschen sind, wenn Zionisten-Darsteller ihnen
Aufträge oder Befehle erteilen, einen ihrer
berühmten Leserbriefe schreiben. Dass der
Holocaust nur in Deutschland stattfinden konnte,
überrascht mich zunehmend nicht mehr. Ein Wort
und man steht stramm. Jetzt ist auch noch ein
gelernter Vikar und Bahai-Fan (eine Sekte, die
nicht zufällig ihre Zentrale in Haifa hat) aus
dem ehemaligen Arbeiter- und Bauernparadies Chef
einer bundesstaatlichen Bildungsinstitution, die
willfährig alle Aufträge der Israellobby
ausführt, dieser Darsteller heißt Thomas Krüger.
Was dies für ein Typ ist, finden sie hier:
http://www.arendt-art.de/deutsch/bundeszentrale_fuer_politische_bildung_thomas_krueger.htm
In der Tat ein
„ehrliche Haut“. Dabei kommt mir der Spruch in
Erinnerung: Ich kann gar nicht so viel essen,
wie ich kotzen muss. Der Anlass ist wieder
einmal Deutschlands „bester“ Journalist und
Selbstdarsteller Henryk M. Broder. Heute hat er
wieder einmal ein niedlich
naiv-denunziatorischen Beitrag auf seiner
unrühmlichen und islamophoben Seite
veröffentlicht. Seinem Denken und Verhalten
entsprechend zieht er gegen seine
augenblicklichen Lieblingsfeinde (die Mahner und
Wahrheitsfinder) denunziatorisch und polemisch
zu Felde.. Dieser kleine pumukelartige Gernegroß
ist nicht souverän er scheint an Komplexen zu
leiden, die nur mit jüdischem Selbsthass
erklären kann. Dieser Vorwurf wird eigentlich
immer von den übelsten Zionisten gegen andere
ehrbare jüdische Persönlichkeiten eingesetzt,
die die verbrecherische Politik des
zionistischen Regimes kritisieren und nicht
glauben, alle Juden, Israelis seien Verbrecher,
die man decken muss. Das ist ein antisemitisches
Denken.
Wer dieser ominöse
Leser war, bleibt im dunklen. Man kann nur
spekulieren: War es vielleicht der Schreiberling
selbst? Es wäre nicht das erste Mal, das der
große Publizist Broder so etwas macht.
Dies wäre allerdings unter
Irrsinn, wenn nicht wieder eine offizielle
Bundesinstitution dabei mit „hineingezogen“
worden wäre. Krügers Propagandazentrale für
politische Desinformation der deutschen
Bevölkerung reagierte sofort auf Befehle von
Broder, dem ominösen Leser oder der Israellobby,
wer weiß es genau, und entfernte den Zusatz.
Zuerst
hier das Original in html-Format
Hier die bereinigte
Form nach dem Auftrag der jüdischen Lobby oder
Krügers Freund HMB:
Manchmal denken
Broder oder sein Adjutant Krüger und dessen
Speichellecker eben nicht an alles. Sie haben
die relevantere PDF-Datei vergessen. Die muss
Krüger nun auf Kosten des Steuerzahlers auf
Befehl der Israellobby neu erstellen lassen, um
dem Auftrag der Israellobby Genüge zu tun, und
sie an die html-Version anzugleichen. Bravo!
Cui bono? In wessen Interesse arbeiten
diese Israellobbyisten? Joshua K.
Je mehr Videos über
diesem zionistischen Propaganda-Kongress in
Frankfurt veröffentlich werden desto deutlicher
wird in der Rückschau (ich war ja dort), was für
extremistische Figuren sich dort versammelt
hatten. Selbst ein extremistischer Rabbiner
namens Andrew Steinman forderte die Versammelten
auf zum „Gebet“ aufzustehen. Wie schon immer
haben die Herrschenden für ihre Taten den
Allmächten, Jahweh, Allah oder Gott angerufen so
auch hier.
Dieser Rabbiner
Darsteller sang dann eine einen Song auf das
Wohl Israels, damit Jahweh das
rassistisch-zionistische Regime bei seinen
verbrecherischen Taten wohl beschützen wolle.
Wer so sündigt, hat viel Schutz notwendig, es
war sicher nicht ausreichend. Er nannte Jahweh
noch vor Obama als wichtigsten Partner für die
Unterdrückung der Palästinenser. Es war nur
ekelerregend, da solche Szenen aus der deutschen
jüngsten Geschichte bekannt sind, dieses Mal nur
mit zionistisch-pseudo-jüdischem Vorzeichen.
Weisskirchen, Feilcke, Montag, Klein, Connemann
und alle anderen Abgeordneten-Darsteller standen
andächtig wie in einer Kirche und lauschten den
Gesängen dieses zionistischen Rabbiners. Sein
„Gebet“ war auch für Gilad Shalit „und alle
seine Kameradinnen und Kameraden“. Warum hat er
nicht für die über 10 000 palästinensischen
Gefangenen „gebetet“, die (meistens rechtlos) in
israelischen Kerkern ihr Dasein fristen müssen?
Er betete, ohne das ihn ein Blitz traf, für die
Soldatinnen und die Soldaten die Mörder
tausender Palästinenser. Eine solche
scheinheilige Heuchelei ist nur widerwärtig.
Frau Knobloch
sprach von den Juden in der Diaspora, das passt
zum Namen „Zentralrat der Juden in Deutschland“.
Ich fühle mich als deutscher Jude und wünsche
mir, wie viele andere, einen „Zentralrat der
deutschen Juden“. Den sollte man fordern und
fördern, nicht die Außendienststelle Israels.
Sie vertritt nicht die deutschen Juden.
Die
Eingangsstatements von dem EU-Parlamentarier
Elmar Brok (CDU) und dem Vorsitzenden der
Deutsch-israelischen Parlamentarier-Gruppe im
Deutschen Bundestag, Jerzy Montag, (Die Grünen)
lassen einen ehemaligen zionistischen IM fragen,
welche Interessen diese sogenannten Abgeordneten
eigentlich vertreten. Bestimmt keine deutschen
oder europäischen. Sie saßen alle auf einem
Podium, das von Israelfahnen drapiert war. Was
der auf Lebenszeit alimentierte
EU-Parlamentarierfunktionär von sich gibt, ist
nicht nur rassistisch, sondern auch neben der
Spur. Er fordert doch tatsächlich dass Israel
als rein jüdischer Staat von den Europäern
jedwede Unterstützung erhalten sollte.
Entlarvend war, dass er vom Iran etwas fordert,
was auch nicht einmal im Ansatz von Israel
erwartet wird.
Und Jerzy Montag
ging noch weiter. Er ist der Vorsitzende der
Deutsch-Israelischen Parlamentarier-Gruppe, der
stärksten im Bundestag mit 130 Mitgliedern, und
er sagte zur Beruhigung und geradezu flehentlich
zu diesen Extremisten in Frankfurt: „Wir
ergreifen unser Wort für Israel.“ Nicht für
Deutschland oder gegen Islamophobien nicht gegen
den Staatsrassismus Israel? Und seine
Ex-Kollegen und parade Israellobbyisten Feilcke
(CDU) und der unsägliche Gert Weisskrichen (SPD)
nickten zustimmend. Prof. Weiskirchen „Wenn wir
Solidarität zu Israel üben, dann üben wir
Solidarität zu uns selbst“ Also sind wir
einverstanden mit den rassistischen Mitgliedern
der israelischen Regierung, solidarisch mit dem
täglichen Landraub, mit der Behandlung der
Palästinenser als Untermenschen? Heil Israel.
Sowohl Montag als
auch der Israellobbyist Brok machten sich nach
ihren verräterischen Statements schnellstens von
Dannen, sie hatten ja auch noch am späten
Samstagnachmittag andere Termine. So vermieden
sie wenigstens die Peinlichkeit, sich den Fragen
dieser rechtsextremistisch-zionistischen
Israellobbyisten stellen zu müssen.
„Nehmen Sie nicht
das Bild mit, dass der Deutsche Bundestag
antiisraelisch eingestellt ist, und ich verweise
noch einmal auf die Erklärung der
Bundeskanzlerin in der Knesset. Sie hat damit
alles gesagt und sie trägt damit die Mehrheit
der Parlamentarier mit sich“, so die CDU
Abgeordneten Funktionärin Gitta Connemann.
Diese unsägliche Rede von Merkel in der Knesset
stieß selbst eingefleischten Zionisten in Israel
auf. Wer hat sie eigentlich geschrieben? Friede
Springer, Knobloch, Kramer oder irgendein
anderer Funktionäre der Israellobby? Sicherlich
gab es intensive Beratungen und Absprachen.
Soviel intellektuellen Müll kann kein normal
denkender Mensch verzapfen. Besonders perfide
war das ehemalige EU-Parlamentsmitglied aus
Sachsen, der CDU Funktionär Lothar Klein, der
auch Vorsitzender der Sächsischen Israelfreunde
e. V. ist, der sein Unverständnis darüber
äußerte, dass die BRD immer noch der
zweitwichtigste Handelspartner des Iran, „wo wir
doch alle wissen, was da läuft in diesem Land“.
Ob ein Ex- Abgeordneter wie Klein wirklich wie
weiß, was überhaupt läuft? Als „Israelfreund“
müßte er wissen was in Israel läuft. Wo bleibt
da sein Unverständnis? Wie dürftig er sich
geäußert hat, wird wieder einmal bestätigt, dass
diese Abgeordneten-Darsteller mit ihrem
Herrendenken nicht wissen wovon sie reden,
deshalb sind sie auch so gefährlich. Klein macht
sich Sorge um die Meinungs- und Pressefreiheit
in unserem Land, weil dort nicht mehr
Journalisten sondern, „ich sage es mal so
deutlich Propagandisten sitzen, die immer
irgendwo einseitige Interessen verfolgen“.
Sitzen nicht eher weniger Propagandisten in den
Redaktionen? Lassen sie sich vielleicht nicht
länger und immer weniger von der Israelischen
Botschaft über den Tisch ziehen?
Klein hoffe, dass
sich junge und geeignete Leute fänden, die sich
dem Thema Israel und Nahostkonflikt „unabhängig
stellen, die den Karriereweg durch die Medien
beschreiten und dann vielleicht mal von dieser
unsäglichen Appeasement-Politik Europas mal
abkommen“. Von welcher „Appeasement-Politik“
schwadroniert dieser Typ überhaupt? Er meint
wohl die Appeasement-Politik des Westens vor der
Aggressionspolitik des zionistischen Regimes in
Tel Aviv. Das gibt es doch alles schon. Soll nun
eine Meinungsdiktatur gefordert werden?
Als ehemaliger
zionistischer Ex-IM meine ich, dieser Kongress
hätte eigentlich wegen Aufwiegelung und
Anstachelung zum Hass auf andere Völker verboten
gehört. Ein zweiter Kongress dieser Art sollte
wenigsten in Frankfurt nicht mehr stattfinden.
Am besten wäre diese Extremisten in der Israel
und zwar in der Negev-Wüste in
„Konzentrationslager“ Ansar 3 aufgehoben, dann
wüsten sie, wie schön es die Palästinenser in
Israel haben. Joshua K. 16.11.10
„Gemeinsam
für Israel“. Erster Israelkongress in
Frankfurt: eine Ansammlung von Psychopathen?
Es war ein erster
Israelkongress in der BRDeutschland auf dem ich
teilgenommen habe. Mir gruselt es heute noch.
Dort hatte sich nämlich - unter anderem - die Creme
de la creme des rechtsextremistischen Zionismus
versammelt, und Front gegen die kritische BRD
Gesellschaft und alle angeblichen Islam- und Terrorversteher gemacht. Wie in Nordkorea wurden
die „Delegierten“ herangekarrt und klatschten
frenetischen Beifall, wenn wieder einmal einer
seine extremistischen Ansichten von sich gab.
Nach einem heftigen Brechreiz gab ich meine
Laufbahn als Zionist auf und schließe mich nun
den Antizionisten an.
Wer sich die Rednerliste
anschaut und die gehaltenen Reden durchließt
kann nur feststellen: in Frankfurt haben sich
nicht die „Freunde Israels“ sondern die
„Totengräber Israels“ versammelt, an deren
Spitze marschiert der unsägliche Zentralrat der
Juden in Deutschlands als Sprachrohr des nun
rechtszionistischen Gewaltregimes in Tel Aviv.
Bei solchen Freunden braucht Israel keine Hamas,
Hisbollah oder den Iran mehr. Vereinzelt traten
sogenannte "nützliche Idioten" in Gestalt von
Politikern auf. Es sind die die der
rechtsextreme Oberrabbiner Ovadia Joseph als die
Goyim (Nichtjuden) bezeichnet, die nur den Zweck
auf Erden erfüllen den Juden zu dienen. So war
es auch in Frankfurt.
Die deutschen Abgeordneten
betätigten sich wieder einmal als diese Art von
Goyim des zionistischen Regimes und zeigten ihre
Inkompetenz und Angst vor der Israellobby. Die
CDU-Figur, eine gewisse MdB Gritta Connemann
bezeichnete die einzige bisher vernünftige
Resolution des BRD-Bundestages als „Unfall“, d.
h. sie wurde durch Unachtsamkeit der
Abgeordneten verabschiedet. Wie haben Volker
Beck und Jerzy
Montag – beide natürlich von den „Grünen“ darauf
reagiert? Für Montag könne Israel nie genug
Solidarität bekommen! Ein Terrorregime, dass ein
anderes Volk seit über 40 Jahre unterdrückt
bedarf nach Montag der Solidarität. Nein Herr
Nichts gelernt Montag, die Widerstandskämpfer
der Hamas und der Hisbollah bedürfen der
Solidarität der BRD Bürger. Sie müssten sich
eigentlich von ihrer „Kollegin“ als „Dummbacken“
vorgeführt gefühlt haben. Aber denken diese
Abgeordneten überhaupt noch, wenn es um Israel
geht? Sie handeln reflexartig unüberlegt. Pawlow
hätte sich gefreut. Sonst hätten sie sich nicht
für die unsägliche Propaganda des
rechtszionistischen Regimes instrumentalisieren
lassen. Eine erbärmliche Figur gab wie zu
erwarten war der grüne Beck ab. Selbst für seine
Ausführungen würde er von Extremisten des
Publikums ausgebuht. Er hätte abbrechen und
gehen sollen.
Auch der Israellobbyist
Gerd Weisskirchen konnte bei dieser
zionistischen Sause nicht fehlen. Alles, was er
bisher gesagt hat, so konnte man auch dieses
Statement in die Tonne klopfen. So sei es nicht
die Aufgabe des BRD-Bundestages, Israel
vorzuschreiben was es zu tun habe. So, Herr
Weisskirchen, Israel begeht massive Verbrechen
und der Bundestag soll dazu schweigen? Wollten
wir deutsche nicht einmal anders sein? Und er
sagte weiter: "Gibt es eine ähnliche Resolution
beispielsweise gegen die Niederlande?“ Nein,
braucht es auch nicht, da die Niederlande im
Gegensatz zu Israel eine Demokratie ist.
Weisskirchen, Israel ist eine Ethnokratie, eine
jüdische Demokratie und tribale
Stammesgesellschaft, in der alle Nichtjuden
Bürger zweiter oder dritter Klasse sind. Haben
Sie nicht gelesen, für was die Nichtjuden gut
sind? Nach dem Oberrabbiner der Shas-Partei,
Ovadia Joseph, um den Juden zu dienen. Diese
Funktion des nützlichen Idioten, die die
Dreckarbeit für die Juden machen, führen Sie und
die Israellobby schon seit Jahren mit großem
Erfolg aus. Wurden Sie endlich dafür belohnt?
Hat man Ihnen die Türsteher- und
Rausschmeißerfunktion des Faschisten Liebermann
in Tel Aviv angeboten? Selbst dafür taugen Sie
nicht weil sie ein Weichei sind, dafür aber
ganze Kerle gebraucht werden wie Liebermann.
Die CDU entsendet zu
solchen zionistischen Propagandaveranstaltungen
immer nur ihre Klügsten. So sagte der
EU-CDU-Abgeordnete Elmar Brok, dass Israel den
Kampf um die Bilder der modernen Medien
verliere. So, wenn man ein Massaker an der
Zivilbevölkerung verrichtet, bei dem über 1400
Menschen ermordet werden, oder wenn ein
israelisches Kommando ein Schiff in
internationalen Hoheitsgewässern kapert und neun
türkische Staatsbürger regelrecht hinrichtet,
mit Kopfschüssen und von hinten, was soll da das
Gerede von „verlieren“ von Bildern bedeuten,
Herr Brok. Israel kann auch noch schlimmere
Bilder produzieren.
Das Iran Panel war
besonders mit gruseligen Gestalten besetzt. Aus
Israel war ein extremistischer Historiker mit
Namen Jacov Lozowick angereist, der im Konkret
Verlag sein Pamphlet „Israels Existenzkampf“
veröffentlicht hat. Die Einseitigkeit und die
Paranoia sprach aus jeder Seite. Der ehemalige
KB Funktionär und gewendete Neozionist Matthias
Künzel hat sich einen Namen dadurch gemacht, das
er zur Dämonisierung der Widerstandskämpfer
gegen die amerikanisch-israelische Aggression
sondern auch des Iran kräftigt beiträgt. Seine
beiden Bücher dazu sind regelrechte
Kampfschriften und politische Pamphlete, die nur
von der ahnungslosen politischen Klasse
teilweise zur Kenntnis genommen werden, weil sie
ihnen in ihr Kulturkampfkonzept passen.
Was Dieter Graumann, der
wohl nächste Vorsitzende des Zentralkomitees des
Zentralrates der Juden in Deutschland zum Iran
zu sagen hat, war mir schleierhaft. Man konnte
nur zionistische Progaganda von ihm hören. Gegen
ihn ist die noch Vorsitzende Knobloch eine
kleines Licht und unbedarft.
Das die israelische
Botschaft in Scharen dort vertreten war, ist
selbstverständlich.
Auch der Popanz des
Antisemitismus wurde wieder aus der Mottenkiste
heraus gekramt und dies von keinem geringeren
als dem berüchtigten Anwalt u. a. von Henryk M.
Broder, Natan Gelbart. Dieser Vorsitzende einer
zionistischen Organisation hatte außer dummen,
mehr als einseitigen Klischees nichts
wesentliches zu sagen. Dies war bei diesem
Publikum auch nicht nötig, es es nicht wegen der
Informationen, die gab es nicht, sondern wegen
der zionistischen Propaganda gekommen ist.
Wen ich vermisst habe, war mein Kollege Henry M.
Broder. War da für ihn als Antizionisten die
Grenze des Brechreizes erreicht worden?
Am Abend war mir aber
selber speiübel. Ich hab mir noch ein Gläser
Äppelwoi hinter die Binde gegossen und mich in
meinem Hotelzimmer eingeschlossen. Die Stadt
Frankfurt wollte für solch extremistische
Veranstaltungen keine Räume mehr zur Verfügung
stellen.
Der nächste Israelkongress
sollte in der Wüste Negev stattfinden. Alle
Teilnehmer müssen zu Fuß und ohne Wasser
„anreisen“. Vielleicht kommt dann nur Sascha
Stawski, dem dies bestimmt gut tun würde.
Es ist für uns ziemlich
schwierig all die ‚freiwilligen‘ Zugeständnisse
der Palästinensischen Autorität, ihrer
Repräsentanten und ihres Vorsitzendenn zu
verstehen, die direkt die nationalen Prinzipien
betreffen. Ebensowenig können wir angesichts
dessen das eisige Schweigen im palästinensischen
Volk verstehen.
Wirkllich, nach den verdammunsgwürdigen
Äußerungen des ‚ausgelaufenen‘ Generalsekretärs
des Executiv Committes der PLO, Mr. Yasser Abed
Rabbo, in denen er den ‚Jüdischen Charakter des
Staates Isarel‘ im Austausch für eine klar
begrenzte Karte anerkennt, hat uns sein
Prädsident, Mahmud Abbas, noch mehr schockiert,
mit einer noch viel gefährlicheren ‚Fadwa‘, in
der er seinen Willen bekundet, den Konflikt mit
Israel zu beenden und alle historischen
Forderungen der Palästinenser zu streichen,
sobald ein Friedensvertrag zwischen beiden
Staaten erreicht ist, in dem ein
Palästinensischer Staat in den Grenzen des 4,
Juni 1967 festgelegt ist. ..
Diese Stratements sind nicht nur als
Versuchsballon zu verstehen. Sie sind Teil eines
ausgeklügelten Plans um die Meinung der
Palästinensischen Öffentlichkeit auf eine Lösung
vorzubereiten, die die israelischen Forderungen
in vollem Umfang erfüllt, eingeschlossen die
Annulierung des Rechts auf Rückkeher, die
Anerkennung des Jüdsichen Charakters Israels und
die Akzeptanz eines Bevölkerungsaustausches,
nicht nur eines Austausches von Land. ..
Wir erleben gerade ein Öffentliches Schauspiel,
wonach die direkten Verhandlungen ins Stocken
geraten, um unter dem Eindruck der Schwierigkeit
die Konzessionen zu rechtfertigen und später
unter dem Vorwand der israelische
Unnachgiebigkeit den Mangel an Alternativen und
des Ungleichgewichts im Kräfteverhältnis,
USA,/Araber die palästinensische Sache zu
verlassen…
Viele Menschen glaubten irrtümlicherweise, dass
Herr Abed Rabbo’s Äußerungen eine persönliche
Meinung oder ein Versprecher waren. .. Aber wir
merkten schnell, dass es volle Übereinstimmung
zwischen den beiden Herren gibt und dass ein
"Rezept" seit der Zeit der geheimen
Verhandlungen neben den Oslo-Verhandlungen und
der Konferenz von Madrid gereift zu seinen
scheint…
.
Herrn Salam Fayyad‘s Versicherung, dass er
beabsichtigt den Palästinensischen Staat
nächsten September auszurufen und Präsident
Obama’s Zeitplan für das kommende Jahr sind kein
Zufall…., man soll sich daran erinnern, dass
diese beiden Männer, Abbas und Abed Rabbo, die
wichtigsten Köche waren, die Oslo ausgeheckt und
damals schon die Vorgänge und das ganze
Labyrinth im Büro in Tunesien überwacht haben…
Mr. Abed Rabbo war immer ein ‚Fan‘ der freiwilig
gegebenen Zugeständnisse und war immer sehr
glücklich in der Zusammenarbeit mit Israel,
konnte er doch dort den Beweis für seine
moderate Art erbringen. In der Geschichte
Palästinas ist er tatsächlich der erste
Offizielle, der in den Genfer Dokumenten das
Recht auf Rückkehr aufgab, das er als Mitglied
des Exekutiv Committees der PLO unterschrieb,
und nun möchte er diesen grundlegenden Schritt
wierderholen, indem er den jüdischen Charakter
Israels anerkennt und damit seine Position unter
seinen amerikanischen und israelischen Freunden
aufbessern kann…
Wir stehen jetzt vor einem Durchmarsch der
Zugeständnisse. Erinnern wir uns daran, dass die
PLO im Jahr 1974 die zehn Punkte und
stillschweigend die Existenz Israels akzeptierte
auf die Forderung nach einem säkularen Staat
verzichtete und gleichzeitig die UN-Resolution
242 und 338 ins Spiel brachte und die Erklärung
der Unabhängigkeit, um dann in die Falle des
Oslo-Abkommen zu fallen. Es ist ironisch, dass
Abbas einer der Theoretiker dieser Orientierung
war…
Jetzt wiederholt sich das gleiche Scenario, aber
noch extremer, zunächst daran zu erkennen, dass
Präsident Abbas seine Gastgeber und darunter die
führenden Vertreter der jüdischen Lobby, mit
denen er sich im August traf, damit überraschte,
die Jüdischen Rechte in Palästina und ihre
historisch tief verwurzelte Anwesenheit in dem
Lande anzuerkennen. Als er sicher war, dass es
keine Reaktion im palästinensischen Volk oder
irgendeiner Fraktion gab, ging er noch weiter
und opponierte mit keinem Wort gegen die
Bezeichnung Israels als jüdischen Staat in
seinem Gespräch mit Jüdischen Führern in New
York, das im letzten Monat neben der UN
Generalversammlung stattfand. Ebenfalls, unter
dem Eindruck fehlender Reaktionen in Palästina,
überschritt er weitere ‚Rote Linien‘ und äußerte
in einem Interview mit einer israelischen
Zeitung seine Bereitschaft, den Krieg zu beenden
und alle historischen Rechte des
Palästinensischen Volkes im Austausch für einen
eigenen Staat in der West Bank und Gaza zu
streichen….
Wir wissen nicht woher er die Kraft und das
Selbstvertrauen nimmt, all diese gefährlichen
Zugeständnisse zu machen, obwohl er nicht das
geringste Recht dazu hat und weder eine
nationale noch verfassungsmäßige Legitimität
besitzt, denn seine Zeit endete bereits vor zwei
Jahren. ..Der Mann hielt allein 17
Klausurtagungen mit Olmert ab und fünfzig
Treffen mit Unterhändlern, ebenso weitere
Treffen mit Netanyahu .. und wir hören dann nur,
dass Abbas und sein Gefolge die Geschicklichkeit
und Fertigkeit von Frau Netanyahu in der
Zubereitung leckerer Essen lobt – ist das
Verhalten von Freunden oder Feinden?..
Wir geben aber besonders der Hamas Bewegung
Schuld, sagen es mit Bitterkeit in der Kehle,
weil sie die führende Kraft des Widerstands und
des Nein-Sagens ist, und dennoch diese
Zugeständnisse dadurch erleichterte, dass sie
gegenüber einigen Offiziellen Toleranz zeigte,
oder sich ihnen zugesellte, die eine ähnliche
Rolle spielen wie Mr. Abed Rabbo und eigene
Vertragsentwürfe vorstellte, ohne danach gefragt
zu sein. Diese Vorschläge waren ganz schön nahe
an den Vorschlägen der Autorität, in denen sie
in den Gesprächen in Damaskus einen Staat
innerhalb der West Bank und Gaza akzeptierten im
Gegenzug für eine Waffenstillstand, Versöhnung
und Gespräche mit einer Autorität, deren
Legitimität sie eigentlich infrage stellen...
Wir sehen diesen Prozess als einen Diebstahl der
sogenannten Vertreter an unseren Rechten, die
wir 1948 vertrieben wurden, ohne dass sie eine
Legitimation dafür hätten. .. Ich persönlich
frage mich, was mit dem Palästinensischen Volk
los ist, wie es zu einem leblosen Körper werden
konnte angesichts der Versuche, Stück für Stück
unserer legitimen Rechte zu liquidieren und in
unserem Namen zu sprechen. Diese Menschen, die
durch Gehälter betäubt, irregeführt und
getäuscht wurden, müssen aufwachen, bevor es zu
spät ist!‘
Al
Quds al Arabie, Ausgabe United Kingdom
(Auszug und eigene Übersetzung - Dr. Viktoria
Waltz)
Die
Gazastreifen-Übergänge 8 1.-15.September
2010 -
Anhaltende von der IOF angesetzte
Bewegungsbeschränkungen verursachte immenses
Leid für die Bevölkerung im Gazastreifen. Die
israel. Armee (IOF) schränkt die Ausreise aus
dem Gazastreifen nach Israel bzw. in die
Westbank, einschließlich Jerusalem oder ins
Ausland via Erez-Übergang stark ein, abgesehen
von einer begrenzten Anzahl „humanitärer Fälle“.
IOF verhindert nun auch, dass eine neue Gruppe
von Patienten, Blinde und Amputierte, die
medizinische Behandlung brauchen, über Erez
ausreisen. IOF stellt fest, dass diese Patienten
keine dringende medizinische Behandlung
benötigen – hier würde es sich um Luxus
handeln. Die Folge davon ist, dass die Zahl der
Patienten, denen der Zugang zu Krankenhäusern
in Israel und /oder Jerusalem verweigert wurde,
sich vergrößert hat. Andrerseits war der
internationale Übergang bei Rafah länger als 3,5
Monate geöffnet. Das Funktionieren des
Überganges – verglichen mit vorausgegangenen
Perioden hat sich auch verbessert, was von PCHR
als positiver Schritt angesehen wird. Doch,
obwohl der Übergang täglich offen ist, war es
nur bestimmten Personen erlaubt, ihn zu
benützen: Dazu gehören Patienten, die von der
PNA eine offizielle Genehmigung haben, nach
Ägypten zu einer medizinischen Behandlung zu
gehen und dringende Fälle; Personen, die im
Ausland arbeiten und die Aufenthaltsgenehmigung
von dort haben; Studenten, die an Universitäten
im Ausland eingeschrieben sind; Palästinenser
mit ausländischen Pässen oder Ausländer, die mit
einem Palästinenser verheiratet sind;
Palästinenser mit einer privaten Koordinierung
mit ägyptischen Behörden; Palästinenser, die
einen gültigen Wohnausweis für Ägypten haben;
internationale Delegationen, einschließlich
Menschenrechtsdelegationen und Diplomaten;
internationale Journalisten; und Palästinenser
mit diplomatischem Pass. PCHR glaubt, dass diese
Maßnahmen ein positiver Schritt sind. Aber es
hofft, dass weitere Schritte in dieser Richtung
folgen, damit die Bevölkerung von Gaza das
Recht voller Bewegungs-freiheit bekommt, auch
die freie Ein- und Ausreise in bzw. aus dem
Gazastreifen über den Rafah-Übergang. Nach den
Beobachtungen von PCHR während der
Berichtsperiode wurde die durchschnittliche
Menge von LKWs, die täglich nach Gaza
hineingelassen wurden, weniger: 110 verglichen
mit 142 im August. Das sind 22% weniger. Es sind
25% weniger als vor der Belagerung im Juni
2007. PCHR stellte fest, dass die meisten Waren,
die in den Gazastreifen gelassen wurden,
Lebensmittel waren, eine begrenzte Menge an
Holz, Aluminium, Glas, elektrische und Gasöfen,
Elektrokabel, Klimaanlagen, Baumaterial und
Stahl für die Wasserversorgungsleitung ( CMWU)
. PCHR glaubt, dass die IOF weiterhin nur
begrenzt Waren in den Gazastreifen lässt; die
Situation wird sich verschlechtern und es wird
keine positive Veränderung geben. (dt. Ellen
Rohlfs)
Jüdische Stimme
für gerechten Frieden in Nahost e.V. -
Presseerklärung 20. September 2010
In diesen Wochen soll das Strafmaß für Abdallah
Abu-Rahmah verkündet werden: Wenn der Anklage
stattgegeben wird, könnte Abu-Rahmah zu zwei
Jahren Freiheitsstrafe verurteilt werden.
Warum?
Weil Herr Abdallah Abu-Rahmah zusammen mit den
Einwohnern der palästinensischen Ortschaft Bil'in
in der Westbank (Westjordanland) das Popular
Committee gründete? Weil die Dorfbewohner seit
mehr als fünf Jahren jeden Freitag mittag
friedlich gegen den Bau der Sperranlage
demonstrieren, die mitten durch ihre Felder
geht, dadurch 60 % ihrer Ländereien
beschlagnahmt hat und sie somit ihrer
Existenzgrundlage beraubt?
Da Herr Abu-Rahmah einer der Initiatoren dieser
Bewegung des gewaltfreien Widerstands ist, und
auch andere Menschen in den übrigen
palästinensischen Ortschaften in Israel und aus
der ganzen Welt zum friedlichen Widerstand gegen
die israelische Besatzung ermutigt, wurde er am
10. Dezember 2009, am Tag der Menschenrechte,
vom israelischen Militär um zwei Uhr nachts aus
seinem Bett geholt und abgeführt. Ihm wurde
vorgeworfen: Anstiftung zur Gewalt durch Steine
werfen und unerlaubter Waffenbesitz. Waffen, das
heißt in diesem Fall: seine Sammlung von
gebrauchten Gaspatronen und Gummigeschossen,
Hülsen von Granaten und Munition, die Abdallah
Abu-Rahmah in seiner Wohnung nach den Aktionen
aufbewahrt hatte. Nicht die Spuren des
gewaltlosen Widerstandes, sondern die Spuren der
brutalen Gewalt der israelischen Armee wurden
dort gefunden. Am 24. August 2010 wurde Abdallah
Abu-Rahmah vom Militärgericht für schuldig
befunden, zu illegalen Demonstrationen
angestiftet und sie organisiert zu haben. Die
Anklagepunkte des unerlaubten Waffenbesitzes,
die die Spuren der israelischen Gewalt
bezeugten, wie auch die Anstiftung zur Gewalt
durch Steinewerfen, wurden zurückgenommen.
10 Jahre Freiheitsentzug sieht das Militärgesetz
als die höchste Strafe vor für den „Versuch,
verbal oder auf andere Weise, die öffentliche
Meinung in der Region so zu beeinflussen, dass
diese zu einer Störung des öffentlichen Friedens
oder der Ordnung führt“ ( §7(a)).
Wen sollte Herr Abu-Rahmah noch anstiften? Taten
es nicht reichlich die israelische Politik und
die Armee durch systematischen Landraub, durch
die Anwendung von scharfer Munition gegen
Demonstranten, die friedlich auf ihre
Grundrechte hinweisen und durch die ständige
Terrorisierung ihrer Nachtruhe durch die Armee?
Brauchen solche Störungen von Ruhe und Ordnung
noch einen weiteren Anstifter?
Herr Abu-Rahmah ist den Mitgliedern unseres
Vereins durch mehrere Besuche an den
Freitagsaktionen in Bil'in bekannt, nicht
zuletzt aus der Begegnung mit ihm im Dezember
2008 in Berlin, bei der Verleihung der
Carl-von-Ossietzky Medaille der Internationalen
Liga für Menschenrechte an das Popular
Committee. Mit seiner friedlichen Auffassung vom
Widerstand gewann er die Unterstützung von
Friedenaktivisten und Menschenrechtskämpfern aus
der ganzen Welt, die ihre Solidarität durch
Teilnahme an den Freitagsaktivitäten und den
jährlichen Konferenzen in der Ortschaft zum
Ausdruck brachten.
Westliche Politiker wiederholen ständig die
Aufforderung an Palästinenser, ihren Kampf gegen
die Besatzung nur mit friedlichen Mitteln zu
verfolgen. Wie kann man diese Aufforderungen
Ernst nehmen, wenn der Anführer der
erfolgreichsten gewaltfreien Widerstandsbewegung
nun eingesperrt wird, weil er genau diese
Aufforderungen in die Tat umgesetzt hat?
Die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden
in Nahost fordert die deutsche Regierung auf,
den Kampf um die grundlegenden Völker- und
Menschenrechte der Palästinenser den Friedens-
und Menschenrechtsorganisationen nicht allein zu
überlassen, sondern sie aktiv zu unterstützen.
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
e.V.
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Str. 4, D-10405 Berlin
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http://www.juedische-stimme.de