o
 

 

Das Palästina Portal

Kostenlos  IST nicht Kostenfrei

Unterstützen Sie
unsere Arbeit

Nach oben
Texte - 29
Texte - 28
Texte - 27
Texte - 26
Texte - 25
Texte - 24
Texte - 23
Texte - 22
Texte - 21
Texte - 20
Texte - 19
Texte - 18
Texte - 17
Texte - 16
Texte 15
Texte 14
Texte 13
Texte 12
Texte 11
Texte 10
Texte 9
Texte 8
Texte 7
Texte 6
Texte 5
Texte 4
Texte 3
Texte 2
Texte 1

 

TEXTE 20

Israel wünscht keinen Frieden
Gideon Levy, 4.7.14


Die Idee der Ablehnung liegt in Israels ursprünglichstem Glauben. Auf der tiefsten Ebene liegt das Konzept, dass dies Land allein für die Juden bestimmt ist.

Israel wünscht keinen Frieden. Ich habe noch nie etwas geschrieben, über das ich glücklicher wäre, wenn mir bewiesen würde, dass ich unrecht hätte. Aber die Beweise häufen sich. In der Tat kann gesagt werden, dass Israel niemals Frieden wünschte – einen gerechten Frieden, d.h. einen Frieden, der sich auf einen gerechten Kompromiss für beide Seiten gründet. Es stimmt, dass der Routine-Gruß auf Hebräisch „Shalom“ ist – „Shalom“ wenn man geht und Shalom, wenn man ankommt. Und fast jeder Israeli wird sagen, er wünsche Frieden, natürlich will er das. Aber er erwähnt nicht, welche Art von Frieden: der Gerechtigkeit mit sich bringt, ohne die es keinen Frieden gibt und so gibt es also auch keinen Frieden. Israelis wünsche Frieden, doch keine Gerechtigkeit, gewiss nicht solche, die sich auf universale Werte gründet. Also, „Frieden, Frieden, wenn es keinen Frieden gibt. Es gibt nicht nur keinen Frieden: in den letzten Jahren entfernte sich Israel sogar von der Hoffnung, Frieden zu machen; es hat total alle Hoffnung aufgegeben. Frieden ist von der israelischen Agenda verschwunden – seinen Platz übernahm die kollektive Angst, die systematisch eingepflanzt wird durch Persönliches, Privates, das jetzt vor allem den Vorrang hat.

Das israelische Verlangen nach Frieden scheint vor etwa zehn Jahren gestorben zu sein, nach dem Scheitern des Camp-David- Gipfels 2000: die Verbreitung der Lüge, dass es keinen palästinensischen Partner für Frieden gibt und natürlich die entsetzlich blutige Periode der zweiten Intifada. Aber die Wahrheit ist, dass Israel sogar vorher nie wirklich Frieden wünschte. Israel hat niemals, nicht eine Minute, die Palästinenser wie Menschen mit gleichen Rechten behandelt. Es hat nie ihr Leiden als verständlich menschliches und nationales Leid gesehen.

Auch das israelische Friedenslager – falls es je so etwas gegeben hat – starb einen langsamen Tod mitten in den gequälten Szenen der zweiten Intifada und der „Keinen-Partner-Lüge. Alles was übrig geblieben ist, sind eine Handvoll Organisationen, die so entschlossen und bestimmt waren, wie sie unwirksam angesichts der Delegitimierungskampagnen waren, die gegen sie organisiert wurden. Deshalb wurde Israel mit seiner zurückweisenden Haltung allein gelassen.

Der einzige und erschütterndste Punkt des Beweises für Israels Zurückweisung von Frieden ist natürlich das Siedungsprojekt. Von Anfang an hat es nie einen zuverlässigeren oder genaueren Litmus-Test für Israels wahre Absichten gegeben als dieses besondere Unternehmen. In klaren Worten: die Siedlungsbauer wünschen die Besatzung zu festigen und diejenigen, die die Besatzung festigen wollen, wollen keinen Frieden. Das ist die ganze Geschichte: kurz und bündig.

Von der Voraussetzung ausgehend, dass Israels Entscheidungen rational sind, ist es unmöglich, den Bau in den (besetzten) Gebieten zu akzeptieren, und dass die Hoffnung auf Frieden bestehen bleibt. Jeder Akt des Bauens in den Siedlungen, jeder Wohnwagen und jeder neue Balkon vermittelt die Zurückweisung. Falls Israel wirklich Frieden durch die Oslo-Verträge zu erlangen gewünscht hätte, hätte es mindestens mit dem Bau der Siedlungen auf eigene Initiative aufhören müssen. Dass dies nicht geschah, beweist, Oslo war ein Betrug oder bestenfalls die Chronik eines vorausgesagten Scheitern. Falls Israel in Taba, in Camp David, in Sharm el-Sheikh, in Washington oder in Jerusalem hätte Frieden machen wollen, dann hätte der erste Schritt das Ende allen Bauens in den Gebieten gewesen sein sollen. Bedingungslos. Ohne die gegen das. Die Tatsache, dass Israel dies nicht tat, ist der Beweis, dass es keinen gerechten Frieden wünscht.

Doch sind die Siedlungen nur ein Prüfstein der israelischen Absichten. Seine Zurückweisung hat viel tiefere Gründe in seinen DNA, seinem Blutstrom seinem raison d’etre, seinem ursprünglichen Glauben. Dort, auf der tiefsten Ebene liegt das Konzept, dass dieses Land allein für Juden bestimmt ist. Dort, auf dem tiefsten Grund ist der Wert von „am sgula“ – Gottes „kostbares Volk“ und „Gott wählte uns aus“. In der Praxis wird dies übersetzt und meint, dass in diesem Land Juden alles erlaubt ist, was andern verboten ist. Das ist der Punkt, von dem alles ausgeht und von da gibt es keinen Weg, um von hier zu einem gerechten Frieden zu kommen. Da gibt es keinen Weg zu einem gerechten Frieden, wenn der Name des Spiels die Entmenschlichung der Palästinenser ist. Kein Weg, um Frieden zu erreichen, wenn die Dämonisierung der Palästinenser täglich in die Köpfe der (isr.) Köpfe gehämmert wird. Jene, die davon überzeugt sind, dass jeder Palästinenser eine verdächtige Person ist und dass jeder Palästinenser „Die Israelis ins Meer werfen will“ werden nie mit den Palästinensern Frieden machen. Die meisten Israelis sind von der Wahrheit beider Darstellungen überzeugt.

Im letzten Jahrzehnt sind die beiden Völker voneinander getrennt worden. Der durchschnittliche junge Israeli wird nie seinen palästinensischen Altersgenossen treffen, es sei denn während seines Armeedienstes (und nur dann, wenn er seinen Dienst in den besetzten Gebieten macht). Noch wird der durchschnittliche junge Palästinenser je einen Israeli seines Alters treffen. Es sei denn den Soldaten, der ihn am Checkpoint stößt und pufft oder seine Wohnung mitten in der Nacht überfällt oder in der Person eines Siedlers, der sich widerrechtlich sein Land aneignet oder seine Ölbäume anzündet.

Folglich gibt es nur Begegnungen zwischen den beiden Völkern zwischen dem Besetzer, der bewaffnet und gewalttätig ist und dem Besetzten, der verzweifelt ist und dann auch zur Gewalt Zuflucht nimmt. Vergangen sind die Tage, als Palästinenser in Israel arbeiteten und Israelis in Palästina einkauften. Vergangen sind die Zeiten, wo es ein paar Jahrzehnte halbnormale Beziehungen zwischen den beiden Völkern gab, die dasselbe Stück Land teilten. Es ist sehr leicht, unter diesen Umständen die beiden Völker gegeneinander aufzuhetzen und anzustacheln, Furcht zu verbreiten und zu neuem Hass aufzuwiegeln, zusätzlich zu dem, der schon besteht. Auch dies ist ein sicheres Rezept für Nicht-Frieden.

So kam es, dass ein neues israelisches Sehnen hochkam: der Wunsch nach Trennung: „Sie werden dort sein und wir werden hier (und auch dort) sein.“ Zu einer Zeit, in der die Mehrheit der Palästinenser noch Koexistenz wünschten, doch immer weniger – eine Beurteilung, die ich mir erlaube, nachdem ich Jahrzehnte über die Gebiete berichtete - die meisten Israelis wünschen Loslösung und Trennung, aber ohne den Preis dafür zu zahlen. Die Vision der Zweistaatenlösung hat weit verbreitete Beachtung gefunden, aber ohne jede Absicht, sie in die Praxis umzusetzen. Die meisten Israelis sind dafür, aber nicht jetzt und vielleicht nicht einmal hier. Sie sind trainiert worden zu glauben, dass es keinen Partner für Frieden gibt – einen palästinensischen Partner; dass es aber einen israelischen Partner gibt.

Leider ist die Wahrheit fast umgekehrt. Die palästinensischen Nicht-Partner haben nicht mehr die Chance zu beweisen, dass sie Partner sind; die israelischen Nicht-Partner sind davon überzeugt, dass sie selbst Gesprächspartner sind. So begann der Prozess, indem Israel Bedingungen, Hindernisse und Schwierigkeiten aufhäufte – einen weiteren Meilenstein in Israels Zurückweisung. Zuerst kam die Forderung eines Endes des Terrorismus; dann die Forderung nach einem Wechsel in der Führung (Yasser Arafat als Hindernis) und danach wurde die Hamas die Hürde. Jetzt ist es die palästinensische Weigerung, Israel als „jüdischen Staat“ anzuerkennen. Israel betrachtet jeden Schritt, den es nimmt – vom Massenarrest politischer Gefangener bis zum Bauen in den Siedlungen – als legitim, wobei jeder palästinensischer Schritt aber einseitig sei.

Das einzige Land auf dem Planet ohne Grenzen ist nicht bereit, wenigstens Kompromissgrenzen zu ziehen, mit denen es zufrieden ist. Israel hat nicht die Tatsache verinnerlicht, dass für die Palästinenser die Grenzen von 1967 die Mutter aller Kompromisse, die rote Linie der Gerechtigkeit (oder relativer Gerechtigkeit ist). Für die Israelis sind es „Selbstmord-Grenzen“. Deshalb ist die Aufrechterhaltung der Status quo, das wahre israelische Ziel der israelischen Politik, fast sein Ein und Alles. Das Problem ist, dass die bestehende Situation nicht immer dauern kann. Historisch waren nur wenige Nationen damit einverstanden, ohne Widerstand unter Besatzung zu leben. Und auch die internationale Gemeinschaft wird eines Tages geneigt sein, eine klare Aussprache über diesen Zustand zu äußern, begleitet von Strafmaßnahmen. Das israelische Ziel ist unrealistisch.

Von der Realität abgeschnitten, verfolgt die Mehrheit der Israelis ihren regelmäßigen Lebensweg. In ihren Augen ist die Welt immer gegen sie, und die Besatzungsgebiete vor ihrer Tür sind jenseits ihres Interesses. Jeder, der es wagt, die Besatzungspolitik zu kritisieren, wird als Antisemit gebrantmarkt. Jeder Akt des Widerstandes wird als existentielle Bedrohung angesehen. Die ganze internationale Opposition gegenüber der Besatzung wird als Delegitimität Israels angesehen und als eine Provokation für die bloße Existenz des Landes. Die sieben Milliarden Menschen der Welt – von denen die meisten gegen die Besatzung sind – haben unrecht und die sechs Millionen israelischen Juden, von denen die meisten die Besatzung unterstützen, haben recht. Das ist die Realität in den Augen des durchschnittlichen Israeli.

Füge dem die Unterdrückung, die Unterschlagung und die Verworrenheit hinzu, und du hast eine andere Erklärung für die Zurückweisung. Warum sollte jemand für Frieden kämpfen, solange das Leben in Israel gut ist, Ruhe vorherrscht und die Realität verborgen bleibt. Der einzige Weg, die Leute an den belagerten Gazastreifen zu erinnern, sind die von dort abgefeuerten Raketen, und die Westbank kommt nur – wie in diesen Tagen – wenn Blut fließt, auf die Agenda. Der Gesichtspunkt der internationalen Gemeinschaft ist ähnlich: wenn sie versucht, die Boykotts und Sanktionen in Betracht zu ziehen …

Dies ist dann das trübe Bild. Es enthält keinen einzigen Hoffnungsstrahl. Der Wandel wird nicht von alleine kommen, nicht mitten aus der israelischen Gesellschaft, solange sich diese Gesellschaft weiter so benimmt. Die Palästinenser haben auch mehr als einen Fehler gemacht, aber ihre Fehler sind marginal. Grundsätzliche Gerechtigkeit ist auf ihrer Seite und grundsätzliche Ablehnung ist Israels Ressort. Die Israelis wollen die Besatzung – das Land - nicht Frieden.
Ich hoffe nur, dass ich nicht Recht habe.
(dt. und geringfügig gekürzt: Ellen Rohlfs)
 

Gazas Sommer;  Abwässer  am Strand und Berge von verdorbenem Abfall

 Nidal al-Mugrabi, 30.6.14


Wenn Palästinenser im Gazastreifen etwas Erholung vom täglichen Trott suchen und zwar in einer Enklave, die von einem Konflikt   und von Elend geplagt wird, gehen sie gewöhnlich nicht  weiter als zu ihren Sandstränden. Aber in diesem Sommer wird  der Zugang zum kühlenden Wasser des Mittelmeers  für die 1,8Mill Bewohner nach und nach wegen Verschmutzung geschlossen werden. Es gibt kein Benzin, um  die Maschinen  zur Behandlung/ Reinigung des Wassers in Gang zu setzen. Die verdorbene Küstenlinie fügt dem mühsamen Leben in Gaza, das durch den Versöhnungspakt    ( die islamistische Gruppe Hamas und der vom Westen unterstützte Präsident Abbas) keine Veränderung erlebte, nun auch noch dies hinzu,.

 Ein Hamas-Angestellter stellte die Rücknahme des Gebietes zu Debatte, falls die von Abbas geleitete   neue Regierung nicht  schnell mit Medikamenten kommt.

Baha-al Agha von der Gaza-Umweltbehörde sagte  etwa 100 000 Kubikmeter unbehandeltes Wasser werden täglich ins Meer gespült.

„Schwimmen ist verboten“ steht  an mehreren Stränden auf Schildern. Aber an einem von Gazas  beliebtesten Strand tummeln sich trotz der Warnungsschilder am Wochenende  Dutzende im Wasser, einschließlich Kinder.

Es wird von Tag zu Tag schlimmer, wenn es nicht bald wirkliche und schnelle Lösungen gibt“, sagt Agha zu Reuters. Er ruft die palästinensische Einheitsregierung auf, die Anfang Juni gebildet wurde, sofort zu handeln, bevor Gazas Strände zu einem Katastrophengebiet erklärt werden muss.“

Ägyptens Schließung der meisten  von Hamas geführten  etwa 1200  Schmuggeltunnel sind geschlossen. Da kommt auch kein billiges Benzin mehr durch.

Ägyptens vom Militär gestützte Regierung fürchtet, dass die Tunnel dazu benützt werden, um Waffen auf die Sinai-Halbinsel zu schmuggeln und klagt Hamas an, die ägyptische Muslimbruderschaft zu unterstützen. Hamas leugnet es, Militanten in Ägypten zu helfen.

Israel hat seine eigene Blockade über Gaza gelegt und genehmigt Brennstoff nur in eingeschränkten Mengen auch andere Importe, seitdem Hamas 2007 die Kontrolle übernahm. Aber der Brennstoff aus Israel kostet doppelt so viel wie ägyptische Importe.

 

Die Abfälle häufen sich

Gazas Bewohner sagten, sie hätten wenig  zum Feiern, wenn am Sonntag der muslimische Monat Ramadan zur traditionellen Zeit mit einem Gottesdienst beginnt; und Familien am Abend feiern wollen, wenn das Fasten aufhört.

Müll und Abfälle türmen sich an den Straßen mit etwa 75% nicht fahrender Müllwagen, weil die Gaza-Stadtverwaltung nicht in der Lage ist, den hohen Preis für das Benzin zu bezahlen.

„Die Tunnel sind geschlossen, Straßenkreuzungen sind geschlossen, es gibt keinen Seehafen und nun erzählen sie uns, dass der Strand geschlossen wird. Würde es nicht besser sein, wenn sie uns in Frieden sterben ließen?“ fragt Ali Abu Hassan, ein 46-jährigerTaxifahrer.

Auf Gazas Küstenstraße kommt uns der scharfe Gestank der Abwässer in die Nase und das Wasser, das an den Strand gespült wird, ist gelblich und braun.

Viele im Gazastreifen bekommen die schlechte Lage  eines Lohndisputes zu spüren, der die Stabilität der neuen Hamas-Abbas-Einheitsregierung testen könnte. Etwa  40 000 öffentliche Seit 2007 von Hamas Angestellte, die auch loyal gegenüber Abbas  sind , sind seit  sieben Jahren monatelang wegen  eines Bargeldkraches  nicht voll bezahlt worden, nachdem die  Tunnel durch Ägypten zerstört worden sind.

Die Hoffnung unter der neuen  Einheitsregierung  schnell den Lohn zu empfangen,  wurde zunichte gemacht, als die neue Verwaltung sagte, die  Beschäftigten müssten erst untersucht werden, bevor sie bezahlt werden – ein Prozess, der Monate dauern könnte.

Von Hamas angestellte Arbeiter, die am Donnerstag einen Tag streikten, sind besonders verärgert, dass Abbas‘ palästinensische Autonomiebehörde  seine in Gaza lebenden Mitarbeiter regelmäßig bezahlt hat, .obwohl sie sich  seit 2007 nicht zum Dienst gemeldet hätten.

Moussa Abu Marzouk, ein ranghoher Hamas-Angestellter, klagte die  palästinensische Behörde an, nur in der von Israel besetzten Westbank für Ordnung zu sorgen, wo Abbas säkulare Fatah-Partei die Macht hat.

„Ich fürchte, dass Hamas eingeladen werden kann, zurück zu kehren, um die Sicherheit und die Stabilität des Volkes in Gaza aufrecht zu erhalten,“ schrieb er in Facebook.“ „Gaza  steht weder unter der Verantwortung  der früheren Regierung noch unter der Einheitsregierung. Bedeutet das, sie (PA) haben das  Versöhnungsabkommen zerrissen?“

(dt. Ellen Rohlfs)  http://alray.ps/en/index.php?act=post&id=4911  ALRAY – Palestinian Media Agency


Die Welt ist krank von Israel und seinem Wahnsinn
Gideon Levy,    Verkürzte Form

Was für eine grausame  Welt. Drei Yeshivastudenten sind entführt worden und die Welt ist nicht daran interessiert ….

Die drei Mütter nehmen den ganzen Weg nach Genf auf sich. Eine von ihnen war zum ersten Mal im Ausland. Sie gehen zum UN –Menschenrechtsrat. Aber die Welt und der Rat gingen ihrer Wege. Es ist eine Ironie des Schicksals. Vor etwa  zwei Jahren hat Israel offiziell seine Zusammenarbeit  mit dem UN-Rat gekündigt, zusammen mit den Marschallinseln, Palau und den USA. Es war gegen die Einrichtung. Aber jetzt in  seiner Verzweiflung und der Verzweiflung der Mütter wendet es sich an den Rat, der auf Israel nicht gut zu sprechen ist , denn er hat mit Israel mehr zu tun, als mit jedem anderen Land. Auf einmal braucht Israel die Welt. Es braucht sogar  die UN, die auf einmal nicht mehr eine „wertlose Körperschaft“ ist, wie Ministerpräsident Ben Gurion sie einmal nannte.

Es ist schon eine  beträchtliche Unverschämtheit nötig, von der Welt zu verlangen, dass sie sich um drei entführte Israelis kümmert und eine beträchtliche Frechheit, enttäuscht zu sein, dass sie sich gleichgültig verhält. Selbstverständlich versucht Israel Himmel und Erde zu bewegen, und sein Botschafter/Propagandist gab eine bewegende Rede  und bemühte sich  bei der UN, um etwas mehr öffentliche diplomatische Punkte gegen die Hamas zu organisieren. Aber als sie Aufmerksamkeit  zeigte, war diese bizarre Welt mehr an der Kampagne kollektiver Bestrafung interessiert, die nach dem Kidnapping  über Tausende von Westbankbewohner verhängt wurde.

Das ist die Art und Weise, wie die Welt ganz gegen uns ist. Sie ist mehr an der fast ein halbes Jahrhundert dauernden Besatzung interessiert.  Und regt sich mehr über das Schicksal von 3Milionen Palästinensern auf als über das Schicksal der drei Israelis. Die Welt hat keinen Mangel an gekidnappten Opfern, aber von ihnen erhielt  keiner so viel Aufmerksamkeit wie der entführte Gilad Shalit.  Mit den drei augenblicklich gekidnappten Opfern jedoch hat Israel keine Chance mehr. Während der letzten beiden Wochen – die ich in Schweden verbrachte – hörte ich in den Medien  keine einzige Erwähnung von der Entführung. Nicht eine.

Es sieht schlecht aus. Die Welt hat keinen Grund, mehr am Schicksal von Naftali Fraenkel, Eyal  Yifra und Gilad Shaar interessiert zu sein, als am Schicksal von Mohammed Dudin, einem 15Jährigen, der von israelischen Soldaten letzten Freitag mit  gezielten Schuss getötet wurde.

Die Welt ist in einem fürchterlichen Zustand, sagen sie. Im Irak, Nigeria, Syrien und sogar in der Ukraine sei die Situation viel grausamer. Doch das  komplette Nicht-Interesse an den entführten Israelis kommt nicht allein davon. Es ist unmöglich, von der Welt Sympathie zu verlangen, wenn Israel die Entscheidungen der Welt ignoriert; es ist unmöglich, eine Aktion von Israel zu verlangen, wenn die Besatzung auf ewig weitergeht, und es ist unmöglich, Solidarität mit dem Schicksal von Israels Opfer zu verlangen, wenn dieses selbe schikanierte Israel weiter tötet, verletzt und Unschuldige  routinemäßig verhaftet.

Jetzt entdeckt Israel, dass es nicht länger das Zentrum der Aufmerksamkeit ist, wie es dies vorher war,, und dass das Schicksal der drei  gekidnappten Opfer die Welt nicht länger den Atem anhalten lassen wird, nicht einmal die USA.

 Die Welt hat Israel  und seinen Wahnsinn satt. Leider hat die Welt auch das Interesse an dem verloren, was hier geschieht.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

Israelis können es versuchen -  aber sie können die Besatzung nicht ignorieren
Gideon Levy, 15.6.14

Die Entführung der drei Yeshiva-Studenten in der Westbank am Donnerstag war im Voraus bestellt – durch Israel. Im Augenblick, wo ich dies schreibe, am Samstag,  weiß man noch nichts von ihrem Schicksal und ihrem Wohlergehen, aber alle andern Probleme  sind mit ihrem Verschwinden verbunden. Aber egal was  am Ende los ist, ob sie gesund nach Hause kommen oder nicht-  Gott bewahre -  ob die verantwortliche Partei  als die globale Jihad herauskommt oder eine lokale Art,  der Kontext kann nicht übersehen werden.

Vielleicht wird Israels oh-so-raffinierte Spionage-Agentur  von der Operation überrascht, aber es konnte für niemanden eine wirkliche Überraschung sein .

Jene die stur die Entlassung palästinensischer Gefangener verweigern, einige von ihnen sind seit Jahrzehnten, seit vor dem Oslo-Abkommen 1993, hinter Gittern, auch solche, denen Israel versprochen hat, sie frei zu lassen; jene die Verhaftete  ohne Gerichtsurteil jahrelang ins Gefängnis bringen; jene die den Hungerstreik von 125 „Administrativhäftlingen“ ignorieren, von denen einige im Krankenhaus sterben; jene die beabsichtigen, sie mit Gewalt  zu ernähren und jene die planen, drastische Gesetze vorzulegen, die ihre Entlassung verbieten. Diese Leute können nicht vorgeben,  von den Entführungen überrascht gewesen zu sein. Sie arrangierten dies im voraus.

Israel, das sich solche Sorgen über das Wohlbefinden eines jeden seiner Bürger macht,  hat jahrelang arrogant die palästinensische Sorge um das Wohlergehen ihrer Gefangenen  ignoriert.

Israel hat das Copyright, wenn es sich um die Sorge um sein Volk  handelt, wie es dies auch  mit der Verehrung der Helden des Nationalkampfes tut. Meir Har-Zion  (ein Gründungsmitglied der Einheit 101, die 1953 einen Vergeltungsschlag gegen einen Beduinenstamm durchführte, nachdem seine Schwester und andere getötet worden waren, während sie einen illegalen Trip nach Petra machten, war ein Nationalheld; Ahmad Saadat ( der Generalsekret der Popular Front für die Befreiung Palästinas, PFL) ist ein niederträchtiger Mörder.

Gilad Shalit gehörte uns allen, aber das Schicksal von Walid Daka, der mehr als 30 Jahre im Gefängnis saß, für das Verbrechen  zu einer militanten Zelle der  PFL zu gehören, die einen israelischen Soldaten tötete) ohne einen einzigen Tag Urlaub oder  den Besuch seiner Frau – das interessiert hier keinen.

Keiner kümmert sich hier um die Tausenden von palästinensischen Gefangenen.  Die Israelis waren letzte Woche viel mehr an Meir Sheetritts Haushälterin  interessiert als an den 125  Hungerstreikenden, die so langsam nach 53 Tagen zu Tode sterben.

Unter den Tausenden von palästinensischen Gefangenen sind ein paar Mörder, aber vor allem politische Gefangene – und alle von ihnen  werden als Helden des palästinensischen Nationalkampfes gesehen. Es ist dasselbe wie in jedem Nationalkampf. Hinter ihnen steht eine ganze Gesellschaft, die nicht weniger über ihr Schicksal  besorgt sind, als Israelis für ihre geliebten Angehörigen

Indem Israel den Friedensprozess tötet, schließt es auch die Gefängnistore und die israelische Botschaft an die Palästinenser war rasierklingenscharf. Der einzige Weg dass eure drei Söhne  befreit werden, geschieht durch eine gewalttätige Operation. Donnerstagabend wurden die Schlussfolgerungen gezogen. Aber der Kontext der Entführungen weit über Gefangenenentlassungen hinaus.

Der Vorhang  hat sich über den Friedensprozess gesenkt, so erfolglos dieser Prozess auch gewesen sein mag und mit ihm  die letzte palästinensische Hoffnung  für nationale Freiheit durch Verhandlungen. Das Leben in Israel und in den Westbank-Siedlungen ist wieder zurück auf Kurs, ein Leben der Freiheit und  Bewältigung, Wirklichkeit, Shows und Zirkusse – ganz unberührt von der Besatzung.

Dasselbe  kann  von den Palästinensern nicht gesagt werden. Sie haben nichts davon und für sie ist jedes Hinausschieben einer Lösung des Konfliktes nur  eine Verlängerung ihres Leidens, ihrer Demütigung und ihrer Sorgen.

Jeder, der dachte, die Palästinenser würden still sitzen und warten, bis Israel geruht, seinen Ton zu verändern oder die Regierung in die Irre geführt wurde- Jeder, der dachte, die Siedler würden weiter ein Leben in den besetzten Gebieten in Sicherheit leben, hat eine große Enttäuschung. Erlebt.

Die Entführung am Donnerstag war nur ein Weckruf,  eine Kostprobe von dem, was vor uns liegt.  Der einzige noch offene Weg  für die Palästinenser, die Israelis an ihre Existenz und ihr Leid zu erinnern, ist der gewalttätige Kampf. Alle andern Wege sind blockiert. Wenn vom Gazastreifen keine Qassam-Raketen  nach Israel gefeuert werden, existiert der Gazastreifen nicht. Und  wenn in der Westbank keine Jeshiva-Studenten entführt werden, dann verschwindet die Westbank aus dem  Bewusstsein der Israelis.

Entführungen oder Morde sind  nur dafür da,  Israels unerträglicher Selbstzufriedenheit einen Stich zu versetzen, denn diese hat eine neue  unvorstellbare  Höhe erreicht.

Sehen wir uns doch nur den Unsinn an, der Israels Aufmerksamkeit auf sich zieht.  Die erschreckende  Mahnung, die uns erreichte, ist nur der Nachspann für das, was wir noch erwarten können, wenn wir weiter leben zwischen Benjamin Ben Eliezers Bankschließfach und dem Kuss von Ahi und Anna in der israelischen Version von „Big Brother“.  Das ist die  lästige/ärgerliche Natur der Besatzung.  Sir wird hinter uns her sein, auch wenn wir unsere Köpfe  noch tiefer in den Sand stecken.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Richard Falk: Effektive Mobilisierung der globalen Zivilgesellschaft verӓndert das Krӓfteverhӓltnis zwischen Israel und den Palӓstinensern - In einem Interview mit Frank Barat, dem Organisator des Russell - Tribunals über Palӓstina, sagt Richard Falk, der Sonderberichterstatter der UN für Palӓstina von 2008 bis 2014, dass die israelische Politik den Palӓstinensern sogar das Recht verweigert, überhaupt Rechte zu haben.

[...]Frank Barat: Welche Rolle kann das Völkerrecht wirklich wahrnehmen, um weltweit Frieden und Gerechtigkeit zu bringen? Einige Palästinenser finden es eher lachhaft, wenn man ihnen sagt, dass das Völkerrecht auf ihrer Seite ist, weil ihrer Meinung nach das Völkerrecht für ihr Schicksal verantwortlich ist.

Richard Falk: Diese Frage ist so komplex, dass hier keine umfassende Antwort gegeben werden kann. Ich habe keine Zweifel daran, dass im Fall der ungelösten Kernfragen, ob es die Siedlungen sind, der Status von Jerusalem, die Grenzen, das Recht auf Ressourcen und Land oder das Recht der Flüchtlinge, das internationale Recht eindeutig auf der Seite der Palästinenser ist, wenn es angemessen verstanden und angewandt wird. Eine solche Interpretation der Wichtigkeit des internationalen Rechtes wurde wiederholt durch die Hauptorgane der UN empfohlen und aufrechterhalten, besonders durch die Generalversammlung. Dies wurde auch zum grossen Teil vom Internationalen Gerichtshof in seinem Rechtsgutachten zur Trennmauer im Jahr 2004 bestärkt.

Gleichzeitig ist es verständlich, dass die Palästinenser den Glauben daran verloren haben. Das Völkerrecht und die Gremien der UN sind auf ihrer Seite, aber ihre Situation verschlechtert sich ständig. Die Israelis werden für ihre Verbrechen nicht bestraft. So hat es den Anschein, dass das internationale Recht und die Gremien der UN zwar auf ihrer Seite sind, dies aber quasi als Deckmantel für das ungesetzliche Verhalten dient und tatsächlich zu ihrem Nachteil ist. Diese Unstimmigkeit hat zu diesem Eindruck geführt.

Es wird vergessen – und darüber habe ich mir in letzter Zeit viele Gedanken gemacht- dass sich die Taktiken in der derzeitigen Phase des palästinensischen Befreiungskampfes und der nationalen Bewegung verlagert haben, von der primären Ausrichtung auf den bewaffneten Kampf zum Beginn einer weltweiten Kampagne, um die israelische Besatzung und die generelle Sichtweise des Konfliktes zu diskreditieren. Anders formuliert hat eine effektive Mobilisierung der globalen Zivilgesellschaft in den vergangenen Jahren stattgefunden, und dazu gehören die Sitzungen des Russell -Tribunals.

Dies gehört zu einem Prozess, den ich die „Durchführung eines Kampfes um die Legitimität“ nenne. Diese Perspektive gibt dem Völkerrecht eine sehr wichtige Rolle, weil es auf der Ebene der Menschen und Gesellschaften überzeugt und mit der Zeit das Verhalten beeinflusst. Diese Sichtweise hilft bei der Mobilisierung der Menschen für die Einsicht, dass die Palästinenser tatsächlich die Opfer ungerechter Massnahmen und ungerechter Strukturen sind.

Wenn man sich den historischen Trend seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ansieht, dann hat sich im allgemeinen die Seite in einem Konflikt politisch durchgesetzt, die den Kampf um die Legitimität gewinnt. Allerdings nicht, ohne teuer dafür zu bezahlen, in Menschenleben und massiver Zerstörung. Aber wie ein Krieg nach dem anderen zeigt und wie Auseinandersetzungen zwischen Regimen und Gesellschaften zeigen, setzte sich nicht die militärisch stärkere Seite durch, sondern die Seite mit den besseren Soft Power- Instrumenten der Konfliktlösung.

Alle Kriege gegen den Kolonialismus, die Befreiung der osteuropäischen Gesellschaften von den Regimen unter der Vorherrschaft der Sowjetunion, die Kampagne gegen das Apartheidsystem in Südafrika sind Beispiele eines solchen Trendes, wie auch die Befreiung Indiens von der britischen Kolonialmacht; diese Konflikte wurden alle von der Seite gewonnen, die aus der Perspektive einer realistischen „harten“ Macht eindeutig schwächer waren.

Man muss fragen, wie es dazu kommt. Zum einen kann die Seite sich durchsetzen, die eine Vorreiterrolle im rechtlichen und moralischen Diskurs erringt und das Kräfteverhältnis auf eine Weise verändert, die am Ende des Konfliktes sehr effektiv ist und zu Resultaten führt, die nicht erwartet wurden und nicht leicht zu erklären sind.

Die Afghanen haben ein Sprichwort: „ Ihr habt die Uhren und wir haben die Zeit.“ Diese Unterscheidung zwischen der Technologie und den Menschen, die unbegrenzte Zeit zur Verfügung haben, ist erhellend. Dass Menschen die Fähigkeit haben, das eigene Land zu befreien, repräsentiert ein entscheidendes Merkmal der politischen Atmosphäre zur Zeit der Entkolonialisierung und des Postkolonialismus.

Eine solche Realität existierte während der Kolonialzeit nicht, als ein kleines Quantum an militärischer Vorherrschaft in politische Kontrolle umgesetzt werden konnte. Die nationale Mobilisierung von Gesellschaften und das Bewusstsein der Macht der Bevölkerung änderte, wie man das Gleichgewicht der Kräfte sah. Zusätzlich würde ich sagen, dass People Power zum Teil dadurch mobilisiert wird, weil das Völkerrecht, die Autorität der UN und internationale moralische Werte eine Basis für die ausgleichende Soft Power werden.

Israel hat Teile von Palästina seit mehr als 65 Jahren besetzt. Können wir das heute immer noch im rechtlichen Sinne als eine Besatzung bezeichnen? Und wenn nicht, wie sollten wir es bezeichnen?
Das ist eine wichtige Frage. Ich habe in meiner Rolle als UN-Sonderrapporteur argumentiert, dass jede Besatzung, die länger als fünf Jahre dauert, eine andere Phase des Verhältnisses zwischen der besetzenden Macht und den Besetzten beginnt und dass wir einen anderen rechtlichen Rahmen brauchen, um eine solche Realität anzusprechen.

Die Genfer Konventionen wurden implizit für kurzfristige Besetzungen verfasst, Umstände, die bis zu fünf Jahren oder kürzer andauern. Im Bezug auf die israelische Besatzung ist es zunehmend irreführend, wenn man die Sprache der Besatzung benutzt. Man beschreibt die Situation sicherlich besser, wenn man von einer schleichenden Annexierung oder einer Politik der permanenten Besatzung spricht. Eine solchermassen veränderte Sprache weist daraufhin, dass Israel nicht zum Abzug aus dem Territorium bereit ist oder Resepkt für den Charakter der Gesellschaft zeigen will, so wie sie existierte, als sie zuerst besetzt wurde.

Das ganze Phӓnomen der Siedlungen steht im dramatischen Widerspruch zu der Idee, dass dies eine zeitweilige Situation ist oder dass Israel je den vollen Abzug plant und die UN-Resolution 242 erfüllt, die 1967 verabschiedet wurde und zum vollstӓndigen Abzug aufrief und Israel und die Welt daran erinnerte, dass die Unzulӓssigkeit der Gebietserwerbung durch Krieg oder den Einsatz von Gewalt einer der grundlegenden Prinzipien der UN-Charta ist.

Die Nichtumsetzung der Resolution 242 ist ein Zeichen des Versagens der Vereinten Nationen in der Unfӓhigkeit, Verpflichtungen zu erfüllen, die von der UN selbst als ein Kernelement einer gerechten und friedlichen Welt erklӓrt wurden.
Ihr Vorgӓnger John Dugard war Mitglied eines Teams, das 2009 einen Bericht schrieb, in dem die Situation in der Westbank "Apartheid" genannt wurde. Was halten Sie von diesem Konzept, das in verschiedenen Kampagnen in der Welt zunehmend benutzt wird?

Ich glaube, dass "Apartheid" eine bessere Beschreibung der gegenwӓrtigen Situation abgibt als jede andere. Jedes System der Unterdrückung eines Volkes hat seine spezifischen Merkmale. Die Menschen, die die Berufung auf das Konzept der Apartheid kritisieren, sagen oft, dass es nicht das Apartheidsystem ist, das in Südafrika existierte, nicht auf der Rasse basiert, dass es Unterschiede gibt. Aber wenn man genauer hinsieht, bemerkt man, dass es in bestimmter Hinsicht schlimmer ist als das Apartheidsystem in Südafrika. Zum Beispiel hat Südafrika nie Strassen ausschliesslich für Siedler gebaut. Sie haben nie eine solch umfassende Struktur der Diskriminierung geschaffen wie in der Westbank. Die duale Struktur der Rechtsprechung zeigt eine Form der Dominierung auf der Basis der ethnischen Herkunft., die den Palӓstinensern Rechte entzieht, wӓhrend es den illegalen israelischen Siedlern Bürgerrechte im ganzen Spektrum gibt, wie sie im israelischen Rechtssystem für jüdische Staatsbürger formuliert wurden. Auf der einen Seite haben Palӓstinenser noch nicht einmal das Recht auf Rechte, und die Israelis, die in den besetzten Territorien auf einer Weise prӓsent sind, die vom Internationalen Gerichtshof beinahe einstimmig als unrechtmӓssig beurteilt wurde, haben diesen vollen rechtlichen Schutz nach der Rechtsprechung die in Israel für jüdische Israelis gilt. [...]

Richard Falk ist ein emeritierter Professor für Vӧlkerrecht an der Universitӓt Princeton. Er war der Sonderberichterstatter der UN für Menschenrechte in den besetzten palӓstinensischen Territorien von 2008 bis 2014. Richard Falk warnte in seiner Rolle als Sonderrapporteur, dass Israels Politik auf eine ethnische Sӓuberung der Palӓstinenser in den besetzten Gebieten ziele, vor allem in Ost-Jerusalem, das die Hauptstadt des palӓstinensischen Staates sein soll. Er wies wiederholt daraufhin, dass Israel den sogenannten Friedensprozess zynisch ausnutzt, um das israelische Siedlungsprogram in der Westbank auszudehnen. Im Mai wurde der indonesische Diplomat Makarim Wibisono der Nachfolger von Falk.

Frank Barat, ein Menschenrechtsaktivist aus London, koordinierte das Russell Tribunal on Palestine und arbeitet für die Kampagne zur Freilassung von Marwan Barghouthi und allen palӓstinensischen Gefangenen.

Auszug aus:Richard Falk: 'Palestinians do not even have the right to have rights', Interview mit Frank Barat für "The Wall has Ears: Conversations for Palestine." 13. Dezember 2013 http://richardfalk.wordpress.com/2014/01/15/interview-on-palestine/ (Übersetzt und leicht gekürzt v. M. Lauer)
https://www.facebook.com/russelltribunal
https://www.facebook.com/fmaapp
 

Welche“Zerstӧrung von Israel”?
John V. Whitbeck

Als die israelische Regierung in Reaktion auf den sich anbahnenden palӓstinensischen Versӧhnungspakt die "Verhandlungen" mit der Palӓstinensischen Befreiungsorganisation (PLO- Palestine Liberation Organization) am 24. April aussetzte (fünf Tage bevor sie ohnehin abgeschlossen werden sollten), gab das Amt des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu eine Stellungnahme heraus, die behauptete: "Anstatt den Frieden zu wӓhlen ist Abu Mazen [der palӓstinensische Prӓsident Mahmoud Abbas] eine Allianz mit einer mӧrderischen  Terroristenorganisation eingegangen, die zur Zerstӧrung von Israel aufruft."

In einer Reihe von Medienauftritten sprach Netanyahu wiederholt von der "Zerst
ӧrung Israels", um so Palӓstina für das vorhersehbare Scheitern der letzten Runde des anscheinend ewig andauernden "Friedensprozesses"verantwortlich zu machen.

Zunehmend weiss man, dass das Wort "Terrorist" so subjektiv ist, dass es keine feste Bedeutung hat. Es wird von Regierungen oft missbraucht und von Leuten, die [diesen Begriff] auf ihnen verhasste Menschen und Sachverhalte verwenden, um ihre Gegner  zu verteufeln, und die so rationale Gedankeng
ӓnge und Diskussionen vermeiden und oft ihr eigenes illegales und unmoralisches Verhalten entschuldigen.
Netanyahus Behauptung, dass Hamas "zur Zerst
ӧrung Israels" aufrufe, sollte deshalb auch sachlich analysiert werden.
Er ist in dieser Hinsicht nicht der Alleinschuldige. Die Massenmedien im Westen fügen regelm
ӓssig den Ausdruck "der Zerstӧrung von Israel verpflichtet" an, sobald von Hamas gesprochen wird, beinahe so, als wӓre das ein Teil des Namens von Hamas.
Aber was bedeutet "die Zerst
ӧrung von Israel" im wirklichen Leben? Das Land? Die Menschen? Das ethno-religiӧse-rassistische Regime?
Zweifellos wünschen sich beinahe alle Pal
ӓstinenser, wie wohl jede Gruppe mit einer Geschichte der Kolonisierung, dass die fremden Kolonisten nie in ihrer Heimat aufgetaucht wӓren, um sie ethnisch zu sӓubern und um ihnen das Land wegzunehmen. Und es gibt ohne Zweifel auch Menschen, die nachts schlaflos davon phantasieren, dass sie die Uhr zurückdrehen oder die Geschichte ӓndern kӧnnten
Im wirklichen Leben ist Hamas weit von einer Position entfernt, wo sie das Land Israel im Mittelmeer versenken und die Bev
ӧlkerung auslӧschen kann oder sogar das israelische Regime dazu zwingen kann, sich in einen wirklich demokratischen Staat zu verwandeln, der die gleichen Rechte und die gleiche Würde für alle dort Lebenden aufrechterhӓlt. Es ist wahrscheinlich die letzt genannte Bedrohung - der gefürchtete "binationale" Staat- die Netanyahu im Kopf hat, wenn er von der "Zerstӧrung Israels" spricht.
Für Propagandazwecke h
ӧrt sich "Zerstӧrung" weniger vernünftig und erstrebenswert an als "Demokratie", selbst wenn man von der gleichen Sache spricht.
Im wirklichen Leben hat Hamas vor langer Zeit klargestellt, dass sie keinen Widerspruch dagegen einlegt, wenn die PLO versucht, eine Zweistaatenübereinkunft mit Israel zu erreichen, trotz des eigenen Standpunktes, dass fortgesetzte Verhandlungen im Rahmen des"Friedensprozesses" unter dem Monopol der USA zweckloss und eine Zeitverschwendung sind. Allerdings wird ein Abkommen von Hamas nur unter der Voraussetzung akzeptiert und respektiert, dass es dem pal
ӓstinensischen Volk als Referendum vorgelegt wird und die Zustimmung erhӓlt.

Im wirklichen Leben steht die Vision von Hamas (wie die von Fatah) von einer friedlichen Koexistens in Israel/Palӓstina dem "internationalen Konsensus" viel nӓher - wie ein permanenter Frieden aussehen sollte- und auch dem Vӧlkerrecht und den relevanten Unoresolutionen- als die israelische Vision. Es ist sehr schwierig, die israelische Vision überhaupt wahrzunehmen, weil keine israelische Regierung es für richtig hielt, ӧffentlich darzulegen, welche Vision überhaupt existiert jenseits der endlosen Aufrechterhaltung und Verwaltung des Status Quo.
W
ӓhrend sich die Visionen von Fatah und Hamas in den letzten Jahren einander angenӓhert haben, wurde Hamas Pochen auf den israelischen Rückzug vom gesamten Territorium des palӓstinensischen Staates - was durchaus mit dem Vӧlkerrrecht und den relevanten Unoresolutionen übereinstimmt- zum hauptsӓchlichen Meinungsunterschied. Dieser Staat [Pӓstina] wurd in der Resolution der Generalversammlung der Uno vom 29. November 2012 definiert und der Status des palӓstinensischen Staates als "der seit 1967 besetzten palӓstinensischen Territorien"anerkannt, unter dem wichtigen Einschluss des bestimmten Artikels "der", der bei [der Formulierung] "Rückzug aus Territorien" in der wohl zweideutigen Resolution 242 des Sicherheitsrates der Uno fehlt. Im Vergleich dazu ist die Fatah flexibler und ist willens, einen einvernehmlichen Austausch von Land in gleichem Wert und gleicher Grӧsse in Betracht zu ziehen. 
Nach dem Sieg in den letzten pal
ӓstinensischen Wahlen und nach sieben Jahren Regierungsverantwortung für Gaza in ausserordentlich schwierigen Umstӓnden ist Hamas eine relativ "moderate" Establishmentpartei geworden. [Hamas] hat für die Eindӓmmung der radikaleren Gruppen gekӓmpft, um sie vom Abfeuern von Raketen in den Süden Israels abzuhalten, einer kontraproduktiven symbolischen Geste, die von israelischen Regierungen ӧffentlich verurteilt, aber im Geheimen willkommen geheissen wird als Beweis der palӓstinensischen Aggressivitӓt, die ihre eigene Unnachgiebigkeit rechtfertigen soll(und oft als Reaktion auf ihre eigene, tӧdlichere Gewalt provoziert wird).  
Netanyahus Mantra von der "Zerst
ӧrung Israels" ist nicht ernstzunehmen, weder von westlichen Regierungen noch von intelligenten Menschen. Es wird hӧchste Zeit, dass die etablierten Medien des Westens aufhӧren, gedankenlose -und wirklich zerstӧrende- Propaganda zu recyceln und ihre Berichterstattung der Realitӓt anpassen und es ist hӧchste Zeit für westliche Regierungen, die Dӓmonisierung von Hamas zu beenden, die ein Vorwand für den Mangel an konstruktiver Aktion zur Beendigung einer brutalen, seit beinahe 47 Jahren andauernde Besatzung dient.

John V. Whitbeck ist ein international anerkannter Anwalt und Berater des palӓstinensischen Verhandlungsteams; er schreibt regelmäßig in zahlreichen internationalen Medien; sein letztes Buch ist „The World According to Whitbeck“.

John V. Whitbeck, What "Destruction of Israel"?, 30. April 2014, Information Clearing House; http://www.informationclearinghouse.info/article38373.htm  (Übersetzt v. M. Lauer)   Siehe auch: John V. Whitbeck, "Über Israels Recht auf Existenz", übersetzt v. Fritz Edlinger;

European Coordination of Committees and Associations for Palestine - 29.04.2014
Erklärung von ECCP

Nach der Ankündigung der israelischen Regierung, die "Friedensgespräche" mit den Palästinensern als Reaktion auf das von Fatah und Hamas unterzeichnete Versöhnungsabkommen auszusetzen, ruft die European Coordination of Committees and Associations for Palestine die EU auf, effektive Schritte zu unternehmen gegen die israelischen Verletzungen des Völkerrechts, die fortgesetzte Enteignung palästinensischen Bodens und den fortschreitenden Siedlungsbau, der sich in den neun Monaten Verhandlungen unter der Schirmherrschaft von US-Außenminister John Kerry exponentiell ausgeweitet hat. 

Mit der Aussetzung der Gespräche wegen der Einbeziehung der Hamas beweist Israel, dass es weder jemals einen legitimierten Partner noch einen wahren Frieden gesucht hat. Jeder gerechte und dauerhafte Frieden mit Israel wird auf einem Friedensabkommen mit einer vereinten und demokratischen palästinensischen Regierung basieren müssen.

Daher unterstützt ECCP den gegenwärtigen Versuch der palästinensischen politischen Parteien zur Vereinigung.

Israel hat nicht nur verweigert, das Abkommen über die Freilassung der letzten Gruppe palästinensischer Gefangener einzuhalten, die mehr als 20 Jahre – seit vor dem Osloabkommen – inhaftiert sind, es hat auch 700 neue Wohneinheiten in Siedlungen in Ost-Jerusalem angekündigt. Dass Israel es nicht ernst meint, zeigt sich außerdem in der Zerstörung EU-finanzierter Projekte für Palästinenser auf palästinensischem Territorium, wofür die EU es sogar versäumt hat Schadensersatz zu verlangen.

Die EU und internationale Organisationen müssen ihre Rolle zur Beendigung der israelischen Besetzung Palästinas übernehmen und für das Völkerrecht stehen, ebenso für die Achtung des Rechtes der palästinensischen Bürger Israels auf volle Gleichberechtigung und des Rückkehrrechts palästinensischer Flüchtlinge. Da sich Israel weigert, auch den minimalen Forderungen nachzukommen, die in der letzten Runde der "Verhandlungen" vereinbart wurden, hat die PLO ihr Recht wahr genommen internationalen Verträgen bei der UNO beizutreten.

Die EU muss alle derzeitigen und zukünftigen palästinensischen Initiativen zu einem Betritt zu UN-Agenturen und internationalen Verträgen unterstützen – beginnend mit der Vierten Genfer Konvention zum Schutz von Zivilisten – und muss vermeiden, zu den israelischen Verletzungen des Völkerrechts beizutragen.

Da sich Israel unwillig gezeigt hat, den Siedlungsbau zu stoppen und die zahlreichen Verletzungen des Völkerrechts zu beenden – sogar zeitweilig, um guten Willen während der Verhandlungen zu zeigen - , muss die EU zu ihrer Verpflichtung stehen, ihre Beziehungen zu Israel auf der Basis von "Menschenrechten und demokratischen Prinzipien" zu ordnen, wie es in Artikel 2 des EU-Israel-Association Agreement bestimmt ist. Zahlreiche Berichte von EU und UNO sind zu dem Schluß gekommen, dass Israel sich nicht an die grundlegenden Prinzipien der universellen Menschenrechte und des Völkerrechts hält.

Die Politik der EU, enge Beziehungen zu Israel zu halten, um es dazu zu bringen,  die Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts zu beenden und redlich (in gutem Glauben) zu verhandeln, ist eindeutig gescheitert.    

Mehrere Monate lang hat sich die EU darauf konzentriert, die Initiative von Kerry zu unterstützen. Mit der Ankündigung Israels, die "Friedensgespräche" zu beenden, und dem entsprechenden Rückzug der USA, sieht sich die EU jetzt ihrer historischen Verantwortung in diesem Konflikt gegenüber. Die EU muss jetzt weitergehen als bloß rethorische Erklärungen abzugeben. Trotz des jahrelang wiederholten Rituals ist mit Ausnahme der Richtlinien von Juli 2013 keine der Erklärungen der EU von entsprechenden Schritten begleitet worden. Solange die EU finanzielle und andere Unterstützung für öffentliche und private israelische Körperschaften bereit stellt, die internationales Recht und Menschenrechte der Palästinenser verletzen, kann es keine positive und erfolgreiche Rolle zum Erreichen eines gerechten und dauerhaften Friedens zwischen Israel und dem palästinensischen Volk spielen.

Tatsächlich sendet die fortgesetzte Anwendung des EU-Israel Association Agreements zusammen mit den de-facto Aufwertungen, die in den letzten Jahren geschehen sind, Israel die klare Botschaft, dass von ihm nicht die gleichen Standards verlangt werden wie von anderen Ländern, die die Menschenrechte verletzen. Wenn in den EU-Israel-Bezieungen der status quo beibehalten wird, wird das Israel nur als grünes Licht dienen, weiterhin straflos zu agieren.

Deshalb ruft ECCP die EU auf, ihr Assoziationsabkommen mit Israel auszusetzen.

Zusätzlich muss die EU ihre Richtlinien mit einer Warnung an Unternehmen in Bezug auf deren Verwicklung in israelische Siedlungen sowie in Bezug auf die Etikettierung von Siedlungsprodukten versehen, was ursprünglich für Ende 2013 angekündigt wurde, dann aber bis nach den "Friedensgesprächen" zurückgestellt worden ist. Das soll nach unserer Ansicht den Weg für das Verbot von Produkten aus israelischen Siedlungen in allen EU-Mitgliedsstaaten ebnen.

Bisher hat es die EU unterlassen die Richtlinien zu veröffentlichen und als Grund dafür angegeben, sie wolle eine Störung der Initiative von Kerry vermeiden.  Aus Sicht der gegenwärtigen Situation gibt es jetzt keinen Vorwand mehr ihre Veröffentlichung zu unterlassen.

2004 hat der Internationale Gerichtshof entschieden, dass die israelische Mauer und die Siedlungen illegal sind, und dass Staaten die rechtliche Verpflichtung haben, Israel zur Rechenschaft zu ziehen und zu Israels Verletzungen des Völkerrechts keine Anerkennung, Hilfe oder Beihilfe zu gewähren.

Als die EU im Juli 2013 die Richtlinien herausgab, in denen israelische Körperschaften und Projekte im besetzten palästinensischen Territorium von der Teilnahme an EU-Programmen und dem Erhalt von Zuschüssen der EU ausgeschlossen werden, hat sie diese Verpflichtung akzeptiert und danach gehandelt.

Zehn Jahre nach der Entscheidung des IGH muss dieser Grundsatz jetzt voll umgesetzt werden. Die EU muss über Israel ein militärisches Embargo verhängen, jeglichen Handel mit den illegalen israelischen Siedlungen stoppen und sicherstellen, dass europäische Unternehmen nicht zu den israelischen Völkerrechtsverletzungen beitragen. Gleichzeitig muss, wie bereits gesagt, die Warnung an Unternehmen sofort bekannt gemacht und das Assoziations-Abkommen ausgesetzt werden, bis Israel sich an das Völkerrecht hält.
 

Anhang:

Seit die "Friedensgespräche " zwischen Israel und Palästina unter Vermittlung der USA im August 2013 wieder aufgenommen wurden,

 

                   hat Israel den Bau von 14.000 neuen Wohneinheiten in den illegalen israelischen Siedlungen angekündigt

                   3226 neue Wohneinheiten allein in Ost-Jerusalem angekündigt

                   wurden 61 Palästinenser von israelischen Streitkräften getötet

                   wurden 1751 Palästinenser von israelischen Streitkräften verwundet

                   gab es 660 Gewalttaten von Siedlern gegen Palästinenser

                   wurden 508 palästinensische Gebäude zerstört

                   wurden 899 Palästinenser wurden vertrieben

                   wurden 3300 Palästinenser verhaftet.

   

Anmerkungen:

 

1.                 Die European Coordination of Committees and Associations for Palestine (ECCP) ist ein Netzwerk von 48 Komitees, Organisationen, NGOs und internationalen Solidaritätsbewegungen aus 20 EU-Staaten, die sich dem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit für das palästinensische Volk widmen.

2.                Mehr über die Zerstörung EU-finanzierter Projekte ist zu finden unter: http://www.eccpalestine.org/israel-demolish-eu-funded-projects-in-the-e1-corridor-in-the-westbank/

3.                Mehr über UN-Körperschaften und Verträge, die Palästina unterzeichnet hat unter: http://nad-plo.org/userfiles/file/fact%20sheetsQ&A_Accession.pdf

4.                Mehr über Israels Rechtsbrüche seit Beginn des US-geführten "Friedensprozesses": http://www.nadplo.org/userfiles/file/fact%20sheets/Update%20of%Israeli%20Violations%20since%20the%20Resumption%20of%20Negotiations%20March%202016'  

 

Übersetzung: K. Nebauer

Israels Puppenspielkrieg   nimmt  dem Apartheidregime  die Maske - Palestine Monitor, 14.4.14. - Das  el-Hakawati-Theater war  für sein jährliches Internationales Puppen-Theater-Festival farbenprächtig geschmückt, als eine Verbotsorder von den israelischen Behörden  die freudige Erwartung der palästinensischen Kinder, die in Ostjerusalem leben, zunichtemachte. Nun geben Plakate bekannt, dass das Theater   vom 22.-30.Juni geschlossen ist  und ersetzten die festlichen Dekorationen.

Der Puppenkrieg wurde vom  israelischen Minister für Sicherheit Yitzhak Aharonovitch bestimmt, der ein Fest für Kinder in ein Sicherheitsproblem verwandelt. Offiziell wurde die Order wegen eines israelischen Verbotes gegeben: die palästinensische Behörde darf dies nicht finanzieren und  Versammlungen dürfen ohne Erlaubnis der Regierung nicht abgehalten werden. Der Theaterdirektor Mohamed Halayiqa wurde vom Shin Bet zitiert und gefragt, wo das Geld herkommt. Halayiqa  verneinte eine Beteiligung der palästinensischen Behörde in jeder Weise. Trotzdem hat die israelische Polizei die Schließung gerechtfertigt.

Das Festival, das bereits seine neunzehnte Saison hatte erwartete eine große Anzahl internationaler Künstler und Theatergruppen. Halayiqa sagte, die Theaterschließung sei skandalös und behauptete, dass die Palestinian Culture-Foundation von palästinensischen  Geschäftsleuten und europäischen Spendern unterstützt wird.

Die Streichung des Puppenfestivals  lässt die Frage  nach Israels demokratischen Prinzipien hochkommen. Der Minister für Sicherheit sagt, er sei nicht gegen palästinensische kulturelle und künstlerische Veranstaltungen, solange sie sich an das israelische Gesetz halten. Jedoch wenn die PA kulturelle Aktivitäten  für Palästinenser (in Ostjerusalem) sponsert, ist es verboten.  Das Ergebnis ist ein System, in dem sichKultur  nach der Ethnie  richtet.

Nach einer Untersuchung  der Vereinigung für zivile Rechte in Israel leben 78% der Palästinenser in Jerusalem und 84% der Kinder unter der Armutsgrenze. Israel vernachlässigt die  Grundrechte  der palästinensischen Bevölkerung,  einschließlich des Zuganges zu Bildung und zum professionellem Training. Solche Praxis lässt schwer  glauben, dass irgendwelche Anstrengungen von der Regierung gemacht werden, kulturelle Veranstaltungen zu liefern, selbst wenn sie  den israelischen Regeln entsprechen.

So  harmlos ein Puppenspiel sein mag, die israelischen Behörden sahen die palästinensische Kunst als nationalen Widerstand, der in Schach gehalten werden muss. Die israelischen Behörden sahen anscheinend  vor der Stornierung nicht  die Plakate für die festliche Veranstaltung, indem sie darauf hindeuteten, dass die Theaterschließung nicht auf Grund  eines nicht akzeptablen Inhalts befohlen wurde. Es scheint, dass jede Gelegenheit, die die Palästinenser bereichert als potentielle Bedrohung des israelischen Systems angesehen wird, die sich auf den Ausschluss und die Trennung der einen Gruppe gründet.

Unter denen, die gegen die Streichung des Festivals protestierten, sind die Puppenspieler der israelischen Fernsehserie „Sesamstreet“. Ariel Doron, der der israelischen Puppe Elmo seine Stimme leiht und Yousef Sweid, der der arabischen Puppe  Mahboob seine Stimme gibt, haben  mit der Puppets4all- Facebookseite, in der israelisches Fernsehen und  Schauspieler  und Protestler rund um die Welt eine Kampagne begonnen  und Bilder mit Puppen und Slogans postiert haben wie zum Beispiel: „Kultur ist kein Sicherheitsproblem“.

Die Facebookseite liefert den Link zu einer Petition, die besagt: „Jedes Kind hat das Recht, sich an einem Marionettenspiel zu erfreuen“. Ein kurzes Video. „der Puppenkrieg“ wurde von Doron geschaffen, um die Petition zu begleiten. Im Video wird  Israel  als aufblasbarer, blau-weißer  Hahn dargestellt, der  ängstliche  und um Hilfe schreiende Pupen jagt. Ariel Doron ist davon überzeugt, dass jedes Kind ein Recht auf Kultur hat. In einem Interview mit Haaretz drückt er  seine Ungläubigkeit aus in Bezug auf die Maßnahmen seiner eigenen Regierung. Es ist für mich kaum zu glauben, dass sie palästinensische Kinder davon abhalten, eine Puppenschau zu sehen. Es sieht lächerlich, grausam, traurig und vollkommen unnötig und auch heuchlerisch aus. Wenn ein israelischer Künstlerim Ausland ein Festival erwartet und boykottiert wird, weil er aus einem israelischen Fond bezahlt wird, spricht Israel dagegen und nun sagt es( Israel) dasselbe.
(dt. Ellen Rohlfs 
http://www.palestinemonitor.org/details.php?id=7vlkxna463yzh2qrhtmv

Israels Wasserwunder, das keines war

Ein Verbrechen  bei klarer Sicht verheimlichen: zweierlei Funktionen von Israels Wasserindustrie
Charlotte Silver, San Franzisco 1.4.14

Israel hat kein Wasserproblem, weil es das Wasser den Palästinensern wegnimmt. Es war zunächst eindrucksvoll: lange Strecken von scheinbar trockenen braunen Hügeln und unterbrochen von  üppigen fruchtbaren, Farmen, in denen Orangen, Datteln und Wassermelonen wachsen, die zuerst im südlichen Israel in der Mitte des 20 Jahrhunderts  erschienen. Nicht wie die auffälligen falschen Seen, sprudelnde Quellen von Las Vegas  plätschert mitten in der Mojave-Wüste. Diese landwirtschaftliche Produktion war nicht gedacht, Dekadenz zu signalisieren;  eher war es ein Testament von Israels umsichtiger Landwirtschaft , Intelligenz und  Sachverstand, das nicht nur die Region bereichert , sondern auch die Präsenz von Israel  legitimiert und die Vertreibung der Palästinenser.

Israel  schreibt seiner Anwendung von  Entsalzungsanlagen und Tropfbewässerung   der Möglichkeit zu, dass die Wüste nun blüht – das ikonenartige Bild, das  seit langen die Vorstellung verstärkt, dass das Land des historischen Palästina  ein trockenes war, während  Israels Weltzuschauer  beeindruckt sind von  der Zauberei des jungen Landes mit Wasser.

Weniger Aufmerksamkeit wird dem Knesset-Report von 2002 gegeben: fast vier Jahrzehnte nachdem Israels nationaler Wasserkanal begann,  das Jordanwasser zu Israels Citrus-Obsthainen in die Negev-Region umzuleiten. Der Bericht schließt damit,  dass  die fortdauernde Wasserkrise: ein vertrocknender Jordan und  ein schrumpfendes Totes Meer – in erster Linie menschengemacht sind.

Im Dezember 2011 berichtete Ben Ehrenreich  von den nicht wieder gut machenden Kosten solch landwirtschaftlicher Fülle. Sie erfordert die Hälfte von Israels Wasser, während  sie für das GDP* nur 3% davon benötigt. Trotzdem war die Extravaganz für  von der Kommission  für notwendig gehalten, die  festlegte, es wäre ein „zionistisch-strategisch-politischer Wert, der über die wirtschaftliche  Zuteilung geht.“

Aber da gibt es noch ein anderes Motiv hinter dem Angebot des Mythos von ewiger Wasserknappheit in Palästina. Wenn man behauptet, dass man Trinkwasser aus nichts  bereitet, hat man schon erfolgreich  seinen Diebstahl  von etwas  verschleiert.

Tatsächlich haben die Palästinenser historisch nicht  den Wunsch nach Wasser gehabt. Aber die Charakterisierung  Palästinas als ein Land mit großen Sorgen hat – wie Clemens Messeschmid 2011 schrieb, eine „naturalisierte Wasserkrise, wie die Palästinenser sie tagtäglich erleben. Gaza, das  augenblicklich  von einer Wasserquelle lebt, die zu 95 % nicht trinkbares Wasser ist, war einst eine Oase für Reisende, die von Damaskus kamen und nach Kairo reisten.  Diese Geschichte – und andere -  sind wichtig zu beachten vor allem mitten in dem kürzlich begeisterten  Lärm über Israels wundersamen Wasserüberschuss, der einen Schimmer Hoffnung auf Frieden  und Zusammenarbeit verspricht. Es ist aber in Wahrheit ein hilfreiches Verdecken seines  anhaltenden Diebstahls und Ausbeuterei.

Die Mythologie erlebt zur Zeit eine Renaissance

Zu Beginn dieses Monatsstattete Netanjahu einen Besuch in Kalifornien ab, das in diesem Jahr den niedrigsten regenstand hatte, um mit dem Gouverneur Jerry Brown einen Pakt zu schließen, der  in etwa eine Zusammenarbeit bei zukünftigen Projekten verspricht, speziell was die Wasserkonservierung und Produktion betreffen.

Den nervösen Kaliforniern gegenüber  gab Netanjahu an: „Israel hat kein Wasserproblem!“ Zweifellos erwartete er mit diesem Wunder  seine Zuhörerschaft zu blenden, bevor er mit den Tugenden seines Landes kam mit Erneuerung und Industrie.

Die Darstellung war eine phantastische Schau von Anmaßung und Verlogenheit mit Blick auf die Tatsache, das Netanjahus Land seit langem den Palästinensern das Wasser stiehlt.

Der Besuch- und die Botschaft, die er mit sich brachte, ist nur die letzte des PR-Tricks, die „blau-waschen“ nennt. Israel hat kein „Wasserproblem“ weil es das Wasser der Palästinenser stiehlt.

Der Dieb

Das israelische Militär beherrscht  seit 1967 und 1974alle Wasserquellen in der Westbank und in Gaza. Ursprünglich durch militärische Eroberung  gewonnen, wurde die Kontrolle  nachträglich durch die Oslo-Abkommen bestätigt …

Ein kurzer Überblick über die staatliche Herrschaft der Wasserressourcen zeigt, dass Israel den Jordan  in den SeeGenezareth umleitet, wie es Jordanien, Syrien und der Libanon tun- un zwar auf ihr Land. Der Spiegel des  Toten Meeres sinkt deshalb ständig

 

 

Prof. Walid Khalidi: Netanyahu ist der gefährlichste politische Führer in der heutigen Welt
26. März 2014 von Haitham Sabbah

 „Palästina und Palästina-Studien, ein Jahrhundert seit dem ersten Weltkrieg und der Balfour Deklaration.“

 Bibi weiß, er wird Obama politisch ausgrenzen. In Israel, einmal ein PM, immer ein PM. Bibi weiß, er kann Obama in dem Kongress überlisten. Er hat dort mehr Parteienunterstützung als der Inhaber des Präsidentenoffice.

Bibi wird niemals Jerusalem teilen. Fortgesetzte Besetzung und Siedlung, während die Schlinge um Ostjerusalem immer enger wird, ein sicheres Rezept für eine apokalyptische Katastrophe  für die Heiligen Stätten in der Altstadt.   

 By Haitham Sabbah Sabbah Report 

 
Dieser Vortrag des palästinensischen Historikers, Prof. Walid Khalidi, Institut für palästinensische Studien, Beirut, war betitelt: „Palästina und palästinensische Studien, ein Jahrhundert nach dem ersten Weltkrieg und der Balfour-Erklärung“. Er fand am 6. März 2014 im Zentrum für palästinensische Studien, SOAS, Universität von London statt.

In diesem Vortrag teilte Prof. Walid Khalidi seine Ansichten und seine Meinung über Zionismus und die derzeitige Situation des Palästina/Israel-Konfliktes (mit seinen Zuhörern).

Hier sind einige Auszüge aus seinem Vortrag:

Für Bibi ist die USA genauso sein Heimatboden wie Israel. Er kannte das Land, seitdem er sieben Jahre alt war: Grundschule, Gymnasium, MIT, eine Bostoner Konsulting Firma. In dieser Zeit verbesserte er einen Philadelphia-Akzent und meisterte seine Baseball-Vokabeln. Zumindest drei von seinen Onkeln waren in die USA emigriert, wo sie Stahl- und Zinn-Typhoons wurden.

Nach Israels Invasion in den Libanon im Jahre 1982 sandte dann Yitzak Shamir, Außenminister, Bibi als Attaché zur Botschaft nach Washington, um Israels Image wieder herzustellen.

Bibi war ein sofortiger Erfolg: allgegenwärtig, wortgewandt in den Medien, vergöttert von den größten jüdischen Organisationen. Als Botschafter bei der UN von 1984 bis 1988 festigte er seine Berühmtheit bei der pro-israelischen Öffentlichkeit in den USA.

Im Jahre 1991 machte Shamir, zu der Zeit Premierminister, Bibi zum stellvertretenden Minister, um  weiter seinen politischen „Himalaya-Appetit zu füttern“. 1993 war Bibi  Likudvorsitzender, 1996 Premierminister.

Eine größere Quelle für Einblicke in die Beziehung zwischen Washington und Tel Aviv sind die Memoiren und Autobiografien der sukzessiven Präsidenten und Staatssekretäre. Der Platz, der dem arabisch-israelischen Konflikt in diesen Schriften gewidmet ist, ist in den letzten paar Jahrzehnten gewachsen. Seltsamerweise gab es bislang keinen ernsthafter Versuch, diese Information mit  anderen Quellen abzugleichen –  einer anderen Feldstudie für palästinensische Center.

Seit seiner Zeit bei der Botschaft in Washington hatte er in verschiedenen Funktionen mit fünf Regierungen zu tun. Er betrachtet die amerikanische politische Arena als berechtigterweise offen für ihn. Er glaubt, dass seine Schriften über Terrorismus Präsident Reagan überzeugte, die amerikanische Politik zu ändern, bzw. die Art, wie er sie zu handhaben hat.

Er prahlte damit, dass er erfolgreich den Kongress beeinflusst habe, Versuche des Staatssekretärs, Baker, in einen Dialog mit der PLO einzutreten, abzuwürgen. Er erklärte: „Alles, was ich tat, war, ihn mit Hilfe von ein wenig diplomatischem Druck zu einer Strategieänderung zu zwingen. So lautet die Spielregel...“

Im Jahre 1996, bei seinem ersten Besuch als Premierminister in den USA, wandte sich Bibi an den Kongress und erntete (jack-in-box?) parteiübergreifende stürmische Ovationen. Ein Typhoon-Onkel, den er zu der Sitzung eingeladen hatte, sagte zu einer amerikanischen Zeitung, er glaube, sein Neffe könne Bob Dole und Bill Clinton in einem „Rennen“ um die Präsidentschaft schlagen.

Präsident Clinton beschwerte sich, dass, wenn Bibi zu Besuch ins Weiße Haus käme, „der Evangelist Jerry Falwell draußen steht und die Menschenmengen aktiviert..., und den Widerstand der israelischen Regierung gegen den schrittweisen Rückzug aus den Besetzten Gebieten lobt.“

Clinton beschwerte sich auch:... „dass Likudagenten in den USA den Republikanern beitraten, um Misstrauen gegen die Diplomatie im Nahen Osten zu schüren.“

Clinton glaubte, dass Bibi „im Grunde genommen von dem Friedensprozess zurückschreckte“. Seine bevorzugte Taktik war, „zu blockieren“ und „zu verschleppen“ ,und wenn er herausgefordert wurde, würde er schreien: „Eine nationale Beleidigung.“

Nun zu Barak Obama. Bibi, der  im Jahre 1949 geboren wurde, ist 12 Jahre älter. Im Jahre 2003, als sich Obama zur Wahl für den Senat stellte, war Bibi bereits UN-Botschafter, Führer der Likud, Premierminister, Außenminister gewesen und war dann der amtierende Finanzminister.

Wahrscheinlich erschien Obama erst nach seiner Rede vor dem nationalen demokratischen Konvent auf Bibis politischem Radarschirm. Von wo auf Erden kam dieser Kerl und mit welchem Zweitnamen?? Es ist verlockend, zu spekulieren, dass Bibi fühlte, dass Obama in sein eigenes  (Bibis) Terrain eindrang. 

Es bleibt keine Zeit, auf die verschiedenen Runden des Obama-Bibi Ringkampfes einzugehen – das Einfrieren der Siedlungen, die iranischen Nuklearbestrebungen, die 1967-Grenzen, die Anerkennung durch die UN, das Hamas-Fatah-Abkommen. Einige Beobachter glauben, dass Bibi Obama gedemütigt habe. Ich meine, sie  sind beim „Einstand“.

Sehr geehrte Damen und Herren, in den letzten 100 Jahren nach 1914 trug der Zionismus auf seinem Rücken zuerst die „Pax Israeliana, dann di Pax Amerikana, um einen Pax Israelitica auf Kosten des palästinensischen Volkes zu errichten. Wie lange kann sie noch auf seiner Weigerung bestehen,  sich ernsthaft damit zu befassen, was es den Palästinensern angetan hat?

Meine Intuition ist, dass Bibi in Kerrys Rahmenvorschläge einwilligt, aber nur mit der Absicht, zu blockieren. Er glaubt, er käme so davon. Er sieht in sich selbst mehr als den Premierminister von Israel. 2010 und 2012 klassifizierte die Jerusalem Post ihn an erster Stelle auf der Liste der einflussreichsten Juden der Welt.

Für Bibi fließt der Atlantik durch „Groß-Israel“. Bibi weiß, dass er Obama politisch überlebt. In Israel (gilt), einmal Premierminister, immer Premierminister. Obama muss in weniger als 3 Jahren gehen. Inzwischen weiß Bibi, dass er Obama im Kongress überflügeln kann. Er hat mit Sicherheit mehr parteiübergreifende Unterstützung als der Inhaber des Präsidentenamtes.

Alle anderen Protagonisten sind zu einer friedlichen Lösung bereit. Kerry ist die Stimme seines Herrn und Obamas Verständnis des palästinensischen Problems übersteigt bei weitem das all seiner Vorgänger.

Abbas Engagement für den Frieden ist echt. In seinem Alter würde Frieden die krönende Errungenschaft seiner Lebenszeit sein. Die Golf-Dynastien lechzen nach einer Lösung. Sie wollen sich auf den wahren Feind konzentrieren: das pan-islamische, anti-monarchische Teheran.

Bibi wird niemals Jerusalem teilen. Die fortgesetzte Besetzung und die Siedlungen, während sich die Schlinge um Ostjerusalem  immer mehr zusammenzieht, ist früher oder später ein sicheres Rezept für eine apokalyptische Katastrophe aufgrund der muslimischen Heiligen Stätten in der Altstadt. Mit der anhaltenden Zunahme an religiösen fundamentalistischem Zelotismus auf beiden Seiten wird der Weg nach Armageddon von Jerusalem ausgehen.

 Deshalb, sehr geehrte Damen und Herren, ist Benjamin Ben Zion Ben Nathan Netanyahu der gefährlichste politische Führer in der Welt von heute.

 

Aus dem Englischen übersetzt von Inga Gelsdorf

Ein offener Brief an Soldat X, der einen 14Jährigen erschossen hat
Amira Hass,  23. 3. 15

Du hast behauptet, du hättest einen Palästinenser erschossen, wie er den Grenzzaum sabotiert habe. Du bist nicht nur Richter und Ankläger, sondern auch noch Vollstrecker der Todesstrafe und Zeuge.

An den Soldaten X des ArmeeCorps  vom 77. Bataillon , der am letzten Mittwoch einen Jungen mit Namen Yusef Abu Aker Shawamreh  erschossen und getötet hat.

Wenn Du mit deiner Familie Freitagabend beim  Shabatessen gesessen hast, hast du ihnen  erzählt, dass du es warst – und bist von Vater und Mutter gelobt worden? Oder hast du schweigend  deinen Reis mit Steak gegessen? Oder fragten deine Kommandeure, wie die tödliche Kugel, die du abgeschossen hast, genau Yusefs Hüfte traf. Hast du auf seine Füße gezielt und das Ziel verfehlt? Hast du in die Luft geschossen und verfehlt? Haben deine Kommandeure  beschlossen, du solltest einen  Wiederholungskurs übers Schießen machen?

Hast du nach Yusufs Tod gut schlafen können? Oder bist du davon überzeugt, dass du als guter und loyaler Soldat dem Befehl gefolgt hast und dass Yusef, der am 15. 12. 1999 geboren wurde und gerade 14 Jahre alt war, als du ihn erschossen hast? Dass man ihm die Schuld geben müsse? Ist dir klar, dass du ein Verbrechen  begangen hast oder brauchst du ein paar Jahre, bis dir das klar ist?

Deine dir vorgesetzten-Offiziere  (bis zum Kommandeur) sind eine verlorene Sache. Sie essen ihr Steak mit Appetit, selbst wenn ihre Befehl das Leben eines Jungen  nehmen, dessen einziges Verbrechen war, Disteln zu sammeln und deren Stacheln zu entfernen (Auf Arabisch: akub) um seine Familie mit zu ernähren. (Ich aß dieses Distelgemüse einmal in Madaba, Jordanien ER). Jetzt ist die Zeit für dieses Blattgemüse, dessen Stacheln entfernt werden. Es wird nach einem traditionellen Rezept gemacht, das von einer Generation der nächsten weitergegeben wird. Arme Familien bekommen 5 Schekel dafür, weniger als einen halben Dollar für jedes Kilo, das die Kinder wie Yusef  von den Feldern ernten.

Ihr ward Dienstagnacht, gegenüber dem Dorf Deir al-Asal al Fauka,, das 1967 erobert wurde, in einem Hinterhalt stationiert. Ihr ward nicht weit vom  Moshav, der den Evakuierten aus dem Gazastreifen zugewiesen wurde.

Euer Hinterhalt war am südöstlichen Ende der Lachish-Region, dort wo die palästinensischen Dörfer  Qubayba und Dawayima, Umm el-Shaqf und andere lagen, die wir aber zerstört haben. die Bewohner wurden 1948 vertrieben, und ihre Nachkommen leben heute in Flüchtlingslagern bei Bethlehem. Der 12jährige Zahi und der 17Jährige Muntaser, die ihr verhaftet habt, sagten, Du hättest schwarz getragen und eure Gesichter seien maskiert gewesen. Nur eure Augen seien sichtbar gewesen.

Landbesitzer von ihrem Land trennen

Wart ihr und eure Freunde in diesem Hinterhalt stationiert, weil euer Kommando-Offizier genau wusste, dass dort im Zaun ein großes Loch  war, das sicher an mehreren Tagen gemacht wurde. In dieser Gegend stimmt der Trennungszaun mehr oder weniger mit der Grünen Linie zusammen. Aber es ist zweifelhaft, dass euer Kommandeur sich die Mühe machte, euch das zu erzählen. In Deir al Asal wendet sich die Grenze nach Osten und  schneidet wertvolles Land von seinen Besitzern ab.

So ist die Situation: Es gibt dort eine Trennungsbarriere und eine Sicherheitsstraße, die parallel verlaufen. Westlich dieser Sicherheitsstraße läuft eine Böschung mit einem Stacheldrahtzaun. Deir al-Asals Land liegt zwischen  der Sicherheitsstraße  und dem Böschungsstacheldraht.

Zu diesem Land liefen die Kinde– 2km  von ihrem Haus entfernt. Armut und das Bedürfnis  zu leben war stärker als das Gefühl der Gefahr. Um halb sieben verließen sie die Wohnungen. Um 7 Uhr wurden im Dorf Schüsse gehört. Bei vollem Tageslicht. Ihr seid 50 bis 70Meter von den Kindern entfernt gewesen und du  fingst an zu schießen.

Nach einem Offiziellen im IDF-Sprecherbüro hast  du behauptet, du habest auf einen Palästinenser geschossen, weil er am Trennungszaun Sabotage getrieben habe. Du bist also nicht nur  Richter, Ankläger und Scharfrichter, sondern auch Zeuge.

Zahi und Muntaser erzählten Musa Abu Hashhash  von der Menschenrechtsgruppe B’tselem, dass sie durch das Loch im Zaun gingen und keinen Soldaten gesehen hätten. Sie überquerten sie Sicherheitsstraße und hörten Schüsse. Sie hörten nicht, dass jemand „Stop“ gerufen hätte – natürlich behauptet ihr alle, ihr hättet euch genau an die Vorschriften gehalten,  um einen Verdächtigen zu verhaften (Zuerst rufen, dann schießen. So sagte der IDF-Sprecher vom Büro  - wie üblich.)

Du hast geschossen. Yusef begann zu rennen, als seine Freunde zu Boden fielen.  Du hast weiter geschossen und nun fiel auch Yusef zu Boden, wie seine Freunde dachten. Sie wussten nicht. Dass er gefallen ist, weil er getroffen wurde. Dann krochen sie ganz nah zu ihm,  da flüsterte Yusef zu Muntaser“ hilf mir auf!“ und  dann sagte er nichts mehr.

Handschellen und Augenbinden

Und dann kamt ihr sechs, zwei von Euch griffen den Jungen und den Teenager. Natürlich leugnet ihr alles, aber sie sagen, du habest sie getroffen, ihre Hände hinter dem Rücken  gefesselt und  auf dem Boden liegen gelassen. Sie sagten auch, dass drei von euch – und ihr werdet das bestimmt nicht leugnen – Yusef erste Hilfe geleistet habt.

Danach habt ihr ihnen die Augen verbunden. Ihr seid gegangen und andere Soldaten kamen. Sie nahmen die Handfesseln und Augenbinden ab und begannen, ihnen auf Hebräisch Fragen zu stellen. Inzwischen kam ein Militärambulanzwagen und nahm Yusef mit.

Die Jungs wurden zu einem Militärposten  in einer Siedlung mitgenommen. Die Jungs sagten, sie seien auch dort geschlagen worden. Bis dahin hat keiner mit ihnen  arabisch gesprochen.

Zwei Soldatinnen kamen mit einem Telefon und drehten den Lautsprecher an. Irgendjemand fragte sie auf Arabisch und übersetzte, die Frauen machten sich Notizen. Von dort wurden die Jungen zur Polizeistation in Kiryat Arba  gebracht, kurz ausgefragt und entlassen – 12 Stunden nachdem sie  zur Distelernte nach draußen  gegangen waren

Da stimmt doch bei den Befehlen etwas nicht, die ihr – die Soldaten im Hinterhalt auf der Westbank - erhalten  und denen ihr gehorcht habt. Ein seltenes Urteil fand Stabsoffizier M.M. des Heimatfront-Kommandos schuldig: er habe Uday Darawish getötet, einen Arbeiter, der die Grenze überschritten hat, um in Israel nach Arbeit zu suchen, zitiert die Schießbefehle, die an der Trennungsgrenze befolgt werden müssen.

Einerseits bedeuten diese Befehle, wenn ein Eindringling verdächtigt wird, ein gefährliches Verbrechen  begehen zu wollen, dann ist es erlaubt, dieses Verfahren anzuwenden. Den Verdächtigen zu verhaften, wenn er sich in der Nähe des Grenzzauns aufhält,  und sich mit ihm zu beschäftigen.

Andrerseits  heißt es auch: Kein Schuss muss abgefeuert werden, er muss auch nicht verhaftet werden, weder bei Tag noch bei Nacht, falls es sich um eine unschuldige Person handelt, die für keinen unserer Soldaten eine Gefahr darstellt.“

Danke  dieser widersprüchlichen Befehle kannst du behaupten, dass du dich gefährdet gefühlt hast – und das Volk von Israel wird sich mit dir  freuen, da du ja das Volk Israel bist.

Amira Hass

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 An open letter to Naftali Bennett
Unlike you, and most Israelis, water is not something I take for granted. It is a daily existential struggle.
By Nasser Nawajah | Feb. 18, 2014 | 1:50 AM
 
 
ACTIVITY
ECOMMENDATIONS
Dear Minister Bennett:
My name is Nasser Nawajah. Although we have never met, I am sure that you have visited very close to my home. My neighbors from the settlement of Susya are very fond of you. In the last election, 270 of the 381 voters from the settlement of Susya voted for you and your party.
I understood from your response to the speech of European Parliament President Martin Schulz that you find dealing with the issue of water — or, more precisely, the water shortage among the Palestinians living in the West Bank — to be something of a nuisance. You may be surprised to hear that unlike you and most Israelis, water is not something I take for granted. Instead, it is a daily existential struggle. It is no theoretical matter; it is my family’s life. The war of statistics has already begun, but I want to tell you about myself and my village.
I live in the village of Susya, which is located between the settlement of Susya and the archaeological site that you have named “the ancient Hebrew city.” That “ancient city” was my home. In 1986, when I was 4 years old, Israeli occupation forces came to the village. The soldiers told us that it had been expropriated “for public needs,” threw us out of our homes, demolished our homes and forbade us to return there. Without home or property, we moved into caves on our land and tried to rebuild our lives.
Unfortunately for us, during that time the settlement of Susya was established very close to my family’s land. Army troops threw us out again and again. We would build and plant, and everything would be ruined. In 2001, we were expelled twice. Your Supreme Court ruled that the second expulsion was illegal. We were told it had been a mistake. But the destruction was awful: water wells and caves were destroyed and fields were trampled. We did not give up. We kept living on our land, holding onto what we could. Our story is one of many in the southern Hebron Hills region, and one of thousands across the West Bank.
We live from day to day, never knowing when the next expulsion will come. But even in the midst of this uncertain life, one of the major difficulties we have is the same thing that angered you so much when Mr. Schulz spoke about it: water.
For generations, my family and community have lived mainly on the natural water reservoirs on our land. These are wells that my ancestors dug in the hard ground, and on rainy days we collect our year’s supply of water in them. The State of Israel, which has complete control over Area C, treats us differently from our settler neighbors and refuses to connect us to the water infrastructure. We have two options: buying water or pumping it from our wells. Does that sound simple?
Access to 70 percent of our water wells is currently blocked. Demolition orders hang over our heads. To reach the wells, we need a special permit from the Israeli army. When we are lucky enough to obtain a permit, we must deal with violent attacks by settlers, who keep us from the water by force. Dozens of attacks have taught us to be careful. My children know not to go near the area by themselves lest the settlers come. When the army arrives, it disperses us and the settlers, and sometimes arrests a few of us, but in any case we cannot draw water that day. The water pipe that belongs to the settlement of Susya passes through our private land, beneath our homes, but we have no access to the water.
We can buy water in tanks, but we pay 35 shekels (about $10) per cubic liter for water from the nearby city of Yatta. (You certainly know that you, like every Israeli, like every settler, pay less than 9 shekels for the same amount). One-third of my family’s monthly expenses go for water, but unlike the Palestinians in the southern Hebron Hills, we are lucky because we live near a road. The inhabitants of the more distant villages pay more than NIS 50 per cubic liter of water.
I understand that these statistics are hard for you to hear, but average water consumption among the Palestinians is less than 70 liters per person per day, while for Israelis (including the settlers), water consumption reaches 250 liters per day. No matter what the figures are, I can assure you that we use much less water than the average. I would like to believe that you, too, understand that no one should live that way. No child should have to be afraid to drink a glass of water lest there be none tomorrow. These are my difficulties. These are my children’s fears.
The writer lives in the Palestinian village of Susya in the southern Hebron Hills.
 
 

 

Ein offener Brief an Naftali Bennett

 

Im Unterschied zu Ihnen und den meisten Israelis ist Wasser für mich nichts Selbstverständliches. Es ist ein täglicher existentieller Kampf.

 

Lieber Minister Bennett,

 

mein Name ist Nasser Nawaja. Obwohl wir uns noch nie getroffen haben, bin ich sicher, dass Sie meine nächste Nachbarschaft besucht haben. Meine Nachbarn aus der Siedlung Susya mögen Sie sehr. Bei den letzten Wahlen haben 270 der 381 Wähler aus der Siedlung Susya für Sie und Ihre Partei gestimmt.

Aus Ihrer Reaktion auf die Rede des Präsidenten des Europäischen Parlaments Martin Schulz ersehe ich, dass Sie es als Ärgernis betrachten, sich mit dem Wasserproblem auseinanderzusetzen– oder genauer, mit der Wasserknappheit für die in der Westbank lebenden Palästinenser. Es erstaunt Sie vielleicht zu hören, dass anders als für Sie und die meisten Israelis Wasser für mich keine Selbstverständlichkeit ist. Stattdessen ist es ein täglicher existentieller Kampf. Es ist keine theoretische Angelegenheit; es ist das Leben meiner Familie. Der Krieg der Statistiken hat bereits begonnen, aber ich möchte Ihnen von mir und meinem Dorf erzählen.

Ich lebe in dem Dorf Susya, das zwischen der Siedlung Susya und der archäologischen Ausgrabungsstätte liegt, die Sie „die historische hebräische Stadt“ genannt haben. Diese „historische Stadt“ war meine Heimat. 1986, als ich 4 Jahre alt war, kamen israelische Besatzungstruppen in mein Dorf. Die Soldaten sagten uns, dass es „für öffentliche Zwecke“ enteignet worden sei, warfen uns aus unseren Häusern, zerstörten unsere Häuser und verboten uns dorthin zurückzukehren. Ohne Heimat oder Besitz zogen wir in Höhlen auf unserem Land und versuchten unser Leben wieder aufzubauen.

Zu unserem Unglück wurde zu dieser Zeit die Siedlung Susya ganz in der Nähe des Landbesitzes meiner Familie gegründet. Armeetruppen vertrieben uns immer wieder. Wir bauten und pflanzten und alles wurde ruiniert. 2001 wurden wir zwei Mal vertrieben. Ihr Oberster Gerichtshof verfügte, dass die zweite Vertreibung illegal war. Sie sagten uns, es war ein Irrtum. Aber die Zerstörung war schrecklich: Brunnen und Höhlen waren zerstört und Felder zertrampelt. Wir gaben nicht auf. Wir lebten weiter auf unserem Land und hielten an dem fest, was wir retten konnten. Unsere Geschichte ist eine von vielen in der Gegend der südlichen Hebron Hills und eine von Tausenden in der West Bank.

Wir leben von Tag zu Tag, ohne zu wissen, wann die nächste Vertreibung kommt. Aber sogar in einem solch unsicheren Leben ist eine der größten Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben, das gleiche Thema, das Sie so verärgert hat, als Herr Schulz darüber sprach: Wasser.

Seit Generationen haben meine Familie und Dorfgemeinschaft hauptsächlich von den natürlichen Wasserreservoirs auf unserem Land gelebt. Das sind Brunnen, die meine Vorfahren in den harten Boden gegraben haben, und an Regentagen sammeln wir unseren Jahresvorrat an Wasser in ihnen. Der Staat Israel, der die volle Kontrolle über Area C hat, behandelt uns anders als unsere Siedler-Nachbarn und weigert sich uns an die Wasserversorgung anzuschließen. Wir haben zwei Möglichkeiten: Wasser zu kaufen oder es aus unseren Brunnen zu pumpen. Hört sich das einfach an?

Der Zugang zu 70 Prozent unserer Brunnen ist zur Zeit blockiert. Demolition Orders hängen über unseren Köpfen. Um die Brunnen zu erreichen brauchen wir eine spezielle Genehmigung von der israelischen Armee. Wenn wir das Glück haben, eine Genehmigung zu erhalten, müssen wir uns mit aggressiven Angriffen von Siedlern auseinandersetzen, die uns mit Gewalt vom Wasser fernhalten. Dutzende von Angriffen haben uns gelehrt vorsichtig zu sein. Meine Kinder wissen, dass sie nicht allein dorthin gehen, dass Siedler kommen können. Wenn die Armee kommt, schickt sie uns und die Siedler fort und verhaftet manchmal einige von uns, jedenfalls können wir an diesem Tag kein Wasser holen. Die Wasserleitung, die zur Siedlung Susya gehört, verläuft auf unserem privatem Land, unter unseren Häusern, aber wir haben keinen Zugang zu dem Wasser.

Wir können Wasser in Tanks kaufen, aber wir bezahlen 35 Schekel (ca. $10) je Kubikliter für Wasser von der nahegelegenen Stadt Yatta. (Sie wissen sicherlich, dass Sie, wie jeder Israeli, wie jeder Siedler, für die gleiche Menge 9 Schekel bezahlen.) Ein Drittel der monatlichen Ausgaben meiner Familie brauchen wir für Wasser, aber im Unterschied zu den Palästinensern in den südlichen Hebron Hills haben wir das Glück in der Nähe einer Straße zu wohnen. Die Einwohner der weiter entfernten Dörfer zahlen mehr als NIS 50 pro Kubikliter Wasser.

Mir ist bewusst, dass es schwierig für Sie ist, diese Statistiken zu hören, aber der durchschnittliche Wasserverbrauch der Palästinenser ist weniger als 70 Liter pro Person pro Tag, während der Wasserverbrauch der Israelis (Siedler eingeschlossen) den Verbrauch von 250 Litern pro Tag erreicht. Wie auch immer die Zahlen sein mögen, ich kann Ihnen versichern, dass wir viel weniger Wasser verbrauchen als der Durchschnitt. Ich würde gern glauben, dass auch Sie verstehen, dass niemand so leben sollte. Kein Kind sollte Angst davor haben ein Glas Wasser zu trinken, weil es morgen keines mehr geben könnte. Dies sind meine Schwierigkeiten. Dieses sind die Ängste meiner Kinder.

 

Der Autor lebt in dem palästinensischen Dorf Susya in den südlichen Hebron Hills.

(Übersetzung durch Gabriele Wulfers)

Keiner weiß, wo ich war – ich war einfach verschwunden - Andrea Pesee, 44, italienischer Bürger - Seit 15 Jahren hab ich – (dank meines Jobs - ich war Reiseagent) die Chance, Israel und Palästina zu besuchen, und weil ich an der politischen Situation interessiert bin. Ich reiste als Privatperson – ohne einen offiziellen Auftrag oder Mission.
Im letzten Dezember war ich eine Woche lang in Israel und Palästina. Ich blieb immer in einem Hotel in der Altstadt von Jerusalem und ging einen Tag nach Bethlehem, einen anderen nach Ramallah und Nablus – immer als Tourist. Während meines Besuches in Bethlehem hatte ich die Chance, eine NGO kennen zu lernen „Tent of Nations“, die einer gewaltlosen Annäherung des Konfliktes folgt. (Zelt der Völker, Daher’s Weinberg - “Wir weigern uns Feinde zu sein“)

Zwischen Januar und Februar kontaktierte ich die Mitarbeiter von Tent of Nations und plante im März als Freiwilliger dort mitzumachen. Ich kaufte mir ein El-Al-Ticket von Venedig nach Tel Aviv und zurück, Abreise am 18. März, zurück am 16. April.

Das ist der Hintergrund meiner Geschichte; ich möchte noch dazu sagen, dass ich mich niemals an irgendwelchen Aktionen oder Handlungen gegen Israel beteiligt oder etwas gegen Israel geschrieben habe. Im Gegenteil: 1999 schrieb ich ein Buch, das ein italienischer Verlag herausgab. Es befasste sich mit jüdischer Literatur… mit einem Nachwort von Amos Luzatto (Präsident der Union der ital.-jüd. Gemeinden)

Am 18. März war mein Abreisetag. Ich kam in Venedig am Flughafen um 11 Uhr an, drei Stunden vor dem Abflug. Für diese Art von Flug sind immer israelische Sicherheitsleute da, die die Passagiere interviewen … Ich wartete etwa eine Stunde, da zuerst die israelischen Passagiere dran kamen. Dann kam ich mit andern wartenden Italienern dran. Dann interviewte mich eine Frau – sehr vorsichtig, aber mit einigen unglaublichen Fragen: „Sie wollen einen Monat von zu Hause weg sein, ist da ihre Tochter nicht traurig?“

Da steckt kein Sicherheitsgrund hinter dieser Art von Fragen. Man wird auch nicht nervös, weil man etwas zu verbergen hat. Es ist reine Schikane, nichts mehr und nichts weniger.
Ich fragte: „Warum stellen sie mir eine solch persönliche Frage?“
Sie schien verstanden zu haben und entschuldigte sich.

Dann wurde mir gesagt, dass man Gepäck durchsucht werden müsse, und dass ich meinen Fotoapparat (der alten Art) nicht mitnehmen darf. Sie kontrollierten alles, machten sogar eine Leibesvisite.
Schließlich sagten sie mir, dass mein Gepäck nicht mit dem gleichen Flug in Tel Aviv sein wird. Ich beschwerte mich, weil ich seit zwei Stunden warte und nicht verstehen könne, warum sie so lange warten. Am Ende ließen sie mich mit meinem Rucksack fliegen.

Während des Fluges war ich glücklich, aber auch müde: schließlich war ja alles OK und ich konnte meinen Urlaub beginnen, einen Monat Israel und Palästina. Ich konnte mir nicht vorstellen, was am Ben Gurion Flughafen auf mich wartete. Bei der Passkontrolle wurde mir gesagt, ich solle in einer Ecke der Halle warten, neben dem Passkontrollbüro. Mehrere Leute standen schon dort. Nach einer Stunde war ich endlich dran. Es ging darum, was ich in diesem Monat machen werde. „Nichts Besonderes, ich werde herumfahren.“ Dann musste ich noch eine halbe Stunde warten. Dann kam eine zweite Person und fragte mich nach meinem Job und was ich in Israel tun werde. Ich wiederholte meine Antworten ….
 
Dann wieder eine halbe Stunde Warten und ein 3. Interview mit andern Leuten, die dieselben Fragen stellten, aber in härterer Weise um mich einzuschüchtern und … Sie behaupteten, ich wäre ein Lügner, weil ich nicht sagte, dass in Bethlehem jemand auf mich warten würde. Und dass man die, die bei der Einreise lügen, nicht ins Land ließe.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon fast 12 Stunden unterwegs. Ich war verwirrt, müde und hatte ein bisschen Angst. Aber ich hatte nichts zu verbergen und sagte“ Kontrollieren sie, was sie wollen. Ich bin eine normale Person, tun sie, was sie tun müssen“ An diesem Punkt war mir klar, dass sie meine Emails gelesen hatten und bereits alles wussten.

Schließlich war es fast 23.30 Uhr. Ich wurde noch einmal interviewt - von Leuten aus dem Innenministerium - und nach wenigen Minuten, sagten sie mir, dass mir die Einreise verweigert werden würde, weil ich ein Lügner sei. Ich begann zu weinen, doch mehr wegen des Stresses als wegen der endgültigen Entscheidung der Zurückweisung, obwohl es hart für mich war, dass meine seit Monaten geplanten Reise zerschlagen war.

Sie begannen zu lachen und sagten, wenn ich gleich zu Beginn gesagt hätte, dass ich einen Freiwilligendienst machen wolle, dann hätten sie mich problemlos hineingelassen. Aber da ich darüber gelogen hätte, werde ich zurück gewiesen Bis jetzt war es hart aber nicht schrecklich. Aber noch konnte ich mir nicht vorstellen, was mir noch bevor stand.

Etwa um 01.00 Uhr brachten sie mich in einen andern Raum im Flughafen, wo mein Gepäck noch einmal durchsucht wurde und noch einmal eine Leibesvisite vorgenommen wurde. Dann nahmen sie meinen Rucksack weg, leer mit der Begründung, dass die Sachen aus Sicherheitsgründen beschlagnahmt seien. Sie gaben mir einen großen Plastiksack, in den ich alles reinpackte. Der Reißverschluss war allerdings kaputt.

Dann brachte man mich zurück in dieselbe Halle, wo ich an einer Stelle bleiben sollte. Ich konnte nur etwas Wasser trinken, weil mir ein anderer Tourist ein paar Münzen gab, um mir eine Flasche Wasser aus einem Automaten zu holen. Die Sicherheitsleute gaben mir nur ein Sandwich, weil ich darum gebeten hatte. Jede andere Bitte schlug man mir ab. Ab jetzt war ich keine normale Person mehr. Ab jetzt wurde ich als eine Person zweiter Klasse angesehen. Ich möchte sagen, dass ich zum 1. Mal spürte, was Rassismus ist.

Als sie entschieden hatten, mich zurückzuschicken, kam das Problem wann und wie; denn ein Flug nach Venedig geht nur einmal die Woche. So sagte man mir, ich müsse, in einer anderen Einrichtung auf den Flug nach Italien warten.
Hier begann mein Alptraum.

Diese separate Unterkunft, eine „Migrations Behausung“, wie sie sie es nennen, war tatsächlich eine Art Gefängnis. Fünf Minuten mit dem Wagen vom Flughafen entfernt, wurde ich in dieses „Haus“ gebracht, das von einem stabilen Metallzaun umgeben und mit Gittern vor dem Fenster versehen war. Mir wurde gesagt, dass alle meine Sachen in diesem Raum bleiben müssten, auch mein Handy. Nun war mir klar, dass ich verhaftet war. Nicht einmal einen Kugelschreiber konnte ich mit hinein nehmen. Es war eine Gefängniszelle. Nun – am 19. März - begann eine neue Lebenserfahrung: Verhaftet im Gefängnis.

Ich kann meine Gefühle nicht genau ausdrücken. Vielleicht könnte ich sagen, ich sei tief in ein total irrationales System gefallen, und um nicht ganz verrückt zu werden, musste ich anfangen, vollständig anders denken. Das war aber nicht einfach.

Das Gefängnis hat schalldichte Türen. Man kann also um nichts bitten, nicht einmal schreien. Man kann nur an die Tür schlagen. Vielleicht hört dies jemand. Man fühlt sich vollkommen unsicher und man hat Angst, um etwas zu bitten, weil man weiß, sie können alles mit einem machen. Ich kann nicht mehr sagen, was ich die Nacht über dachte und fühlte.

Um 7.00 Uhr war ich wie zerstört. Ich flehte sie an, mich nach Hause fliegen zu lassen. Ein Mann, den ich nie zuvor gesehen hatte, öffnete die Tür und schrie mich an: "So, heute abend 18.30 Uhr gehen sie, in Ordnung oder nicht?" Ich sagte: "Okay, okay, lassen sie mich gehen, ich habe nichts getan, ich weiß auch gar nicht, warum ich hier bin“.  Sie sagen: "Okay, du gehst heute Abend!".

In diesem Stadium wusste niemand, wo ich war – niemand. Ich war einfach verschwunden.

Um 9.00 Uhr wurde mir erlaubt, die italienische Botschaft anzurufen. Dort sagte. man mir, „wenn man erst mal an diesem Ort sei, könnten sie nichts tun. Wer dort ist, existiert nicht für uns. Sie drückte Sympathie für mich aus und für das, was ich hier durchmache. Sie rief auch meine Frau in Italien an; denn ich durfte es nicht direkt.

Dann begann die Wartezeit bis zum Rückflug: Ich kam in ein anderes Gefängnis mit einer offenen Tür, aber ich konnte nicht hinausgehen. Es ist schwierig zu erklären, aber ich hatte Angst, um etwas zu bitten.
Um die Mittagszeit gaben sie mir etwas zu essen (ich musste es in dem Raum zu essen, ohne Tisch, nur auf dem Bett sitzend). Ich habe nicht um etwas Wasser gebeten, sie sagten: "Wir werden es zu Ihnen bringen." Sie taten es aber nicht und ich fragte nicht wieder.

Alles in allem hatte ich während meiner 14-Stunden in der "Migrationsabteilung" die Chance, mich draussen im Hof für insgesamt rund 40 bis 45 Minuten aufzuhalten (aufgeteilt in zwei Besuche am Vormittag, keinen am Nachmittag).

Nochmal: Ich kann meine Gefühle in der Zeit von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr nicht ausdrücken, in dem Wissen, dass mein Flug für 18.20 geplant ist. Ich war zu Tode erschrocken, dass sie mich nicht gehen liessen .... Dann kommt das Ende: um 17:35 Uhr öffnen sie die Tür, lassen Sie mich meine Sachen (immer noch in der Plastiktüte) zu mir nehmen, um mich zum Flugzeug zu bringen. Mein Pass wurde mir von einem italienischen Beamten am Flughafen in Mailand ausgeliefert, nachdem der ihm vom El-Al-Personal gegeben worden war.

Ich kann nichts darüber sagen wie ich nach Mailand geflogen bin. Die Müdigkeit kostete mich viel Kraft, um ein Hotel für die Nacht zu finden, und dann einen Zug nach Venedig am nächsten Tag (20. März) zu nehmen.

Am Ende gibt es keinen schriftlichen Beweis dafür, was sie mir angetan haben, ich habe auch nicht der Grund für meine Ablehnung und Inhaftierung erfahren. Nichts, gar nichts. Ich habe nur einen Stempel in meinem Reisepass: "Einreise verweigert".

Ich habe noch zwei Fragen:
1. Welchen Grund gibt es, mich so zu hassen?
2. Wenn ihr das mir antun könnt, was tut ihr dann den Palästinensern an?
(dt. Ellen Rohlfs)
 

Die Besatzung mit Nadel und Faden bekämpfen
Yara Hawari

Kann traditionelle palästinensische Stickerei modern gemacht werden? Die Gründerinnen  von Ibra wa Khayt (Nadel und Faden) haben kürzlich ein Geschäft in Ramallah eröffnet und beweisen, damit, dass genau dies möglich ist

Tamara Reem hatte 2013 schon  die Idee für das Projekt, nachdem ihr ihre Großmutter ein Paar Hosen geschenkt hat.

„Überall, wo ich hingehe fragen mich Leute, woher ich komme“, sagte sie, „und  es war schön, eine Geschichte dazu zu haben. Statt also zu sagen, ich hab dies von einem Laden, kann ich ihnen  die Geschichte von der Stickerei erzählen.  Es wurde von meiner Großmutter  etwa um 1960 in Jerusalem gestickt… es ist meine persönliche Geschichte.

Beide, Reem und ihre Geschäftspartnerin Weeam Hammoudeh führten ihr Interesse an Stickerei auf ihre Großeltern zurück.

Hammoudehs Familie stammte ursprünglich aus Lifta, einem Dorf bei Jerusalem, das ethnisch von den Zionististen  gesäubert wurde. Sie wuchs in Ramallah auf, bevor sie nach den US auswanderte, um eine höhere Schule zu besuchen.

„Während wir in den US waren, war die Stickerei etwas, das mich an meine Großmütter erinnert, aber seitdem ich zurück bin , interessierte mich die Technik und das Design selbst immer mehr,“ sagte Hammoudeh.

Die beiden  Frauen machten sich daran, alte  traditionelle Kleider zu finden, die nicht mehr getragen  oder weggeworfen wurden, suchten nach der Region oder dem Dorf,aus dem sie stammten und womöglich die, die sie machten.

Sie gaben die bestickten Teile der Kleidung an lokale  Sticker und Schneider, die sie verwendeten  , um neue Stücke zu machen – bis jetzt hauptsächlich Hosen und Blusen. Jedem Käufer wird die Geschichte  dieser alten Kleidung erzählt, die die Grundlage der neuen ist.

 

Überwundene Skepsis

Hebron war der erste Ort, den die beiden Frauen besuchten, als sie versuchten, zu entscheiden, ob ihr Projekt ausführbar ist.  Nachdem sie einige Näherinnen trafen, wurde ihnen klar, dass Stickerei  eine sehr notwendige Beschäftigung  für palästinensische Frauen  sein könnte.

Den beiden kam zunächst viel Skepsis entgegen. Viele dachten, sie würden einem Hobby nachgehen, aber Reem und Hammoudeh haben bewiesen, dass sie in der Lage waren,  ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen.

Gegen Almosen

Reem war in den US geboren, ihre Familie stammte jedoch ursprünglich aus Jerusalem. Sie fühlt, dass es für Palästinenser wichtig ist, eigene Initiativen aufzunehmen. Hilfsprogramme von Nicht-Regierungsorganisationen sind zu „Parasiten in unserer Gesellschaft geworden“ sagte sie.

„Palästinenser  sind üblicherweise nie von internationaler Hilfe abhängig gewesen, fügte sie noch hinzu. Die internationalen Organisationen haben diese Abhängigkeit in unserer Gemeinschaft geschaffen – aber es ist nicht Teil unserer Kultur, Almosen anzunehmen. Palästinenser haben Schulbildung und arbeiten hart; ja mit der höchsten Literaturrate im Nahen Osten. Deshalb war es für uns wichtig, diese Art des Lebens zu verändern.

Das Duo ist von der positiven Antwort auf ihr Projekt sehr ermutigt worden, besonders vom Lob, das sie regelmäßig auf ihrer Facebook-Seite bekommen. Sie haben einen „Reise-Karawan“ organisiert, der ihre Stickereien in verschiedenen Teilen Palästinas und Jordanien ausstellt. Nachdem sie ein Online-Geschäft errichtet haben, hoffen sie, dass sie sich  in nächster Zukunft weiter vorwagen können

Der größere Kampf

Aber ein Geschäft unter Besatzung zu führen, hat ihnen einige Probleme geschaffen-

Reems Familie hatte ihre Identitätskarte, die ihr erlaubte, in Jerusalem zu bleiben, die aber während der 1. Intifada als Teil einer absichtlichen Politik, zurückgezogen wurde. Dies wurde als „Stille Deportation“ bekannt.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem schätzt, dass so mehr als 14 000 Palästinenser im besetzten Ost-Jerusalem ihren dauerhaften Wohnstatus  seit 1967  verloren  haben.

Als Folge davon ist sie nicht in der Lage, die ganze Zeit in Palästina zu sein. Sie reiste mit ihrem US-Pass. Ihr Visum wurde kürzlich durch die israelischen Behörden verlängert. Man sagte ihr aber, dass es zum letzten Mal verlängert wurde.

Trotz dieser Auseinandersetzungen vertrauen sie darauf, dass Ibra wa Khayt nicht nur weitermachen wird, sondern, dass es auch wachsen wird.

Diese beiden Frauen sind nicht nur Modedesigners. Ihr Geschäft ist Teil eines größeren Kampfes:  das palästinensische Erbe  zu erhalten und neu  zu beleben, angesichts eines anhaltenden Versuches, es verschwinden zu lassen.

Indem palästinensische Tradition erhalten wird, ist ihr kleines Projekt ein wichtiger Teil  des Kampfes gegen die israelische Besatzung.

Für mehr Information über Ibra wa Khayt besucht bitte  www.ibrawakhait.com

Yara Hawara ist  eine Forscherin und ein Ph-Kandidat an der Uni Exeter und lebt im Augenblick in  Ostjerusalem. Sie hat einen BA in arabischen und Nah-Ost-Studien und ein MA in Palästinastudien. Ihre augenblicklichen Forschungen konzentrieren sich auf palästinensische Bürger Israels und ihre besonderen kollektiven Erinnerungen

(dt. Ellen Rohlfs)    Jerusalem Electronic intifada  5.3.14 http://eletronicintifada.net/content/fighting-occupation-needle-and thread/13213

 

Wasserzuteilung - Folter für die Palästinenser

Amira Hass

 Diskriminierung in der Wasserzuteilung ist ein anderes Mittel, die Palästinenser sozial und politisch zu zermürben.

 Warum ist das israelische Establishment denn so erpicht darauf, Diskriminierung in der Wasserzuteilung zu leugnen? Weil das israelische Establishment das diesmal nicht  mit den üblichen Sicherheits-Rechtfertigungen zudecken kann, weicht es auf andere Arten schreiender Diskriminierung aus.

 Wenn die Wassersituation zur Sprache kommt, ist die israelische Propaganda-Maschine mit ihren Helfern, der zionistischen Lobby in der Diaspora, in großen Schwierigkeiten. Das war deutlich zu sehen, als Marin Schulz es wagte, in der Knesset - dieser Höhle von Holocaust Dealern -  zu fragen, ob das Gerücht wahr sei, das er gehört habe [er fragte, ob Israelis vier mal mehr Wasser zugeteilt werde als Palästinensern].

Die systematische Diskriminierung in der Wasserzuteilung für die Palästinenser ist kein falsches Gerücht. (...) Ohne sie wäre das ganze Siedlungsunternehmen viel teurer, und im derzeitigen und geplanten Umfang vielleicht sogar unmöglich. 

Kein Wunder, dass Habait Hajehudit, die Partei, die am meisten mit den Siedlern identifiziert wird, so wütend auf die Bemerkungen von Schulz reagierte und aus der Knesset marschierte.

Diskriminierung in der Wasserzuteilung ist nur ein anderes Mittel der Regierung, die Palästinenser sozial und politisch zu zermürben.

Im Westjordanland verbrauchen zehntausende Palästinenser eine Menge Zeit, Geld, emotionale und physische Energie nur um für Grundbedürfnisse zu sorgen, wie Duschen, Wäschewaschen, Boden putzen und Geschirrabwaschen. Wenn es für die Toiletten kein Wasser gibt, werden auch Familienbesuche selten.

Familien im Jordantal holen Trinkwasser in Tanks aus weiter Entfernung und heimlich – aus Angst, dass die Ziviladministration (Besatzungsbehörde, Ü.) sie entdeckt – , obwohl sie direkt neben den Rohrleitungen der Mekorot Wasser Kompanie leben, die reichlich Wasser zu Siedlungsfarmen leitet, die Kräuter für den Export anbauen.

 Gaza, gleich gegenüber der Sycamore Farm von Ariel Sharon und dem Kibbuz Be'eri, muss Wasser in Kläranlagen reinigen, die Strom verschlingen – der oft Mangelware ist (...).

 Die Investition von Zeit, Energie und Geld in die Wasserbeschaffung geht zu Lasten des persönlichen Lebensstandards und dem der Kommunen: Ausstattung der Klassen für die Kinder, ein Computer, Familienausflüge, industrielle Entwicklungsprojekte, Entwicklung des Tourismus, organische Landwirtschaft, politische und soziale Aktivitäten.

 Da die Palästinenser wissen, dass die Israelis für den Wassermangel verantwortlich sind, richtet sich ihr Ärger auf den am leichtesten erreichbaren Blitzableiter – die Palästinensische Autonomiebehörde.

 Und dann heisst es, die Angestellten der Palästinensischen Wasserbehörde, die sich den ganzen Tag mit der israelischen Besatzungsbürokratie herumschlagen, um eine Genehmigung für eine einzige Wasserleitung zu bekommen, kümmerten sich nicht, seien unproduktiv und nicht effizient. Wie praktisch!

 Die Realität unzusammenhängender palästinensischer Enklaven, die Israel mittels verschiedenen Gesetzen und in verschiedenem Grössen auf beiden Seiten der Grünen Linie schafft, geht von der Bodengröße und den Wasserressourcen und von der Verweigerung der Bewegungsfreiheit aus.

 Die heilige Kuh der Sicherheit, die benützt wird, um Landraub, Checkpoints und Blockade zu rechtfertigen, hat jetzt Mühe zu erklären, warum ein palästinensisches Kind Anrecht auf weniger Wasser hat als ein jüdisches Kind.

 Was können die Diplomaten-Experten sagen? Dass in Jenin nur durchschnittlich 38 l Wasser pro Haushalt zugeteilt werden, weil es eine Hochburg des Islamischen Dschihad ist, der unser kleiens Land bedroht?  Dass es im Sommer keine regelmäßige Wassrversorgung gibt, weil der Geheimdienst Shin Bet Zellen bewaffneter Militanter ausfindig machen muss, und dass in Gaza mehr als 90% des Wassers nicht mehr als Trinkwasser geeignet ist, weil die Führer der Hamas Terrorakte im Westjordanland planen?

 Auch für die jüdischen Gemeinden, die dem jüdischen Staat am meisten ergeben sind, wird es schwer sein, diese Diskrepanzen zu rechtfertigen. Also hat sich das Establishment einen vierteiligen Angriffsplan ausgedacht:

1)                die Medien mit halben und falschen Statistiken bombardieren;

2)                den Ausgangspunkt verschleiern: Israel kontrolliert die Wasserressourcen. Auf der Grundlage der zeitweiligen Oslo-Abkommen, die inzwischen dauerhafte geworden sind, können die Palästinenser nur eingeschränkt selbst Wasser aus diesen Quellen entnehmen und Verbesserungen an der Wasserinfrastruktur vornehmen;

3)                sich auf die israelische Heimatfont verlassen, die palästinensische Untersuchungsberichte ablehnen und Berichte ignorieren wie die von B'Tselem, dem israelischen Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzten Gebieten, den Dokumentarfilm "The Fading Valley" von Irit Gal und Studien, die die Weltbank oder Amnesty International veröffentlicht hat;

4)                darauf bauen, dass die meisten Israelis keinen Ärger machen und sich die derzeitige Situation nicht selbst anschauen. Und wenn sie das tun und herausfinden, dass es eine empörende Diskriminierung gibt, darauf bauen ihnen zu sagen: "Na und?

Übersetzung: K. Nebauer  - 18.02.2014

   

Leserbrief zur „Außenansicht“ vom 18.02.2014: „Faktencheck für Martin Schulz“
Ekkehart Drost
SZ 18.2.14
Umstrittene Rede in der Knesset - Faktencheck für Martin Schulz - Ein Gastbeitrag von Einat Wilf

 „Die systematische Benachteiligung bei der Wasserzuteilung an die Palästinenser ist kein bloßes Gerücht. (...) Sie ist ein weiteres Werkzeug der israelischen Regierung, die Palästinenser sozial und politisch zu unterdrücken“, schreibt die israelische Journalistin und Menschenrechtlerin Amira Hass am 18.02. zu der Aufregung um die Rede von Martin Schulz. Und weil diese Tatsache vor aller Welt offenkundig ist, so Amira Hass, müssen die internationalen Medien „mit falschen und lückenhaften Statistiken bombardiert“ werden.

 

Was mag sich die Redaktion der Süddeutschen Zeitung wohl gedacht haben, Einat Wilf den kostbaren Platz auf Seite 2 einzuräumen, einer Mitarbeiterin des Jewish People Policy Institute, die als Think Tank für die Regierung arbeitet? Man hätte ebenso gut Netanjahus Wirtschaftsminister Naftali Bennett zu Worte kommen lassen, der im vergangenen Jahr die EU-Resolution „Die EU und der Nahe Osten“ als „terroristischen Angriff auf Israel“ und als eine „Störung des Friedensprozesses“ bezeichnete.

 

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht an Diskussionen über die jeweilige exakte Wassermenge beteiligen. Man kann die Zahlen längst und immer wieder bei Organisationen wie der Weltbank, der UN-Organisation OCHA, der israelischen Menschenrechtsorganisation B´tselem oder in dem ausführlichen Amnesty Report aus dem Jahr 2009 nachlesen. Die Zahlen von Schulz seien nicht genau, antwortete Netanjahu auf Martin Schulz, gab aber zu, dass israelische Juden mehr Wasser verbrauchen als Palästinenser.  Avraham Burg, der früher Knesset-Präsident, dessen Buch „Hitler besiegen. Warum Israel sich vom Holocaust lösen muss“ zu den wichtigsten Büchern über den Nahost-Konflikt in den letzten Jahren zählt, kommentiert diese Haltung der Netanjahu-Regierung in einem Haaretz-Kommentar vom 14.02. mit den Worten: „Die gegenwärtige Regierung akzeptiert die Prämisse, dass Juden mehr Wasser verdienen.“ Zusammen mit anderen Israelis und Palästinensern fordert er daher gleiche Rechte für alle Menschen, die zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan leben.

Frau Wilf unterstellt Schulz den Vorwurf, „die Israelis verschwenden Wasser, während die Palästinenser dürsten, und all das organisiert der israelische Staat.“ Auf die sich an diesen Satz anschließenden niveaulosen Unterstellungen über „das Blut kleiner Kinder“ muss ich hier nicht eingehen. Abgesehen von der Tatsache, dass man bei Martin Schulz, „Israels letztem und besten wirklichen Freund in der Welt“ (Avraham Burg in Haaretz) keine nur annähernd geartete Interpretation heraus lesen kann, muss ich Frau Wilf allerdings bescheinigen: Bei dieser Bemerkung haben Sie völlig Recht. Ich bin als Menschenrechtsbeobachter des Weltkirchenrates seit Herbst 2011 bis Frühjahr 2013 zweimal für jeweils drei Monate in den Besetzten Gebieten gewesen. Mein Fazit, das auf eigener Beobachtung beruht: Die israelische Regierung entzieht bewusst und systematisch den Palästinensern ihr Recht auf eine menschenwürdige Versorgung mit Wasser. In Jayyous, einem Dorf mit 4000 Einwohnern im Nordwesten, wurde ab 2003 die Sperranlage so gezogen, dass 75% der landwirtschaftlichen Fläche abgetrennt wurde. Bauern dürfen ihr eigenes Land nur mit einer von israelischen Behörden ausgestellten Genehmigung zu bestimmten Zeiten betreten und wieder verlassen. Auf diesem Land liegen sechs Brunnen, deren Wasserentnahme durch die Bauern von der israelischen Behörde streng reglementiert ist. Sie richtet sich nach den 3000 Einwohnern, die der Ort im Jahr 1982 hatte und seitdem nicht mehr erhöht wurde. Plombierte Wasseruhren stellen jeden Mehrverbrauch fest, der dann von den Bauern bezahlt werden muss. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation EWASH, die sich speziell um das Wasserproblem kümmert, haben 200000 Palästinenser keinen direkten Zugang zu Wasserstellen und müssen erheblich viel Zeit und Geld zur Erlangung dieses Lebensmittels aufwenden. Auf der anderen Seite findet der Besucher Israels einen wunderschönen „Waterpark“ zwischen Jerusalem und der östlich gelegenen Siedlung Ma´ale Adumim, für deren 40000 Einwohner drei Swimmingpools zur Verfügung stehen.

Frau Wilf schreibt gegen Ende ihres Beitrages von der jüdischen Bevölkerung, die aufmerksam zur Kenntnis nehme, dass durch Lügen etc. „die Existenz eines souveränen Staates für das jüdische Volk in ihrer angestammten Heimat“ bekämpft werden soll. Über diese „Argumentation“, die sich permanent und bis zum Überdruss bei Stellungnahmen des Zentralrates der Juden in Deutschland wieder findet, verfassten zum Pessachfest im März 2013 über 100 jüdische Professoren einen Appell an die Juden in Israel und in der Diaspora unter der Überschrift „Wenn ihr euch Sorgen um Israel macht, dann solltet ihr nicht länger schweigen.“ Sie beklagen die wachsende Monopolisierung des Patriotismus, selbst des Zionismus, eine Ideologie, „die nur ein Ziel und eine Politik als legitim und patriotisch gelten lässt. Alle anderen Ansichten werden für den Staat Israel und das jüdische Volk als schädlich gebranntmarkt.“

David Grossman, der Preisträger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, begründete in einem FAZ-Interview vom 8.12.2013 auf die Frage, warum die israelische Bevölkerung trotz ihrer Friedenssehnsucht in Lethargie verharre, diese Einstellung mit Netanjahus Politik: Er verstünde es immer wieder, Israels Gefahren mit der Schoa zu verknüpfen. „Der traumatisierte Mensch ist, sobald er daran erinnert wird, sofort wieder in der Situation der Katastrophe. (...) Er erkennt einfach nicht, dass Israel  inzwischen eine Großmacht ist mit einem gigantischen Waffenarsenal, wozu wahrscheinlich Atomwaffen gehören. Er vergisst das alles und steht stattdessen wieder im Ghetto, im Konzentrationslager.“

Der israelische Historiker Moshe Zuckermann schrieb am 4. Juni 2013 in der SZ: „Was in Palästina real geschehen ist und noch immer geschieht, ist schlimm genug. Es wird höchste Zeit, dass dies Schlimme auch in Deutschland mehr Anerkennung findet, als es das geschichtsbelastete Tabu zur Zeit noch zulässt.“

Ist   Netanjahu   zurechnungsfähig?

Alan Hart 30.1.14

Die erweiterte und eindeutigste  Aussage meiner Überschrift ist folgende:  Hat Israels Ministerpräsident Netanjahu noch einen gesunden Menschenverstand und redet er wissentlich Propaganda-Unsinn über  die Bedrohung von Israels Sicherheit, um die Welt einschließlich der meisten ihrer Juden zum  Narren zu halten? Oder ist er verrückt, seelisch gestört, ja sogar  geisteskrank?  Ich frage dies, weil sein Gequatsche in Davos auf die bedeutendste Rede eines iranischen Führers nach der Revolution, die die Mullahs vor 35 Jahren an die Macht brachten,  mich daran erinnerte, was mein Vater mir sagte, als ich noch sehr jung war: „ Keiner  ist so blind wie derjenige, der nicht sehen will.“

Was war bei  Präsident Rouhanis Rede  beim jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums  an Netanjahu zu sehen, ob er noch einen gesunden Menschenverstand hat?

Rouhanis Hauptbotschaft an die Region und wahrscheinlich besonders an Saudi Arabien, war, dass seine Regierung sich ganz und gar  darauf vorbereitet,  mit allen benachbarten Ländern praktische Lösungen  für eine Reihe  von Problemen zu finden.

Seine Hauptbotschaft an die Welt und wahrscheinlich besonders für Präsident Obama  war folgende:

„ In den letzten Jahren ist eine dominante Rede wiederholt gehört worden: ‘die militärische Option liegt auf dem Tisch.‘ Gegen den Hintergrund dieses illegalen und unwirksamen Streites, lasst mich laut und klar sagen, dass Frieden in Reichweite ist. Im Namen der Republik Iran schlage ich als ersten Schritt  vor, die UN möge das Projekt WAVE (World against violence and extremism)  bedenken: („Die Welt gegen Gewalt und Extremismus“ )Vereinigen wir uns in WAVE. Ich lade alle Staaten ein, internationale Organisationen und zivile Institutionen, eine neue Anstrengung  zu unternehmen, die Welt in diese Richtung zu lenken … Wir sollten anfangen, über eine Koalition  eines anhaltenden Friedens über den ganzen Globus nachzudenken, anstelle ineffektiver Kriegs- Koalitionen in verschiedenen Teilen der Welt .“

Natürlich war diese Rede ein reizvoller Angriff, den er voll ausnützte, wenn er  schon bei der Konferenz  in Davos dabei sein konnte, wo große Investoren anwesend waren. Aber  meiner Ansicht nach schwächte dies nicht die Integrität seiner Vision der neuen Politik, die so nötig ist, um eine bessere Welt zu schaffen.  Er war sich sicher, für die meisten Menschen überall zu sprechen, als er sagte: „Die Menschen in aller Welt  haben vom Krieg, von Gewalt und Extremismus genug. Sie hoffen auf einen Wandel im Status quo.“

Das iranische Volk … stimmte für einen Diskurs von Hoffnung, Weitblick und wohlüberlegter Mäßigung  zu Hause wie im Ausland … d.h. dass der Iran als regionale Macht verantwortlich handeln will, auch hinsichtlich der regionalen und internationalen Sicherheit und  bereit ist  und vorbereitet auf diesen Gebieten beiderseitig  und multilateral zusammen zu arbeiten.

Irans Nuklearprogramm  - und in dieser Sache auch alle andern Länder – muss exklusiv, also nur für friedliche Zwecke genutzt werden. Ich erkläre hier offen und unzweideutig, dass ungeachtet der Positionen der anderen,  das Ziel der islamischen Republik so gewesen ist und immer so sein wird. Nukleare Waffen oder andere Massenvernichtungswaffen haben keinen Platz in Irans Sicherheits- und Verteidigungsdoktrin und widersprechen unserer fundamentalen, religiösen und ethischen Überzeugungen ….

Wie hat Netanjahu geantwortet?

Präsident Rouhanis Rede war: „eine Veränderung in Worten ohne eine Veränderung in Taten …Rouhani setzt  die iranische Schau der Täuschung fort.  Mit einem gewinnenden Lächeln  und dem Eindruck, dass er autorisiert sei, für den Rest der Welt zu sprechen, fügte  der zionistische Großmeister der Täuschung hinzu: „Wir wissen das alles.“

So wie Netanjahu sagt, er sehe es: der Iran  sei versessen darauf, nukleare Waffen  zu entwickeln und zwar um den zionistischen (nicht den jüdischen) Staat von der Erdoberfläche zu wischen. Wie ich schon in der Vergangenheit hingewiesen habe, ist der wirkliche  Wahnsinn von Netanjahus Behauptung, dass selbst wenn der Iran ein paar Nuklearbomben besitzen würde und die Raketen, um sie zu befördern,  würde der Iran nicht der Erste mit einem Schlag gegen Israel sein, denn wenn wir das täten, provozierten wir die eigene völlige Zerstörung.  Alle Iraner wissen das.

Wenn Netanjahu einen gesunden Menschenverstand hätte, würde er nicht nur Rouhanis Davos-Rede die Anerkennung  gegeben haben, die sie verdient, er würde Israels zunehmende Isolierung in der Welt voll in Betracht ziehen, ja auch die Tatsache, dass eine wachsende Anzahl  amerikanischer Juden nicht mehr mit dem zionistischen „Blut-und -Boden“- Nationalismus sympathisiert, wie es ein jüdischer Amerikaner genannt hat. Die Schlussfolgerung solcher Beobachtung würde sein, einen psychisch gesunden  Netanjahu einladen, ernsthaft  über Frieden  zu den Bedingungen verhandeln, die die Mehrheit der Palästinenser akzeptiert. Sonst würde er in die Geschichte als Führer eingehen, der Israels Selbstmordplan billigt und damit  bestätigt, der Zionismus sei der wirkliche Feind der Juden.

 Was Netanjahus tatsächlichen Geisteszustand betrifft …. Ist er offensichtlich voller Illusionen, was nicht unbedingt zurechnungsfähig bedeutet. Was er höchst wahrscheinlich meint, ist in einer Wahrheit enthalten, die mir 1980 der im Ruhestand befindliche Generalmajor Shlomo Gazit, der beste der israelischen Direktoren des Nachrichtendienstes, verriet. Ich gab ihm zu bedenken, dass Israels Existenz niemals von irgendeiner Kombination arabischer Militärkräfte in Gefahr gewesen war. Mit einem traurigen Lächeln  erwiderte er.“ Das Problem mit uns Israelis ist, dass wir  die Opfer unserer eigenen Propaganda geworden sind.“

Obwohl ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, scheint es mir, dass das, was Netanjahu am meisten bräuchte, psychatrische Hilfe sei.

Präsident Obama sagte kürzlich in einem Interview mit der New Yorker Times, dass die Chancen, einen wirklichen israelisch-palästinensischen Friedensprozess zu bekommen, bei weniger als 50:50 stünde. Vielleicht sollte er den Außenminister Kerry  durch einen besonders erfahrenen Psychiater ersetzen.

(dt. und geringfügig gekürzt:  Ellen Rohlfs)

 

Zeig mir, mit wem du fliegst...

Aus Anlass der ersten Reise von Stephen Harper nach Israel im Januar 2014 ziehen kanadische Aktivisten eine Bilanz der kanadisch-israelischen Beziehungen:

Zuerst die Independent Jewish Voices in Kanada:

"Die Schlagzeilen in der Presse verkündeten, dass der kanadische Premierminister eine Gruppe von 208 (!) Getreuen nach Israel mitnahm, viele davon auf Kosten des kanadischen Steuerzahlers.

Beim Durchlesen der Liste werden einem die Augen geӧffnet. Sie schliesst 21 jüdische Rabbis mit ein und mehr als 56 Vertreter von verschiedenen zionistischen Lobbygruppen und jüdischen Privatschulen. Zusӓtzlich dazu mehr als 10 Vertreter von evengelikalen christlichen Gruppen, die die extremsten Positionen Israels bedingungslos unterstützen. Teil der Delegation sind Mitglieder folgender Gruppen: Christian Missionary Alliance of Canada [Harpers Gemeinde], Evangelical Fellowship of Canada, Trinity Bible Church, Crossroads Christian Communications, und die Pentecostal Assemblies of Canada. Der Premierminister hat auch mehr als 27 Vorstandsvorsitzende von kanadischen Firmen, Rechtsanwӓlte und die Prӓsidenten von zwei kanadischen Universitӓten mitgenommen.

Von seiner Regierung bringt der Premierminister sechs Kabinettsminister und acht konservative Parlamentsmitglieder mit. Zusӓtzlich hat er dem ehemaligen konservativen Minister Stickwell Day und dessen Frau Valerie kostenlose Sitze gegeben. Stockwell Day sitz im Vorstand des Centre for Israel and Jewish Affairs (CIJA), der bekanntesten pro-israelischen Lobbygruppe in Kanada.

Der hintere Teil des Flugzeuges war für die Vertreter der Presse reserviert. Der Preis - 8000 Dollar für den Flug, das Hotel und Transport für jeden Reporter und Fotografen, der über Harpers Reise berichtete - ist ein Hinweis auf die Kosten diese politischen Unterfangens, für die der kanadische Steuerzahler geradestehen muss.

Was wird die enorme Delegation des Premierministers fertigbringen? In der Substanz nur wenig. Aber das ist offensichtlich nicht der eigentliche Sinn der Reise. Harpers Werbetour soll ein Startzeichen für eine in diesem Ausmass noch nicht gesehene Kamapagne sein, die die kanadische Regierung mit einer der aggressivsten, unnachgiebigsten, kompromisslosen, expansionistischen Regierungen in der Geschichte Israels abstimmt.

Welche Gründe hat Harper? Der PM verdoppelt den Einsatz in seiner ohnehin beispiellosen Allianz mit Benjamin Netanyahu, um für die Stimmen der jüdischen Kanadier und der christlichen Evangelikalen bei den Bundeswahlen 2015 in Kanada zu werben. ...

Der PM sollte lieber die Israelis dazu bewegen, dass sie den Siedlungsausbau in der Westbank beenden und die Siedlungen insgesamt abbauen, weil sie nach internationalem Recht illegal sind. Die jüdischen Siedlungen sind eines der Haupthindernisse für einen gerechten und dauernden Frieden. Sie schaffen eine wachsende Flut der internationalen Opposition zu Israel.

Indem er Israels Rechtsverletzungen ignoriert und die Regierung in Israel bedingungslos unterstützt, bringt der PM Schande über uns."

Wӓhrend sich die kanadische Presse auf zwei Punkte in Harpers Rede vor der Knesset konzentrierte - das kritiklose Lob für Israel und das Schweigen zu den illegalen israelischen Siedlungskolonien in der besetzten palӓstinensischen Westbank, weist der kanadische Autor Yves Engler auf die langfristigen Konsequenzen von Harpers Reise nach Israel hin.

In einem Interview mit dem Real News Network spricht er von der geplanten Ausweitung der bilateralen Handelsvereinbarungen und der verstӓrkten Zusammenarbeit von kanadischen Institutionen mit Israel. Das Canada-Israel Free Trade Agreement wurde 1997 unterschrieben: "Dieses Freihandelsabkommen schliesst Produkte, die in israelischen Siedlungen hergestellt werden, nicht aus. Das Freihandelsabkommen der Europӓischen Union mit Israel hindert Israel explizit daran, Israel auf die Produkte zu stempeln, die in der besetzten Westbank hergestellt werden. Das kanadische Freihandelsabkommen macht das nicht. Harpers Regierung will dieses Handeslabkommen ausweiten, zusammen mit einer Reihe von zusӓtzlichen Kooperationsabkommen. Der unterliegenden Politik der vertieften insitutionellen Bindungen zwischen Kanada und Israel wurde allgemein weniger Aufmerksamkeit geschenkt als den bombastischen pro-israelischen Kommentaren der Harper Regierung. Aber ich denke, dass diese wirtschaftlichen Abschlüsse in Wirklichkeit so entworfen wurden, dass sie nach Harpers Abgang der israelischen Wirtschaft helfen. Sie orientieren sich mehr an Israels Interessen als an Kanadas Interessen. Wenn Harper gegangen ist, werden diese Abkommen einen langfristigen Einfluss in Richtung der verstӓrkten bilateralen Verbindungen zwischen den zwei Lӓndern haben." Im Bezug auf die kanadische Finanzhilfe für die Palӓstinenser sagte Engler:"Wenn man sich ansieht, wo die meisten Gelder des fünfjӓhrigen und 300 Millionen Dollar umfassenden kanadischen Hilfsprogramms seit Dezember 2007 flossen: Sie halfen beim Aufbau der palӓstinensischen Sicherheitskrӓfte in der Westbank, die so konzipiert wurden, dass sie einerseits den Aufstieg der Hamas bekӓmpfen, also die Palӓstinensische Autoritӓt in ihrem politischen Kampf mit Hamas unterstützen. Und andererseits eine korrupte und undemokratische Palӓstinensische Autoritӓt an der Macht halten. Das Mandat von Mahmoud Abbas endete 2009.." Er verweist auf interne Dokumente der kanadischen  Regierung, die Abbas gegen eine wachsende Opposition der Bevӧlkerung und die Protestbewegung gegen Israels Besatzungspolitik in der Westbank schützen will. Als Kanada der PA mit einer Streichung der Hilfsgelder drohte, setzte sich Israel prompt für eine Fortsetzung des Geldflusses ein.

"Die kanadische Hilfe, wir nennen es Hilfe für die Palӓstinenser, ist wirklich Hilfe für eine korrupte, undemokratische Palӓstinensische Autoritӓt, die zunehmend jedes Verstӓndnis für das Streben der meisten Palӓstinenser nach der Befreiung vom israelischen Kolonialismus verloren hat."

Judy Haiven und Sid Shniad, Harper's planeload, http://ijvcanada.org/2014/harpers-planeload/

Auszug aus:Interview: Canadian 'aid' goes to policing Palestinians, 27. Januar 2014; http://yvesengler.com/

Yves Engler, The Ugly Canadian: Stephen Harper's Foreign Policy 

 

Lektionen aus Kanada

Aus amerikanischer Sicht kommentiert Philip Geraldi, wie Stephen Harpers Bindungen zum christlichen Zionismus die Nahostpolitik der kanadischen Regierung beeinflussen.

Bei den Wahlen 2008 und 2012 profitierte Barack Obama vom politischen Vakuum, weil die Republikaner zahlreiche und überzeugendere Gründe lieferten, warum man nicht für die Kandidaten der Grand Old Party [GOP=Republikaner]stimmen sollte, schreibt er. Aggressiv zur Schau getragene religiöse Bindungen -von Sarah Palins christlichem Zionismus zu Mitt Romneys Mormonentum mit Anbindungen an evangelistische Christen und einer engen Verpflichtung Israel gegenüber waren für viele politische Beobachter ein Alarmzeichen. Bill Clinton und Barack Obama tragen ihre religiösen Überzeugungen weniger zur Schau. Kanada hat nach Girladis Einschӓtzung nicht so viel Glück: Seit Stephen Harper 2006 Kanadas Premierminister wurde, hat das Land, in dem 36 Millionen Menschen leben, darunter eine Million Moslems, eine pro-israelische Regierung, wie man sie sonst kaum in der Welt findet.

Harper unterstützt die Canadian Parliamentary Coalition to Combat Anti-Semitism, die den „neuen Antisemitismus“ definieren und neue Gesetze einführen soll, die Kritik am Staat Israel als rassistisches Verbrechen kriminalisieren. 2006 verteidigte er Israels Bombenkampagne gegen den Libanon als „massvolle Reaktion“, obwohl kanadische UN-Friedenstruppen durch israelische Bombenangriffe getötet wurden. Harper ernannte eine neue kanadische Botschafterin für Israel, die im Toronto Star erklӓrte, dass man keinem Araber trauen kann und dass Hamas, die [Palästinensische Autorität]und beinahe jede Regierung im Nahen Osten „ihre kollektive ideologische Verpflichtung zur totalen Zerstörung des Staates Israel“ nicht verheimlichen. Kanadas Aussenminister John Baird hat diese Ernennung mit dem Hinweis verteidigt, dass Bercovicis Ansichten mit denen der konservativen Regierung identisch sind. Harper hat jegliche Verhandlungen mit Iran über Irans nukleares Programm abgelehnt und die Botschaft Irans in der kanadischen Hauptstadt geschlossen.  In internationalen Foren und bei der UN hat Kanada gegen jede Aufbesserung des internationalen Status der Palästinenser gestimmt. Harper ist für eine Zwei-Staaten-Lösung, die nur in direkten Verhandlungen ausgehandelt werden soll, was Israel ein Diktieren der Resultate erlauben wird. Giraldi schreibt:

„Harpers Liebe für Israel hat mehrere Ursachen. Auf jeden Fall gehört politisches Kalkül dazu. Kanadas einflussreiche jüdische Gemeinde, die in den Medien und der Finanzwelt dominiert, hat Harper 2006 möglicherweise bei der Wahl zum Premierminister geholfen. Harpers öffentlicher Enthusiasmus für Israel konnte den Anteil der jüdisch-kanadischen Wählerstimmen für die Konservativen auf mehr als 50% vergrössern, eine historische Stimmenabwanderung  auf Kosten der Liberalen Partei im Land. Und 42% der kanadischen Juden bezeichnen sich als Zionisten, ein viel grӧsserer Prozentsatz als unter amerikanischen Juden. Zwei Drittel der jüdischen Gemeinden in Toronto und Montreal waren in Israel. Trotzdem gibt es wenig konkrete Beweise, dass Kanadas 380 000 Juden tatsächlich en bloc auf der Basis von Ottawas Verhältnis zu Israel wählen, was zur Schlussfolgerung führen sollte, dass Harper sich weniger um das tatsächliche Wahlverhalten kümmert und mehr um die politische und die Medienunterstützung der jüdischen Gemeinde.

Wenn es um Wählerstimmen geht, appelliert Harper, der in einer evangelistischen Familie aufwuchs, wohl vor allem an die Stammwählerschaft der Konservativen Partei, die 3,5 Millionen Evangelikalen, die etwa 10% der kanadischen Bevölkerung ausmachen. Für sie ist Israel als Wahlthema zentral, weil sie zumeist Weltanschauungen haben, die sie als christliche Zionisten definieren, die das Versammeln aller Juden in der Welt in Israel als Vorbedingung für die Wiederkunft von Jesus Christus begrüssen. Harper ist ein Mitglied der Christian and Missionary Alliance, einer evangelikalen Gruppe, die glaubt, dass die endzeitliche Rückkehr von Christus unmittelbar bevorsteht.“

Viele Kanadier stimmen Harpers Nahostpolitik nicht zu. 57% aller Kanadier haben ein negatives Urteil über Israel und als der kanadische Aussenminister John Baird sich gegen eine Statusaufbesserung der Palästinenser bei der UN einsetzte, erhielt Harper mehr als 1000 Briefe/Mails von Kanadiern, von denen 80% den Verlust der kanadischen Neutralität in der internationalen Diplomatie beklagten.

Auch in den Vereinten Staaten gibt es eine Reihe von christlichen Zionisten unter den Republikanern wie Michelle Bachman, Rick Perry, Sarah Palin und Mitt Romney, die alle während des Wahlkampfes der Israel Lobby hofierten, mit unsinnigen Versprechen eines Angriffs auf Iran, was teilweise wohl auch ein Ausdruck ihrer felsenfesten religiösen Überzeugungen war, schreibt Giraldi. Er schliesst:

„Ich respektiere Stephen Harpers Wunsch, sich in seinem Alten Testament zu versenken, aber ich schlage mit Verlaub vor, dass er das zuhause machen sollte und dass er bei Verhandlungen mit anderen Staaten ,einschliesslich Israels, das tun sollte, was im besten Interesse Kanadas ist.“

http://original.antiwar.com/giraldi/2014/01/27/putting-a-christian-zionist-in-charge/ 

http://www.thestar.com/opinion/editorialopinion/2013/01/28/bercovici_palestinian_leaders_dont_care_who_wins_in_israel.html

http://antiwar.com/blog/2014/01/03/the-danger-of-entangling-alliances/

Zusammengefasst und in Auszügen übersetzt von M. Lauer.

My eyewitness account of Israel's illegal activities in Abu Dis - When I got to campus early this morning of Jan. 22, 2014 at a little before 9:00 a.m., Israeli forces were stationed down the street from the main gate of Al-Quds University in Abu Dis and were shooting tear gas canisters into campus. I learned that they had come to reinforce the work they had done when they demolished Ashraf Ibrahim Abu Sneinehs house on Oct 22, 2013 (see link to album below) and also dug out the path that led to the homes the apartheid/annexation wall had blocked, by coming right up against their doors.

Ammar Salameh Abu Fseiseh, a neighbor of the family whose home was demolished in that line of houses up against the wall, had hired a bulldozer to fill in the ditch Israeli forces dug against the wall after they had demolished Ashraf Abu Sneineh’s home. Ammar Abu Fseiseh was basically reconstructing the road that gave him access to his house. Israeli forces had confiscated the bulldozer and imprisoned the operator and had come today with their own bulldozer to re-dig the road and, from the other side, set up cameras and add barbed wire to that section of the wall.

You can see in the album one of the Israelis from the Jerusalem side of the wall taking photos of me, as I was taking photos of him. His companion gestured at me and said, in Arabic, “Move away, you whore (sharmoutah).”

Students reacted to all this by throwing stones at the Israeli forces, who then called for reinforcements and went crazy with the tear gas, shooting far into campus. I am back in my apartment now (it’s after 1:30 pm, and I can still hear repeated loud bangs coming from the direction of the university).

I gave two classes in the lower campus while all this was going on! I took the pictures while walking into campus this morning, and then on my way out, which shows you how normalized such events have become in Abu Dis and on campus.

Israel’s apartheid/annexation wall you see in these photos is illegal according to international law, as is Israel’s annexation of Jerusalem, which lies behind this wall.

P.S. After I left, Israeli forces invaded the campus; see photos contributed by students in the comments.

See photo album of Ashraf’s home demolition in this album:
https://www.facebook.com/rima.najjar.merriman/media_set?set=a.10151785904333422.1073741893.636428421&type=3

A LETTER FROM FRANCE

[Re: the latest illegal activities by Israel in Abu Dis and the campus of Al-Quds University. See photo album here:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10151985521578422.1073741923.636428421&type=1]

"Hello Rima, I am writing from France. I saw your photos and testimony on Sameh Arekat’s wall, and read on your page too. I am following the events in the university and trying to make these events known, through alternative medias.

I went on an exchange program in Al-Quds in 2013 and witnessed some of these attacks. I know how important the education is in the Palestinian society and I would like to help by bringing consciousness about it. I published an article about the events in December. You can read it here (in French):
http://www.agoravox.fr/actualites/international/article/jerusalem-est-l-universite-sous-145198?pn=1000

Today’s attack was serious and should be relayed because of its importance; many people were injured, the Ma’an article says. I would like to publish again about it, shortly, to bring it back to the news feed and connect with the other article. I have received a few students’ testimonies and photos, but yours are by far the most interesting photos and clear explanation about what happened. Would you allow me to use a few of your photos, quoting your name, to publish in the same media? It’s a collaborative media, and we do not get paid, but it has a good audience.

I see on some of your photos a red writing in Hebrew that says ‘ahava’ (love). I have written that actually, as we were reflecting about non-violent resistance, I came with the idea of witting things in Hebrew directed to the soldiers, such as ‘why?’, ‘stop obeying’ and such. So I made that sign as an example.

It’s pretty ironic to see the soldiers standing in that place. Just a few questions about the events: the attack, supposedly, wasn’t planned. Were they really answering to a provocation / reaction of the students? That is the reason? -on the last attack, they argued it was an answer to the Islamic jihad rally that was held a few days before of the campus, was there anything such as that recently that could have been used as an alibi for an attack?

I will wait for your answer, but should publish the article tomorrow, see if you can answer me fast... thank you very much. Regards, and a friendly hug from France."

- Nicolas

MY RESPONSE

Dear Nicolas:

Thank you for your letter and for the information about the ironic graffiti you mention. I had not noticed that. Regarding your questions about "provocation", it should be understood that during such incidents, provocation always comes from the Israeli side. Their very presence in Abu Dis is a provocation to Palestinians who live there. The illegal apartheid/annexation wall is a provocation. The illegal annexation of Jerusalem, from which Abu Dis inhabitants are cut off by Israel, is a provocation. The Israeli confiscation of Palestinian lands is a provocation. Demolishing homes is a provocation. The many incursions Israeli forces conduct in the dead of night with the purpose of dragging away young Abu Dis men from their beds and taking them to unknown locations are a provocation. Abu Dis children and young people invariably react by throwing stones at these Israeli forces whenever they see them. They have enough dignity and self-respect to continue protesting against their subjugation and oppression in spite of everything.

News report:
http://www.imemc.org/article/66809

 

Religiöse Führer bitten den US- Kongress, Israels militärische Hilfe von der Einhaltung der Menschenrechte abhängig zu machen - Parsons- Presbyterian Church (USA) und 15 Kirchenführer,  10.5.2012

Wie schreiben an Sie als christliche Führer, die 15 US Kirchen und religiöse Organisationen vertreten und engagiert sind, einen gerechten Frieden für Israelis und Palästinenser zu erreichen.  Unsere Organisationen sind  seit  Jahrzehnten sehr damit beschäftigt und vom Aufruf und Versprechen von Jesus Christus inspiriert, der sagte: „ gesegnet sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder genannt werden.

In Antwort auf unsern christlichen  Ruf, Friedenstifter zu sein, haben wir seit Jahrzehnten darum gearbeitet, beide Seiten, die Israelis und Palästinenser,  zu unterstützen, gemäß ihrem Wunsch in Frieden zu leben. Wir haben zusammen mit unsern palästinensischen christlichen Brüdern und Schwestern  gearbeitet, um eine friedliche und stabile palästinensische zivile Gesellschaft aufzubauen, indem wir Krankenhäuser, Schulen, Kliniken und soziale Einrichtungen unterstützten. Diese Ministerien schließen   kooperative Bemühungen mit Israelis und Palästinensern ein, wie auch  mit Juden, Muslimen und anderen Nachbarn hier in den US. Durch unsere Gegenwart in der Region und regelmäßigen Besuchen bei unsern Partnern dort, sehen wir direkt die Auswirkungen des Konfliktes auf Palästinenser und Israelis und hören direkt über die Realität ihres Lebens.

Durch diese direkte Erfahrung sind wir Zeugen der Schmerzen und Leiden der Israelis als Ergebnis der palästinensischen Aktionen und die der Palästinenser als Folge der israelischen Aktionen…

Wir sind auch Zeugen von Israels weit verbreiteter Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Palästinensern gewesen, einschließlich des Tötens von Zivilisten, Hauszerstörungen und  gewalttätiger Vertreibung und u.a. Einschränkungen der Bewegungfreiheit. Wir erkennen, dass jede Partei für ihre Aktionen Verantwortung trägt. Wir kämpfen weiter gegen alle Gewalt, egal von welcher Seite. Unser Standpunkt gegen Gewalt wird durch unser Engagement für die Rechte aller Israelis aber auch aller Palästinenser verstärkt, damit beide in Frieden und Sicherheit leben.

Es ist diese Erfahrung und dieses Engagement, das uns diesen Brief heute an Sie schreiben lässt, um unsere ernste Sorge über die verschlimmernde Lage in Israel und in den besetzten Gebieten zum Ausdruck zu bringen, weil wir fürchten, dass dies die Region von der Realisierung eines gerechten Friedens weiter entfernt.

Leider hat die US-Militärhilfe für Israel zu dieser verschlechterten Lage beigetragen, den Konflikt  aufrecht zu erhalten und die anhaltenden Sicherheitsinteressen von beiden Seiten zu untergraben. Dies wurde in dem Bericht des Außenministeriums über die Menschenrechtspraxis in Israel und den besetzten Gebieten klar ausgedrückt. Dieser Bericht bringt die weit verbreiteten israelischen Menschenrechtsverbrechen gegen die palästinensischen Zivilisten, wobei  der Missbrauch von US-Waffen deutlich wird.

Dem entsprechend drängen wir auf eine unmittelbare Untersuchung der möglichen Verletzungen durch Israel mit Hilfe von  US-Waffenexportkontrollakte, die jedem Land, das Menschenrechtsverletzungen begeht, Unterstützung verbietet. Die Anwendung von US-Waffen ist nur für  innere Sicherheit oder legitime Selbstverteidigung bestimmt.

Noch deutlicher: Wir drängen den Kongress,  eine sorgfältige Untersuchung zu unternehmen, damit unsere Hilfe nicht die Aktionen der israelischen  Regierung unterstützen, die die Aussichten für Frieden hintergehen. Wir drängen den Kongress, Anhörungen abzuhalten, um Israels  Einverständnis zu prüfen; und wir fordern regelmäßig, den Bericht über  Einverständnis und  Zurückhaltung  militärischer Hilfe, wenn es sich nicht an die Abmachungen hält.

Nach der israelischen Menschenrechtsgruppe B’tselem und dem UN-Office für die Koordinierung von Menschenrechtsangelegenheiten gibt es einen dramatischen Anstieg von Siedlerangriffen gegen Palästinenser in diesem Jahr (2012);( 2013 war noch viel schlimmer.) Sie berichten, dass diese Angriffe oft deshalb beabsichtigt sind, um die Palästinenser aus Gebieten zu vertreiben, die die Siedler übernehmen wollen, und wo es israelischen Behörden nicht gelungen ist, entsprechende Aktionen zu unternehmen, die Gewalt aufzuhalten, um die Täter verantwortlich zu machen . Wir glauben, dass diese Aktionen direkt die Friedensbemühungen unterminieren, statt Israels anhaltende Sicherheitsinteressen zu unterstützen.

Wir wollen uns klar ausdrücken, dass wir anerkennen, dass Israel sich wirklichen Sicherheitsdrohungen gegenüber sieht und dass es ein Recht und die Pflicht hat, den Staat und seine Bürger zu schützen. Doch die Maßnahmen, die es ausnützt, um sich und seine Bürger zu schützen, sind im Vergleich zu jeder anderen Nation, nicht konform zum internationalen humanitären und Menschenrechtsgesetz.

Da Israel der einzige und größte Empfänger von US-Auslandshilfe seit dem 2. Weltkrieg ist, ist es besonders wichtig für Israel, die spezifischen US-Gesetze zu erfüllen, die die Verwendung von US-Waffen  regulieren, um einen gerechten und anhaltenden Frieden abzusichern. Wir ermutigen auch den Kongress  die regionale Diplomatie zu unterstützen, dass ein sicherer und anhaltender Frieden den Israelis, den Palästinensern und allen Völkern der Region und der Welt zugutekommt.

Mit Respekt und Dankbarkeit werden wir für Sie beten
(Unterschriften   Bischöfen u.ä.  von 15 US-Kirchen

(dt. und gekürzt Ellen Rohlfs) -

http://wwwpcusa.or/news/2012/10/5/religious-leaders-ask-congress

Familien suchen Zuflucht  in einer Schule, da das überflutete Gaza in ein Katastrophengebiet verwandelt wurde

 Rami Almeghari

Tausende von Palästinensern mussten  wegen der Flut aus ihren Häusern fliehen.  Zwei Metallbleche fielen von der Decke von Bilals Haus und haben knapp seine Frau   und die Kinder verfehlt. Der Strom war schon abgestellt, als das Haus  von einem der schwersten Stürme getroffen wurde, an die man sich erinnern konnte; er überflutet große Gebiete und vertreibt Tausende von Bewohnern.

Die  Zerstörung  zwingt Bilal und seine Familie – einschließlich seines fünf Monate alten Babys- - ein Obdach in einer nahen Schule zu suchen, auch wenn sie jetzt die Nacht im Haus eines Nachbarn verbringen.

In Bani Suhaila, einem Ort im südlichen Gaza, steht Bilals hüttenähnliches Heim aus zwei Räumen. Bilal, ein 31 Jähriger arbeitsloser Bauarbeiter, zeigt auf einen Kinderschrank, der vom Sturm völlig zertrümmert wurde. Er hatte den Schrank noch gar nicht mal völlig bezahlt.

Bilal hatte  seit Juli kein Einkommen, als die ägyptischen Behörden zahlreiche Tunnel zwischen Gaza und Ägypten zerstörten. Sein Geschäft hing vom Baumaterial ab, das durch die Tunnel gebracht wurde.

Mir ist von der Gemeinde hier erzählt worden, dass sie mir schnell helfen würden, mein beschädigtes Haus wieder aufzubauen. Aber bis jetzt kam keiner, es wieder zu reparieren; vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich arbeitslos bin“ sagte er. „ einige gute Leute von der Caritas sind die einzigen, die mir die letzten 5 Monate geholfen haben

Verzweifelt

Annähernd 100 Personen aus 16 Familien haben Zuflucht in der Ibn.Zaidoun-Primarschule in Bani Suhaila genommen. Unter ihnen ist Basim Qahwaji, ein 46jähriger Vater mit seinen sieben von neun Kindern. Sein Haus  ist  als Folge des schweren Regens überflutet.

„Meine 7 Kinder und ihre Mutter schlafen jetzt in diesem Klassenzimmer ohne Heizung, ohne entsprechende Decken Matratzen oder Kissen,“ sagte er. „Uns wurden nur drei Matratzen und drei Decken gegeben und etwas zu essen und Wasser.

Seine Frau Warda Abu Taima, sagte: „Dies ist eine so verzweifelte Lage, dass wir nicht wissen, was wir tun sollen und wie zurechtkommen, da mein Mann einige Probleme mit seinem Rücken hat und nicht in der Lage ist, zu arbeiten“

Mohammad Braim,  ein örtlicher Angestellter, sagte, es ist noch nicht entschieden worden, ob die 16 Familien in der Schule bleiben sollen  oder wo andershin geschickt werden, bevor die Schule am Sonntag wieder beginnt.

Wir haben getan was wir können, um diese Familien unterzubringen,“ fügte Braim zu, “Wir haben Decken verteilt, Lebensmittel und Wasser. Bis jetzt haben wir noch keine Reparaturarbeit an den beschädigten Häusern tun können.“

 Wasser, soweit die Augen sehen können

Die von der Hamas geführte Verwaltung in Gaza  schätzte, dass am Freitag 2825 Personen  wegen des seit 1952 schlimmsten Sturmes vertrieben wurden (Ich frage mich nur wohin? ER)

„Große Teile des nördlichen Gazastreifens sind ein Katastrophengebiet mit Wasser, soweit die Augen reichen. „ sagte Chris Gunnes, Sprecher der UMRWA, die UN-Beauftragte für dir Palästinaflüchtlinge, sagte sie zu Maan News-Agentur heute.

Sie sagte Hunderte von Familien sind aus den  Flutgebieten in UNWRA –Einrichtungen  evakuiert worden und Tausende von UNWRA-Arbeitern arbeiteten Tag und Nacht, um den Verletzten, den Alten und Kranken, Kindern und Frauen zu helfen.“

Trotz dieser Bemühungen ist die Situation  sehr schwer und mit dem steigenden Wasser wird das Risiko  nur noch größer, warnt  Gunnes.

Die Probleme, die vom Sturm verursacht wurden, sind verstärkt durch eine Stromsperre: 12-16 Stunden pro Tag, oft noch länger, gibt es keinen Strom und die andauernde Belagerung durch Israel macht die Lage zur   Katastrophe.

„Jede normale Gemeinde würde darum kämpfen, aus dieser Katastrophe herauszukommen. Aber eine Gemeinde, die der längsten Blockade, die es je in der menschlichen Geschichte gab, unterworfen ist, deren Gesundheitssystem zerstört worden ist und wo das Risiko für Seuchen sehr groß ist, muss von dem Mann befreit werden, der für die Einschränkungen verantwortlich ist und die Naturkatastrophe wie diese (für seine Zwecke)  ausnützt“, fügt Gunness hinzu.

Gunness erneuerte den Aufruf (Aufschrei!!) seiner Agentur zu effektiverem Druck, um die Blockade des Gazastreifens zu beenden, die die vom Sturm verursachte Krise nur verschlimmerte.

Operationen auf die Hälfte reduziert

Ein paar Tage bevor der Sturm zuschlug, berichtete die Weltgesundheits-Organisation, dass es eine bemerkenswerte Verschlechterung in der Verfügbarkeit von Medikamenten und lebenswichtigen Diensten in Gaza gibt.

Große Generatoren, damit die Krankenhäuser auch während Stromsperren Strom haben, sind zusammengebrochen. Einer von zwei Generatoren im Europa-Gaza-Krankenhaus brannte im November aus.  Nicht dringende Operationen  werden aufgeschoben. Man spart selbst jetzt mit Strom, um ihn bei dringenden Fällen zu haben-

Sehr ernste Katastrophe

Mehr als 30 Personen wurden allein durch den Sturm verletzt, nach Presseberichten. Auch ein fünfjähriger, der von einem  großen Stein getroffen wurde, der von einem Dach in Khan Younis-Flüchtlingslager im südlichen Gazastreifen  fiel. Der Junge wurde schnell ins Krankenhaus gebracht.

(Zwei Säuglinge sind inzwischen gestorben ER)

„Dies ist eine sehr ernste Katastrohe.“, sagte Isra Almodallal, eine Hamassprecherin zu Electronic Intifada. „Mit dem Mangel an Brennstoff und Strom versucht die Regierung mit begrenzten Ressourcen zu helfen. Wenn die Grenzen nicht geöffnet werden und die notwendige Ausrüstung an Apparaten hineingelassen werden, wird es für uns sehr schwierig sein, diese Krise zu überstehen.

Sie bedrängt die UN und die Regierungen in aller Welt, um Israel unter Druck zu setzen, die Belagerung zu beenden. „Vor kurzem wurde erklärt 2014 sei das Jahr der Solidarität mit dem palästinensischen Volk. Deshalb denke ich, ist es Zeit für eine reale Aktion, um das Leiden des palästinensischen Volkes zu lindern, besonders hier im Gazastreifen

Rami Almeghari ist Journalist und Hochschuldozent im Gazastreifen.

 Electronic intifada – Gazastreifen 14.12.13

http://electronicintifada.net/content/families-seek-refuge-school-fl    (dt. Ellen Rohlfs)

Marwan Barghouti: Nachruf auf Nelson Mandela

Am 6. Dezember 2013 verfasste der bekannte Fatah-Führer Marwan Barghouti einen Nachruf auf Nelson Mandela und schrieb, dass die Freiheit der Palästinenser realisierbar erscheint, weil Mandela seine Freiheit erreicht hat. Das Apartheisystem konnte in Südafrika nicht aufrecht erhalten werden und werde auch in Palästina nicht siegen. Aus seiner Zelle Nr. 28 im Gefängnis Hadarim schreibt Barghouti:

“In den langen Jahren meines eigenen Kampfes hatte ich oft Anlass, an Dich zu denken, lieber Nelson Mandela. Vor allem seit meiner Festnahme im Jahr 2002 denke ich an den Mann, der 27 Jahre in einer Zelle verbrachte, aber letztendlich demonstrierte, dass die Freiheit in ihm war, bevor sie zu einer Realität für sein Volk werden konnte. Ich denke an seine Fähigkeit, dem Unterdrückungs- und Apartheidsystem die Stirn zu bieten, aber auch dem Hass und Gerechtigkeit und nicht Vergeltung zu wählen.

Wie oft hattest Du Zweifel am Ergebnis dieses Kampfes? Wie oft hast Du Dich gefragt, ob die gerechtigkeit gewinnen wird? Wie oft hast Du Dich gewundert, warum die Welt so schweigsam ist? Wie oft hast Du Dich gefragt, ob Dein Feind je Dein Partner werden könnte? Am Ende war Dein Wille unzerstörbar und Dein Name wurde zu einem der leuchtendsten Namen der Freiheit….

Marwan Barghouti schliesst: “Viele ehren jetzt Deinen Kampf in ihren Reden. In Palästina verprechen wir das fortgesetzte Streben nach unseren gemeinsamen Werten und die Würdigung Deines Kampfes nicht nur durch Worte, sondern auch durch die Hingabe unseres Lebens an die gleichen Ziele. Die Freiheit, lieber Madiba, wird siegen und Du hast einen enormen Beitrag dazu geleistet, dass dieser Glaube eine Gewissheit wurde.”1)

 

In ihrem Artikel “Madiba in Palestine” schreiben Robin Kelly und Erica Williams am 10. Dezember 2013:

“Die tiefen politischen Verbindungen zwischen Palästinensern und Südafrikanern sind recht stark – vergleichbar vielleicht nur zu den tiefen Verbindungen zur schwarzen Befreiungsbewegung in den USA. Madibas Tod verursachte eine Welle der Trauer und Erinnerungen von palästinensischen Aktivisten. Marwan Barghouti, der oft als “palästinensischer Mandela” beschrieben wird, schrieb von seiner Zelle folgende Worte über Madiba: “Ich sage Dir, dass unsere Freiheit möglich erscheint, weil Du Deine erreicht hast. Apartheid hat in Südafrika nicht gewonnen und Apartheid wird nicht in Palästina gewinnen.” In Erinnerung an sein Aufwachsen in einem Flüchtlingslager in Gaza schrieb Ramzy Baroud: “Ein Palästinenser, vor allem ein palästinensischer Flüchtling war in vieler Weise ein schwarzer Südafrikaner.” Magid Shihade, ein Mitglied der Fakultät am Institut für Internationale Studien an der Birzeituniversität in Ramallah erinnert sich, wie unvergesslich die Erfahung war, Mandela in den späten 90er Jahren in Seattle, USA zu hören. “Amerikas Führer,” sagte Mandela der Menge, “ wollten immer, dass ich mich von meiner Politik distanziere, von Menschen, die mir beistanden und mich unterstützten, als wir gegen das Apartheidsystem kämpften. Sie wollten, dass ich mich von Yasser Arafat, Saddam Hussein, Qaddafi distanziere. Nun, das sind die Leute, die uns beistanden. Ihr wart es nicht und wer seid ihr, dass ihr sagen könnt, mit wem man sich befreunden kann.” Einige Jahre später erinnert sich Shihade an sein Treffen mit dem ersten schwarzen südafrikanischen Botschafter in Ramallah: “Er sagte mir, dass Mandela ihm vor der Ankunft an seinem Posten sagte: “Das ist nicht irgendein diplomatischer Posten. Die palästinensische Sache ist unsere Sache. Arafat ist einer meiner lieben Freunde. Er half meiner Familie finanziell über 20 Jahre lang, als ich im Gefängnis war. Bitte geh nach Palästina nicht nur als ein Botschafter, sondern als ein Verbündeter.”2)

Ahmed Kathrada wurde wegen seines Widerstandes gegen das Apartheidregime in Südafrika zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt und verbrachte die Haft auf Robben Island, wo prominente Freheitskämpfer  wie Nelson Mandela, Govan Mbeki und Walter Sisulu inhaftiert wurden. Am 27. Oktober 2013 eröffnete Kathrada zusammen mit der palästinensischen “Popular Campaign for the Release of Marwan Barghouti and all Palestinian Politican Prisoners” die Bewegung zur Befreigung von Marwan Barghouti. 1962 initiierte er die Kampagne “Free Nelson Mandela and all South African Political Prisoners”, ein Jahr vor seiner Festnahme und Verurteilung. Er schreibt:

“Marwan Barghouti, ein prominenter palästinensischer politischer Gefangener in lebenslänglicher Haft in Israel, verbrachte beinahe zweiJjahrzehnte seines Lebens in israelischen Gefängnissen, einschliesslich der vergangenen 11 Jahre. Etwa 30 weitere [Gefangene], die wohl Ende dieses Monats ihre Zellen mit den grösseren Gefängnissen im besetzten Palästina austauschen werden, kehren in eine sehr veränderte Welt zurück – aufgewachsene Kinder, eine verschlimmerte politische Landschaft und ein Westen, der sie verteufelt und gleichzeitig die Verbrechen ihrer Gefängniswärter ignoriert.

Zusammen mit Führern wie Walter Sisulu und Nelson Mandela verbrachte ich mehr als 25 Jahre in den Kerkern des Apartheidsystems, um ein letztendlich triumphierendes Ideal zu verteidigen: Freiheit und ein nichtrassistisches und nichtsexistisches demokratisches Südafrika. Wie Israel heute stellte die Apartheidregirung unsere Sache als “Bedrohung der nationalen Sicherheit” dar, obwohl wir offensichtlich politische Gefangene waren, die einen legitimen Kampf für die nationale Befreiung gegen ein repressives und rassistisches Regime führten….

Marwan Barghouti wurde zu fünf lebenslangen Haftstrafen plus 40 Jahren verurteilt, von israelischen Gerichten, die regelmässig zeigen, dass sie eher Instrumente der Besatzung als der Gerechtigkeit sind. Er wurde als erstes Mitglied des Parlamentes verhaftet. Weitere folgten. Ein viel geschätzter palästinensischer Führer, ein Mann der Einigung, ein vehementer Verfechter des Friedens auf der Basis des internationalen Rechtes und der Hauptarchitekt des Gefangenenpapiers, Prisoners’ Documen, das von inhaftierten palästinensischen Führern verfasst wurde, um einen friedlichen Weg in Richtung Einheit, Freiheit und Frieden zu bereiten….

Der Kampf unseres Volkes hat zusammen mit internationalem Druck zur Freilassung von Mandela geführt und zum verhandelten Übergang zu einem demokratischen Südafrika. Es ist deshalb eine heilige Pflicht, dass wir uns für die bedingungslose Freilassung von Marwan Barghouti und allen palästinensischen politischen Gefangenen einsetzten, einem unerlässlichen Schritt zur Befreiung des palästinensischen Volkes und für den Frieden in der Region. Das Apartheidsystem darf nach der Niederlage in Südafrika nicht  in Palästina triumphieren.”3)

1)http://palestinianmissionuk.createsend1.com/t/ViewEmail/j/4FCF5E0C242F75D9/8D433A679F26CEB7C67FD2F38AC4859C (Übersetzt in  Ausschnitten)

2) Ausschnitt aus: http://www.counterpunch.org/2013/12/10/madiba-in-palestine

3)Vollständiger  Text auf englisch: http://www.palestinechronicle.com/release-of-marwan-barghouti-and-all-palestinian-political-prisoners/#.UqdBUtGA2M8

Übersetzt von Martina Lauer

Stellungnahme der Jüdischen Stimme zur “Hebrew Language Week in Berlin” (Woche der hebräischen Sprache in Berlin)
Mittwoch, 27. November 2013

 

Die “Woche der hebräischen Sprache in Berlin” trägt einen vielversprechenden Titel. Schließlich ist Berlin eine Stadt mit einer langen Geschichte hebräischer Kultur, die durch den Holocaust gewaltsam unterbrochen wurde. Diese Woche soll am 30.November beginnen.   [1]

Die Jüdische Stimme ist allerdings enttäuscht, hören zu müssen, dass diese Woche von der World Zionist Organization (der Zionistischen Weltorganisation, im Folgenden  WZO) organisiert und finanziert wird. Denn dies weist die Veranstaltung mehr als ein israelisches “Hasbara”-Ereignis aus - also als ein Beispiel   “öffentlichkeitswirksamer Diplomatie” - denn als eine wirkliche Feier zu Ehren der hebräischen Sprache und Kultur in dieser Stadt.

            Entgegen dem Eindruck, den der Titel nahelegt, steht im Zentrum der “Hebrew Language Week” weit eher die israelische Kultur als jene hebräische Kultur, die sich hier am Ort, in Berlin entwickelt hat.  Die Website für die Veranstaltung erwähnt einen WZO-Vertreter, (oder Vertreterin? Oder wirklich wörtlich Agent?) der mit hebräischen und jüdischen Initiativen in Berlin vernetzt ist, um die Verbindungen von Jüdinnen und Juden in Deutschland zu Israel zu festigen. Dieser Vertreter übt auf solche Initiativen Einfluss aus , indem er finanzielle Mittel anbietet, um  Unterstützung für das zionistische  Projekt zu gewinnen.

            Die WZO nutzt die Tatsache, dass sich in Berlin eine hebräische Kultur neu herausbildet, um ein Programm zu gestalten, das unterstellt, jegliche hebräische und jüdische Kultur sei auf Israel bezogen und müsse dies auch sein. Laut ihrem eigenen Leitbild hat die WZO sich “zum Ziel gesetzt, dem jüdischen Bewusstsein die zentrale Bedeutung von Israel und Jerusalem als seiner Hauptstadt einzuflößen (besser: im jüdischen Bewußtsein …. die zentrale …. tief zu verankern?) und dabei zur Rückkehr nach Zion zu  ermuntern.”

            Wir weisen die Idee entschieden zurück, dass die hebräische Sprache und Kultur  Israel gehört und wir sehen dies als eine direkte Herabsetzung unseres Lebens in Europa an. Viele von uns sprechen und/oder lesen Hebräisch; das macht uns aber nicht zu Unterstützerinnen und Unterstützern Israels. Wir distanzieren uns von allen Versuchen, die Vielfalt des hebräischen oder jüdischen Lebens auf eine enge politische Aussage oder auf die Loyalität zu einem Staat zu reduzieren.

Während die Abteilung für Diaspora-Aktivitäten der WZO versucht, sich jüdische und hebräische Kulturinitiativen in Berlin für zionistische Zwecke anzueignen, ist die Siedlungsabteilung derselben Organisation, die übrigens mit Hunderten von Millionen Schekel kräftig (zu umgangssprachlich?) von der israelischen Regierung finanziert wird, eines der zentralen Instrumente für die Subventionierung der illegalen israelischen Kolonisation in der besetzten West Bank, und zwar durch die brutale Vertreibung/Verdrängung (displacement kann beides heißen)  der indigenen palästinensischen Bevölkerung. Dies geschieht in Verletzung des internationalen Rechts.

Zu den Verstößen gegen das internationale Recht, für die die WZO verantwortlich ist, gehört die Zuteilung von privatem und öffentlichem palästinensischem Land an illegale israelische Kolonien. Diese Zuteilungen umfassen 5.000 Dunam im Jordantal (konfisziert im Jahr 1979) und 29.000 Dunam in anderen Gegenden der West Bank, konfisziert im Jahr 1994..[2] Die WZO fährt damit fort, die Investition ihrer Ressourcen in die Kolonisation der West Bank zu steigern, mit finanzieller Unterstützung des israelischen Landwirtschaftsministeriums. Das Budget der Siedlungsabteilung der WZO wird jährlich größer. .[3]

            Als europäische Jüdinnen und Juden, als Mitglieder der Jüdischen Stimme sehen wir die “Hebrew Language Week” als einen aggressiven Versuch an, von jüdischer Identität Besitz zu ergreifen und sie im Dienste eines Apartheidstaates (richtig? Oder schwächer: zugunsten) zu unterwandern.

            Die Jüdische Stimme fordert Organisationen und Individuen auf, nicht an den Veranstaltungen der “Hebrew Language Week” teilzunehmen. Wir veröffentlichen diese Stellungnahme, um daran zu erinnern, dass jüdische Identität und hebräische Sprache nicht mit Kolonialismus verbunden werden sollten.

Wir glauben fest an die Bedeutung von  hebräischer Kultur in Berlin (und anderswo) und möchten nicht, dass sie durch die Beteiligung und Finanzierung seitens einer illegalen kolonialistischen Organisation beschmutzt wird. (oder höflicher: “dass durch …. ein Schatten auf sie fällt”?; aber das Kräftigere ist wohl gemeint) Wir würden uns darüber freuen, uns an der  Organisierung von Kulturveranstaltungen zu beteiligen und dabei mitzuhelfen, die die hebräische Sprache auf der Grundlage der Werte der Gleichberechtigung und des Respekts für alle Menschen und Völker feiern.

 Vorstand der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten 

 

 

Arabische Beduinen  protestieren gegen gewalttätige Vertreibungsplan im Negev

Ein Besuch am Sonntag bei mehreren israelischen Gesetzgebern in der Negevwüste im Süden Israels, traf auf Proteste, die von lokalen Bewohnern organisiert wurde, die gegen den israelischen Plan, nach dem sie zwangsweise vom Land ihrer Vorfahren vertreiben werden sollen. Dieser Plan, der dann der Prawerplan genannt worden  und  verwickelt ist in die zwangsweise Vertreibung von Tausenden palästinensischer Beduinen, die seit Hunderten von Jahren in der Negevleben.

Der Protest am Sonntag folgte den  Ausbrüchen der letzten Woche in der Knesset durch mehrere arabische Mitglieder der Knesset. MK Ahmed Tibi sagte: „ Ihr seid zu weit gegangen. Dieses Gesetz ist ein Kainsmal auf der Stirn er Knesset, und Scham auf der Stirne eines jeden  von Euch, der diese Gesetzvorlage unterstützt. Was wurdet ihr tun, wenn es einen Plan gebe, nachdem ihr aus euren: Häusern vertrieben worden wäret. Jede vernünftige Person schreit auf, protestiert, drückt ihre Wut  aus; er ist ärgerlich. Er reagiert auf die Aggression

Während des Sonntagprotests wurden vier Demonstranten von israelischen Polizeikräften verletzt,  die die gewaltfreie Demonstration angriff und zwei verhaftete. Die Abgeführten wurden als ein Beschäftigter des al- Mezan-Zentrums für Menschenrechte, der als Beobachter dort war; der andere war ein Bewohner des Beduinendorfes von Rafat, Yunis Moussa Abu Abed-

Das Knesset-Komitee, dessen Besuch den Protest nahe legte, wurde gebildet, um den Prawerplan zu erfüllen: Die Massenvertreibung der palästinensischen Beduinen vom Land ihrer Vorfahren. Während israelische Gesetzmacher behaupten, dass die gewaltsame Vertreibung notwendig war und dass  die Beduinen in Reservate gebracht würden, die von der israelischen Regierung  geschaffen worden seien. Die Vertreter der Beduinen wiesen darauf hin, dass ähnliche Reservate in der Vergangenheit von der isr. Regierung schon errichtet worden waren, aber vernachlässigt wurden und es würde in Inrastruktur und Regierungsunterstützung.

Ein solches Beduinenreservat wurde von der isr. Regierung nahe am Jerusalemer Müllplatz errichtet und Tausende Beduinen, die dorthin vertrieben wurden, beklagten sich, dass jede Einrichtung und Infrastruktur fehlt und dass es total vernachlässigt sei. Gleichzeitig ist Land von vertriebenen Beduinenfamilien von der israelischen Regierung zur Entwicklung eines Luftwaffentrainingsortes und für  andere Regierungseinrichtungen genommen worden.

40 000 palästinensische Beduinen  sind  nach dem  von der Knesset akzeptierten  Prawerplan vorgesehen, gewaltsam vertrieben werden  - man wartet nur noch auf die Erfüllung, .

 (dt. Ellen Rohlfs         Imemc: Staff, 25,11,13

Netanjahu zerstört Kerrys Friedensprozess – und den Staat Israel

 

Kerrya Friedens-Neustart gründete sich auf die Lüge, dass Netanyahu eine Zwei-Staaten-Lösung sucht;  sein schmerzliches Scheitern einzige bedeutet, dass die Palästinenser zurückschlagen werden; das ist nur eine Sache der Zeit - Henry Siegman, 1,11,13

Keiner, der mit Außenminister John Kerrys vielen Dienstjahren für die Nation bekannt ist, würde es wagen, seine Intelligenz oder  sein diplomatisches Geschick zu unterschätzen. Doch keiner, der den Israel-Palästina-Konflikt kennt und das Scheitern von Verhandlungen nach einem halben Jahrhundert, um nichts anderes als Israels Maßnahmen zu produzieren, die  beabsichtigen nicht rückgängig zu machende Fakten vor Ort zu schaffen, um ein Zwei-Staaten-Ergebnis  zu verhindern.  Keiner kann  glauben, dass der Friedensprozess, den Kerry managt,  um  allen Widrigkeiten zum Trotz Erfolg zu haben.

Der Grund zum Scheitern ist vorbestimmt und schmerzlich offensichtlich, falls nicht anerkannt. Die vorige Friedensinitiative scheiterte nicht, weil der israelisch-palästinensische Konflikt  einzig und allein  die Lösung ablehnt. Sie misslangen, weil das vordringliche strategische Ziel des Ministerpräsidenten B.N. und der meisten vorausgegangenen israelischen Staatshäupter weiter die permanente Kontrolle des ganzen Palästina ist.

Da hat es Berichte gegeben, dass Mitglieder von Kerrys Team  Veränderungen in Netanjahus Haltung gegenüber  der auftauchenden Gefahr: Israels internationaler Isolierung und seinem Vermächtnis als Friedensmacher. Aber das ist die Höhe seines Wunschdenkens. Das einzige erstrebte „Vermächtnis“ kam von dem Mann, der gegen jede Friedensinitiative war und von seinem Vorgänger im Amt unterstützt wurde. Darin eingeschlossen waren die Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien und  Ministerpräsident Ariel Sharons Rückzug von den Siedlungen aus dem Gazastreifen. Man erinnert sich an ihn als den israelischen Führer, der Großisrael absichern wollte.

Warum würde Netanjahu  sonst jede Maßnahme zurückgewiesen haben, die von Kerry verlangt wurde, um den wieder aufgenommenen Friedensgesprächen zum Erfolg zu verhelfen, einschließlich  der Akzeptanz   von Israels international anerkannter Grenze  VON 1967 als Ausgangspunkt für diese Reden oder einem Einfrieren  von weiterem Siedlungsbau ?

Würde das nicht geholfen haben, die allgemeine israelische Unterstützung  für die Kursveränderung abzusichern, die er angeblich in Erwägung zieht. Statt sich mit der Realität von Netanjahus Opposition, dem palästinensischen Staat auseinander zu setzen, die wieder aufgenommenen Gespräche fortzuführen, die sich auf die Illusion gründen, dass Netanjahu sich  auf eine Zwei-Staaten-Lösung festgelegt hat und dass die US-Vermittlung nur nötig ist, um den Parteien zu helfen, Kompromisse zu machen und ihr gemeinsames Ziel zu erreichen. Nach Netanjahus wiederholt demonstrierter Absicht, das Siedlungsprojekt zu seinem beabsichtigten Abschluss  voranzutreiben, einschließlich seiner kürzlichen Ankündigung eines massiven neuen Bauens in Ost-Jerusalem und in der Westbank – so können Verhandlungen über permanente Statusprobleme nicht irrelevanter sein.

Während Kompromisse  über jeden einzelnen der permanenten Statuspunkte  erreicht werden können, kann es keine Kompromisse über Netanjahus lebenslange, nie zugelassene Festlegung geben: „ ein unabhängiger, lebensfähiger, souveräner“ palästinensischen Staat, nachdem schon in der Roadmap für Nahostfrieden. Das kann ganz gewiss nicht im Rahmen eines Friedensprozesses  geschehen, der sich auf die lüge gründet, dass er eine Zwei-Staatenlösung und auf die ( für innenpolitische Gründe nötige) Heuchelei , dass die US ihm glaubt.

Netanjahu hat seinen kürzlichen Forderungen hinzugefügt -  palästinensische territoriale Konzessionen und Sicherheitsvereinbarungen, was dem palästinensischen Staat jeglichen Anflug von Souveränität nehmen würde.  Eine neue Forderung, mit der kein palästinensischer Führer einverstanden wäre. Er besteht jetzt darauf, dass die Palästinenser nicht nur mit der   israelischen Kontrolle auf größeren Teilen der Westbank samt Jordangraben  einverstanden sind, sondern auch an allen palästinensischen Staatsgrenzen mit der Außenwelt, sondern dass die Palästinenser das zionistische Prinzip, dass Palästina die historische nationale Heimat des jüdischen Volkes sei.

Der durchschaubare Zweck dieser neuen Forderung  ist es, Netanjahu  die Möglichkeit zu geben, Ministerpräsident Mahmoud Abbas für sein Scheitern  der wieder aufgenommenen Gespräche zu blamieren, die Netanjahu so methodisch organisiert hat. Was nicht so selbstverständlich ist, ist  die Heuchelei seiner letzten Forderung. Denn wenn Palästinenser darauf eingingen, müsste Netanjahu   durch  Bestätigung der Legitimität  jener Teile der Westbank erwidern, die dem palästinensischen Staat als historische Heimat der palästinensischen Nation gehören.  Kein vorstellbarer Anlass könnte solch eine Bestätigung  aus Netanjahus Mund kommen.

Wenn wir schon von Heuchelei reden: Netanjahu  wendete sich in der letzten Woche an die jüdischen Gruppierungen  in Nordamerika:  wenn er aufstünde  und das palästinensische Recht bestätigen würde, ein Staat zu sein, dann würde Abbas aufstehen, um Ähnliches sagen: „Ich akzeptiere den jüdischen Staat.“ Ich habe Nachrichten für Netanjahu. Abbas würde gern aufstehen und dieses Statement abgeben, wenn er, wie Netanjahu auch, große Teile des Gebietes jenseits der international anerkannten Grenze seines Landes konfiszieren könne, um dort palästinensische Siedlungen zu bauen.

 

Israel wird zunehmend nicht mehr als eine Demokratie gesehen, sondern als eine anachronistische Ethnokracie, nicht viel anders als Serbien während des Krieges in Bosnien, dessen Politiker und Generäle mit Verehrung vom serbisch-orthodoxen Geistlichen begrüßt wurden, als sie von dem Blutbad  zurückkamen, das sie an der bosnisch-muslimischen Bevölkerung in Sarajewo und anderen Städten anrichteten.

Israels Öffentlichkeit scheint von einer werdenden Katastrophe  betäubt zu sein und sich töricht auf das große Militär des Landes zu verlassen, das  den  Palästinenser weit überlegen ist und so den Status quo bewahrt. Aber es ist nur eine Zeitfrage, bevor die Palästinenser sich  in einen Kampf begeben, um den Status quo zu verändern, einen, der zweifellos ein verlängertes Chaos und  Leiden für beide Bevölkerungen mit sich bringt

Aber am Ende, nachdem ihnen  ein jämmerlicher kleiner eigener Staat verweigert wird, werden  die Palästinenser ihren eigenen Staat haben und er wird ganz Palästina umfassen. Denn in diesen Tagen und Zeitalter wird der Staat Israel, der als Demokratie angefangen hat, doch nun sich in eine  Ethnokracie verwandelt hat … kann  sich  in seiner  Bevölkerung nicht  durchsetzen, die auf ihrer Würde  und ihren Rechten besteht.

Wie traurig , dass ein Volk, das in der Zahl  unverhältnismäßig  viele Nobelpreisträger hat, nicht die einfache Wahrheit begreift.

Henry Siegman ist der Präsident des US-Nahost-Projektes … Universität London…

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Daniel Barenboim
 Gideon Levy

Letzte Woche hat Daniel  Barenboim  mein Herz im Sturm erobert. Ihm war vom Weizmann-Institut für Wissenschaften der Ehrendoktor verliehen worden. Als sein Gast hat er mich dazu eingeladen, obwohl wir uns vorher nie begegnet waren. Ich hörte aufmerksam seiner Rede zu, und später redeten wir noch bis spät in die Nacht. Die Gebäude des Instituts waren dunkel, der Maestro nahm zwei Zigarren nach draußen und vier Stühle – für meinen Partner und mich und für seine Frau und sich selbst. Wir saßen stundenlang auf dem Rasen vor  dem Gästehaus des Instituts. Wir sprachen über Israel, mein Land, das in tiefen Sinn auch sein Land ist. Er war direkt vom Flughafen gekommen und mit der Morgendämmerung fuhr er wieder nach Berlin zurück.  Er ist einer der eindrucksvollsten Persönlichkeiten, der ich je begegnet bin.

Die Feier war festlich, das Essen war ausgezeichnet. Die Honoratioren trugen ihre  Baretts und Gewänder und die Sänger sangen Lieder von Shlomo Artzi und Meir Ariel. Einer nach dem anderen der Honoratioren, sieben Professoren und Philantropen hielten ihre Reden. Sie priesen das Weizmann-Institut  und den Staat Israel – und dann erhob sich der Maestro.

Der Schritt von der verfolgten Minderheit  zum Staat ist eine eindrucksvolle Errungenschaft, sagte er. Er verlangt die Schaffung eines neuen jüdischen Portraits, aber Israel fand sich bald in der Situation, eine andere verfolgte Minderheit zu beherrschen. Sein Versagen, die Realität zu akzeptieren, war sein verhängnisvoller Fehler. Es machte aus Opfern  Schuldige, sagte er . Der Raum voll Konservativer gab keinen Mucks von sich, obgleich einige  in  ihren Sitzen hin und her rutschen.

Er fuhr fort: der Konflikt wird behandelt, als ob er Kompromisse erfordere- „Aber der Unsrige  ist weder ein politischer noch ein militärischer Konflikt, sondern eher ein menschlicher Konflikt zwischen zwei Völkern, die beide ernsthaft glauben, dass sie das Recht haben, dasselbe Stück Land haben. Wenn meine Beobachtung richtig ist, hat es keinen Sinn nach einem Kompromiss zu schauen – was für uns nötig ist,  ist die Fähigkeit zu entwickeln, das Recht des anderen zu verstehen und zu akzeptieren. Wir können  nebeneinander mit einer zwei-Staatenlösung oder zusammen in einem bi-nationalen Staat leben, aber wir können gewiss nicht Rücken gegen Rücken leben.“

Er schloss damit, es sei fragwürdig, ob eine Zwei-Staatenlösung  eine Möglichkeit bleibt.“  Die Frau des Institutspräsidenten wurde wütend. Ausgezeichnet mit hohen Posten – im Augenblick der Direktor der Scala-Oper in Mailand und der Berliner Oper  - widmet dieser Mann einen guten Teil seiner Zeit und Energie dem Projekt seines Lebens, dem West-östlichen Divan-Orchester. Errichtet von Barenboim und seinem Freund, dem verstorbenen Edward Said, dem größten palästinensischen Intellektuellen, besteht das Orchester aus jungen Musikern aus Israel und arabischen Ländern, die zusammen auftreten.  Trotz all seines Ruhmes versäumt er keine Gelegenheit mutig auszusprechen, was er denkt – während seine Kollegen schweigen. Er kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen wie die andern, aber er schweigt nicht.

In Argentinien geboren und ein Schüler der A.d. Gordon- und Tichon Hadash-Schulen in Tel Aviv ging Barenboim als junger Mann in die Welt hinaus, trennte sich aber nie von Israel und seinem Patriotismus. Wenn ein israelischer Athlet bei einem anonymen Wettbewerb gewinnt, dann ehrt er Israel; selbst der dritte Platz bei den Welt Pokermeisterspielen in Las Vegas bringt uns Ehre – dann bringt uns erst recht dieser Mann wirkliche Ehre nach Israel.

Er kämpft darum, dass Wagner in Israel aufgeführt wird, für unser Leben hier, dass es  nicht auf Traumatas gegründet wird ( und wurde zu einer persona non grata vom Knesset-Bildungskomitee erklärt) und bei einem Protest gegen den Militarismus, weigerte er sich, von einem Soldaten in Uniform  vom Armee-Radio interviewt zu werden . Ein Bürger der Welt mit einem israelischen und einem palästinensischen Pass kämpft er darum, dass sich das nah-weite Land in ein gerechteren Platz verwandelt.  Er erscheint mit unserer Philharmonie- aber nur in Israel – er boykottiert nicht. Aber er ist nicht bereit,  die Welt in die Irre zu führen. Ein Palästinenser in Ramallah sagte ihm einmal: „Sie sind der erste Israeli, dem ich nicht als Soldat oder als Panzer begegne.“

In meinem Traum sah ich, wie er zum Präsidenten von Israel ausgerufen wird, eine Persönlichkeit, die Israel und die Welt faszinieren würde, ähnlich wie es Albert Einstein einmal tat. Aber dann wachte ich auf und  sah wie die Kultur- und Sportministerin Limor Livnat  ihn im Korridor der Knesset  beschimpfen sah und zwar bei der Preisverleihungsfeier der Wolf-Stiftung.

(dt. Ellen Rohlfs)

„Der BH ist eine Sicherheitsbedrohung“: Schikane und Verhör am Ben Gurion-Flughafen
 

Anonym, 13. Oktober 2013  (aus Sicherheitsgründen anonym veröffentlicht)  - Ben Gurion-Flughafen - Anonym ist 21 Jahre alt und lebt in Berkeley, Kalifornien. Ihr Vater ist ein jordanischer Palästinenser und ihre Mutter eine britische Jüdin. Die folgende Reise fand im September 2013 statt.

Ich nahm einen tiefen Atemzug und sah mich um. Meistens beobachtete ich die anderen Menschen, die mit mir in der Schlange standen. Während die meisten durch den Gepäckscanner und geradewegs zu ihren Ticketschaltern gingen, wurden andere Passagiere, die, so wie ich, einen gelben Aufkleber auf ihrem Gepäck hatten,  erst nach einer 10 – 15-minütigen Gepäckkontrolle, bei der nur ein oder zwei der Gepäckstücke durchsucht wurden, durchgelassen. Ich war die einzige Person, die an den Kontrolltischen zurückgeblieben war. Der dünne, kahlköpfige Mann im Anzug kam wieder auf mich zu.

„Was hast du in deinen Taschen?“, fragte er mich. „Meinen Pass, mein Visum und mein Handy“, sagte ich ihm.

„Schön“, sagte er, „sie wird dich zur Sicherheitspolizei begleiten.“ Er deutete auf eine junge Blondine.

Ich nahm mein Gepäck. „Nein, nein, das bleibt hier. Du gehst mit ihr.“

„Wer passt auf meine Gepäckstücke auf?“, fragte ich ihn. „Sie werden hier sein. Geh mit ihr.“

Die blonde Frau und ich gingen durch den Flughafen.

„Wie alt bist du?“, fragte sie mich. „21“, sagte ich, „und Sie?“

„23“, sagte sie.

Wir blieben vor einer großen weißen Türe stehen. Sie zog ihre Ausweiskarte durch und gab einen Code ein. Die Tür öffnete sich und ich trat in einen weißen Raum mit einem Gepäckröntgengerät und einem weißen Tisch, der aussah wie ein Zahnarztstuhl. Vorhänge hingen in der rechten Ecke daneben. Sie wies auf diese Ecke mit einem mit Schaumstoff gepolsterten Stuhl mit Metallfüßen.

„Setz dich dorthin“, sagte sie. Ich setzte mich.

Ein junger Mann erschien, er trug ein Holzfällerhemd, Jeans und ein Paar weiße Adidas.  Mit Sicherheit ein verdeckter Ermittler. Er schlich auf der anderen Seite des Vorhanges herum, den die junge Blondine teilweise zuzog. „Stell dich hin und strecke die Arme seitlich aus“, gestikulierte sie. Ich beobachtete, wie die weißen Sneakers des Mannes auf der anderen Seite des Vorhangs stoppten, und sich ihm zuwandten. Ich zog meine Schuhe aus, mein Handy wurde in eine graue Wanne gelegt. Ich sah zu meinem Pass und meinem Visum auf dem Regal vor mir. Sie tastete mich generell ab, zog dann meinen Hosenbund weit vom Körper weg und tastete mich rundherum an der Stelle zwischen meiner Unterwäsche und der, wo der Gürtel gesessen hätte, falls ich einen getragen hätte, ab. Sie atmete erleichtert auf und sagte mir, ich sei fertig und solle mich setzen. Jemand anderes kam durch die weiße Tür auf der anderen Seite des Vorhanges und begann, mit dem Sicherheitsbeamten in Zivil zu lachen. Anhand der Stimme und der schwarzen Schuhe unter dem Vorhang konnte ich erkennen, dass es sich um eine Frau handelte.  Die junge blonde Frau ging mit meinen Schuhen und meinem Handy in der grauen Wanne fort. Ich beäugte wieder meinen Pass auf dem Vorsprung vor mir und steckte ihn in meine Tasche.

„Sind deine Taschen leer?“ Eine andere blonde Frau kam durch den Spalt zwischen den Vorhängen, der verdeckte Ermittler ging zu dem Tisch gegenüber von dem Spalt und sah hinein. Ich nahm meinen Pass wieder heraus und hielt ihn in meinen Händen. „Ja!“

Sie hatte große runde Augen und schien älter zu sein als die erste blonde Frau, die mein Gepäck kontrolliert hatte, vielleicht zwischen 26 – 29 Jahre alt. Ihr Haar war gewellt und hing schlaff. Mein Handy piepte schon wieder, wahrscheinlich meine Familie, die anrief, um zu überprüfen, weshalb ich sie nicht über die Situation am Flughafen auf dem Laufenden gehalten hatte, so, wie wir es vereinbart hatten.

Das vermutete ich zu der Zeit. Es war vielleicht so ca. 6:45 Uhr. Ich war in dem privaten Sicherheitsraum gut eine Viertelstunde. „Ich bin der Leiter der Sicherheitssektors hier und habe einige Fragen an dich“, sagte sie. Sie befragte mich erneut nach dem Grund meiner Reise, worauf ich die gleiche generische Antwort gab,  die Sehenswürdigkeiten des Heiligen Landes, Besuch bei Freunden und der Familie.

„Bei wem hast du gewohnt?“ Ich gab einige Namen an. „Und die Adressen?“ Ich gab die Adresse eines Freundes in Jerusalem an, bei dem ich einige Zeit verbracht hatte. Sie fragte mich detailliert über die Bewohner der Wohnung aus und darüber, wie gut ich sie gekannt hätte. Sie fragte mich, warum ich dort geblieben wäre und wie ich mit den Menschen, die ich aufgezählt hatte, befreundet sein könnte. Alle hatten jüdische Namen.

„Wir sind es eben“, sagte ich zu ihr. Sie starrte ausdruckslos. „Ok...“, sagte sie zögernd.

 Ich sagte nichts, sah ihr nur geradewegs ins Gesicht. „Und wer  hat diese Reise bezahlt?“, fragte sie. Ihr Ton war feindlich und ihre Körpersprache zeigte, wie gereizt sie war, als sie über mir stand und auf mich auf dem Stuhl heruntersah. „Meine Mutter.“

„Weshalb?“

„Damit ich die Sehenswürdigkeiten besichtigen und Freunde und Familie besuchen konnte“, antwortete ich.

„Jetzt fliegst du nach London.“

„Ja, das stimmt.“

„Weshalb?“

„Um Angehörige zu besuchen.“

„Du besuchst wohl immer Angehörige“, kommentierte sie ironisch, mit leichtem Zähneknirschen, „warum eigentlich?“

„Weil es so ist. Haben Sie noch weitere Fragen?“, fragte ich rundheraus.

„Was machst du?“

„Was ich mache?“

„Ja, in den USA oder wo auch immer du lebst, was machst du da?

 

„Ich arbeite. Ich habe vor kurzem das Kollege abgeschlossen.“ Sie fragte nach Einzelheiten, was ich studiere und wo ich arbeite. Ich antwortete mit einem Wort.

„Was sind deine Familiennamen?“, fragte sie wieder.

„T(palästinensisch) und N (jüdisch).“

„N (jüdisch)?“

„Und dein anderer Name ist T (palästinensisch)?“

„Ja, das stimmt.“

„Dein Vater wurde wo geboren?“

„In Jordanien.“

Sie wiederholte meinen Namen. „Das ist mein Name.“ Sie zögerte, war irritiert.

„Du sagtest einem anderen Sicherheitsbeamten, du seiest Jüdin, aber in Wirklichkeit bist du nur eine Palästinenserin.“

„Ich bin beides“, sagte ich ihr.

„Was meinst du mit beides?“

„Ich bin Jüdin und Palästinenserin. Meine Mutter ist Jüdin, mein Vater ist Palästinenser, soll ich Ihnen nochmals meine Familiennamen sagen?“

Der verdeckte Ermittler saß immer noch auf dem Tisch und wippte mit seinen Beinen. Sein Gesicht verzog sich.

„So, wenn du beides bist, wo ist deine Familie hier in Israel?“

„In Jaffa und in Tel Aviv“, sagte ich ihr. Sie war frustriert. „Aber zu wem... fährst du denn in England?“

„Meine Mutter wurde in England geboren, deshalb fahre ich nach England und wen ich dort treffe, tut nichts zur Sache. Haben Sie noch weitere Fragen?“, fragte ich sie.

Das war der erste emotionale Ausbruch, den sie bei mir entfacht hatte und, obwohl es nur ein leichter war, besann ich mich, mich zu beruhigen. Ich wollte nicht mehr Energie als eben nötig bei diesem Procedere verschwenden. Mein Ziel ist es, dieses zu beenden und zu gehen. „Beende das Procedere und geh“, redete ich mir selbst ein.

Sie zögerte. „Ok, hat man dir gesagt, du solltest irgendetwas ins Flugzeug mitnehmen?“

„ Ich bringe nur mich selbst mit und mein Gepäck“.

„Ja, aber hat man dir gesagt, dass du irgendetwas mitbringen sollst?“

„Ich verstehe die Frage nicht“

„Wurde dir gesagt, du solltest irgendetwas, du weißt schon, ins Flugzeug mitnehmen?“

„Ich verstehe die Frage noch immer nicht. Ich versuche gerade, für diesen Flug einzuchecken, um Israel zu verlassen und hoffe, mich selbst und mein Gepäck an Bord zu bringen.“

„Aber gibt es noch jemand anderen?“

„Nein? Ich bin alleine.“ Sie drehte sich um, um zu gehen.

„Entschuldige, wie heißen Sie?“, fragte ich sie. „Mein Name?“ Der Sicherheitsbeamte grinste.

 „Ja, Ihr Name.“

 Sie tauschte mit dem Sicherheitsbeamten Blicke aus. Er grinste. Sie lachte. „ Wozu brauchst du meinen Namen?“

„Meinen Namen kennen Sie, also möchte ich auch Ihren kennen.“

„Er lautet, Hilda.“

„Hilda - und weiter?“

„Hilda Ma...“ Sie murmelte den Rest. „Wie war Ihr Familienname bitte?

„Ich werde ihn später für dich buchstabieren. Ok?“

„Ja, danke.“ Sie stieß den Vorhang beiseite.

Von meinem Platz aus konnte ich den Sicherheitsbeamten deutlich beobachten, der einige Worte mit Hilda wechselte, beide lachten. Er hob seine Augenbrauen und deutete auf mich, seine Artikulierung sagte: „Ist das zu fassen? Wer glaubt sie wohl, wer sie ist?“

Hilda imitierte mich und sie lachten wieder. Sie verschwand dann auf die andere Seite des Raumes, wo ich sie aus den Augen verlor. Der Sicherheitsbeamte beobachtete, wie sie mit der jungen blonden Frau sprach, die dann wieder in dem durch die Vorhänge abgetrennten Teil erschien. Sie zog die Vorhänge hinter sich enger zusammen. Die weißen Schuhe standen auf der anderen Seite des Vorhangs, auf ihn gerichtet. Sie gab mir ein Zeichen, aufzustehen und hielt meine Hände von meinem Körper fern.

„ Kontrollieren Sie mich nochmals?“, fragte ich. „Ja“, sagte sie.

Sie scannte mich mit einem Metalldetektor, indem Sie genau meine Brust beobachtete, wo mein BH den Detektor piepen ließ (was routinemäßig beim Abtasten mit einem Metalldetektor geschieht, wie jeder, der einen BH trägt, berichten kann). Sie hob meine Sweat-Hosenbeine hoch und tastete meine Waden ab.

„Was ist in deinem Haar?“, fragte sie und deutete auf den Haardutt auf meinem Kopf.

„Nichts, es ist nur ein Haarbefestigung“, sagte ich. „Ok, kannst du es bitte abnehmen“, sagte sie.

Sie zog mein Haar herunter und fuhr durch meine Locken. „Du hast viele Haare“, sagte sie zu mir.

Ich steckte es zurück in den Haardutt und sagte nichts. Dann verschwand sie durch die Öffnung in den Vorhängen.  Der Mann ging durch die Vorhangöffnung und drehte sich wieder um, um mich zu beobachteten. Ich setzte mich und sah ihn an. Seine Füße wippten und seine Augen verspotteten mich.

Die junge Blondine kam zurück mit dem selben Testgerät, mit dem sie an diesem Morgen zuvor mein Gepäck kontrolliert hatte. „OK, steh wieder auf“, sagte sie mir.

„Was ist das?“, fragte ich sie. Sie sah mich verlegen an. „Das wird um deine Brust und dein Unterteil herumgehen.“

„Mein Unterteil?“

„Um deine Taille und ja um das auch“, sagte sie. „Zu welchem Zweck?“

„Zum Abtasten und dann in das Gerät zu scannen... nur die Oberfläche“ sagte sie mir.

Ich unterdrückte ein Schaudern, da ich fühlte, dass mir die Kontrolle langsam aus den Händen glitt. Niemand anders war in dem Raum, nur wir vier, Hilda, die junge Blondine, der junge verdeckte Ermittler und ich selbst.

Hilda rief den Sicherheitsbeamten in die rechte Ecke des Raumes. Ich sah seine weißen Adidas sich  hin- und herbewegen, als er auf die andere Seite des Vorhangs huschte. Die junge Blondine klemmte das Flachkopfgerät unter mein Shirt und dann um meinen BH herum. Dann zog sie meine Sweathose weit weg vom Körper und kreiste mit dem Gerät um meine Taille.

„Kannst du deine Unterhose etwas hinunterziehen, bitte?“, fragte sie mich. Das war das erste Mal, dass sie „bitte“ gesagt hatte und man konnte meinen, dass es ihr peinlich war. Ich starrte auf den Spalt in dem Vorhang und zog meine Unterhose hinunter. Ich blickte ihr ins Gesicht. Ihre Haut war feucht. Die Frau strich mit dem Gerät wieder um meinen Körper herum und sagte mir dann, ich solle meinen Fuß hochheben. Sie kontrollierte meine Fußsohlen. Ich hörte mein Telefon zweimal  in seinem grauen Behälter irgendwo rechts von mir, am weißen „Zahnarzt“-Stuhl neben Hilda und dem Sicherheitsbeamten, piepen. Die junge Blondine vermied den Augenkontakt mit mir und ging zur die Tür hinaus.

30 Sekunden später erschien Hilda wieder und rauschte durch den geöffneten Vorhang. Der Sicherheitsbeamte erschien wieder mit ihr und stellte sich zu meiner Linken an den Vorhang.

„Ok, jetzt muss ich deine Unterwäsche ausziehen.“

„Wie bitte?“

„Ja, das Gerät hat ein Problem mit deinem Hemd und deiner Unterhose signalisiert, deshalb musst du sie ausziehen.“

Der Sicherheitsbeamte starrte auf mich herab. Seine Augen verspotteten mich. „Sie wollen, dass ich meine Unterwäsche ausziehe, um was dann damit zu tun?“

„Wir werden sie scannen und danach wirst du andere Sachen anziehen müssen.“

„Andere?  Ich habe nur die, die ich anhabe.“

Auf Aufruf rollte die junge Blondine meinen roten Koffer in den Raum und zog ihn in den Vorhangsbereich.

„Was hat das Gerät ganz genau entdeckt?“, presste ich heraus. „Ich kann dir das nicht sagen. Du musst einfach nur deine Unterhose und dein Shirt ausziehen.“

„Und danach wollen Sie, dass ich sie wieder anziehe?“

 „Nein, du musst sie mit deinem Gepäck einchecken und etwas anderes anziehen.“

 „Aber ich will nichts anderes anziehen. Meine andere Kleidung ist schmutzig.“

 „Du musst etwas anderes anziehen. Der BH ist ein Sicherheitsrisiko.“

 „Mein BH ist ein Sicherheitsrisiko?“

 „Ja, genau wie dein Shirt.“

 Mein Kopf brummte, da meine Emotionen stärker wurden. Ich sah zu dem Sicherheitsbeamten und er grinste hämisch zurück. „Das ist deine Bestrafung, weil du Hildas Namen wissen wolltest“, sagte ich zu mir selbst.

 Das junge blonde Mädchen sah zu mir mit meinem Koffer in der Hand, überraschenderweise mit  bekümmerter Miene. Ihr Ausdruck war schuldbewusst. Erst später fiel mir ein, dass die Zeitspanne zwischen der Kontrolle und Hildas Entscheidung, meine Unterwäsche sei ein Sicherheitsrisiko, nur durchschnittlich 30 Sekunden betragen hatte, und dass dies höchstwahrscheinlich eine zu kurze Zeit war, um am Ende des Tests den Überzug zu überprüfen und auch zu kurz, als dass Hilda und die junge Blondine über den nächsten Ablauf des Geschehens und die organisierte Rückholung meines Koffers aus dem Terminal kommunizieren konnten. 

Ich öffnete meinen Koffer und klappte ihn auf. Im Innern herrschte Chaos von dem ersten Durchwühlen und ich hatte keine Ahnung, wo was war. Ich beruhigte mich, atmete tief ein und besann mich, dass dies alles ein Machtspiel war, damit ich mich unbehaglich und fremd fühlen sollte. Ich fischte einen anderen BH aus meinem Gepäck und nahm das erste Shirt, das ich finden konnte, aber da hielt Hilda mich auf. „Warum trägst du nicht einfach das, was du hast?“ sagte sie.

„Sie sagten, ich müsse meine Unterwäsche wechseln“, antwortete ich.

 „Nein, du kannst das sein lassen . Ich brauche nur deinen BH und dein Shirt“, herrschte sie mich an.

Ich faltete beides über meinem Arm. „Gib sie mir“, verlangte Hilda. „Ich muss die Sachen scannen, bevor du sie anziehst.“ Ich händigte sie ihr aus, wobei der Sicherheitsbeamte uns beobachtete. Sie verschwand, ich weiß nicht mehr, was sie tat. Ich war damit beschäftigt, die junge blonde Frau zu beobachten, der man ihr Unbehagen ansah. Hilda händigte mir meinen BH und das Shirt aus. Ich starrte auf den Sicherheitsbeamten. Hilda fing meinen Blick auf, „jetzt musst du deine Kleidung wechseln. Niemand wird dich sehen.“ Sie ging fort und zog die Vorhänge hinter sich zu.

Zum ersten Mal, seitdem ich den Flughafen betreten hatte, war ich alleine. Ich beobachtete die weißen Schuhe des Beamten, die auf den Vorhang gerichtet waren. (….) und steckte meinen Pass in meine Tasche. Ich zog meine Sachen aus und ersetzte sie durch die aus meinem Gepäck. Ich ging zu meinem Gepäck und wollte Sachen wieder falten, als Hilda die Vorhänge zurückzog.

„Nein, pack sie nicht ein, ich muss sie kontrollieren!“, herrschte sie mich an.

„Sie haben sie bereits kontrolliert. Deshalb führen wir dieses Procedere durch, richtig?“

„Ich werde sie nochmals kontrollieren.“

Ich reichte sie ihr direkt am Körper des Sicherheitsbeamten vorbei. Er war sehr nahe an Hilda und mich herangerückt. Als ich Hilda meine Kleidung überreicht habe, starrte er auf den BH in meiner Hand und dann wieder auf mich. Ich stand dort. Ich nahm einen tiefen Atemzug. Meine Augen forderten ihn heraus, ein Wort zu sagen. Er tat es nicht, sondern starrte mich nur an.

Die junge Blondine rief mich zurück auf die andere Seite der Vorhänge und schloss sie hinter mir. Mein gesamter Körper zitterte vor Wut. Sie tastete meinen Körper zum zweiten Male mit einem Metalldetektor ab. Die junge Frau tastete erneut mein Top wieder ab. Meine Kehle war zugeschnürt und ich konnte fühlen, wie Tränen der Wut in meinem Innern hochkamen. Ich schluckte meine Gefühle herunter. Ich verbarg sie. In eben diesem Moment dachte ich an mein Ziel und an den sturen Charakter, für den meine Familie bekannt war. Ich schloss einen Pakt mit mir selbst, nicht emotional zu antworten, was sie erzwingen wollten. Ich würde meine Würde durch sie nicht gefährden lassen. „Fokussiere“, sagte ich mir. „Fokussiere einfach.“

Hilda brachte mein Shirt und meinen BH zurück, wo auch immer sie diese (Sachen) mit hingenommen hatte und packte sie in meinen chaotischen Koffer. Als Hilda und der Sicherheitsbeamte zusammen scherzten und lachten, kam die junge Blondine auf mich zu. „Das gehört alles zum Protokoll, weißt du“, flüsterte sie neben mir.

„Oh, tatsächlich? Das bedeutet Protokoll?“ sagte ich langsam. Ich sah ihr in die Augen und sie senkte den Blick. Ich hoffte, dass sie sich wegen dieses Procedere schämte, sich schämte wegen dieser Handlungen, die als „angemessen“ erachtet worden waren, und realisierte, dass sie ein Opfer bei alledem war, aber dennoch nicht weniger schuldig war, da sie die Politik einer rassistischen und extremistischen Gruppe ausübte, deren Ziel das ist, worauf diese ganze Erfahrung basierte .

Das Ende des Procedere kam plötzlich. Die gesamte Sache war eigentlich unwirklich. Hilda verließ mit einer raschen Bewegung den Raum. Die Tür knallte hinter ihr zu. Der Sicherheitsbeamte behielt mich im Auge mit der jungen Blondine an meiner Seite. Ich schloss mein Gepäck, stellte es hin.

„Du kannst deine Schuhe anziehen“, sagte die junge Blondine.

„Ich sah mich um. „Ok, kann ich bitte meine Schuhe haben?“

„Oh ja!“ Sie brachte mir den grauen Behälter mit meinem Handy und den Schuhen und ich schlüpfte hinein.

Das Mädel deutete in Richtung Tür und wir gingen hindurch, der verdeckte Ermittler verschwand in dem Gang hinter uns. Ich habe ihn nicht wiedergesehen.

Das Mädel und ich gingen gemeinsam alleine zurück. „Weißt du...“, begann sie, „ ich arbeite hier seit 1,5 Jahren und habe niemals erlebt, dass sie so etwas getan haben.“

„So etwas getan haben, wie was?“, fragte ich. Sie sah mich an mit einer Falte auf ihrer Stirn, „jemandem den BH ausgezogen haben...“

„Ich hoffe, das war das letzte Mal“, sagte ich zu ihr. Sie sah nach vorne zu dem Terminal. Wir hörten auf zu sprechen.

Wir betraten wieder den großen Raum, wo mein Gepäck zuerst kontrolliert worden war, die Außentüren aus Glas glänzten im hellen Sonnenlicht. Nun war es Morgen. Ich lächelte innerlich, dass ich das Procedere beendet hatte. „Ich werde jetzt Israel verlassen“, dachte ich. Meine Augen gewöhnten sich an das Licht in dem Terminal, wo ich deutlich ca. 6 – 8 Sicherheitsbeamte in dem gesamten Inhalt meiner beiden Handgepäckstücke, die nun auf dem Boden herumlagen, wühlen sah. Sachen in den grauen Behältern und außerhalb der Behälter, Sachen auf dem Förderband und quer über alle Tische - meine Sachen waren absolut überall verstreut. Es war ein Chaos.

Ich erschien vor den Tischen, in meine Sachen gehüllt, als die Hand mit den Plastikhandschuhen den Durchsuchungsprozess fortsetzte. Alles war getrennt und hat einzeln den kleinen Metalldetektor hinter mir durchlaufen.

Ein strenger, glatzköpfiger, rothaariger Mann mit einer schwarzen Kippah stand dort. Er trug auf einer Seite einen Ohrring. Er hatte seine Arme verschränkt und an der Art und Weise, wie der magere glatzköpfige Mann neben ihm stand, und wie alle Sicherheitsbeamten unter seinem taxierenden Blick das Einchecken ausübten, konnte ich erkennen, dass er der Chef dieser besonderen Operation war. Hilda war gänzlich verschwunden. Sie war nirgends in Sicht. Ich sagte nichts zu dem Gepäck. Ich atmete nur tief ein. „Entschuldigung, rief ich dem mageren glatzköpfigen Mann zu, „wie war der Name der Frau, die mich in dem Sicherheitsraum kontrolliert hat?“ Der Mann schaute mich an, „meinen Sie Hilda?“

„Ja, Hilda“, antwortete ich.

Der Mann mit der Kippah richtete seinen Blick auf mich. „Wie ist ihr voller Name?“, fragte ich.

Der glatzköpfige Mann öffnete seinen Mund, um zu antworten, aber zuerst richtete er seine Aufmerksamkeit auf seinen Chef. „Wir geben keine Nachnamen“, versicherte der Mann mit der Kippah. „Das bezweifele ich“, dachte ich in meinem Innern.

„Ok, welchen Titel trägt sie denn dann, bitte?“

„Hilda, Sicherheitschef.“ Eine Frau mit einem Manuskripthalter erschien zwischen uns und fragte den mageren Mann, wer ich sei. Er zeigte auf meinen Namen auf einer kurzen Liste, den sie dann gelb und pink markierte. Der magere Mann schaute mich an, „Sie werden fliegen.“

Eine junge Frau winkte mich in ihre Box. Ich war die nächste. Sie öffnete meinen Pass und starrte auf die Seite hinunter. Sie stotterte meinen Vornamen „Ja?“

„Ra... Ra...“ Ich spreche den restlichen Namen für sie aus. „Was war der Grund deines Besuches?“ Ich gab ihr die gleiche monotone Antwort, die ich den ganzen Morgen geäußert hatte.

„Du hast Freunde und Familie hier?“, fragte sie. „Ja.“

„Ok, wo leben diese?“

„In Tel Aviv und Jaffa“, sagte ich. Sie zögerte und zog ihre Augenbrauen hoch. „Das ist ein und derselbe Ort.“

„Nein, nein, ich sagte in Tel Aviv und in Jaffa“, sagte ich zu ihr, da ich dachte, sie hätte mich nicht richtig verstanden. „Doch, das ist ein und derselbe Ort.“ Was sie da unterstellte, traf mich zutiefst.

Den ganzen Morgen war ich misshandelt worden, aus der Menge herausgepickt und unter die Lupe genommen, verhört und sukzessive ohne zu zögern meiner Würde und meiner Zeit vollkommen beraubt worden. Man hatte mich wie eine Kriminelle behandelt und das nur, weil ich eine Identität besitze, in die ich hineingeboren wurde, und man hat mir mit jedem Handeln klar gemacht, dass ich nicht hierher gehöre und dass hier für einen Menschen mit einem palästinensischem Kulturerbe, wie mich, kein Platz vorhanden sei. Ich wurde schikaniert und aus der Menschenmenge herausgepickt nur wegen meines Namens, meiner Geschichte, aufgrund von Unterstellungen, die damit einhergehen, und wegen meiner wahren Absicht, meine Angehörigen zu besuchen, von denen viele mich in den USA nicht besuchen können.

Hier wurde mir von einem fast gleichaltrigen Mädel in Uniform gesagt, dass meine Stadt gegenwärtig nicht existiert, obwohl ich sie erst Stunden zuvor, bevor ich am Flughafen angekommen war, verlassen hatte. Das gesamte Geschehen von diesem Morgen staute sich in diesem Augenblick wie eine glühende Kohle in meinem Magen zusammen. Es war symbolisch eine ständige Erinnerung daran, dass wir Palästinenser systematisch vergessen und in jeglicher Lebensphase aus dem öffentlichen Bewusstsein gerissen werden und jede unserer Wurzeln delegitimiert wird, die wir innerhalb und außerhalb des israelischen Staates haben.

Tel Aviv, das zum Teil auf zwei markanten Vierteln meiner Stadt und viel von dem restlichen Teil auf Orangenhainen erbaut wurde, die diese beheimatet haben, war im Begriff, mich meines bloßes Daseins zu berauben, genau da, mitten auf dem Flugplatz. Ich realisierte, dass ich für dieses Mädel bereits zu einem ausgelöschten Teil der „Geschichte“ angehörte, aus ihrem generellen Bewusstsein ausgeschlossen, noch nicht einmal in ihrer eigenen Vorstellung der Vergangenheit präsent.

Doch hier stand sie, sah mich direkt an. Ich wollte ihr im übertragenen Sinn über ihren Glaskasten hinaus zeigen, dass ich kein Schatten von Dingen war, die waren, sondern ein Schimmer der Gegenwart und Zukunft dessen, was ist und was sein kann.

„Es ist nicht ein und derselbe Ort“, sage ich zu ihr, „der eine liegt im Norden und der andere im Süden. Einer ist eine Stadt und der andere eine Großstadt.“

„Nein, Du warst an nur einem Ort. Der Name der Stadt ist Tel Aviv-Jaffo. Nicht Jaffa. Ein und derselbe Ort.“ Sie gab mir meinen Pass zurück und starrte mich verärgert an.

„Es ist nicht ein und derselbe Ort“, sagte ich ihr. „Ist das alles?“

„Ja, gehen Sie!“

Ich eilte durch die Endkontrolle zu meinem Gate in den Lounge-Bereich des Flughafens. Ich entschied, dass dieses Flugzeug nicht ohne mich abfliegen würde, von Anfang an war die Fluglinie über meine gewährleistete Verspätung informiert worden. Ich blieb bei einem Süßwaren- und Snack-Laden auf meinem Weg zum Gate stehen und wählte eine Flasche Wasser aus. Ich brachte sie  der Frau am Schalter. „Pass und Boarding-Ticket bitte“, sagte sie zu mir. Ich händigte ihr beides aus. Sie suchte mich in dem Computer, der vor ihr stand. Ihre Augen fixierten mich. „Wie lange waren Sie in Israel und was ist Ihr Endziel?“ Ich konnte es nicht glauben. Mir wurden Sicherheitsfragen von einer Süßwarenverkäuferin gestellt.

„Entschuldigen Sie, aber ich wurde bereits kontrolliert. Wie viel kosten diese Tick-Tacks bitte?“ Ich  griff nach der Dose, die in meiner Nähe lag. Sie nannte mir die Gesamtsumme und ich bezahlte. Sie stellte keine weiteren Fragen. Ich nahm mein Boarding-Ticket vom Schalter. Als ich mich umdrehte, bemerkte ich zwei Männer in Zivil mit Kahlköpfen, die mich von ihren Sitzen beim Springbrunnen aus beobachteten. Sie hatten kein Gepäck. Ich ahnte, wer sie waren.  Ich schob mich an ihnen vorbei und ging rasch zu meinem Gate. Ich küsste die Halskette, die ich um den Hals trug, als Zeichen der Dankbarkeit und ich wußte, ich werde wiederkommen. Ich wußte auch, dass das nicht leicht sein wird. Das ist es nie.

Ich hoffe, dass dieser Bericht eines Tages zu einem Ammenmärchen von dem wird, was einst die Besetzung war, mit all ihrem tyrannischen Charakter und der permanenten Beibehaltung von Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Täuschung.

Vorerst ist die oben beschriebene Erfahrung nur ein kleines Beispiel für die Demütigungen und täglichen Herausforderungen, mit denen die Palästinenser ständig konfrontiert sind, wenn sie versuchen, Kontrollstellen (Checkpoints) innerhalb und außerhalb der Westbank und Gaza zu überqueren. Es ist nur ein kleines Beispiel für das rassistische Profiling (Erstellung eines Täterprofils), dem Palästinenser mit Pässen oder Jerusalem-ID-Ausweisen regelmäßig ausgesetzt sind, wenn sie die Straße hinuntergehen oder sich um einen Job bewerben. Es ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie die Besetzung die palästinensische Bevölkerung in verschiedene Status und Privilegien teilt, wohingegen sie uns alle gemeinsam als essentialisierende Einheit zusammenfasst. Es ist ein Beispiel für eine Situation, wo die Unterdrückung bestimmter Menschengruppen von der internationalen Gemeinschaft vollkommen normalisiert wurde.

Wenn wir irgendwo damit beginnen, diese Besetzung abzubauen, im wahrsten Sinne, sie zu zerlegen, können wir damit beginnen, uns und unsere Gemeinden weiterzubilden. Ich flehe diejenigen, die dies lesen, an, sich über die Geschichte Palästinas, über kürzliche Zwischenfälle vor Ort  zu informieren und mit so vielen Menschen, wie nur möglich, darüber zu sprechen, neugierig zu sein und Fragen zu stellen, auf Präsentationen der Militärmacht zu achten und die Motive der Regierungen, die diese unterstützen, zu hinterfragen.

Bei alledem, bedenken Sie bitte, dass es kein historisches Problem ist -  es ist ein menschliches.

Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde.

 Mondoweiss is a news website devoted to covering American foreign policy in the Middle East, chiefly from a progressive Jewish perspective.(Mondoweiss ist eine neue Website, die sich der amerikanischen Politik im Nahen Osten hauptsächlich aus einer fortschrittlichen jüdischen Perspektive widmet.) www.mondoweiss.net

(übersetzt vom Englischen ins Deutsche  Inga Gelsdorf)

 

 

 

Start | oben

Mail           Impressum           Haftungsausschluss                Honestly Concerned  + Netzwerk        The "best" of  H. M. Broder            Erhard  arendt art