Datum: 06/06/05 07:47:05
Betreff: [iwps-berichte]
Mauerbau in Salfit und Frauen im Gemeinderat
iwps.info, Mai 2005
1) Bauarbeiten an der Apartheid-Mauer in
Salfit werden fortgesetzt
2) Der Bauernwiderstand geht weiter
3) Lokalwahlen in Palästina: In sechs
Dörfern in Salfit 13 Frauen
gewählt
1)
Bauarbeiten an der Apartheid-Mauer werden in der Region
Salfit fortgesetzt
Israelisches Höchstgericht hat
einstweilige Verfügung aufgehoben Das Israelische
Höchstgericht hat die einstweilige Verfügung aufgehoben, die
die Bauarbeiten an der Apartheid-Mauer in der östlichen Salfit Region nach Einsprüchen vorläufig gestoppt hatte.
Seit 16. Mai darf also rund um die illegalen Siedlungen
Ariel und Immanuel weitergebaut werden. Dieser Abschnitt der
Mauer ist einer der umstrittensten, da hier die Mauer bis zu
25 km innerhalb der ‘Green Line’, also der 1948 festgelegten
Grenze zwischen Israel und der Westbank, verläuft. Das
Gericht begründete die Aufhebung der einstweiligen Verfügung
unter anderem damit, dass von den betroffenen Dörfern
eingeforderte Informationen über das Ausmass der
Beeinträchtigung durch die Mauer, verweigert wurden. Die
betroffenen Ortschaften hatten sich zu diesem politischen
Schritt entschieden, weil sie befürchten, dass ihre
Stellungnahmen missbrächlich ausgelegt werden würden:
Nämlich, dass sie nur gegen den Verlauf der Mauer, aber
nicht gegen die Mauer als solche Einspruch erheben. Das
letzte und entscheidende Hearing bezüglich des Mauerverlaufs
in der Region Salfit wird am 21. Juni abgehalten. Aktuelle
Karten über den Mauerverlauf können auf der Website des UN’s
Office for the Coordination of Humanitarian Affairs
abgerufen werden: http://www.humanitarianinfo.org/opt Datum:
21. Mai 2005
2) Demonstrationen und Bauernwiderstand gegen Mauer in der
Region Salfit - 3. und 6. Juni 2005
Das Komitee gegen die
Mauer in Salfit rief am 4. Juni 2005 zu einer Demonstration
als gewaltfreien Widerstandsakt gegen die Wiederaufnahme des
Mauerbaus auf. Bewohner der betroffenen Gemeinden werden -
unterstützt von internationalen und israelischen
AktivistInnen - von Marda nach Kifl Hares marschieren und in
diesen Orten jeweils Protestkundgebungen abhalten. In Marda
wurden in nur fünf Tagen bereits über 800 Olivenbäume
abgeschnitten. Heute morgen, 6. Juni 2005 sind die Bauern
von Marda wieder auf seit Sonnenaufgang auf ihren Feldern.
Sie hoffen, die Arbeiter an der Zerstörung ihres
Überlebensgutes, dem Olivenbaum, abhalten zu können.
3) Lokalwahlen in Palästina: In sechs Dörfern in Salfit 13
Frauen gewählt
Am 5. Mai 2005 wurden in 82 Bezirken in der
Westbank und im Gazastreifen Gemeinderatswahlen abgehalten.
Das war Runde zwei der geplanten drei Durchgänge von
Lokalwahlen in Palästina, die von Dezember 2004 bis Ende
2005 stattfinden sollen. Es sind dies die ersten landesweit
durchgeführten Lokalwahlen, die unter der Aufsicht von
palästinensischen Behörden - des Ministry of Local
Government und des Higher Committee for Local Elections -
abgehalten werden. In der Region Salfit wählten sechs
Dörfer ihre Gemeindevertretung: Azzawiya, Bruqin, Deir Balut,
Hares, Marda und Salfit. Unter den 66 gewählten
RepräsentantInnen sind 13 Frauen. Ein schöner Erfolg für die
kandidierenden Frauen, davor gab es in diesen Gremien
insgesamt nur zwei Frauen. Landesweit kamen 172 Frauen
(davor 58) in den Gemeinderat, das sind 18 % der
RepräsentantInnen. Ein neues Gesetz - das eigentlich bereits
davor bestand, aber kaum eingehalten wurde und daher vor
diesen Wahlen verschärft wurde – unterstützte den Wahlerfolg
von Frauen: In allen Gemeinden, wo Frauen kandidieren,
müssen nun zumindest zwei in die Gemeindevertretung gewählt
werden. Reem, erfolgreiche Kandidatin aus Deir Ballut,
erklärt, warum die Präsenz von Frauen in der Politik so
wichtig ist: ”Frauen und Männer haben die gleichen
Fähigkeiten, also sollten sie auch die gleichen Rechte
haben. Frauen kämpfen für die Rechte von Frauen. Viel mehr
als Männer das tun. Aber sie kümmern sich auch
gleichermassen um alle anderen im Ort.” Um Fadi, eine der
zwei gewählten Frauen in Hares, begründet ihre Kandidatur
folgendermassen: “Es ist wichtig, dass die Männer nicht für
alles allein verantwortlich sind. Warum ich kandidiert habe?
Ich übernehme gern Führung und Verantwortung. Ausserdem bin
ich gut im Organisieren und Durchführen von Projekten.” Die
neun neugewählten GemeindevertreterInnen von Hares kamen am
14. Mai zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen und
bestätigten Sheikh Omar neuerlich in seinem Amt als
Bürgermeister des Ortes. Die Lokalwahlen waren
Persönlichkeitswahlen. Eine eventuelle Parteizugehörigkeit
schien auf dem Stimmzettel nicht auf, obwohl von den meisten
KandidatInnen bekannt ist, welcher Gruppierung sie nahe
stehen oder angehören. In Hares präsentierten sich alle als
unbhängige KandidatInnen. Die meisten von ihnen gelten
allerdings als Fatah-nah. In fünf von sechs Gemeinden der
Region Salfit errangen Mitglieder der Fatah die Mehrheit im
Ort. In Marda ist die Gemeindevertretung geteilt in PFLP (Popular
Front for the Liberation of Palestine), Fatah, Hamas und
Unabhängige KandidatInnen. In manchen Gemeinden kam es auch
zu Überraschungen. So sind in Bethlehem nun fünf Parteien im
Gemeinderat vertreten und die Hamas gewann die Mehrheit mit
5 von insgesamt 15 Sitzen. Das ist insofern erstaunlich, da
in Bethlehem fast genau so viele Christen wie Muslime leben
und es anzunehmen ist, dass Christen nicht die Hamas, eine
religiöse Muslim-Partei, gewählt haben. Ein Freund aus dem
Dheisheh Flüchtlingscamp kommentiert das Ergebnis: “Es ist
mir völlig unverständlich, wieso Menschen, obwohl sie nicht
religiös sind, die Hamas wählen.” Dass das Ergebnis eine
Protestwahl gegen die Fatah sein könnte, lässt er nicht
gelten. “Es gibt eine Vielzahl an anderen Parteien, die
besser geeignet sind als die Hamas, wenn ich gegen die Fatah
stimmen möchte.” Voraussichtlich im Herbst werden die
restlichen 206 Gemeinden der West Bank und Gazas ihren
Gemeinderat wählen. Die Nationalratswahlen in Palästina sind
für den 17. Juli angesetzt.
Haus-Artikel Nr. 76
Text: Hannah.
Übersetzt und gekürzt:
Martina,
Datum: 21. Mai 2005
Quelle: Higher Committee for Local
Elections – documents and
conversations
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